Endlich ist es soweit – ein neues Tennisspiel erscheint für PS3 und Xbox 360. Nach dem furiosen Auftritt von Top Spin 3 im letzten Jahr, für das in diesem Jahr keine Fortsetzung mehr zu erwarten ist, springt nun Sega mit einer Neuauflage ihrer Arcade-Sportinterpretation ein. Ein umfangreicher Onlinemodus, ein erweiterter World-Tour-Modus und viele weitere sinnvolle Ergänzungen lassen die Filzkugel im neuen Glanz erstrahlen – oder etwa nicht?

Virtua Tennis 2009 - Wii MotionPlus Trailer

Von der Spielhalle auf die Konsole

Seit dem Erscheinen von Top Spin 3 ist der Titel bis heute Stammgast in unseren Redaktionskonsolen. Mit einer völlig neuen und innovativen Steuerung und einem Gameplay, das dem realen Sport so nah kam wie kein anderes Tennisspiel zuvor, revolutionierte es geradezu das Sportgenre. Natürlich stellten die Entwickler dabei hohe Realitätsansprüche – ein Umstand der aus unserer Sicht alles andere als unangenehm erscheint. Mit dem nun vorliegenden Virtua Tennis 2009 müssen diese Ansprüche jedoch serienbedingt zurück gefahren werden.

Virtua Tennis 2009 - Aufschlag, Sega! Geht es Top Spin an den Kragen?

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Zahlreiche bekannte Tennisprofis stehen euch, alternativ zum eigens erstellen Charakter, zur Auswahl.
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Seit Jahren hat die „Virtua Tennis“-Serie ihren Ursprung auf den Spielautomaten. Hier macht auch die 2009er Auflage keine Ausnahme. Entsprechend arcadelastig spielt sich der Titel. Wer sich bereits an die „Top Spin 3“-Steuerung gewöhnt hat, muss sich bei Virtua Tennis wieder an die konventionelle, zugänglichere aber auch deutlich uninteressantere Steuerungsvariante gewöhnen. Wie von jeher bekannt, bringt ihr euren Spieler in Position und haltet einen der vier Schlagknöpfe so lange gedrückt, bis der Spieler den Ball über das Netz zurückwuchten soll.

Je schneller und besser ihr Position bezieht und je länger ihr Zeit habt, den Schlagknopf gedrückt zu halten, desto härter wird euer Schlag. Leider ist es jedoch bei Virtua Tennis 2009 so, dass selbst hart geschlagene Bälle meistens mühelos returniert werden. Dies gilt sogar für die Aufschläge von Spielern wie Roddick, die selbst im Idealfall keine ernstzunehmende Gefahr darstellen. Auch hier sind die Unterschiede zum deutlich realistischeren Top Spin 3 immens.

Taktik? Fehlanzeige!

Nicht zuletzt diesem Umstand ist es dann auch zu verdanken, dass sich die Ballwechsel zu einem wenig taktischen und vor allem zähen Ballgeprügel entwickeln. Stop-Bälle lassen sich nur sehr ineffizient ausführen und führen nur ganz selten zu einem Punktgewinn. Sowohl bei den Stops als auch bei den Lobs stellt sich der Erfolg nur dann ein, wenn der Gegner gerade in der Gegenbewegung ist. Seht ihr also, dass euer Kontrahent gerade zum Netz sprintet, könnte ein Lob ebenso effektiv sein wie ein Stopball, während sich euer Gegner wieder zur Grundlinie orientiert. Steht der Gegner bereits am Netz, holt er jeden Lob meistens problemlos ein.

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Auch bei Virtua Tennis spielt ihr auf unterschiedlichem Belag - die Auswirkungen sind jedoch eher marginal.
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Eine Altlast des Vorgängers wurde immerhin entschärft. Setzten die Spieler bei schwer erreichbaren Bällen übertrieben häufig zu Hechtsprüngen an, haben sie dieses Laster inzwischen abgelegt. Stattdessen hilft nun ein Ausfallschritt dabei, einen entfernten Ball doch noch zu erreichen. Dieser Ausfallschritt kostet allerdings Zeit, da der Spieler sich danach erst wieder aufrichten muss, um dem nächsten Ball hinterher rennen zu können.

Zugängliches Arcade-Tennisspiel, das sich technisch im guten Mittelfeld bewegt, im direkten Vergleich mit der anspruchsvollen Genrekonkurrenz aber untergeht.Fazit lesen

Völlig lieblos erscheint die Präsentation des Spiels. Vor allem im direkten Vergleich zu Top Spin 3 wirkt Virtua Tennis 2009 wie ein Filzball nach einem Sandplatzmatch. Völlig nervig ist dabei das Musikgedudel, das euch sogar während der Matches belästigt. Ein Besuch im Optionsmenü sorgt hier wenigstens für Abhilfe. Nahezu peinlich sind die Ansagen des Schiedsrichters. Statt Stadionhall und landestypischer Sprache ertönen hier übertrieben freundlich anmutende Studioaufnahmen der Marke „Fünfzehn l'oeuff“ – einer sprachlich äußerst fragwürdigen Kombination.

Virtua Tennis 2009 - Aufschlag, Sega! Geht es Top Spin an den Kragen?

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Anders als bei Top Spin 3 steht Tennisprofi Nadal Besitzern aller Plattformen zur Verfügung.
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Auch das Publikum trägt einen beachtlich großen Teil zur fehlenden Atmosphäre bei. Zwischenrufe fehlen ebenso wie eine nachvollziehbare Anspannung. Stattdessen applaudiert der Mob auf den Rängen brav und wird bei langen Ballwechseln plötzlich ein wenig unruhig. Sämtliche Sounds wie Schlaggeräusche oder das obligatorische Stöhnen der Akteure wirken lieblos integriert – das akustische Gesamtbild lässt jeden Bezug zu einem echten Tennismatch vermissen. Abgerundet werden die technischen Schwächen durch eine grafische Präsentation mit teils lieblosen Texturen. Auch hier ist Virtua Tennis 2009 leider nicht mehr ganz zeitgemäß.

Alte Stärken – World Tour und Zugänglichkeit!

Im Einzelspielermodus fährt Virtua Tennis 2009 die typische Serienverkostung auf. Ein mit zahlreichen mehr oder weniger unterhaltsamen Minispielen aufgeppter „World Tour“-Modus dürfte bei Spielern ohne ausgeprägte Realitätsansprüche auf Zuneigung stoßen.

Je fleißiger ihr euren Spieler trainiert, desto schneller erklimmt ihr die Tennisweltrangliste. Positiv fällt dabei auf, dass sich die Trainingseinheiten spürbar auf die Fähigkeiten eures Profis auswirken und das Spiel insgesamt sehr zugänglich wird. Somit empfiehlt sich der Titel auch für Gelegenheitsspieler.

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Wuchtige Aufschläge werden nahezu immer problemlos returniert. Schade, hier fehlt es an Durchschlagskraft!
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Eher enttäuschend fällt dagegen der Onlinemodus auf. Zwar dürft ihr hier wahlweise alleine oder zu zweit zum Einzel oder Doppel antreten, doch leider fehlt hier noch viel Feinschliff. Wählt ihr beispielsweise aus einer Liste offener Spiele ein Match aus, das nicht mehr verfügbar ist, landet ihr anschließend wieder im Online-Hauptmenü und die gesamte Spieleliste muss neu geladen werden.

Zudem fehlt es an sinnvollen Filterfunktionen, mit denen sich beispielsweise nur Doppel-Matches auswählen lassen. Ranglisten oder ein Bewertungssystem haben es leider auch nicht mehr in den Onlinemodus geschafft.