War on Terror (PC Review)
von Sebastian Weidner

Was ist Terror? Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Begriff unbekannter als Tokio Hotel im letzten Jahr. Mittlerweile sieht das freilich völlig anders aus.

Terroristische Anschläge sind in der westlichen Welt zur Gefahr Nummer Eins avanciert, noch vor größenwahnsinnigen Diktatoren und holländischen Fußball-Fans, die keine WM-Karten bekommen.

Schenkt man "War on Terror" Glauben, ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht. Für uns Grund genug, dem Treiben zumindest virtuell ein Ende zu bereiten und die Welt wieder ein Stückchen sicherer zu gestalten. Willkommen zu unserem Test des opulenten 3D-Taktik-Strategiespiels.

Gefährliches Dreier-Gespann
Drei Kampagnen lang liefert ihr euch in War on Terror packende Echtzeitschlachten. Dabei schlagt ihr euch auf die Seiten dreier Parteien. Die World Forces, kurz WOFOR, sind eine Art Nachfolgeorganisation der UNO und stellen eine Kooperation zahlreicher Länder dar, darunter Deutschland, England, die USA und Frankreich.

Dank großer Finanzstärke verfügen die Jungs über die fortschrittlichsten Waffen und Technologien. Modernste Panzer, Kampf-Helikopter und schwer gepanzerte Infanterie vereinen sich zu einer tödlichen Mischung aus Präzision und Feuerkraft.

War on Terror - Für euch haben wir Terrorzellen ausgehoben und uns durch technische Unzulänglichkeiten gekämpft!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 39/421/42
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Orden, ein geheimnisumwittertes Terror-Netzwerk, agiert primär aus dem Geheimen heraus. Deren veraltete Truppen sind meist schwach gepanzert, richten dank schneller Guerilla-Schläge aber in kürzester Zeit verheerende Schäden beim Feind an. Letzte Partei im Bunde ist die Volksrepublik China. Gegen die schwer gepanzerten und kräftig austeilenden WOFOR-Einheiten sehen die Panzer und Raketenfahrzeuge der Chinesen zwar wenig Land. Doch gleichen sie das mit einer zahlenmäßigen Überlegenheit locker aus. Die Story der Marke "Nieder mit dem Terror" gestaltet sich vielschichtiger als anfangs gedacht und überrascht mit einigen Irrungen und Wirrungen.

War on Terror - Für euch haben wir Terrorzellen ausgehoben und uns durch technische Unzulänglichkeiten gekämpft!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 39/421/42
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Erzählstruktur kommt allerdings nicht an Genregrößen wie Command & Conquer heran. Die Zwischensequenzen in Spielgrafik sind größtenteils eher langweilig. Zusätzliche, dröge vorgetragene Rückblenden im Geschichtsbuchstil vermitteln nur wenig Spannung.

Bekanntes neu inszeniert
Die Spielmechanik von War on Terror orientiert sich an der Ground Control-Serie und den Quasi-Vorgängern Desert Rats vs. Afrika Korps und D-Day. So baut ihr keine Stützpunkte auf, sondern erobert Kontrollpunkte, die euer Punktekonto erhöhen. Damit kauft ihr Nachschub. Doch aufgepasst: Die Ressourcen sind knapp bemessen.

Wer nicht auf seine Truppen aufpasst und diese sinnlos verheizt, ist schneller Geschichte als der ehemalige SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck. Zusätzlich aufbessern könnt ihr eure Kriegskasse durch die Erfüllung spezieller Bonusmissionen wie die Aushebung kleinerer Terrorzellen. Überhaupt sind die Missionen der große Pluspunkt von War on Terror. Die meisten der 24 Einsätze sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Mal müssen Geiseln befreit werden. Ein andermal sollen wir spezielle Gebäude in die Luft sprengen oder uns bis zum Eintreffen von Verstärkung gegen immer neue Gegnerhorden verteidigen.

Alleskönner
Dass Einheiten in Strategiespielen Spezialfertigkeiten haben, ist Gang und Gebe. Die Anzahl der Fähigkeiten in War on Terror stellt aber alle bisher dagewesenen Titel locker in den Schatten. Wir haben zwar nicht nachgezählt, glauben den Entwicklern die angegebene Zahl von 70 Sonderfertigkeiten aber gerne.Da wäre zum Beispiel das temporär ausführbare Upgrade "Motor verbessern", das diverse Geländefahrzeuge schneller macht. Oder wie wäre es mit der Kampfdroge "Raserei", die die Angriffstärke von Infanterie 30 Sekunden lang erhöht? Euch dürstet es nach einem größeren Kawummfaktor? Dann lasst eure Pioniere ganze Gebiete verminen und freut euch über das Feuerwerk, wenn feindliche Panzer anrollen! Zu diesen aktiv ausführbaren Fähigkeiten gesellen sich passive Verbesserungen.

Der Chemiker des Ordens versprüht gerne tödliche Viren, ist selbst aber gegen alle chemischen Kampfstoffe immun. Der Doktor der WAFOR wiederum heilt automatisch alle Einheiten in Sichtweite.

Diverse andere Bodentruppen bewegen sich dank "Tarnung" fast unsichtbar durch die Szenerie und werden nur aus nächster Entfernung entdeckt. Ideal zum Erkunden!

War on Terror - Für euch haben wir Terrorzellen ausgehoben und uns durch technische Unzulänglichkeiten gekämpft!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 39/421/42
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nachteil der unzähligen Spezialfertigkeiten: Sobald ihr mehr als fünf unterschiedliche Einheiten kontrolliert, fällt die Koordination der vielen Fähigkeiten sehr schwer. Dazu trägt auch das völlig überdimensionierte Interface bei, das fast die Hälfte des Bildschirms bedeckt.

Mehr Frust als Lust
War on Terror hätte das Potential zu einem tollen Echtzeit-Taktikspiel, wären da nicht eine völlig missratene Wegfindung und die mäßige künstliche Intelligenz der Einheiten. Schickt ihr eure Einheiten über größere Distanzen, so könnt ihr sicher sein, dass nur ein Bruchteil ankommt.Die anderen Teile findet ihr quer über die Karte verstreut. Also bleibt euch nichts anderes übrig, als Babysitter zu spielen und die Truppen meterweise vorrücken zu lassen. Das zehrt gleichermaßen an Nerven und Spielspaß! Fast noch schlimmer ist die KI. Denn in War on Terror steht das "I" im Kürzel nicht etwa für Intelligenz, sondern für Ignoranz. So reagieren Einheiten auf Beschuss oftmals gar nicht. Scharfschützen dezimieren Feinde aus der Distanz gleich dutzendweise, ohne dass diese auch nur einen Finger krumm machen. Passt ihr nicht auf, wird eure halbe Armee aufgerieben, während ihr gerade auf der Karte umher scrollt. Etwas versöhnlicher stimmt die Grafik. Gleißende Explosionen illuminieren den Bildschirm, Raketenschweife zischen wirklichkeitsgetreu durch die Luft und detaillierte Panzer rattern über das Schlachtfeld. Optisch fährt War on Terror also wahrlich schwere Geschütze auf. Doch was nützt die schönste Grafik, wenn wichtige Gameplay-Mechanismen wie KI und Wegfindung nur bedingt funktionieren?

Ganz klar: War on Terror fehlen einige Wochen zusätzliche Entwicklungszeit. Der parallel zum Release veröffentlichte Patch hat die Probleme nicht im Geringsten beseitigt. Hoffen wir, dass die Programmierer nachsitzen und weitere Updates nachliefern. Bis das nicht passiert ist, empfehlen wir euch den Titel nur, wenn ihr eine große Frustgrenze habt.Die anderen Teile findet ihr quer über die Karte verstreut. Also bleibt euch nichts anderes übrig, als Babysitter zu spielen und die Truppen meterweise vorrücken zu lassen. Das zehrt gleichermaßen an Nerven und Spielspaß! Fast noch schlimmer ist die KI. Denn in War on Terror steht das "I" im Kürzel nicht etwa für Intelligenz, sondern für Ignoranz. So reagieren Einheiten auf Beschuss oftmals gar nicht. Scharfschützen dezimieren Feinde aus der Distanz gleich dutzendweise, ohne dass diese auch nur einen Finger krumm machen. Passt ihr nicht auf, wird eure halbe Armee aufgerieben, während ihr gerade auf der Karte umher scrollt. Etwas versöhnlicher stimmt die Grafik. Gleißende Explosionen illuminieren den Bildschirm, Raketenschweife zischen wirklichkeitsgetreu durch die Luft und detaillierte Panzer rattern über das Schlachtfeld. Optisch fährt War on Terror also wahrlich schwere Geschütze auf. Doch was nützt die schönste Grafik, wenn wichtige Gameplay-Mechanismen wie KI und Wegfindung nur bedingt funktionieren?

Ganz klar: War on Terror fehlen einige Wochen zusätzliche Entwicklungszeit. Der parallel zum Release veröffentlichte Patch hat die Probleme nicht im Geringsten beseitigt. Hoffen wir, dass die Programmierer nachsitzen und weitere Updates nachliefern. Bis das nicht passiert ist, empfehlen wir euch den Titel nur, wenn ihr eine große Frustgrenze habt.