Wenn junge Leute mit verbundenen Augen und Stöcken in der Hand auf ein in einen Baum gehängtes Tier einprügeln, dann ... nein, diesen Vergleich sparen wir uns jetzt lieber und kommen gleich zum „oder“. Also: Oder es handelt sich um die witzigen Pappmaché-Figuren, die vor allem in Südamerika zu besonderen Anlässen mit Süßigkeiten gefüllt zum Abschuss freigegeben werden. Mit „Party Animals“ hüpfen die Tierchen nun zum zweiten Mal auf die Xbox 360.

Bereits 2006 durfte man auf der Xbox 360 mit den kleinen Pinatas losziehen, damals stand in erster Linie noch Gartenarbeit auf dem Programm. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft kehren die mittlerweile zum echten Franchisepaket gewordenen Knuddelviecher in Form der Partyspielsammlung „Party Animals“ nun auf die Microsoft-Konsole zurück. Wir sind mit Hudson, Fergy und Co. über Rennstrecken und durch allerlei wilde Wettkämpfe getapst.

Viva Piñata: Party Animals - E3 2007 Trailer

Die Hauptzielgruppe sind dabei wie schon im Vorgänger „Viva Pinata“ diejenigen, die gerade ein Gamepad in der Hand halten können – zumindest scheint dies der Plan von Entwickler Krome gewesen zu sein. Entsprechend übersichtlich sieht daher auch das Spielmenü aus. Wahlweise im Offline- oder Onlinemodus lassen sich entweder einzelne Vergleiche spielen oder aber man begibt sich gleich in einen ganzen Wettkampf, dessen Umfang wiederum frei einstellbar ist. Die einzeln anwählbaren Spiele sind zu Beginn noch recht überschaubar, durch Erfolge in den Wettkämpfen werden hier jedoch alle bis dahin gesperrten Partien freigeschaltet. Prophetische Fähigkeiten sind nicht vonnöten, um Nachschub via Xbox Live Marketplace vorherzusagen.

Voll in die Mitte – leider

Die einzelnen Wettkämpfe lassen sich in sieben Arten gruppieren. Die immer wieder auftauchende Kerndisziplin sind dabei die Rennen. Über witzige Kurse wetzt man seine Hufe, Krallen oder was auch immer, um am Ende als Erster über die Ziellinie zu kommen. Dabei gilt es Hindernissen auszuweichen, Beschleunigungsplattformen zu nutzen und allerlei Gegenstände einzusammeln, die sich dann zum eigenen Vorteil einsetzen lassen.

Viva Piñata: Party Animals - Besser als Partybuletten: Die tierisch wilde Sause macht nicht nur Kindern Spaß.

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Mit den Flutterscotch-Flügeln kann man während der Rennen sogar fliegen und so über Hindernisse hinweg düsen.
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So kann man bei Benutzung der Flutterscotch-Flügel abheben und über Hindernisse hinweg schweben, Raketenpacks erhöhen die Geschwindigkeit der Pinata und Wasserbomben rauben den Gegnern die Sicht. Ist man Opfer einer solchen Aqua-Attacke, läuft plötzlich Flüssigkeit über den Bildschirm und für ein paar Sekunden kann man nur nach Gefühl lenken.

Leider haben die Entwickler beim Schwierigkeitsgrad der Rennen und der anderen Modi zu sehr zwischen den Zielgruppen angesetzt. So sind die Spiele gegen den Computer für die Jüngsten etwas zu schwer, erfahrene Spieler dürften sich hingegen rasch langweilen. Für beide Gruppen liegt die Lösung also allein im Mehrspielermodus – sinnigerweise gegen gleichstarke Gegner.

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Der Grafikstil der Spielwelt ist zwar kein Präsentationsfeuerwerk, dennoch passt der Stil perfekt zum Setting.
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Zurück zu den Spielarten: Neben den genannten Rennen stehen noch die Typen „Bewegen und Sammeln“, „Zielen und Feuern“, „Zerschlagen“, „Zerschlagen und Sammeln“, „Rhythmus“ und „Reflexe“ an. Beim „Bewegen und Sammeln“ gilt es etwa, in einem sich bewegenden Lichtkegel zu bleiben und dort Süßigkeiten einzusammeln.

Beim „Zielen und Feuern“ darf unter anderem in einem Labyrinth gebowlt werden, beim „Zerschlagen“ müssen Pinata-Sterne dran glauben, beim „Zerschlagen und Sammeln“ kommt zum Zerschlagen – ganz überraschend - noch das Einsammeln von Gegenständen dazu, die „Rhythmus“-Spiele sind kleine Tastenkombinationsspielchen und bei den „Reflex“-Spielchen gilt es, auf die Rumblefunktion des Controllers zu hören.

Frust in jungen Jahren

Eines haben die kleinen Prüfungen gemeinsam: Sie sind allesamt für Kinder zu schwer und für fortgeschrittene Spieler zu leicht. Dazu gesellen sich kleinere unfaire Momente. So muss man die Pinata in einer Prüfung über eine vereiste Fläche steuern, unter der kleine Ärgerlinge versteckt sind. Befindet man sich zu lange in deren Nähe, explodieren sie nach einem kurzen Gamepad-Rumblen und man wird in die Luft geschleudert.

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Die Pinatas schlagen zurück: In einigen Wettkämpfen prügelt man selbst auf Pinata-Sterne ein.
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Nervig wird das Ganze, wenn man wiederholt aus der Luft auf Ärgerlinge trifft und so den neuerlichen Explosionen erst gar nicht ausweichen kann. Auch während der Rennen sorgen hin und wieder kleine Kollisionsprobleme mit anderen Pinatas für Frust, da sich die die kleinen Tierchen schnell verhaken und man so deutlich an Geschwindigkeit verliert.

Party Animals ist für Kinder zu schwer und für Erwachsene zu leicht. Allein im Mehrspielermodus ist der Titel gelungen.Fazit lesen

Glücklicherweise macht die süße Präsentation den Ärger immer wieder rasch vergessen. Wie schon in „Viva Pinata“ ist die Grafik absolut gelungen. Die bunte Darstellung gepaart mit Unmengen an Unschärfe bildet einen ganz eigenen Stil, in den sich die gewollt schwammigen Untergründe gelungen einfinden. Doch vor allem die einzelnen Figuren sind es, die „Party Animals“ erst ausmachen. Ob DJ- und Moderatoren-Papagei Pierre Papayabo, Vollblutjournalist Pecky Pudgeon oder der berühmte Hudson Honigrossino – sie alle sind großartig gestaltet und immer wieder eine Freude fürs Auge.

Doch auch die Ohren müssen nicht eifersüchtig nach links und rechts schielen, äh, lauschen. Denn neben der Optik ist auch die Vertonung des Titels absolut gelungen. So albern die Moderatoren während der Wettkämpfe in bester „You don't know Jack“-Manier herum – kindgerecht versteht sich. Und auch die wilden Comicsounds passen perfekt zum Setting, wenngleich es beiden Punkten mit der Zeit ein wenig an Abwechslung mangelt.

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„Was? Mein Manager hat für mich einen Auftritt in Mexiko gebucht? Das ist mein Ende!“
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Letztlich ist es allein der etwas zu hohe Schwierigkeitsgrad im Spiel gegen den Computer, der nicht so recht zur Zielgruppe passen will. Im Mehrspielermodus, der wahlweise für bis zu vier Spieler vor einer Konsole oder aber via Xbox Live sämtliche Spielvarianten des Einzelspielerparts bietet, fällt dieses Manko nicht mehr auf. So sollten jüngere Spieler und deren Eltern vor dem Spielkauf sicher gehen, dass der Nachwuchs genug Mitspieler hat, ansonsten sollte man die Zöglinge noch bis „Party Animals 3“ heranwachsen lassen.