Es gibt Spiele, von denen hat man eigentlich nach 30 Minuten die Schnauze voll. Weil man nur auf die Fresse bekommt, weil man es nicht drauf hat. Oder beides zusammen. Wächter von Mittelerde ist genau so ein Spiel... dachte ich. Doch nach einem halben Dutzend Partien machte es während einer Testsession plötzlich "Klick". Und ich wollte gar nicht mehr aufhören...

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Dabei fing alles vielversprechend an: Ich hatte den Platz mit dem Hexenmeister erwischt - einem vermeintlich mächtigen Krieger auf dem Schlachtfeld. Doch dieser erweist sich als Defensivkünstler und taugt nicht für die forschen Attacken, mit denen ich das gegnerische 3-Mann-Team in die Knie zwingen will. Selbst Schuld, Noob! Bei solchen Games gewinnt man eben nicht im Alleingang, aber man verliert durch Draufgängertum sehr leicht Partien.

Laufe ich dem Feind nämlich immer schön in die Arme, bin ich nichts weiter als ein dummer Punktespender. Wächter von Mittelerde unterstützt genau jenes aus DOTA bekannte (oder von mir aus auch MOBA-)Prinzip, nach dem sich die verschiedenen Recken gegenseitig ergänzen, auf sich allein gestellt jedoch kaum etwas reißen. Also: absprechen! Und: Taktik umstellen!

Hirn ein, Erfolg da!

Statt blindlings einen der drei möglichen Wege auf dem Weg zum feindlichen Lager zu beschreiten, quatsche ich mit meinen Kameraden ab, wer wohin läuft und wann sich übermächtige Gruppen von Widersachern nähern. Das klappt plötzlich viel besser, doch den finalen Motivationsschub bringt erst der Wechsel der Spielfigur.

Zunächst heize ich den Gegenspielern mit Gollum ein, der sich so richtig fies an die Feinde ranpirscht, sich an ihnen festklammert und mit ekligen Attacken Saures gibt. Aber auch mit dem gefallenen Hobbit ist das Gefecht kein Spaziergang, gerade gegen die feindlichen Zauberer ist kaum ein Kraut gewachsen.

Wächter von Mittelerde - Erst Frust, dann Lust

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Die Helden verfügen über mächtige Spezialfertigkeiten, die teils auch abhängig von Situation und Gegner eingesetzt werden können.
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Und einiges muss ich noch stärker beherzigen: Die Türme der Gegenseite nicht im Alleingang attackieren und erst recht nicht ohne die Anwesenheit der Vasallen - das sind computergesteuerte Einheiten, die das Feuer der feindseligen Verteidigungsmaßnahmen auf sich lenken. Erst mit ihnen im Schlepptau hat man überhaupt eine Chance, sich langsam vorzuarbeiten.

Packshot zu Wächter von MittelerdeWächter von MittelerdeErschienen für Xbox 360, PS3 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Die andere Seite hat aber genau die gleichen Absichten, und so entwickelt sich ein stetiges Hin und Her. Stecke ich zu viel ein, flüchte ich, bevor ich niedergestreckt werde oder drücke auf den "Rückzugs"-Knopf. Der teleportiert mich zurück zu meiner Basis, benötigt aber einige Sekunden, bis er aktiv wird. Timing ist auch hier wichtig. Zwei Tränke und eine zeitbasierte Selbstheilfunktion (oder optional mehr Laufgeschwindigkeit für kurze Zeit) können in kritischen Situationen ebenfalls sehr hilfreich sein.

Mein Aha-Erlebnis habe ich aber erst mit der dritten Figur - Arathorn. Der Waldläufer brilliert mit dem Bogen - und ich mit ihm. Plötzlich lande ich in mehreren Runden hintereinander auf dem ersten Platz. Wie lässig ich zuvor harte Opponenten wie Gandalf und sogar Galadriel (olles Mists****!) weghaue - erst recht, nachdem ich einige Level aufgestiegen bin und die vier vorhandenen Spezialfertigkeiten immer mächtiger werden. Selbst Türme kann ich ohne die Unterstützung meiner menschlichen Mitspieler angehen und komme fast bis zur gegnerischen Festung. Wow!

Hard to learn, harder to master

Erst nach zwei, drei Stunden erschließt sich mir die volle taktische Tiefe (oder was ich dafür halte) von „Wächter von Mittelerde“. Denn wer nur mit Scheuklappen herumrennt, wird ebenfalls nicht viel reißen. Neben den eigentlichen Hauptzielen verstecken sich noch etliche andere Aufgaben auf dem Schlachtfeld.

Nach anfänglicher Skepsis bin ich jetzt richtig angefixt!Ausblick lesen

Da warten abseits der drei Hauptpfade noch versteckte Gegner im Dickicht, sogar riesige Trolle lauern auf Abenteurer. Hauen wir die weg, kassieren wir permanent wirkende Zusatzfertigkeiten oder meine Seite erhält Heil-Boni, die solange aktiv sind, wie wir die Schreine halten.

Da es auch unsere Widersacher darauf abgesehen haben, wogt auch in diesen Bereichen die Schlacht ständig hin und her: "Ich hole den Schrein in der Mitte, unten! Geh du nach oben, da wird noch Hilfe gebraucht!", rufen wir uns zu und versuchen so zum einen den eigenen Angriff zu koordinieren. Gleichzeitig müssen wir aber auch das Vorrücken der Gegner unterbinden oder zumindest beschleunigen.

Je weiter wir im Level aufsteigen, desto bessere Möglichkeiten bekommen wir: Türme lassen sich ausbauen und erhalten viel effektivere Verteidigungsmaßnahmen und die normalen Soldaten-Vasallen werden zu berittenen Furien. Wer diese wichtigen Upgrades vergisst, wird seinen Feinden bald nichts mehr entgegenzusetzen haben - denn auch die rüsten mächtig auf!

Wächter von Mittelerde - Erst Frust, dann Lust

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Türme sollte man niemals ohne die Unterstützung der computergesteuerten Vasallen attackieren.
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Also metzeln wir zwischendurch immer wieder die feindlichen Truppen nieder, um Erfahrungspunkte einzusacken und die Charakterfertigkeiten weiter auszubauen. Schlagen wir gegnerische Helden im Kampf, kassiert das komplette Team Punkte. Auf diese Weise gilt es ständig abzuwägen, was mir persönlich weiterhilft und was meine "Mannschaft" weiterbringt. Das ist wohl nichts für taktische Grobmotoriker!

Und das Geschäftsmodell? Wächter von Mittelerde wird am 4. Dezember zunächst nur als Download für 14,99 Euro angeboten. Ab dem 7. Dezember soll es (fürs erste nur für PS3) auch eine Retail-Fassung für 29,99 Euro geben, die dann auch den Season-Pass enthält. Damit erhaltet ihr später erscheinende DLCs (mit weiteren Maps und Spielfiguren - beispielsweise aus dem kommenden Hobbit-Kinofilm) günstiger.