Putzt du noch oder lebst du schon: Im Blechgewand der knuddeligen Reinigungsfachkraft Wall-E sorgt man in der Versoftung des kommenden Pixar-Streifens für Ordnung auf der Erde. Ob das Spaß macht, verrät unser Probewischen.

Satte 700 Jahre hat der liebenswürdige Putzroboter Wall-E die Erde, die längst von ihren einstigen Bewohnern verlassen wurde, in Ordnung gehalten und dabei wahre Wolkenkratzer aus kleinen Müllquadern errichtet. Bis eines Tages ein Raumschiff auf dem Planeten landet und mit ihm die fesche Androidin Eve. Kein Wunder, dass sich der kleine vereinsamte Blechknabe sofort in die Besucherin verguckt und versucht ihr Avancen zu machen.

Wall - E - Infinite Action TrailerEin weiteres Video

Ebenfalls kein Wunder ist es, dass man im Spiel zum neuen Pixar-Titel „Wall-E“ eben diese Filmhandlung größtenteils eins zu eins nachspielt. So findet man sich gleich zu Beginn des von den Heavy Iron Studios entwickelten Spiels auf der verlassenen Erde wieder und sortiert Müll, aktiviert Energietürme und rollt mit Wall-E durch die von staubigen Windböen geplagte Spielwelt.

Wall - E - Putzt du noch oder lebst du schon?

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Titelheld Wall-E hält die Erde sauber.
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Die Bedienung des Titelhelden ist dabei denkbar einfach. Auf dem Gamepad übernimmt man traditionell die Lenkung mit dem Analogstick, während die überschaubaren Aktionen, wie etwa Hüpfen, das Werfen von Müllblöcken oder das Benutzen von Wall-Es Fernglas, durch die Buttons ausgewählt werden. Die Bedienung der Wii-Ausgabe ähnelt der Gamepadvariante weitestgehend, allein das Aufnehmen der Müllblöcke wird durch Schütteln der Fernbedienung initiiert und das Schleudern der kleinen Geschosse löst man durch Drücken von A- und B-Taste zugleich aus.

Unerträgliche Leichtigkeit?

Die Hauptaufgabe der ersten Abschnitte liegt größtenteils im Entdecken der Spielwelt und im Erlernen der Mechanik des Titels. Die wenigen Rätsel lösen sich zumeist von selbst. In den meisten Fällen gilt es beispielsweise einen Würfel aus einer Maschine zu entnehmen und diesen sogleich mit einem sich in der Nähe befindenden Schild zu benutzen. Auf diese Weise lässt man Brücken herab, sprengt versperrte Wege frei oder aktiviert Energietürme.

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Zwischendruch dürft ihr auch mal ballern.
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Nur in manchen Fällen muss man die Blöcke ein kleines Stück mit sich tragen und so das zu manipulierende Objekt erst finden. Die einzigen Gefahren, die am Anfang des Spiels lauern, stellen die für Wall-E mit der Zeit tödlichen Wasserflächen und die immer wieder auftauchenden Sandböen dar. Schafft man es nicht, Wall-E an einem der zahlreichen Reparaturterminals wieder in Topform zu bringen, segnet der Roboter irgendwann das Zeitliche. In diesem Fall beginnt das Spiel übrigens sogleich am letzten der automatisch angelegten Speicherpunkte.

Falls Wall-E schon jetzt irgendwo auf diesem Planeten den Müll sortiert, dürfte er bald mit diesem Spiel Nachschub bekommen, denn lange bleibt dieser Titel in keiner Konsole.Fazit lesen

Klingt die Beschreibung des Spiels bislang noch sehr zugänglich und kindgerecht, hat „Wall-E“ jedoch auch seine kniffligen Seiten. Denn schon zu Anfang des Spiels hat sich die ein oder andere nicht ganz so leichte Plattformsequenz in den Titel geschlichen. So muss man etwa immer mal wieder durch Röhren krabbeln, die sich automatisch drehen und zudem noch mit vielen kleinen Löchern versehen sind. Fällt man in einen dieser Durchlässe, muss ein neuer Versuch gestartet werden. Was für jeden Daddelfreund mit ein wenig Erfahrung noch leicht klingt, dürfte für die Allerjüngsten beinahe etwas zu schwer sein.

An die Waffen, Putzkolonne!

Allerdings müssen sich die Entwickler um diese Zielgruppe eigentlich auch kaum Sorgen machen, denn der Titel ist immerhin erst ab sechs Jahren freigegeben. Schuld daran dürften vor allem auch die Schießeinlagen im All sein, bei denen man sich im Raumschiff durch ganze Armeen von Robotern ballert. Abgesehen vom nicht so recht zum Spiel passenden Spielprinzip der Dauerballerei, sind diese Abschnitte zudem sehr eintönig.

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Mülhaufen wohin man blickt - Wall-E hat eine Menge zu tun.
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Mehr Spaß machen da die Flugpassagen mit der Androidin Eve, in denen man auf der Jagd nach Gegenständen durch die Levelabschnitte rasen darf. Überhaupt macht das Einsammeln der Bonusobjekte neben dem Voranbringen der Filmhandlung einen großen Teil des Spiels aus. Leider sind die Belohnungen weitestgehend langweilig und bestehend zumeist nur aus Konzeptzeichnungen. Dreist: Das erste freigespielte Bildchen ist sogleich ein Werbebild für das zugehörige Handyspiel.

Klingt all dies bislang wenig begeisternd, rettet sich jedoch auch „Wall-E“ durch seine aus dem Filmsoundtrack und der Atmosphäre des Kinostreifens gewonnene Stimmung vor der totalen Bedeutungslosigkeit. Gerade die tolle Musik des Pixarfilms und die gelungenen Soundeffekte machen viel Spaß. In optischer Hinsicht sind es allerdings allein die netten Details, wie etwa die vielen witzigen Werbeflächen in der Spielwelt, die für Punkte sorgen, denn die übrige Darstellung findet irgendwo im Niemandsland statt. Denn während die Xbox-360-Fassung der Wii-Fassung zu ähnlich sieht und damit für eine echte Next-Gen-Konsole zu altbacken wirkt, hat die Wii-Version immer wieder mit Ruckeleinlagen zu kämpfen, da die Effekte für die Nintendo-Box scheinbar immer noch zu viel sind.

Schlankheitswahn

Über den sonstigen Umfang der Filmversoftung würde sich manch ein Fitnesscoach wohl freuen, denn dieser ist äußerst schlank geraten. Erwähnte freispielbare Bilder und Videos sowie einige äußerst langweilige Mehrspielermodi für bis zu vier Spieler an einer Konsole dürften kaum einen Spieler nach dem Durchspielen des Titels dazu motivieren, den Silberling noch länger im Laufwerk zu lassen. Letztlich werden sich daher wohl trotz der ordentlichen Spielzeit von acht bis zehn Stunden nur eingefleischte Fans der Raumpflegefachkraft mit den Kulleraugen zum Kauf dieses Titels hinreißen lassen.