Autor: Sebastian Weidner

Herzlich willkommen zu »War Front: Turning Point«, dem zweihundertneunundvierzigsten Echtzeitstrategiespiel im Zweiter Weltkrieg-Szenario innerhalb der letzten fünf Jahre. Halt, klickt uns nicht weg! Auch wenn auf den ersten Blick alles nach ermüdenden Taktikschlachten im interaktiven Historienschinken aussieht, so ist »War Front« doch mehr. Und zwar eine nicht ganz ernst gemeinte, actionreiche Persiflage auf den wohl nervigsten Strategie-Trend der letzten Jahre.

Falls ihr die »Command and Conquer«-Auskopplungen »Alarmstufe Rot« und »Alarmstufe Rot 2« kennt, wisst ihr sicher, was wir meinen. All diejenigen, die von den gerade genannten Titeln noch nichts gehört haben, müssen natürlich ebenfalls nicht verzagen - einfach gamona fragen!

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Typische WW2-Strategicals statten euch mit einer fest vorgegebenen Anzahl an historischen Einheiten aus, die ihr gegen zahlenmäßig weit überlegene Heerscharen zum Sieg führen müsst. Präsentiert wird das Ganze meist anhand trockener historischer Kontexte, derer sich auch die eigentlichen Missionen nur allzu gerne bedienen. Wie oft haben wir etwa schon die Normandie von deutschen Besatzern befreit?

War Front: Turning Point - Zweiter Weltkrieg - und trotzdem alles anders. Der ideale Pausenfüller bis C&C3!

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Kurz vor dem Abwurf einer Erdbebenbombe…
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»War Front« ist anders. Ja, ein Erleichterungsseufzer ist an dieser Stelle durchaus angebracht. Doch jetzt weiter im Text. Was »War Front« deutlich von den zumeist eher taktiklastigen WW2-Strategiespielen abhebt, ist der Basis- und Einheitenbau. Hier müsst ihr nicht wie eine Mutter auf ihr Neugeborenes auf eure Panzer, Infanteristen und Flugzeuge aufpassen. Werden sie geschrottet, fordert ihr einfach neue an. Ressourcen baut ihr wie in »C&C« und Co. mit Sammlern in Fabriken ab. Baulaster errichten Kasernen, Kraftwerke zur Energieversorgung, Verteidigungseinrichtungen oder Flughäfen. Ganz traditionell eben.

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…und kurz danach.
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In den dafür zuständigen Bauten zimmert ihr wiederum eure Truppen zusammen. In Windeseile erschafft ihr so riesige Armeen. Die durchschnittliche Bauzeit eines Tanks beträgt kaum mehr als 20 Sekunden. Gebäude benötigen kaum länger. Nerviges Warten auf die Fertigstellung von Bauaufträgen entfällt so größtenteils. Dafür habt ihr umso mehr Zeit, eurer Hauptbeschäftigung nachzukommen: Schlachten schlagen!

Verdrehte Realität
Drei Kriegsparteien machen sich in »War Front« gegenseitig die Hölle heiß: Amerikaner, Russen und Deutsche. »Den Nazis zum Sieg verhelfen? Wo kommen wir denn da hin?«, werdet ihr euch nun fragen. Keine Angst. »War Front« wirft euch auf Seiten der Deutschen in die Rolle tapferer Widerstandskämpfer. In der Rolle von Oberstleutnant Roland Hellmann müsst ihr den Widerstand stärken und nach einigen Irrungen und Wirrungen gemeinsam mit den Amerikanern gegen die wahre Bedrohung antreten.

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High-Tech im Zweiten Weltkrieg.
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Wer oder was das ist, verraten wir an dieser Stelle selbstverständlich nicht. Nur so viel: Mit echten historischen Tatsachen hat »War Front« ungefähr so viel gemein wie Deutschland mit Traumstränden und Mittelmeerfeeling. Schon in den ersten Missionen entdecken Geschichtskenner die künstlerische Freiheit, die sich die Entwickler genehmigt haben: Während die Deutschen in der Realität nie einen Fuß auf britisches Hoheitsgebiet gesetzt haben, halten sie es im Spiel schon zu Beginn besetzt. Den Amerikanern bleibt nichts anderes übrig, als die große Insel zurückzuerobern. Diese »Geschichtsmodifikation« sorgt für Abwechslung vom WW2-Einheitsbrei.

»War Front« nimmt sich selbst nicht ganz so ernst und karikiert das an sich ernste Thema passend zur Inszenierung. Zwar nicht ganz so abgedreht wie seinerzeit die »Alarmstufe Rot«-Spiele, aber trotzdem merklich. Von pathetischen Sprüchen der Einheiten über Zwischensequenzen, die verdächtig an »Matrix« und andere Kinohits erinnern bis hin zu völlig abgedrehten Einheiten fernab jeglicher Realitätsvorstellungen.

Wat? Wer bist du denn?
Völlig abgedrehte Einheiten fernab jeglicher Realitätsvorstellungen? Ganz genau. Was in »War Front« über den Bildschirm rattert, passt auf keine Kuhhaut. Und zwar im positiven Sinn. Oder könnt ihr euch daran erinnern, in euren Geschichtsbüchern Fotos von turmhohen Exoskeletten, waffenstarrenden Riesenzeppelinen, Schutzschildgeneratoren und Eispanzern gesehen zu haben? Nein, wir auch nicht.

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Drei Helden für Zug Charly.
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Diese Science Fiction-Elemente heben »War Front« neben dem actionreichen Spielgeschehen und dem Basisbau am stärksten von Otto-Normal-WW2-Strategiespielen ab. Endlich einmal mit wirklich kreativen Truppenkreationen in den Kampf ziehen, statt zum dreihundertsten Mal mit Tiger, Panther und T70 im Dreck herum zu wälzen. Die letztgenannten Exemplare sind trotzdem allesamt enthalten. So fühlt ihr euch nicht in ein völlig abstraktes Paralleluniversum versetzt, sondern nach wie vor im Zweiten Weltkrieg untergebracht - wenn auch einen zugegebenermaßen »leicht modifizierten«.

Missions-Feuerwerk
So erfrischend die Einheiten und das flotte Spielgeschehen sind, so abwechslungsreich geben sich auch die Missionen. »War Front« enthält zwei gleichwertige Kampagnen, in denen ihr mit den Amerikanern und den Deutschen die Schlachtfelder unsicher macht. Die Dritten im Bunde, Mütterchen Russland, dürft ihr hingegen nur im Mehrspielermodus übernehmen.

Die Aufträge sind überraschend spannend und warten mit ständig wechselnden Zielen auf. Mal müsst ihr ausharren und Gegnerwellen en masse abwehren. Mal sollt ihr eine Basis errichten und den Feind ganz klassisch ausräuchern. Ein andermal seid ihr mit euren Helden alleine unterwegs und müsst Züge sabotieren oder Gefangene befreien. Ja, genau, klassische Helden mit besonderen Fähigkeiten und Level-Aufstiegen in bester »WarCraft 3«-Manier geben sich auch in »War Front« ein Stelldichein.

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Pack die Badehose ein, und dann nichts wie ab zum Wannsee…
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Der deutsche Oberstleutnant Roland Hellmann etwa steigert die Schussweite von Einheiten in seiner Nähe und zerstört Gegner mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit mit einem einzigen Schuss. Optionale Nebenquests bringen euch zusätzliche Ressourcen oder Einheiten und erleichtern das Erreichen des Hauptziels.

Nicht nur die Missionen als solche sind gekonnt gestaltet. Auch die eigentliche Rahmenhandlung wird motivierend inszeniert. Zahlreiche, teils sehr lange Zwischensequenzen sorgen für eine persönliche Bindung zu den Kriegshelden. Leider ist die Auflösung der Filmchen für heutige Verhältnisse recht niedrig. Am Spaßgehalt, den die Cutscenes versprühen, ändert das aber nur wenig.

Das Haar in der Panzersuppe
Wo Licht, da auch Schatten. In »War Front« zeigt sich dieser in der alles andere als optimalen Wegfindung. Das »Urproblem« der Gattung Echtzeitstrategiespiel verschont auch Digital Realitys Vertreter nicht. So blockieren sich Einheiten in engen Stadtpassagen immer wieder gegenseitig, fahren Umwege mitten durch gegnerische Basen und verhaken sich wie frisch verliebte Paare nur allzu gerne ineinander.

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Ein Wunder: Eisblöcke in der Wüste, unseren Frostpanzern sei Dank.
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Ebenso nervend ist, dass eure Heere keine einheitliche Marschgeschwindigkeit haben, sondern erst peu à peu am Zielort eintrudeln. Uns ist es gleich mehrfach passiert, dass aus Unachtsamkeit schnelle Jeeps längst zu Schrotthaufen zusammengeschossen wurden, während dicke, langsame Panzer sich noch über die Prärie quälten. Minimieren könnt ihr das Problem dadurch, dass ihr euren Truppen nicht über riesige Entfernungen Befehle erteilt, sondern vergleichsweise nahe Zielpunkte wählt.

Echten Hardcore-Strategen wird in »War Front« zumindest im Einzelspieler-Modus der strategische Anspruch fehlen. Das Stein-Schere-Papier-Prinzip - Bazooka-Infanterist zerlegt Panzer in Windeseile, wird von MG-Soldaten aber in Nullkommanix zusammengeschossen - wurde zwar gekonnt umgesetzt. Nur werdet ihr es selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden nie wirklich anwenden müssen. Truppenmassen am laufenden Band produzieren und dem Feind immer neue Wellen entgegen schicken, funktioniert genauso gut - der mittelmäßigen KI »sei Dank«.

Mehr Spieler, mehr Spaß?
Im gelungenen Mehrspielermodus gegen einigermaßen clevere menschliche Gegner sieht das freilich ganz anders aus. Hier entscheidet klar die beste Strategie. Will ich haufenweise billige Einheiten bauen und schnell in die Offensive gehen oder doch lieber auf teure, aber umso mächtigere Tanks sparen? Nehme ich eine verteidigende Rolle ein und forsche heimlich, still und leise an Superwaffen wie der Erdbebenbombe, die halbe Basen einäschert, oder suche ich mein Heil im Angriff?

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Jetzt wird's kalt. Ein Eispanzer explodiert.
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Fragen über Fragen, die ausnahmsweise selbst wir euch nicht beantworten können. Übrigens dürfen theoretisch bis zu zehn Spieler mit- und gegeneinander antreten. Allerdings geht die Performance vor allem in größeren Schlachten schon bei mehr als vier Teilnehmern stellenweise stark in die Knie. Dafür dürft ihr euch auf eine größtenteils äußerst schicke Grafik gefasst machen, die sich auch vor Genregrößen wie »Rise of Legends« oder »Age of Empires III« nicht verstecken braucht. Vor allem die Explosionen und Feuereffekte sind äußerst schick anzuschauen. Da verzeihen wir auch gerne die eine oder andere schwammige Textur.