Ich habe mein gesamtes Leben auf ein Vampir-Spiel gewartet, das mich nicht in eine seltsame Kampfmaschine verwandelt, die sich von Action- zu Action-Szene beißt oder meinen Charakter aussehen lässt, wie eine vertrocknete Kartoffel (denkt an Oblivion) oder etwas noch Schlimmeres (denkt an Skyrim). Jetzt hatte ich leider nicht die Möglichkeit, Vampyr anzuspielen; aber verdammt, bin ich gespannt auf das Spiel von DontNod (ja, das sind die Köpfe hinter Life Is Strange). Es sieht so gut aus, dass ich meine Finger nicht stillhalten konnte und eine Vorschau zu Vampyr schreiben musste.

Der Gameplay-Trailer zeigt euch, warum ihr euch auf Vampyr freuen solltet:

Vampyr - First Gameplay Trailer PS411 weitere Videos

Nun ist Vampyr, also ein Spiel über Vampire, womöglich nicht genau das, was wir von DontNod erwartet haben. Aber umso besser: Den Schreibern und Game Designern, die den ‘Butterfly Effect’ wundervoll in eine mysteriöse und spannende Geschichte einpflanzen konnten, traue ich auch zu, eine schöne Story rund um einen Vampir zu schmieden. Und allem Anschein nach ist genau das passiert.

Vampyr in der Vorschau: Dr. Jonathan Reid lässt gern zur Ader

Ein bestialischer Arzt

Vampyr wird eine feine Singleplayer-Erfahrung werden, die euch in die dreckigen Straßen Londons im Jahr 1918 katapultiert. Die Nachwehen des ersten Weltkrieges rütteln an den maroden Häuserwänden, während die Spanische Grippe die Menschen wie Fliegen dahinrafft. Was braucht es also? Sicherlich keinen Vampir, aber einen Arzt, der fest entschlossen ist, ein Heilmittel für die Krankheit zu finden. Darf ich vorstellen: Dr. Jonathan Reid.

Nun wäre DontNod nicht DontNod, wenn es im Spiel neben einem solch entsetzlichen Setting nicht auch noch eine bitterböse Story gebe, die alles noch schlimmer macht. Der talentierte Reid, einzige Hoffnung Londons, wird von einem seltsamen Wesen gebissen und giert fortan nach menschlichem Blut. In die Zwickmühle getrieben, werdet ihr als Spieler entscheiden müssen, wie ihr fortfahrt: Menschen töten oder Menschen retten? Menschen töten, um Menschen zu retten?

Das Blut eurer ehemaligen Artgenossen verschafft euch einmalige Boni, während ihr auch andere Kreaturen der Nacht aussaugen könnt: Um die Bürger Londons vor eben jenen zu beschützen, dürft ihr jedoch nicht zu schwach sein. Und nicht vergessen – es gilt weiterhin, den eigenen Vampirismus sowie zusätzlich noch die Spanische Grippe zu heilen. Geheime Vampirorganisationen und Verbände von Vampirjägern stecken ihre Griffel zusätzlich noch in die Story, zu wenig Inhalt müssen wir also nicht fürchten.

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Ganz im Gegenteil: Wie die Demo andeutet, besitzt jeder einzelne NPC im Spiel seine ganz persönliche Story; eine Familie und löst womöglich sogar individuelle Konsequenzen aus, solltet ihr euch entscheiden, die Person auszusaugen. Clever, DontNod – so könnt ihr uns ein besonders schlechtes Gewissen machen, wenn wir die Menschen umbringen. Schön.

Menschen aussaugen und ihren Geist kontrollieren: Klingt nach Spaß!

Bitte schaut euch das Gameplay an

Während ich DontNod nach Life Is Strange zutraue, eine fantastische Geschichte rund um ein Netz aus gemeinen Entscheidungen zu spinnen, ist auch das Gameplay von Vampyr furchtbar interessant. Allein, weil es die Träume eines Vampir-Fans wahr macht.

Es gibt also vampirische Kräfte; das ist nichts Neues. Darunter zählen jedoch nicht nur Attacken und ein rasantes Ausweichen, das sich im Kampf hoffentlich so wundervoll anfühlen wird, wie es in der Demo aussieht. Sondern auch einen fähigeren Geruchssinn, mit dem ihr Krankheiten im Blut aufspüren könnt (eine nützliche Fähigkeit für einen Arzt). Dazu besitzt ihr die Macht, den Willen anderer Menschen zu brechen und sie zu kontrollieren. Sie zu kontrollieren. Ihr könnt sie also zwingen, mit euch zu kommen

Höchstwahrscheinlich wird Blut im Spiel Mana gleichkommen; ihr verbraucht euren Vorrat also womöglich, wenn ihr diese besonderen Fähigkeiten einsetzt. DontNod hat bereits bestätigt, Vampyr könne im Gut-Modus durchgespielt werden, also ein Durchlauf ohne einen einzigen Menschen zu töten. Das wäre nur sehr schwer und womöglich auch langweilig, wenn Reid dann überhaupt keine magischen Fähigkeiten einsetzen kann. Einen Bonus gibt es trotzdem: Nämlich ein besonderes Ende, das ihr nur erreicht, wenn ihr ganz brav auf das Morden verzichtet. Daneben wird es drei weitere finale Ausgänge geben, über die DontNod natürlich noch nichts verraten hat.

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Gesegnete Verspätung

Mein letztes Argument zugunsten Vampyr ist seine Verspätung. Jetzt werdet ihr vielleicht den Kopf schütteln und mich endgültig für verrückt erklären (was nicht durchweg falsch wäre), aber: Eine Verspätung bei einem fast fertigen Spiel heißt zum einen, der Entwickler ist sich nicht zu fein, einen Fehler einzugestehen, um ein besseres Werk auf den Markt zu bringen. Was gut ist, wenn ihr an Mass Effect: Andromeda denkt.

Zum anderen bedeutet es auch, dass Vampyr einen ähnlichen Weg wie viele der letztendlich besten Spiele geht; angefangen von Rockstar-Titeln, die immer zu spät kommen über Square-Enix-Giganten, die auch ganz gern verschoben werden. Hoffen wir nur, die Verspätung bedeutet keine Krise im Studio oder gar einen Umwurf der Story oder anderer Elemente, denn genau das hat den Youtube-Star Hello Neighbor verhunzt. Leider.