Die Halbwertszeit von Kinofilmen hat sich in den letzten Jahren rapide beschleunigt. Wie viele Blockbuster vom letzten Jahr fallen euch auf Anhieb ein? Drei, vier? Der Großteil der schnell abgedrehten Streifen ist genauso schnell vergessen wie die Gewinner der aktuellen DSDS-Staffel. Kein Wunder, Hollywood hat verlernt, große Geschichten zu erzählen und setzt mehr auf CGI-Effekte und pubertäre guilty pleasures. Ein Beispiel dafür war Wanted mit Angelina Jolie – kann sich noch wer an den Film erinnern?

Kleine Gedächtnisstütze: Der wirre Plot drehte sich um eine Bruderschaft von Asassinen die ihre geheimen Fähigkeit von Generation zu Generation weitervererben. Die geschickten Killer waren nämlich in der Lage Kugeln um die Ecke zu lenken. Praktisch im Kampf, zudem sah das Ganze im Film gewollt lässig aus. Grund genug offensichtlich, ein Spiel nachzuschieben, das direkt an die Handlung des Action-Reißers anschließt.

Wanted: Weapons of Fate - Launch Trailer11 weitere Videos

Szenenwechsel ohne große Handlung

Es geht also wieder um Wesley Gibson seinen Vater und „Kugelhagel galore“. Die Geschichte holpert ähnlich wie im Kino vor sich hin und dient nur dazu, den Spieler von einem Szenario zum anderen zu führen – da gibt es durchaus einiges zu sehen und der Höhepunkt ist ein ausführlicher Schusswechsel in einem abschmierenden Jumbo. Doch eines ist immer gleich: Deckung suchen, Angreifer niederstrecken, weiterhechten.

Wanted: Weapons of Fate - Ein Fall für die Fahndungsliste?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 17/211/21
Die Gegner in Wanted: Weapons of Fate könnte man fast schon als suizidal bezeichnen: Sie schmeißen sich gerne in die Schusslinie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kennt man bereits von unzähligen Spielen gleicher Bauart, allen voran Gears of War oder Uncharted: Eine mehr oder minder umfangreiche Kiste oder Straßenecke soll die Projektile der Gegner abfangen während das Feuer ständig erwidert wird. Tatsächlich funktioniert das erstaunlich flüssig und könnte selbst andere Spiele inspirieren: Lehnt man sich aus dem sicheren Versteckt erhält man einen Hinweis, in welche Richtung die nächst beste Deckung gelegen ist.

So rutscht, rollt oder sprintet der ausgebildete Assassine von einer schützenden Mauer zur nächsten, stets unter schwerem Beschuss. Was anfänglich noch dem Spiel einen gewissen Kick gibt, verkommt schnell zur Routine und bei jedem Gang ist erahnbar, wie sich der Charakter von einer Deckung zu anderen hangelt.

Wanted: Weapons of Fate - Ein Fall für die Fahndungsliste?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 17/211/21
So rot wird’s in der deutschen Fassung selten, denn hier wurde mal wieder die Schere angesetzt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Überhaupt kämpft das Spiel mit einer aalglatten Linearität: Abzweigungen, Alternativrouten oder Abkürzung gibt es nicht, es geht stur geradeaus. Glücklicherweise gilt das nicht für das Spiel selbst: Ein paar spezielle Fähigkeiten und diverse Sonderaktionen retten das Shooter-Einerlei vor dem Abdriften in die Langeweile.

Cooles Schießen kostet

So wird zunächst das bereits erwähnt Kurvenschießen eingeübt. Dazu bedarf es erst mal etwas Adrenalin, welches über das reguläre Erledigen von Gegnern angesammelt werden kann. Für jeden Kurvenschuss wird ein wenig Adrenalin abgezwackt, doch die Investition lohnt sich: Zunächst kann man den Winkel bestimmen, in dem die Kugel fliegt und schon nützt dem Gegner die beste Deckung nichts mehr.

Wanted: Weapons of Fate - Ein Fall für die Fahndungsliste?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 17/211/21
Der beste Freund des Assassinen: Eine schützende Kiste. Fehlt nur noch der Companion Cube.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Später erlernt der Auftragskiller das Töten mehrer Angreifer und es gibt auch eine Form der Bullet-Time, während welcher man die Deckung wechseln oder nahende Geschosse ausschalten kann. Das alles sieht recht stylish aus und hat durchaus seinen Reiz – leider stolpert Wanted: Weapons of Fate über die eigenen Füße und legt letztendlich doch eine Bruchlandung hin.

Denn so vieles vermiest im Lauf des Games die Stimmung. Das eine wäre die Spielzeit. Innerhalb von vier bis sechs Stunden stehen selbst wenig geübte Zocker am Ende stellen sich die Frage wie es weitergehen soll. Leider gibt es auf die Frage nur eine Antwort: Lediglich ein härterer Schwierigkeitsgrad ist wählbar. Kein Multiplayer, kein Bonus.

Wenig „I“ in der KI

Doch auch die härtere Gangart ist nicht das Gelbe vom Ei, denn in allen Schwierigkeitsstufen stellen sich die Feinde ähnlich dümmlich an: Deckung suchen, warten, aus der Deckung aufstehen und schießen. Durch den Kurvenschuss muss man letztendlich noch nicht einmal warten, bis sich die Kerle freiwillig in die Schusslinie stellen.

Wanted: Weapons of Fate - Ein Fall für die Fahndungsliste?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 17/211/21
Wichtiger als treffen: Cool muss es aussehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Immerhin dürfen die sich mit diversen Waffen wehren: Pistolen, Schrottflinten, Maschinenpistolen, Granaten. Die zwei Charaktere des Spiels hingegen greifen auf ein extrem eingeschränktes Repertoire zurück: Pistolen und äh, Pistolen. Es gibt einfach nicht mehr Waffen, die man nutzen kann – wohlgemerkt, in einem Shooter. Nicht mal ein paar Granaten darf man dem Gegner vor die Füße kullern.