Moment, Fatshark? Fatshark?! Die hatten wir doch gerade erst! Das ist das schwedische Studio, das erst kürzlich den Dungeon-Crawler Krater... nun, ich will nicht „verbrochen hat“ sagen, aber eine echte Alternative hab ich auch nicht parat.

War of the Roses - Announcement Trailer4 weitere Videos

Nun legen sie mit „War of the Roses“ einen historischen Multiplayer-Actiontitel vor, zu dem mich Chef Matthias mit den Worten „Ist ein bisschen wie Mount & Blade“ überredet hat. Natürlich wusste ich, dass das ein Trick ist, denn Mount & Blade ist ziemlich einzigartig und Matthias ziemlich hinterhältig. Doch gelogen, das muss man ihm lassen, hat er nicht.

War of the Roses - Rosen sind rot, deine Flecken sind blau...

alle Bilderstrecken
Ein bisschen wie Mount & Blade - sieht man doch, oder?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 19/231/23

Denn die Beta-Version, die ich die letzten Tage spielen durfte, erinnert spielmechanisch tatsächlich an die rabiaten Schlachten aus Taleworlds Mittelalter-Simulator. Während der Rosenkriege des 15. Jahrhunderts kämpften die englischen Adelshäuser York und Lancaster um die Krone, hier nun kann man selbst zum Schwert, zur Armbrust oder dem Langbogen greifen und in Third-Person-Perspektive ordentlich Stahl klirren lassen.

Das ganze Geklimper funktioniert wie ein traditioneller klassenbasierter bzw. anpassbarer Shooter, allerdings mit weniger Wummen und mehr Hacken und Hauen. Steht uns anfänglich nur der normale Fußsoldat mit Schild und Schwert zur Verfügung, schalten wir schon bald danach mit erbeuteten Erfahrungspunkten Armbrust- und Bogenschützen frei, dann noch den schwer gepanzerten Ritter, der einen Zweihänder führt.

Richtig los geht es aber eigentlich erst danach, denn dann erhält man die Möglichkeit, sich aus den verfügbaren Waffen, Boni und Fähigkeiten selbst einen feudalen Raufbold zusammenzuklöppeln. Die Bauteile kauft man über erspieltes Gold und kann dann mit Perks und dergleichen mehr eine wesentlich individuellere Spielerfahrung erschaffen. Es ist etwas eigenartig, warum man anfangs durch so einen blöden Reifen springen muss, jedenfalls wird man später dafür entlohnt.

Packshot zu War of the RosesWar of the RosesErschienen für PC

Wie bei seinen Shooterkollegen, Battlefield lässt grüßen, steigt man mit seiner gewählten Klasse über wählbare Spawnpunkte auf üppig dimensionierten Maps ein, orientiert sich danach kurz Richtung Schlachtgetümmel, dann geht es los mit der Action. Diese fällt, je nach Charakterklasse, sehr unterschiedlich aus.

War of the Roses - Rosen sind rot, deine Flecken sind blau...

alle Bilderstrecken
Spielerisch ließ sich War of the Roses von Multiplayer-Shootern inspirieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder

Während zum Beispiel die Armbrust mächtige Panzerungen durchschlagen kann und die Bolzen schön weit und verhältnismäßig gerade fliegen, muss sie nach jedem Schuss langwierig nachgeladen werden. Der Bogenschütze ist fast das genaue Gegenteil: Man muss viel Höhe kompensieren, kann dafür aber deutlich schneller schießen. War of the Roses ist allerdings nicht gerade ein zügiges Arcade-Game, also erwartet keinen Pfeilhagel, es bleibt alles in einem halbwegs realistischen Rahmen.

Frohe Kunde: Nur noch ein bisschen Arbeit, dann machen die Rosenkriege richtig was her.Ausblick lesen

Vor allem im Nahkampf wird zudem offenbar, dass Fatshark nicht einfach stumpfes Geklicke liefern wollen. Im Gegenteil ist Kontrolle das A und O im Scharmützel, denn jeder Angriff will wohlüberlegt und gezielt ausgeführt sein. Ähnlich wie schon im angesprochenen Mount & Blade kontrolliere ich durch einen Klick und eine anschließende Bewegung der Maus, aus welcher Richtung der Schlag erfolgt. Hinzu kommt allerdings, dass der Schlag nur dann seine volle Stärke erreicht, wenn ich nach dem Ausholen kurz warte, dann erst zuschlage.

Tandaradei!

Das alles nimmt dem Spiel etwas Geschwindigkeit, sorgt aber für Wucht in der Action. Überhaupt ist der Anspruch, etwas mehr zu liefern als bloßes Geschlachte. Ein Schütze kann beim Nachladen ein Minispiel absolvieren, um etwas schneller zurück ins Geschehen zu gelangen.

Ein Soldat kann seinen Schild als improvisierte Schlagwaffe benutzen. Blutende Wunden kann man langwierig verbinden. Zu Boden geschlagene Gegner müssen exekutiert und können aber wiederbelebt werden, was in der Hitze des Gefechtes sowohl von Freund als auch Feind eine schnelle taktische Überlegung fordert: Habe ich genug zeitlichen Spielraum, um solch ein Manöver zu wagen? Und natürlich ändert sich die Dynamik nochmals merklich, wenn man erst einmal ein Pferd hat – oder eben eine Pike, um das Pferd aufzuhalten.

War of the Roses - Rosen sind rot, deine Flecken sind blau...

alle Bilderstrecken
Pfeilhagel im Anschlag.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 19/231/23

War of the Roses ist also nicht dumm, wenn auch simpel. Es weiß, wo seine Stärken liegen, nämlich in der individuellen Erfahrung der einzelnen Spielarten und dem harten Alltag des Kanonenfutters vor dem Zeitalter der Kanonen. Wird man zum Beispiel von einem Gegner umgemäht, der sich dann zur Exekution entschließt, sieht man aus der Ego-Perspektive, wie der Widersacher sein Schwert zieht, es in den Brustkorb rammt, umdreht, dann wird alles schwarz. Hart.

In seiner jetzigen Inkarnation ist War of the Roses bereits auf einem guten Weg, allerdings nicht frei von Fehlern. Am auffälligsten und dringlichsten sind Fragen des Balancings, die bereinigt werden müssen. Noch bis vor kurzem hatten beispielsweise Äxte und Stangenwaffen eine eingebaute Betäubung, wenn sie trafen – man konnte fast nichts machen, während man zu Brei gekloppt wurde. Das war viel zu mächtig, also wurde es entfernt, steckt aber dank einiger Bugs teils immer noch im Spiel.

Warum soll ich mit meinem Schild zuschlagen, wenn mein Opfer sich von dem Schlag schneller erholt als ich? Wenn es eine Skillkombination gibt, die jeden Armbrustschuss tödlich macht, warum sollte jemand eine andere Skillung verwenden? Es gibt momentan sehr viele Unausgewogenheiten, die die Palette an Möglichkeiten, nutzbaren Waffen usf. empfindlich einschränken. Es ist schwer genug, sich an gewisse Eigenheiten des Kampfsystems heranzutasten, stellt man dann aber fest, dass man sowieso benachteiligt ist, nimmt das die Lust.

Neben diesen Problemen, gelegentlich auftretenden Bugs und nicht ganz durchdachten Elementen (es gibt Nachtkarten, die so dunkel sind, dass man permanent mit Scheppern gegen Bäume rennt) fällt momentan vor allem negativ auf, dass War of the Roses zu spärlich bestückt ist.

Die Handvoll Karten beispielweise, auf der gespielt wird, ist gut gemacht: offen, groß, versehen mit dem üblichen feudalen „Wälder-und-Hütten“-Kitsch. Doch bereits nach ein paar Stunden hat man alles gesehen und stellt auch fest, dass taktischer Tiefgang die Stärke des Map-Designs nicht ist. Wie wäre es mit mehr verwinkelten Gassen? Ist nicht historisch, macht dafür aber Spaß.

War of the Roses - Rosen sind rot, deine Flecken sind blau...

alle Bilderstrecken
Wenn die Entwickler noch ein wenig Feinschliff betreiben, erwartet uns hier ein feines Spielchen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder

Auch damit, dass sie spielerisch momentan nur den üblichen Brei aus „Team Deathmatch“ und „Erobern und halten“ anbieten, tun sich Fatshark keinen Gefallen. War of the Roses hat eine gute Beta gezeigt, und wie alle guten Beta-Versionen muss hier noch etwas passieren, damit das finale Spiel vollends rockt.

Die Grundlage stimmt, die Action, der klassenbasierte Ansatz, das Ambiente. Wenn einige Ecken und Kanten noch abgeschliffen werden, werden sich die Hobby-Mediävisten darum reißen, einem der beiden Häuser zum Sieg verhalfen zu dürfen.