Autor: Nedzad Hurabasic

Quak, quak tönt das Enten-Pinata und scheint sich im Teich meines Gartens recht wohl zu fühlen: Es kann kaum einen krasseren Kontrast geben als nach dem blutigen Horror-Gemetzel »Gears of War« in die Welt von »Viva Pinata« verfrachtet zu werden. Statt endloser Ballerei folgt ein virtuelles Leben auf Pinata Island, wo wir uns als Landschaftsgärtner um die Aufzucht knuffiger Lebewesen und das Entstehen eines bunten Gartens bemühen.

Doch ganz so beschaulich wie anfangs gedacht, entwickelt sich das heitere Spielvergnügen gar nicht. Welche Abenteuer wir statt des Vernichtens feindlicher Aliens in »Viva Pinata« erlebt haben, schildert dieser Bericht aus Garten Nummer drei, Parzelle sieben.

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Der beste Gärtner der Welt
Es ist nicht irgendein Stück Land, das wir zu Beginn des Spiels per Urkunde übertragen bekommen. Es ist die ehemalige Scholle von Jardiniero, dem "bekanntesten und begnadetsten" Gärtner aller Zeiten. Ich weiß nicht, was mein Nachbar Uwe dazu sagen würde, denn der ist vom Fach. Klar ist aber, dass es mit Sicherheit ziemlich große Fußstapfen sind, in die man treten soll. Das hört sich allerdings dramatischer an, als es in Wirklichkeit ist. Der Start ins Spiel wird euch nämlich denkbar einfach gemacht, und ihr werdet bei den ersten Schritten von einem traurigen Mädchen namens Leafos an die Hand genommen. Sie erklärt, gibt Hinweise und fungiert während des gesamten Spiels als Ratgeber - wenn man möchte.

Viva Pinata - Schwerer als einen Sack Flöhe hüten: Willkommen in der bunten Welt der Pinatas!

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Bunt präsentiert sich das Spielgeschehen. Nicht immer geht es so aufgeräumt zu...
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Die Einführungsphase dauert bei »Viva Pinata« ziemlich lange - wenn man's genau nimmt die komplette erste Spielstunde. Denn ständig wird das Spielgeschehen unterbrochen. Am laufenden Band werden beispielsweise in kurzen Zwischensequenzen neue Pinatas vorgestellt. Der Begriff Pinata bezeichnet dabei alle tierischen Lebewesen des Spiels. Diese ähneln realen Tieren, tragen aber andere Bezeichnungen und bestehen eigentlich aus Süßigkeiten: Whirlms zum Beispiel. Diese putzigen Würmer sind die ersten Kreaturen, die sich in eurem in der Entstehung befindlichen Garten einfinden und so die Grundlage für dessen weitere Entwicklung legen.

Pinatas wohin das Auge blickt
Jede Tierart ist zunächst nur Besucher und muss mit verschiedensten Mitteln davon überzeugt werden, sesshaft zu werden und euren Garten zu bevölkern. Den Würmern genügt es, wenn ihr einen bestimmten Anteil des Ackers in Rasen verwandelt, andere Gattungen sind in ihren Anforderungen aber schon weitaus anspruchsvoller. Trotz des knuffigen Eindrucks, den das Spiel erweckt, herrscht auch bei »Viva Pinata« die Regel: "Fressen und Gefressen werden". Deshalb kommen viele Tiere erst, wenn sie entsprechende Nahrung finden. Würmer dienen dabei für eine ganze Reihe von Lebewesen als Futterquelle, und ehe man sich versieht, wimmelt es im quietschbunten und äußerst liebevoll gestalteten Ambiente von verschiedensten Viechern.

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So sieht ein gelungenes Techtelmechtel aus. Jetzt aber schnell Licht aus!
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Habt ihr es einmal geschafft zwei Tiere einer Rasse anzulocken und sesshaft zu machen, tretet ihr schließlich auch noch als Verkuppler auf. Nur wenn Nachkommen entstehen, ist eure Arbeit perfekt. Dazu erfüllt ihr erneut für jedes der Tiere die notwendigen Grundvoraussetzungen (wofür ihr ihnen auch ein Heim bauen müsst) und seht alsbald zwei Pinatas, die mit einem Herzen gezeichnet sind. Nun bringt ihr die beiden zusammen und es funkt...

Naja, noch nicht ganz, denn den letzten Schritt zur trauten Zweisamkeit - dem Techtelmechtel - übernehmt ihr höchstpersönlich bei einem Minispiel. Dabei steuert ihr die Miniversion eines Pinatas durch ein mehr oder weniger großes Labyrinth, dessen Wände von "sauren" (bösen) Tieren gebildet werden. Unterwegs dürft ihr auch noch einige Schokomünzen aufsammeln - die Währung von »Viva Pinata«. Kommt ihr innerhalb von 30 Sekunden bei dem wartenden Partner an, nehmen die Dinge ihren Lauf, und nach kurzer Zeit wird ein Ei geliefert, aus dem dann der Sprössling schlüpft.

Auch hier gibt's Rowdys
Auf diese Weise vergrößert sich die Population eures Gartens ziemlich schnell und auch das Grünzeug, Hecken, Bäume und Blumen bedecken bald den fruchtbaren Boden. Diese dienen vielen Pinatas als Nahrung und sind daher unverzichtbar. Alle Pinatas, Pflanzen und Einrichtungsgegenstände lassen sich übrigens auch wieder zu Geld machen, womit weitere Ausbauten finanziert werden. So baut alles, was ihr tut, irgendwie aufeinander auf und eine Menge Mikromanagement-Aufgaben erfordern eure Aufmerksamkeit. Was recht beschaulich beginnt und zu einem gemütlichen Non-Stop-Stelldichein werden könnte, artet leider teilweise in stressigen Passagen aus. So befinden sich etwa einige streitbare Gesellen unter euren Bewohnern.

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Fressen und gefressen werden - diese Regel gilt auch in "Viva Pinata".
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Gelegentlich greifen nicht nur verfeindete Gattungen an, auch untereinander gibt es Zoff. Das unterlegene Pinata wird krank, und der Notarzt aus dem Dorf, wo auch verschiedene Läden zum Geldausgeben einladen, muss anrücken, wofür regelmäßig ein Teil der Schokomünzen draufgeht. Teilweise wird "Doc Patch" sogar zum Stammgast auf eurem Grundstück, manchmal kann allerdings selbst er nichts mehr machen, und der Sensenmann ("Dastardos") nimmt sich der unglücklichen Pinatas an. Zu allem Überfluss gibt es aber auch noch einige "saure Pinatas" und Rowdys, die euch in regelmäßigen Abständen besuchen und für Unruhe sorgen oder sogar Zerstörung anrichten. So ist man teilweise mehr damit beschäftigt, Schaden vom Garten abzuwenden, als für die Fortentwicklung zu sorgen.

Ruhige Kugel schieben? Denkste!
Das ist zwar gut gemeint und soll das Spiel nicht zu einfach machen. Allerdings hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, in meinem Garten in aller Seelenruhe vor mich hinbasteln und züchten zu können. Um euch die Arbeit etwas zu erleichtern, gibt es auch die Möglichkeit, Helfer zu engagieren, die euch beim Sprenkeln des Grünzeugs, beim Sammeln der Früchte und beim Bewachen des Geländes unterstützen. Irgendwie erledigen sie ihre Arbeit aber nur halbherzig, und so bleibt das meiste doch wieder am Spieler hängen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pinatas die Anweisungen nicht immer korrekt oder gar nicht umsetzen.

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Viele Pinatas können fliegen und machen es dem Gärtner dadurch nicht eben leichter.
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Komisch ist auch, dass neue Tiere sich automatisch am Nahrungsangebot bedienen, um sesshaft zu werden, der Spieler aber manuell eingreifen muss, damit sie die Bedingungen fürs Verkuppeln erfüllen. Im ganzen Gewusel fällt es daher auch manchmal nicht einfach, den Überblick zu behalten: Während man gerade auf der einen Seite des Gartens zwei Pinatas verkuppelt, zerstört ein Rowdy auf der anderen den halben Teich oder reißt einen Baum in Stücke. So was nervt und frustriert und darunter leidet auch irgendwann das gesamte Spielklima. Ich hätte mir eine Option zum ungestörten Dauerspielen gewünscht - von mir aus ohne Achievements. Die braucht eh kein, ähm, Schwein.

Encyclopedia Pinatica?
Auch wenn »Viva Pinata« eigentlich ein Spiel ohne Ende ist, gibt es doch verschiedene Gameplay-Kniffe, die es in verschiedene Abschnitte teilen. Zum einen wäre da natürlich der Tag/Nacht-Zyklus, außerdem gibt es im späteren Spielverlauf einige Herausforderungen aus Pinata Central. Wenn ihr die Aufgaben meistert und die richtigen Pinatas in der vorgegebenen Zeit liefert, erhaltet ihr Belohnungen wie Süßigkeiten (die die Tiere gerne verspeisen) und natürlich Erfahrungspunkte, mit denen ihr langsam aber sicher im Rang aufsteigt. Je höher der Level, desto größer und besser werden die zur Verfügung stehenden Gartenwerkzeuge oder Handelswaren, und schließlich winkt das Auftauchen neuer Pinatas.

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Die Uhr dient gleichzeitig als Anzeige für die Erfahrungspunkte (blauer Rand).
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Eine gute Hilfe für den Gärtner bildet die Enzyklopädie, in der man alle Voraussetzungen für Besuche und Aufzucht der Pinatas und Pflanzen nachschlagen kann. Allerdings gibt es auch spezielle Pinata-Varianten, die nur durch Experimente gezüchtet werden können. Dazu gehören auch die exotischen und wertvolleren Arten. Enttäuschend ist hingegen der Multiplayer-Modus. Während es auf einer Konsole möglich ist, miteinander in einem Garten rumzuwuseln, erschöpft sich das Angebot bei Xbox Live mit dem Versenden von Paketen untereinander. Besuche von befreundeten Spielern sind entgegen erster Ankündigungen derzeit leider nicht möglich.