"Der Hobbit" steht vor der Tür und kommt diese Woche in unsere Kinos. Gar kein Spiel zum Film? Wer trotzdem passend zu Peter Jacksons Streifen ein paar Stunden spielend im Herr-der-Ringe-Universum verbringen will, kann sich in Wächter von Mittelerde in den uralten Kampf zwischen Gut und Böse stürzen.

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Wobei die Grenzen in diesem Arcade-Spiel für 1200 Microsoft-Punkte (oder 14,99 Euro für die PS3-Version) viel fließender sind als in der Buchvorlage. Zwar kämpfen auch in dieser MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) zwei Parteien um die Vorherrschaft auf dem Schlachtfeld - eure Wahl der Spielcharaktere bestimmt aber die Zusammensetzung der Teams.

So treffen durchaus Figuren aufeinander, die in der literarischen Vorlage Gut oder Böse verkörpern: Gollum an der Seite eines Hobbits, Gandalf paktiert mit Sauron oder Galandriel mit einem Ork.

Simpel, aber nicht doof

Das Spielprinzip dieses Mehrspielertitels (eine Einzelspielergeschichte gibt es nicht) ist simpel: Auf beiden Seiten greifen je fünf Streiter ins Geschehen ein und versuchen, die feindlichen Verteidigungsanlagen aus dem Weg zu räumen. Dazu erhaltet ihr Unterstützung von Fußsoldaten, die extrem wichtig sind - ohne ihre Hilfe könnt ihr euch den fremden Türmen nicht nähern. Bis schließlich der gegnerische Hauptturm geplättet wird.

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Wer die feindlichen Türme ohne Unterstützung seines Fußvolks attackiert, stirbt.
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Je nach Spielkonfiguration treffen die Widersacher auf nur einer Bahn, die die Kontrahenten verbindet, aufeinander - drei "Spuren" geben jedoch deutlich mehr taktischen Raum für die Geplänkel. Während Auseinandersetzungen auf nur einer Bahn spätestens nach zehn bis fünfzehn Minuten beendet sind, können Gefechte in den größeren Arenen bei ausgeglichenen Teams schon mal eine Dreiviertelstunde andauern.

Hier treffen die zwei Parteien nicht so direkt aufeinander. Die Karten enthalten mehr zu erobernde Schreine (Heilung für die Mitspieler), zur Jagd freigegebene Unwesen (z. B. Riesen-Orks, Spinnen) und Seitenpfade, die auch Hinterhaltattacken ermöglichen. Der Spielablauf ist abwechslungsreich, da auch viel mehr eigene Türme ausgebaut und verteidigt werden müssen – beziehungsweise feindliche Stellungen, die im Weg stehen. Wer hier nicht mit seinen Mitspielern zusammenarbeitet und kommuniziert, wird es sehr schwer haben.

Packshot zu Wächter von MittelerdeWächter von MittelerdeErschienen für Xbox 360, PS3 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Das heißt, wenn überhaupt Matches gegen menschliche Spieler zustandekommen. In den ersten Tagen nach der Veröffentlichung trieben sich nur recht wenige Mit- und Gegenspieler in den Online-Lobbys herum. Sehr oft musste ich mit/gegen Bots antreten - offene Plätze übernehmen immer computergesteuerte Figuren. Die erledigen ihren Job nicht schlecht: Sie treten meist in Gruppen auf, nehmen Schreine ein und heizen mir richtig ein. Ersatz für die Schlauheit oder Verschlagenheit menschlicher Spielkameraden sind sie aber nicht.

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(Bis zu) drei Wege führen nach Rom - doch bis zum Ziel müssen viele Hindernisse und Feinde aus dem Weg geräumt werden.
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Bei der Konfiguration des Load-outs bin ich aber auf eigene Hirnleistung angewiesen. Zwar unterstützt mich das Spiel mit etlichen Tutorials recht gut, doch erst nach einiger Zeit eröffnen sich die Optionen, die ich bei der Gestaltung meiner Recken habe: Ich kann Gürtel mit verschiedenen eroberten Juwelen ausstatten, erhalte die Möglichkeit, Tränke zu verplanen oder spezielle Kommandos (Schnelligkeit, Heilung) zuzuordnen.

Je höher mein Rang, desto größer der Gestaltungsspielraum. Das ist auch abhängig von den gewählten Spielcharakteren, von denen viele erst freigeschaltet oder mit dem 1200 MS-Punkten teuren Season-Pass gekauft werden müssen.

Gutes Balancing

Die Figuren nehmen verschiedene Rollen ein und sind in Verteidiger, Angreifer, Krieger, Taktiker und Zauberer eingeteilt. Ihre Fertigkeiten sind dementsprechend aufeinander abgestimmt: Während Verteidiger und Taktiker eher unterstützende Fähigkeiten besitzen, teilen Zauberer und Angreifer mit Spezial- und Standardangriffen gehörig aus. Krieger wiederum halten euch mit Nehmerfähigkeiten den Rücken frei, sie sind quasi die "Tanks" dieses Spiels.

Dieser Ausflug nach Mittelerde kann für Strategen durchaus lohnend sein.Fazit lesen

In den Testpartien schien das Kräfteverhältnis zwischen den einzelnen Charakteren recht gut verteilt zu sein - die Balance stimmt also weitestgehend. Entwickler Monolith Productions verfügt wohl auch über Werkzeuge, die eine schnelle Anpassung des Gleichgewichts zulässt, indem die Daten laufender Partien ausgewertet werden. Allerdings haderte ich schon immer wieder mit dem Gefühl, nicht zu wissen, weshalb ich denn trotz gerade noch voller Lebensleiste erneut so fix abgenippelt bin.

Das kann frustrieren, weil jeder Tod den Gegner einen Punkt näher zum Sieg bringt, wenn ein Timer den Endpunkt einer Spielrunde signalisiert. Aber wie schon in der Vorschau geschrieben hängt vieles von der Wahl des passenden Spielcharakters und der eigenen Mitspieler ab: Wenn man das Pech hat, mit lauter Individualisten zu spielen, die Gegenseite jedoch als koordinierte Einheit antritt, endet das Match meist in einer Niederlage.

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Unerhört: Gandalf paktiert hier sogar mit Sauron, um zu gewinnen.
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Die Steuerung funktioniert überwiegend ziemlich gut, nur die Ausrichtung des "Fadenkreuzes" bereitet im Detail ein wenig Probleme. Doch für Konsolenverhältnisse ist das simple Controller-Layout gelungen und nicht überfrachtet, die meisten Fertigkeiten sind mit einem Knopfdruck intuitiv einsetzbar. Monolith Productions hat die Spielmechanik der Plattform angepasst - und nicht umgekehrt.

Schön in Szene gesetzt sind auch die Spezialattacken vieler Figuren, etwa von Gollum oder dem Hexenkönig - hässlich ist dieses Mittelerde-Spiel gewiss nicht. Teilweise geht aber in dem bunten Gewusel auch die Übersicht verloren: Greifen mehr als drei, vier Spieler in dem Kampf ein, ist oft kaum noch auszumachen, wer wen aus welcher Richtung attackiert.