Vampire haben aktuell einen eher durchschnittlichen Ruf: Nachdem die Twilight-Bücher und -Verfilmungen weltweit die Kassen haben klingeln lassen, wendeten sich viele Medienkonsumenten von den Blutsaugern ab. Dontnod Entertainment hingegen, ihres Zeichens die Entwickler von Remember Me und Life is Strange, nahmen es sich als Aufgabe, das Vampir-Genre wieder auferstehen zu lassen. Wir konnten auf dem “What’s Next”-Event in Paris mit einigen Entwicklern sprechen und sogar ein wenig Gameplay sehen. Weshalb uns Vampyr überzeugt hat, und ihr es auch sein werdet, lest ihr in der Vorschau.

Ihr streift durch die kalten, düsteren Gassen des viktorianischen Londons. Wahrlich, kein schöner Anblick. Wer in diesen finsteren Zeiten, geplagt von der Spanischen Grippe, nicht zur Bourgeoisie gehört, der hat nichts zu Lachen. Euch ergeht es da leider ähnlich: Aus irgendeinem Grund seid ihr zu einem Vampir mutiert, ausgerechnet als Arzt. Aber anstatt euch mit eurem neuen Dasein anzufreunden und fröhlich den Unschuldigen das Blut auszusaugen, gibt Vampyr euch die Option, die Zivilisten zu verschonen. Das allerdings bedeutet auch, dass ihr deutlich schwächer sein werdet als eure menschlichen und übernatürlichen Kontrahenten, denn nur durch das Blut Unschuldiger werdet ihr stärker. Ein schwieriger Balanceakt zwischen Moral und dem Verlangen nach Stärke beginnt. Mit euch mittendrin.

Damit kommen wir auch zum Kernelement von Vampyr: In der Welt des viktorianischen London finden sich insgesamt 60 NPCs denen ihr das Blut aus den Adern saugen könnt. Der Konjunktiv ist hier nicht zu unterschätzen: Im Interview verriet uns Narrative Director Stéphane Beauverger, dass “sämtliche Morde an Zivilisten im Spiel optional” seien. So könntet ihr euch beispielsweise auch nur von Ratten ernähren, dies würde die Stärke eures Vampirs allerdings stark schmälern. Ihr steht also vor der Qual der Wahl: Töten um stärker zu werden oder Unschuldige am Leben lassen? Doch ob jeder Charakter auch wirklich unschuldig ist, dass müsst ihr selbst herausfinden: Mithilfe von investigativer Recherche, eruiert ihr die Hintergründe von allen 60 NPCs, um euch möglicherweise die Auswahl eurer Opfer zu erleichtern.

Wählt eure Opfer weise

Je nachdem welche Zivilisten ihr tötet, beeinflusst ihr zudem die Spielewelt: Tötet ihr einen Doktor in einem schwer verpesteten Gebiet, fällt das gesamte Gebiet der Spanischen Grippe zum Opfer. Auch könnten für euch wichtige Ziele, wie eine Taverne, einfach schließen, falls ihr beispielsweise den Jungen des Tavernen-Besitzer ermordet. Selbiger würde sich nämlich daraufhin in seiner Depression zu Tode trinken, facettenreich ist die Spielewelt also allemal. “Spielerische Freiheit ist uns sehr wichtig, am Ende des Spiels soll die jeweilige, einzigartige Version von London den Spieler als Person gut darstellen. Hat er viele NPCs ermordet, erwartet ihn eine menschenleere Stadt, auch wieviel Zeit er der Bekämpfung der Spanischen Grippe widmet, ist von Bedeutung” so die Entwickler. Wie viel Zeit ihr in der Rolle des menschlichen Arztes verbringen werdet ist noch unklar, dass es aber definitiv einige Abschnitte im weißen Kittel geben wird, wurde uns seitens der Entwickler bestätigt. Auch ist die Spielewelt angenehm groß, abwechslungsreich und soll zudem komplett ohne Ladezeiten oder fast-travel erkundbar sein.

Vampyr - Das hat Game of the Year-Potenzial!

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Schaurig schön: Die Welt von Vampyr, welche ihr allerdings nur bei Nacht erkunden werdet
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Natürlich ließen sich Dontnod auch gewisse Freiheiten, was die Gestaltung ihrer Vampire anging: So hat euer Vampir, im Gegensatz zu seinen Artgenossen aus Film und Fernsehen, keine Abneigung gegenüber Knoblauch oder funkelt im Sonnenlicht. Ein paar alteingesessene Regeln bleiben aber erhalten: So könnt ihr keinesfalls ein Haus betreten, in welches ihr nicht vom Besitzer persönlich eingeladen wurdet. Also müsst ihr, mit List und Tücke, versuchen die Bewohner in die Irre zu führen, um Einlass zu bekommen - eine sehr interessante Spielmechanik wie wir finden, die sehr viel kreatives Potenzial bietet.

Erstes Gameplay gab es zu bestaunen

Auch was das Gameplay angeht, durften wir ein paar exklusive Szenen begutachten: Vampyr spielt sich wie ein obskurer Mix aus Devil May Cry und der Souls-Reihe. Das klingt erstmal verwirrend, wo sich diese Spielereihen doch bezüglich des Kampfsystems eklatant unterscheiden, doch lasst mich erklären: Zwar laufen Kämpfe ähnlich schnell und Kombo-reich ab und ähneln damit Spielen wie Dante’s Inferno, Devil May Cry oder Bayonetta, dennoch müsst ihr jedem Gegner mit Vorsicht begegnen. Wer einfach wild drauf los prügelt, wird in Vampyr nicht weit kommen.

Es gibt reichlich Möglichkeiten für Attacken aus dem Hinterhalt, wer sich vor einem Kampf also klug anschleicht, hat meistens einen klaren Vorteil. Spezielle Vampir-Fähigkeiten, wie das Paralysieren von Gegnern, helfen euch natürlich, sind aber auch nur durch das Töten von Zivilisten freischaltbar. Was das Kampfsystem angeht, erwartet euch in Vampyr also ein gesunder Mix, welcher hoffentlich durch einen variantenreichen Talentbaum Abwechslung bieten wird.