Die Geschichte wirkt bekannt: menschenmordende Monstren haben eine US-Stadt überrannt und es droht die Ausbreitung auf weitere Gebiete - mitunter sogar die Auslöschung der gesamten Menschheit. Ob es dabei um Zombies geht, wie bei Resident Evil, 28 Days Later oder blutsaugende Nightwalker wie in Vampire Rain, das kürzlich für die Xbox 360 auf den Markt kam, ist von zweitrangiger Natur. Denn wo sich solche Gefahr zusammenbraut, wird auch ein tapferer Held benötigt, der sich der dämonischen Brut annimmt. Warum jedoch der Protagonist dieses Spiels nur ein Sam Fisher für Arme ist und man die Schnauze ziemlich schnell gestrichen voll hat von diesem Machwerk, haben wir auch ohne Weihwasser und Knoblauch herausgefunden.

Gestatten: Sam Fis..., ehm, John Lloyd!
John Lloyd ist äußerlich eine Mischung aus Sam Fisher und Solid Snake. In seine Rolle schlüpfend sollt ihr den Terror der Nightwalker beenden, vampirischen Kreaturen, die weltweit bereits für das Verschwinden von Millionen Menschen verantwortlich sind. Daher werdet ihr als Mitglied einer militärischen Spezialeinheit der amerikanischen Regierung an die Westküste beordert, wo ihr der Plage Herr werden sollt.

Vampire Rain - Sam Fisher für Arme: Der dürftige Schleicher verbreitet echten Gameplay-Terror.

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Kommt euch Mr. Lloyd irgendwie bekannt vor?
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Eure drei Kameraden dienen bei dieser Säuberungsaktion jedoch nur als Staffage, die Einsätze gegen die teuflische Brut werden ausschließlich von euch durchgeführt - ist ja auch logisch: In guten Horrorfilmen trennen sich die Gruppen immer, um nacheinander abgeschlachtet zu werden. Doch damit auch genug des Vorgeplänkels, denn dieser zarte Vergleich ist auch beinahe das einzig Positive, das man über Vampire Rain berichten kann. Verantwortlich dafür ist ein spielerisches Desaster, bei dem die Nerven des Testers bzw. Spielers gehörig auf die Probe gestellt werden.

Das beginnt schon bei der unpräzisen Steuerung des Helden, die zwar ständig an Splinter Cell erinnert, die bekannten Bewegungen von Sam Fisher aber mehr schlecht als recht reproduziert: Alles erscheint irgendwie hölzern animiert und langsam - als wäre Mr. Fisher für einen letzten Auftrag aus dem Altersheim rekrutiert worden. Teilweise reagiert die Spielfigur leicht verzögert auf die Pad-Eingaben oder macht nicht genau das, was man eigentlich möchte.

Widerstand: Zwecklos!
"Wenn allein schon diese Grundlagen von der japanischen Entwicklerbude Artoon (derzeit übrigens auch mit Blue Dragon beschäftigt!) derart ungenügend umgesetzt wurden, lässt das für den weiteren Spielverlauf nichts Gutes erahnen", denkt ihr? Stimmt! Wie beim großen Vorbild sollt ihr die Missionsziele meist erreichen, ohne entdeckt zu werden. Dummerweise wird euch dabei eine frei begehbare Stadt vorgegaukelt, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

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Wenn euch dieser gesellige Kollge so nahe kommt, werdet ihr gleich den Game Over-Screen zu sehen bekommen.
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In der Praxis sind die Lösungswege streng linear vorgegeben, man muss "nur" die richtige Lösung finden und zwar per Trial & Error. Schleicht man in eine Richtung, die nicht der vorgesehenen Lösung entspricht, stoßt ihr früher oder später an unsichtbare Mauern, die die Missionsgrenzen darstellen. Bis man auf diese Weise den richtigen Weg herausfindet, kann schon eine Weile vergehen.

Das Ganze wird natürlich noch durch die auf den Straßen postierten Nightwalker erschwert, die scheinbar einen sehr guten "Riecher" für Menschenfleisch haben. Auch wenn man sich noch so vorsichtig an ihnen vorbei schleicht oder große Umwege in Kauf nimmt, hat man sie doch buchstäblich schneller am, ehm, Hals, als man reagieren kann. Zur Warnung blitzen möglicherweise noch kurz vorher mysteriöse Augen auf dem Bildschirm auf, aber dann ist es meist ohnehin zu spät.

Wer glaubt, dass sich Mr. Lloyd als Mitglied einer Spezialtruppe nun besonders gut gegen diese Monster verteidigen kann, irrt. Erst nach einigen Stunden Spielzeit erhaltet ihr Waffen, mit denen sich die Nightwalker effektiv bekämpfen lassen. Bis dahin habt ihr gegen die Viecher praktisch keine Chance und sie stürzen sich mit unglaublicher Geschwindigkeit auf euch. Sind sie erstmal an euch dran, werdet ihr bereits nach zwei Treffern mit dem Game Over-Screen konfrontiert - nachdem man zuvor einer kleinen, blutigen Animation eures virtuellen Todes beiwohnen darf.

Gameplay-Terror
Selbst wenn euch es doch einmal gelingen sollte, einen der Blutsauger auszuschalten, fühlen sich garantiert einige seiner hässlichen Kumpels dazu genötigt, euch in Stücke zu reißen. Diese werden selbst aus großer Entfernung auf euch aufmerksam - eine Flucht ist in der Regel aussichtslos. Diese Mischung aus mies designten Levels, kaum besiegbaren Gegnern und einer hakeligen Steuerung machen das Gameplay zum wahren Horrortrip, der auch das Nervenkostüm des toughsten Gamers zum Bersten bringt.

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Falls ihr jetzt feuert, werdet ihr das höchstwahrscheinlich ziemlich schnell bereuen.
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Eine bessere Bewaffnung mit Sniper-Gewehr oder UV-Messer in späteren Missionen ist übrigens noch lange keine Garantie für mehr Erfolg oder Spaß - auch wenn sich das Spielgeschehen dann durchaus zugunsten des Spielers neigt. Abgesehen von den noch immer vorhandenen Gameplay-Schwächen leidet ihr auch dann praktisch immer unter äußerst knapper Munition und verwendet eure Schießprügel daher nur im Notfall.

Zu allem Überfluss sind auch andere Gadgets nur bedingt hilfreich. So seid ihr etwa mit Nekrokamera und Nachtsichtgerät ausgestattet, die euch die Orientierung bzw. das Erspähen der teuflischen Kreaturen erleichtern sollen. Dummerweise deaktivieren sich diese Geräte bereits nach wenigen Sekunden von selbst - weil ihnen die Energie ausgeht - und benötigen anschließend eine kleine Ruhepause. Gameplay-Terror at its best!

Vampire Rain - Sam Fisher für Arme: Der dürftige Schleicher verbreitet echten Gameplay-Terror.

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Das Multiplayer-Geschehen erweist sich in der Tat als recht chaotisch.
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Nicht einmal optisch kann Vampire Rain diese ganzen Probleme kaschieren. Zwar lässt sich eine gewisse gelungene Horror-Atmosphäre nicht von der Hand weisen. Doch technisch befindet sich das Spiel noch auf Last-Gen-Niveau und wäre locker auch auf der Xbox/PS2 möglich gewesen. Detailarme Texturen, triste Umgebungsgestaltung, Bausatz-Häuser mit Copy-and-Paste-Architektur - viel fürs Auge wird wahrlich nicht geboten.

Wer von diesem Desaster noch nicht genug hat, darf sich sogar in Multiplayer-Partien für bis zu acht Spieler stürzen und dort Jagd auf Nightwalker bzw. Menschen machen. Dumm nur, dass sich kaum jemand auf den Servern herumtreibt, um Spielmodi zu zocken, die euch aus Deathmatch- oder Capture the Flag-Partien bekannt vorkommen dürften.