Warcraft 3 Frozen Throne Test (PC)
(von Garry Leusch und Rene Grafe)

Eine kleine Ewigkeit wird es noch dauern, bis das heiß erwartete »World of WarCraft« - ein Preview finden Sie auf Seite 101 dieser Ausgabe - in den Läden stehen wird. Da kommt »The Frozen Throne« gerade recht. Zumal den Blizzard-Entwicklern das wohl

beste Add-On aller Zeiten gelungen ist.

Wir erinnern uns: Die »Warcraft 3«-Basisversion endete mit einem Sieg der Nachtelfen über den Dämon Archimonde. Vertrieben wurden auch die brennende Legion, jene Feuerwesen, die vom Himmel fielen.

WarCraft 3: The Frozen Throne - Cutszene: Eine Symphonie aus Frost und Flamme15 weitere Videos

Am Baum des Lebens wurde die entscheidende Schlacht geschlagen, aber was aus dem Oberbösewicht Prinz Arthas wurde, erfuhren wir nicht. Der einst stolze Prinz hat bekanntlich die Seiten gewechselt und darf sich nun zu den Untoten zählen. Die Gier nach der Macht des Schwertes Frostmourne hat ihn zerfressen und zerstört. Er hat seinen Vater ermordet und verschwandt schließlich. Wohin?

Die Saga geht weiter
Natürlich wird das Geheimnis in »The Frozen Throne« gelüftet. Bis es aber soweit ist, heißt es zuerst einmal weitere Abenteuer auf Seiten der Nachtelfen zu bestehen, den Menschen und ihrem Blutmagier Khael´Thalas zu helfen.

Dabei greift eine weitere Rasse ins Geschehen ein: die Naga. Einst stolze Nachtelfen, sind sie nun auf alle Zeiten verflucht und fristeten jahrtausendelang ein Dasein unter Wasser in alten Ruinen. Illidan, der Verräter aus dem ersten Teil, hat dafür gesorgt, dass die Naga auferstanden sind und er kämpft mit ihnen nun Seite an Seite gegen...ja gegen wen eigentlich?

Das herauszufinden ist die Aufgabe des Spielers. Und was passiert, wenn die Untoten-Plage wieder ins Spiel eingreift? Was führt Arthas im Schilde? Kommt es gar zu einem Zweikampf zwischen Illidan und Arthas um den »Frozen Throne« auf dem so genannten Dach der Welt? Man kann schon erkennen, der Geschichte um den »Frozen Throne« zu folgen, ist nicht ganz einfach, denn die Handlung wechselt hin und her. Mal spielt man auf der Seite der Guten und gerade wenn man sich mit den neuen Helden identifiziert hat, heißt es: Seite wechseln.

Dann muss man Gräueltaten unterstützen, sowie für reichlich Verwirrung beim Gegner sorgen. Wer ist wirklich gut, wer ist wirklich böse?

Eine spannende Story, die den Spieler nie loslässt, aber auch besondere Aufmerksamkeit erfordert ... Das ist »The Frozen Throne« im Singleplayer-Modus. Wir möchten hier nicht zuviel vorwegnehmen, die Lösung sollen Sie sich schon selbst erspielen.
Aber es darf und muss erwähnt werden, dass Blizzard mit diesem Add-On nahtlos an die Tradition vergangener Strategiespiele anknüpft und für ein überraschendes Finale sorgt.

Übrigens, dieses Ende ist besonders interessant, denn das kommende Online-Rollenspiel »World of WarCraft« soll an das Add-On zu »Warcraft 3« anknüpfen.

Neue Helden, neue Items
Was hat der kalifornische Hersteller nicht alles in dieses Add-On gepackt. Neue Features, Spells und Skills erschlagen uns förmlich und wir begreifen schnell, dass das Spiel besonders im Multiplayer-Bereich erheblich komplexer geworden sein muss.

Fangen wir mit den neuen Helden an, die enorme Abwechslung in das eigentliche Spielgeschehen bringen. Jede der vier Rassen hat einen neuen Einzelkämpfer spendiert bekommen, außerdem gibt es pro Rasse zwei neue Einheitentypen mit eigenen Zaubersprüchen und eigenen Upgrades.Auch eine Vielzahl an Items hat den Weg in neu geschaffene Shops gefunden. Zudem wollen neue Söldnertypen angeheuert werden und man darf nun auch die Meere erobern. Jede der Rassen hat einen Transporter sowie ein Kriegsschiff erhalten und darf nun auch heiße Seeschlachten schlagen. Die herkömmliche Reiseart via Goblin-Zeppelin ist aber natürlich weiterhin möglich.

Unveränderte Grafik
Die niedliche Grafik-Engine im Comic-Stil hat weiterhin Bestand. Das hört man bei Blizzard zwar gar nicht gerne, aber die Tatsache, dass die Jungs aus Amerika ein wenig auf Manga und Anime stehen, lässt sich nicht verleugnen.

Warum sonst hat ein Panda-Braumeister den Weg ins Spiel gefunden? Noch dazu ein Panda, der mit Vorliebe erhöhte Mengen Alkohol verkonsumiert? Blizzard war und ist bekannt für etwas skurrilen Humor, aber solange das ins Spielgeschehen passt, ist dagegen nichts einzuwenden. Schließlich soll das Spiel ja Spaß machen, oder?An der Grafik hat sich technisch sonst nichts getan, man setzt auf die bewährte 3D-Engine, die zwar hohen Detailreichtum zeigen kann, aber sicherlich keine Revolution darstellt. Das ist auch nicht nötig, das Auge verliert sich nur allzu gerne in knuffigen Animationen und liebevollen Zeichnungen.

Sound und Lokalisation sind top!
Die deutsche Version glänzt mit guter Übersetzung, bekannten Stimmen und einigen netten Sprüchen - klicken Sie doch mal öfter auf eine beliebige Einheit ...

Es gibt neue Musik in den Battle.net-Chats, ja im Hintergrund schneit es sogar (wofür der Tester des Spieles eigentlich sehr dankbar war, bei derzeit 37 Grad im Büro) und auf den einzelnen Menüs liegt eine dünne Schneeschicht.

Sehr gute neue, aber auch bekannte Sound-Files erhöhen den Wiedererkennungswert, man erinnert sich einfach an voriges Jahr, als »Warcraft 3 Classic« das Licht der Welt erblickte.

Der Multiplayer-Part
Die Beta-Tester des Add-Ons hatten mehrere Monate lang die Gelegenheit, das Spiel auch im Battle.net zu testen, der Mehrspieler-Plattform von Blizzard, welche seit Jahren wegweisend ist.

Ohne Umschweife kann festgehalten werden, dass die Balance der vier Rassen - trotz der zahlreichen Änderungen an wirklich jeder einzelnen Einheit - erhalten geblieben ist.

Blizzard und natürlich den vielen Beta-Testern ist es zu verdanken, dass der Spaßfaktor gegen menschliche Mitspieler weiter in neue Dimensionen verstößt.

Ein Herz für Gilden
Die Vielzahl von neuen Möglichkeiten lässt andere Strategien zu, die Spiele werden so interessanter. Und durch die neuen Battle.net-Features kommen die Gildenspieler endlich in den Genuss, die bereits mehrfach angekündigte Gilden- und Clan-Unterstützung zu nutzen.Gilden-Mitglieder können nun ihre Spielgemeinschaft gründen und erhalten damit einen eigenen Clan-Channel.

Außerdem wird das Kürzel der Gilde automatisch jedem Mitgliedsnamen hinzugefügt und in der internen Gilden-Rangliste kann verglichen werden, wer der beste »Warcraft 3«-Spieler ist.

Voraussetzung für eine Gilden-Gründung ist allerdings die Anwesenheit von mindestens zehn Mitgliedern, denn Blizzard möchte die Bildung von zu kleinen Gruppen verhindern. Die altbekannten Ladder-Spiele (die offizielle Rangliste) sind nun noch komfortabler zu starten, ein Schnellstart-Icon gestattet den sofortigen Einstieg in ein Wertungsspiel mit den persönlichen Einstellungen.

Auch die freien Spiele sind einfacher zu handhaben, ein Filter sorgt für den nötigen Durchblick.Die Qualität und die Auswahl dieser so genannten Custom-Games ist in den letzten Monaten derart angestiegen, dass hier getrost von Hunderten von Spielen im eigentlich Spiel gesprochen werden kann. Ein willkommener Bonus, der jetzt noch ausgeweitet wird.

Hervorragende KI
Sind keine menschlichen Gegner vorhanden, so kann auch die KI überzeugen. Diese wurde mit neuen Strategien ausgestattet und verblüfft so mit wechselnden Taktiken. Trainingsspiele gegen die CPU werden jetzt zu einer echten Herausforderung.

Oftmals wird sich der Spieler im Gefecht wünschen, das neu hinzugekommene Handicap bei der KI anders eingestellt zu haben. Mit diesem Handicap lassen sich die Lebenspunkte der Einheiten in Schritten von zehn Prozent reduzieren.

Ein Resümee zu ziehen fiel selten so leicht, denn »Frozen Throne« überzeugt sowohl im Einzel- als auch im Mehrspieler-Modus. Wer »Warcraft 3« mochte und mag, der wird das Add-On lieben.

Die Schlachten gegen menschliche Gegner sind auch bei Echtzeitstrategie-Spielen das Salz in der Suppe und Blizzard untermauert mit dem aufgebohrten Battle.net seine Vormachtstellung.

Die Motivation, immer wieder neue Strategien gegen die Urlaubsbekanntschaft aus Fernost oder den Unbekannten aus dem alten Europa auszuprobieren, lässt auch nach 100 Spielen nicht nach.

Der Spielspaß stimmt, dieses Add-On ist der Tipp für alle Strategen, die eine hohe Adrenalinausschüttung vertragen können.