Die schlechte Nachricht: »Final Fantasy XIII« lässt auf sich warten. Die gute Nachricht: Die Macher spendieren der Fangemeinde mit »Valkyrie Profile 2: Silmeria« ein genretypisches Japano-Rollenspiel, das sich in mancher Hinsicht an die beliebte Reihe anlehnt. Wir haben uns das Prequel zum ersten Teil angesehen und ob des Schicksals der armen Prinzessin Alicia manche Träne vergossen.

Walkürenritt
Japaner lieben nordische Mythologie. Zumindest die Jungs von tri-Ace, dem Entwicklerteam, das für Square Enix die Valkyrie-Titel entwickelt. Die Spielwelt orientiert sich nämlich sehr an der nordischen Sagenwelt von Midgard und erinnert mit ihren gotischen Kirchen, Fachwerkhäusern und deutschen Ortsnamen an das mittelalterliche Europa. Daneben finden sich auch Anleihen beim japanischen Mittelalter und ihrem Samurai-Kult.

Valkyrie Profile 2: Silmeria - Neues aus Fernost: Die PS2 lässt nochmal die Grafik-Muskeln spielen.

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Amor im Stress: Pfeile treffen die Falschen.
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In der Rolle der kleinen Prinzessin Alicia von Dipan macht sich der Spieler auf, eine große Bedrohung abzuwenden, die dem Reich durch finstere Mächte droht. Alicia trägt die Walküre Silmeria in sich, die einst von Göttervater Odin verbannt wurde. Bei deren Verbannung war Einiges schief gegangen, weshalb die Walküre zwar ihren Körper verloren hatte, ihr Bewusstsein allerdings in die damals neu geborene Alicia retten konnte.

Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn sich die resolute Dame nicht immer wieder in das Leben der jungen Prinzessin eingemischt hätte. Deren Vater erklärte nämlich das häufig mit sich selbst redende Mädchen schließlich für verrückt und verwies sie des Hofes. Und so findet man sich als Spieler in der zweigeteilten Haut der mittlerweile 17-jährigen Alicia wieder und erforscht die phantastische Welt von Midgard.

Kaufhalle
Rollenspieltypisch finden sich auch hier diverse Städte, in denen Alicia Handel treibt und mit den Bewohnern redet. Auf diese Weise bekommt man nach und nach mehr Informationen über das Königreich Dipan und erweitert sein Inventar um allerlei nützliche Dinge. Leider ist das Handelssystem recht verkramt und unübersichtlich geraten, hier wäre weniger sehr viel besser gewesen. Angesichts der vielen zu erwerbenden oder zu verkaufenden Items verliert man leicht den Durchblick. Das wird umso schlimmer, je mehr Partymitglieder man zu versorgen hat.

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Zwischensequenzen laufen in Spielgrafik ab, punkten aber mit schicker Inszenierung.
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Verlaufen kann man sich in den Ortschaften kaum, denn die Spielwelt ist nicht frei begehbar, sondern man bewegt sich in altmodischer 2D-Ansicht durch die Landschaft, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Hat man sich daran gewöhnt, stört es den Spielfluss allerdings kaum. Ärgerlich sind lediglich einige ausgesprochen vertrackte und zeitraubende Jump-n-Run-Einlagen. So schließt man beispielsweise an manchen Stellen umherstreunende Monster mit Hilfe von Photonenbeschuss in einen Kristall ein und springt den reglosen Gesellen auf die Rübe, um höher gelegene Stellen zu erreichen.

Stehen die kristallisierten Burschen zu weit vom nächsten Felsvorsprung entfernt, kann man sie auch dorthin schieben. Doch leider sind die Biester nur für wenige Sekunden gelähmt, so dass man sich mit der Schieberei sehr beeilen oder alle paar Sekunden Halt machen muss, um den Gegner wieder einzuschließen. Je nach Geschicklichkeit kann dieses Vexierspiel ein wenig nerven. Steht ein Vieh dagegen auf einer höheren Position, kann man es mit einem Photonenschuss einschließen und mit einem zweiten die Position mit ihm tauschen - ein deutlich stressfreieres Verfahren.

Auch in den zahlreichen Dungeons springt und hüpft die süße Prinzessin durch 2D-Terrain, dass es nur so eine Freude ist. Glücklicherweise haben die Entwickler darauf verzichtet, das Kampfsystem ebenfalls in Sidescroller-Manier anzulegen. Trifft man auf Gegner, wechselt das Geschehen in eine dreidimensionale Ansicht, in der die Übelwichte in bester Japano-RPG-Manier rundenweise bekämpft werden.

Zum Angriff!
Natürlich ist Alicia nicht allein unterwegs. Im Laufe der Zeit schließen sich ihr immer mehr Partymitglieder an, von denen bis zu vier jeweils der aktiven Truppe angehören. Die Prinzessin ist in der 2D-Ansicht zwar stets allein unterwegs, doch wenn das Spiel in den Kampfmodus wechselt, werden alle Gruppenmitglieder eingeblendet. Ähnlich wie bei »Final Fantasy XII« gibt es auch hier keine Zufallskämpfe mehr, sondern Monster streunen in der 2D-Ansicht als lilafarbene Schemen umher. Art und Anzahl der Gegner ist daraus allerdings nicht ersichtlich. Das zeigt sich erst im Falle eines Angriffs. Zumeist trifft man auf drei bis fünf Mieslinge, die einem das Leben schwer machen.

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Schlussstrich: Auf Berlins Straßen wird hart gegen kotende Hunde vorgegangen.
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Die Reihenfolge, in der man die Biester attackiert, richtet sich nach dem vorgegebenen Aktionsradius der eigenen Figuren. Jede Gegnergruppe hat einen Anführer, der jedoch nicht als solcher gekennzeichnet ist. Hat man Glück, erwischt man ihn auf Anhieb und schaltet ihn aus. In dem Falle ziehen sich die anderen Gegner zurück, und man hat sofort gewonnen. Da man jedoch in aller Regel den Boss nicht erkennt, prügelt man oft auf den Subordinierten herum, bis es zum Showdown mit dem Obermacker kommt.

Im Falle des Ablebens kann man übrigens mit einer »Feder der Vereinigung« schnell für Abhilfe schaffen. Die erweckt ein totes Gruppenmitglied schnell und zuverlässig wieder zum Leben, wenn auch nur mit wenigen Gesundheitspunkten. Da man jedoch relativ selten in diese Verlegenheit kommt, lohnt es sich, Kämpfe mehrfach zu wiederholen. Das bringt den lieben Kleinen nämlich jedes Mal fett Erfahrungspunkte und sorgt für einen zügigen Levelanstieg.

Partyschlägereien
Die Steuerung der Recken ist sehr übersichtlich gehalten, denn jedem von ihnen ist eine der vier Haupttasten des Controllers zugeordnet, über die er seine Befehle empfängt. Je nach Anzahl und Aufstellung der Gegnerhorden ist es mehr oder weniger sinnvoll, die Truppe in Zweiergruppen aufzuteilen. Auf die Weise kann man sich besonders in Situationen Luft verschaffen, in denen die Unholde von allen Seiten auf Alicia und ihre Gefährten eindreschen.

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Kaum zu glauben, was auf der betagten PS2 grafisch noch möglich ist.
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Die Kloppereien als solche sind leider nicht sonderlich anspruchsvoll, machen aber dennoch Spaß und sind fordernd. Zwar lernt man im Laufe der Zeit eine Menge Kombos, doch die sind oft sehr unübersichtlich. Deshalb reduziert sich das Schlägern meist auf einige wenige Aktionsabfolgen. Das bringt den gewünschten Erfolg und führt zum Ableben hässlicher Gegner. Schwieriger wird es, wenn die Burschen zu Beginn einer Auseinandersetzung im Vorteil sind. Das zeigt sich allerdings erst, wenn das Spiel ins Kampfgeschehen wechselt und die eigene Truppe was auf die Mütze bekommt, bevor sie selbst austeilen kann.

Angriffe mehrerer Partymitglieder lassen sich zu Kombos zusammenfassen, was die Durchschlagskraft zusätzlich erhöht. Das ist besonders wichtig bei Zwischen- und Endgegnern, da hier blindes Draufhauen nicht viel bringt. Kennt man die Schwachstellen des Gegners, ist es weitaus effektiver und ungefährlicher, durch die richtige Kombination der Attacken möglichst viel Schaden zu verursachen. Je besser man sich hierbei schlägt, desto mehr Punkte hagelt es und desto größer ist auch die Chance, dass der gefallene Oberboss ein cooles Item fallen lässt.

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Zärtliche Cousinen Reloaded: Manche Bilder wirken durch den Weichzeichner ziemlich kitschig.
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Besonders spaßig ist der Berserkermodus, bei dem man innerhalb einer kurzen Zeitspanne beliebig viele Angriffe abfeuern kann. Er ist verfügbar, sobald man einem Gegner Körper- oder Panzerungsteile abschlägt. Bevor jetzt die Sitten- und Blutwächter Alarm schlagen: Natürlich fließt dabei kein roter Lebenssaft, sondern die Treffer werden durch comichafte Effekte dargestellt. Schließlich handelt es sich hier um einen Titel von Square Enix. Und die sind bislang nicht gerade durch übertriebene Gewaltdarstellung aufgefallen.

Buntes Treiben
Grafisch und akustisch ist das Spiel in der PS2-Oberliga angesiedelt. Die wunderschön gezeichneten und kolorierten Landschaften gehören zum Besten, was die betagte Konsole zu bieten hat - kein Grund also, das Teil vorzeitig auszurangieren. Musikalisch wird ein stimmiger Soundtrack geboten, der je nach Situation die passende Untermalung bereithält, allerdings nicht abstellbar ist. Das trägt zwar zur Atmosphäre bei, ist aber für Zocker ärgerlich, die der Musik nichts abgewinnen können. Außerdem wiederholen sich die Themen recht schnell, was bei empfindlichen Naturen zu wiederholtem Stirnrunzeln und womöglich Spielen ohne Ton führen kann.

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Die Settings wirken allesamt sehr atmosphärisch.
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Die englische Sprachausgabe ist ordentlich, wenn auch - wie so oft - unpassend für ein Japano-RPG. Zum Glück wurde auf eine schlechte deutsche Synchronisation verzichtet, dafür hagelt es Untertitel en masse. Wen die etwas langatmigen Dialoge ermüden, der überspringt sie kurzerhand. Alles in allem haben die Entwickler sehr gute Arbeit geleistet und präsentieren mit dem Titel ein kurzweiliges Abenteuer, das die Wartezeit auf »Final Fantasy XIII« angenehm versüßt.