Ach, Vampire, was ist aus euch geworden? Früher, ja, früher, da wart ihr Aristokraten, philosophische Ungeheuer voller Weltschmerz. Dracula war ein gediegener Blutsauger mit unwiderstehlichem Charme, dem die Frauen reihenweise freiwillig die Hälse hinreckten. Ein Unsterblicher, der mit seinem eigenen Schicksal haderte … und nun? Nun sind Vampire nur noch Abwandlungen eines Zombieklischees. Traurig, was aus dir geworden ist, Vampir.

So sieht die Sache auch „Vampire Rain: Altered Species“. Sie sind nicht sehr clever, die Untoten in diesem Game, aber sie kontrollieren fast die komplette Welt. Sie zerreißen ihre Opfer kurzerhand in Stücke, aber sie können ein ganzes Kommunikationsnetzwerk aufbauen. Den Bürger stört das irgendwie nicht: Er geht trotz unzähligen Blutsaugern an jeder Ecke mutig durch die Straßen flanieren. Irgendwas stimmt hier nicht, in diesem Spiel. Der Geruch von B-Ware hängt in der Luft.

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Lücken so groß wie der Mariannen-Graben

Tatsächlich zeigt die inkonsistente Story bereits, was „Vampire Rain: Altered Species“ auszeichnet: Es ein ziemlich übel zusammengeschustertes Spielchen mit Lücken so groß wie der Mariannen-Graben im Pazifischen Ozean, ohne tieferen Sinn für Dramatik, Stil oder gar Gameplay. Im Herzen pocht ein schlaffer Stealth-Klon, der sich nicht einmal sonderlich viel Mühe gibt, die beiden Hauptquellen „Splinter Cell“ und „Metal Gear Solid“ zu verschleiern.

Vampire Rain: Altered Species - Dieses Spiel braucht einen Pflock durch die Disc - damit es nie wiederkommt!

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Sam Fisher? Nie gehört, wer soll das sein, dieser Sam Fisher?
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Nach einem langen, sehr langen Intro steht man als John Lloyd, einem Spezialisten-für-was-auch-immer, auf der klatschnassen Straße und soll gegen die dunkle Brut der Nacht antreten. Dazu ist vor allen Dingen eins zu tun: Schleichen und orientierungslos durch die stimmungsarme Umgebung geistern. Das Leveldesign ist eine absolute Katastrophe: Es gibt immer nur einen Weg, den man gehen kann – es dauert allerdings oftmals, bis man diesen gefunden hat, trotz Navigationshilfe.

Abkürzungen sind nicht möglich: Immer wieder stößt man auf unsichtbare Mauern oder unüberwindliche Hindernisse, wenn man nicht den richtigen Weg auf Anhieb findet. Der Levelschlauch darf nicht verlassen werden – frei durchstreifbare Städte sehen anders aus. Es frustet ungemein, wenn man minutenlang nach der einen Kiste suchen muss, auf die man klettern soll, um weiter zu kommen.

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Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern. Keiner wankt. Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder … halt, `tschuldigung, falscher Film.
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Doch auch wenn man sich auf den vorgeschriebenen Pfaden bewegt: Viel weiter kommt der Spezialagent ohnehin nicht. Ständig rennt der Sam-Fisher-Lookalike in die Arme patrouillierender Untoter, die sofort zum Angriff übergehen. Dumm nur, dass die Waffenausstattung unseres Kämpfers nicht für die Verteidigung reicht – einmal die Klaue eines Vampirs im Gesicht und der moderne Van Helsing steht wieder am letzten Checkpoint. Glücklicherweise werden die recht großzügig verteilt.

Mit High-Tech gegen Vampire

Unglücklicherweise sind die Ladezeiten dermaßen lang, dass man dazwischen schon wieder vergessen hat, was man eigentlich machen sollte. Meist ist es aber ohnehin das Selbe: Hier etwas Technik demolieren, dort einen Funkmast ausschalten. Die Vampire bekämpft man heutzutage nicht mehr mit altertümlichen Techniken wie Pflock-durch’s-Herz oder Kopfabtrennen, sondern man zerstört ihre technischen Spielereien – ob sie dadurch zu Staub verfallen, sagt uns „Vampire Rain: Altered Species“ leider nicht.

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Der alte Seiltrick, immer beliebt in Stealth-Spielen.
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Alles wirkt hier so unglaublich sinnlos. Die Story ist langweilig, die Charaktere bewegen sich hölzern, das Voice-Acting ist lächerlich und Lippen-asynchron. Alles hier schreit nach der Umsetzung eines bereits schlechten PS2-Titels für die Next-Gen-Konsolen – tatsächlich gab es das Spiel bereits vor einem Jahr für die Xbox 360. Gebessert hat sich allerdings nichts.

Aber halt, es gibt ja noch einen Multiplayer-Modus: Death Mach, Team Deathmatch, Capture The Flag – das sieht nach einem reichhaltigen Angebot aus. Dumm nur, dass scheinbar kein einziger Spieler Interesse daran hat – bei unserem Test war nicht eine verlorene Seele für eine Online-Session zu finden. Das dürfte genug über die Qualität der Online-Modi sowie des kompletten Spiels aussagen.