Wenn die amerikanischen Streitkräfte an die Küste von Omaha Beach branden, die Franzosen sich in Carentan verschanzen und schwere Panzerketten über die schneebedeckten Hügel Russlands brettern, weiß der erfahrene Historiker: hier kann es sich nur um ein Spiel im zweiten Weltkrieg handeln. Spult also auch „War Leaders“ wieder nur die üblichen WWII-Muster herunter?

Wir wollten’s genauer wissen und sind in der Berliner Zentrale des Publishers The Games Company eingefallen, um einen Blick auf die lang verschollene Taktik-Hoffnung zu werfen – schließlich hätte der Titel bereits 2005 erscheinen sollen. Doch unser Besuch bestätigt: Was lange währt, wird endlich gut.

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Krieg den frischen Settings

Mensch, ein Computerspiel im zweiten Weltkrieg. Wenn das mal nicht innovativ ist. Aber halt, genug der Vorurteile. „War Leaders: Clash of Nations“ schickt nicht einfach nur einen Haufen Panzer in die Schlacht und stellt zum x-ten Mal die Landung in der Normandie nach. Die spanischen Entwickler Enigma Software setzen vielmehr auf taktisch anspruchsvolle Gefechte und fordernde Strategieelemente mit Civilization-Einschlag. Doch der Reihe nach...

Zu Beginn der umfangreichen Kampagne wählt ihr zunächst aus einer von sieben Parteien euren Favoriten aus, mit dem ihr die Geschicke der Welt lenken wollt. Die Fraktionen orientieren sich dabei historisch korrekt an den realen Kriegsparteien: Ob mit Deutschland, Japan oder Italien – jede der Großmächte kann gesteuert und zum Sieg geführt werden. War Leaders bietet somit die bisher umfassendste Darstellung des 2. Weltkrieges.

War Leaders - Clash of Nations - Frischer Wind dank Genremix - oder versinken die War Leader im Schützengraben?

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Den Gegner fest im Blick: Batman im zweiten Weltkrieg.
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Wer möchte, passt vor Spielbeginn noch den Grad der historischen Genauigkeit an. Auf niedrigster Stufe dürft ihr euch frei austoben und die realen Bedingungen fröhlich ignorieren. So könnten etwa Deutschland und die Briten gemeinsam in die Schlacht ziehen, wenn ihr das entsprechende Friedensabkommen schließt. Bei maximaler Genauigkeit hingegen sind die Bündnisse vorgegeben, Kriegsbeginn ist dann der 1. September 1939.

Total War mit Panzern

Erfreulich: Das Spielgeschehen beschränkt sich nicht auf einen kleinen Teil der Weltkarte, sondern erstreckt sich über den gesamten Globus. Insgesamt könnt ihr so die Kontrolle über bis zu 175 Territorien erlangen – von den eisigen Steppen der russischen Tundra bis zu den staubigen Wüsten Afrikas. Grafisch präsentiert sich dies als schicke 3D-Weltkarte im Risiko-Look.

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Schau mir in die Augen, Kleines: Auch Winston Churchill ist mit von der Partie.
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Wie im berühmten Brettspiel oder der legendären Total-War-Serie verschiebt ihr hier rundenbasiert Einheiten in strategisch wichtige Gebiete, ordert neue Truppenverbände oder befehligt den Angriff auf angrenzende Ländereien eurer Gegner. Natürlich kommandiert ihr keine riesigen Wusel-Bataillone über die strategische Karte: Ein Soldat dient lediglich als Platzhalter für ein mehrere hundert Mann starkes Regiment,

An dieser Stelle kommen die namensgebenden War Leader ins Spiel. Diese großen Anführer stellen das Herzstück eurer Armee dar: Schaltet man sie aus (auf Seiten der Russen etwa Genosse Stalin), bedeutet das automatisch den Sieg. Außerdem kämpfen auf jeder Seite berühmte Generäle wie Patton oder Rommel, die euren Truppen zusätzliche Boni verleihen oder besonders effektive Formationen ermöglichen.

Sid Meier’s War Leaders?

Wo sich hier der Spielraum vieler Strategietitel bereits erschöpft, geht War Leaders noch einen Schritt weiter und gibt einen ordentlichen Schuss Civilization in die Taktik-Suppe. Will heißen: In jedem Gebiet errichtet ihr verschiedenste Gebäude zur Forschung oder Ressourcensammlung, rekrutiert in Kasernen neuen Soldatennachschub oder erbaut Häfen, in denen ihr eine schlagkräftige U-Boot-Regatta zusammenstellt,

Geschichte selbst gestalten: War Leaders bietet das Rundum-Wohlfühl-Paket für Hobby-Strategen.Ausblick lesen

Weitaus wichtiger sind jedoch die politischen Optionen: Per Diplomatie könnt ihr Bündnisse schließen oder Friedensverträge auflösen. Verhandlungsspezialisten dürfen mit sämtlichen Fraktionen wichtige Güter handeln, hinterhältige Spieler setzen hingegen auf die Macht der Spionage bzw. Sabotage. Um an die nötigen Mittel zur Kriegsführung zu gelangen müssen erfahrene Taktiker zudem immer ein Auge auf die Steuern werfen.

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Die Echtzeit-Gefechte bieten überaus ansehnliche Grafik.
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Besonders gewiefte Taktiker richten ihre Feldzüge vor allem danach aus, in welchem Gebiet man an extrem rare Rohstoffe gelangt. Schließlich darf man sich dank eifriger Wissenschaftler auch durch einen relativ komplexen Tech Tree forschen. Hat man die höchste Stufe erreicht und verfügt zudem über seltenes Uran, darf man den Gegner beispielsweise fortan mit Atombomben eindecken.

Auf in die Schlacht

Begegnen sich zwei Feindarmeen auf der strategischen Karte, wird’s brenzlig. Das Spiel wechselt nun in den Echtzeitmodus, der Total-War-Kennern ziemlich bekannt vorkommen dürfte. Bevor jedoch die Kriegsmaschinerie so richtig ins Rollen kommt, dürft ihr während einer Planungsphase sämtliche Einheiten platzieren, Verteidigungslinien bilden und die Truppen-Formationen an die Gegebenheiten anpassen.

Ist dies erledigt, kann die Schlacht beginnen. Trotz der gewohnten RTS-Steuerung im Stile eines C&C wird jedoch nicht kopflos drauf los geballert. Viel mehr erfordern die taktisch anspruchsvollen Gefechte viel Überlegung: Setze ich Spezialfähigkeiten (wie z.B. Luftschläge) ein? Verschanze ich kleine Truppenverbände in Gebäuden oder wage ich den Frontalangriff? Nutze ich die Rüstungs-Boni der unterschiedlichen Formationen?

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Den Gegner fest im Blick: Batman im zweiten Weltkrieg.
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Wer hemmungslos nach vorne prescht, dürfte den Krieg schneller verloren haben, als ihm lieb ist. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt auch die Truppenmoral: Ist der Feind etwa heillos überlegen, treten unsere Soldaten schon mal die Flucht an. Gut, dass die War Leader und Generäle den Einsatzwillen eurer Armee stärken – in größeren Gefechten sollte also immer ein hochrangiger Kommandant anwesend sein.

Grafisch sieht das durchweg ordentlich aus, besondere Würze bringen aber die schicken Wettereffekte sowie die dynamischen Tag-Nacht-Wechsel. Diese umschmeicheln nicht nur das Auge sondern machen auch spielerisch Sinn: Bei völliger Dunkelheit sinkt die Sichtweite unserer Einheiten, Regen und Nässe haben hingegen Auswirkungen auf die Geschwindigkeit von Panzern und Co.