Ein Anime-Game auf der Konsole – das bedeutet in den meisten Fällen Prügel- oder Rollenspiel. Aber es geht auch anders, wie Valkyria Chronicles jetzt beweist. Der PS3-Titel ist ein innovativer Genre-Mix aus rundenbasierter Strategie und Rollenspiel, mit actionreichem Gameplay, packender Story und einer Prise Humor.

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Der Ritt der Walküren

Hintergrund ist ein fiktiver, aber sehr stark an Europa angelehnter Kontinent, in einer Zeit, die an die 30er Jahre erinnert. Das kleine Land Gallia ist reich an Bodenschätzen und zieht damit die Aufmerksamkeit der zwei benachbarten Großmächte, dem Empire und der Federation, auf sich. Die beiden Supermächte führen erbittert Krieg, und da scheint das kleine, reiche Land eine einfache und fette Beute zu sein. Das Empire startet eine Invasion, doch es hat nicht mit dem Widerstand der Bewohner gerechnet.

Gallia ruft zu den Waffen, und so wird auch der junge Naturforscher Welkin Gunther zur Miliz eingezogen. Er erhält das Kommando über das Squad 7 und muss mit einer ausgewählten Handvoll an Soldaten gegen die Invasoren ins Feld ziehen. Der besondere Trumpf dabei ist der mächtige, alte Panzer „Edelweiß“, der einst Welkins Vater gute Dienste leistete.

Valkyria Chronicles - Anime mit Edelweiß

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Der junge Naturforscher Welkin verteidigt sein Heimatland Gallia mit Leib und Seele.
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In der Folge entwickelt sich durch etliche Missionen und Cut Scenes eine spannende Geschichte, voll Spannung, Liebe, Verrat, Drama und all den anderen Zutaten, die eine gute Handlung ausmachen. In immer neuen, immer gefährlicheren Aufträgen muss Welkin sich als Kommandant beweisen und Schlachten gegen die benachbarten Aggressoren für sich entscheiden. Die eigene Truppe entwickelt sich dabei immer weiter und erhält Zugriff auf bessere Ausrüstung. Gallias Feinde schauen dem Treiben des kleinen Landes nicht tatenlos zu und rüsten ihrerseits auch auf. So schafft es der Kaiser des Empires, eine mystische und schier übermächtige Waffe der legendären Valkyrurs zu ergattern.

Das ist alles nur gemalt

Ins Auge sticht die wunderschöne, durchdachte Präsentation. Gespielt wird in einem Buch, in dem sich die erlebte Geschichte kapitelweise entfaltet - nach jeder absolvierten Mission oder angeschauten Sequenz schaltet sich der nächste Abschnitt frei. Im Spielverlauf kommen dann Lesezeichen hinzu, über die man Zugriff auf eine Art Enzyklopädie hat.

Hier erfährt man unter anderem Details über die Personen, Orte, Waffen und vieles mehr. Ganz nebenbei entfaltet sich so auch die durchdachte Hintergrundwelt. Auch die eigenen Orden kann man sich auf diese Weise immer wieder anschauen und sich an seinen Erfolgen erfreuen. Zusätzlich hat man auch Zugriff auf einige Skirmish-Missionen, die man immer wieder spielen und so mehr Erfahrungspunkte oder Geld sammeln kann.

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Der alte und durchschlagskräftige Panzer "Edelweiss" leistete bereits Welkins Vater gute Dienste.
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Über einen weiteren Reiter im Buch gelangt man ins Hauptquartier. Hier kann man aus einem riesigen und immer größer werdenden Pool an Rekruten – die sich alle individuell unterscheiden – die eigene Mannschaft zusammenstellen, seine Mannen trainieren, neue Ausrüstung erforschen oder Edelweiß pimpen.

Das eigentliche Spielgeschehen und die Sequenzen sind zwar im Anime-Stil gehalten, aber durch einen „Canvas“ genannten Effekt verfremdet, durch den die Ränder ausgewaschen wirken und eine leichte Leinwandstruktur zu erkennen ist. Dadurch wirkt das ganze Spielgeschehen wie mit Aquarell gemalt, was Valkyria Chronicles eine künstlerische Note verleiht und die Präsentation edel und ein wenig altertümlich wirken lässt – eine interessante und willkommene Abwechslung in der sonst so uniformen Grafik-Welt. Sequenzen gibt es en masse, die sind aber angenehm kurz gehalten, so dass man nicht wie bei anderen Spielen oft das Gefühl bekommt, teilnahmslos in einem Film zu sitzen.

Rundenbasierter Third-Person-Shooter

Kommen wir zu den Missionen: Los geht’s mit den Briefings, in denen man kurze Instruktionen erhält und dann die Karte des entsprechenden Missionsgebietes betrachtet. Im Startgebiet kann man nun eigene Einheiten platzieren. Edelweiss ist (fast) immer dabei, ansonsten hat man die freie Wahl zwischen Scouts, Lancers, Shocktroopers, Engineers und Snipers.

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Scouts sind passable Kämpfer und können dank ihrer Schnelligkeit große Entfernungen zurücklegen.
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Die Einheitstypen unterscheiden sich stark voneinander – Lancer tragen die dicken Wummen und kommen als einzige gegen bewaffnete Ziele wie Panzer an. Sniper schießen einzelne Kugeln über große Entfernungen, sind aber langsam und halten nichts aus. Shocktrooper mähen mit einer MP im Nahkampf alles nieder und die Scouts sind passable Kämpfer, die dank ihrer Schnelligkeit große Entfernungen zurücklegen können. Engineers schließlich sind etwas schwächer und langsamer als Scouts, können dafür aber Panzer reparieren, Minen entschärfen, Befestigungen wiederaufbauen oder Munitionsnachschub liefern.

Zusätzlich zu den Klasseneigenschaften verfügt jeder Kämpfer auch noch über ganz spezielle Werte und Fähigkeiten, die sich im Kampf positiv oder auch mal negativ auswirken können. So weichen beispielsweise Kämpfer mit „Desert Bred“ in der Wüste besser aus und Soldaten mit der Eigenschaft „Lonely“ werden leichter getroffen, wenn sich gerade kein Kollege in der Nähe befindet. Zu Beginn besitzt jeder Charakter zwei bis vier dieser Eigenschaften, jedoch kommen durch das Steigern der Klassen später weitere Vorteile hinzu.

Viele frische Ideen, eine packende Story und ein prima funktionierendes Gameplay – auch für Nicht-Anime-Fans ein Hit!Fazit lesen

Nachdem man die Truppen ausgesucht und platziert hat, geht es los – die erste Runde beginnt! Auf einer Übersichtskarte sieht man vorerst Symbole, die eure eigenen Kämpfer repräsentieren. In jeder Runde steht einem eine gewisse Anzahl an Command-Punkten zur Verfügung, die auch an bestimmte Charaktere gekoppelt ist – wenn man einen solchen Leader verliert oder beim Gegner ausschaltet, gibt es Abzüge beim Command-Punktestand. Wählt man nun eine Einheit aus, so kostet dies einen Command-Punkt (zwei bei Panzern). Daraufhin wechselt die Perspektive und man befindet sich mitten im Kampfgeschehen, das man aus einer Third-Person-Sicht über die Schulter des Charakters wahrnimmt.

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Das Spielgeschehen wirkt wie mit Aquarell gemalt, was der originellen Optik eine künstlerische Note verleiht.
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Jeder Charakter hat eine unterschiedlich große Leiste mit Action-Punkten. So verfügen Scouts über sehr viele Punkte, Lancer oder Sniper hingegen müssen mit weniger klar kommen. Wenn eine Einheit in dieser Runde schon einmal aktiviert wurde, hat sie deutlich weniger Action-Punkte zur Verfügung. Bewegt man nun den Charakter, werden Action-Punkte verbraucht. Brenzlig wird es dabei, wenn man die Schusslinien der Einheiten durchkreuzt. Es gilt also, in Deckung zu bleiben und eine Position zu finden, von der man selber gut schießen kann und später im gegnerischen Zug wiederum das Feld vorteilhaft zu überblicken vermag.

Will man schießen, so wechselt das Spiel in eine Zielperspektive, in der man sich alle Zeit der Welt lassen kann um einen Gegner ins Visier zu nehmen, einen Schuss abzugeben oder zur Handgranate zu greifen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dabei, dass jeder Schuss irgendwo im Zielkreis landet und der Widersacher trotz sauber platziertem Fadenkreuz verfehlt werden kann. Wenn man aber gut trifft – immer auf den Kopf zielen! – so fällt der Gegner schnell um. Übersteht er den Beschuss jedoch, so schießt er direkt zurück.

Wo geschossen wird, da fallen die Soldaten

Wenn der Feind aber hinter Sandsäcken oder sonstiger Deckung kauert, ist er gut geschützt und Kopftreffer helfen nicht viel – es bietet sich an, zuerst mit Granaten die Deckung zu sprengen oder sie mit dem Panzer niederzuwalzen. Panzer sind ohnehin die Könige des Schlachtfeldes: Normales Infanteriefeuer stört sie nicht mehr als ein sanfter Regen, und ihr eigenes Geschütz, ihr Mörser oder ihr Maschinengewehr säen Tod und Vernichtung.

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Die mächtigen Panzer haben nur eine Schwachstelle: der leuchtende Reaktor auf ihrer Rückseite.
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Panzer haben aber auch eine Schwachstelle: Auf ihrer Rückseite befindet sich eine leuchtende Schwachstelle, der Reaktor. Hier kann selbst eine Infanteriekugel fühlbaren Schaden anrichten, und wehe, wenn ein Lancer oder Tank es auf die Hinterseite schafft – dann reicht schon ein einzelner Treffer und es ist vorbei mit dem Kettenfahrzeug!

Es wundert wenig, dass bei all dem Kugelhagel schnell auch mal die Trefferpunkte einer Einheit auf 0 sinken, sie umkippt und auf dem Schlachtfeld liegen bleibt. Man sollte schleunigst versuchen, eine andere Einheit zu dem Gefallenen zu bewegen, denn dann wird ein Sanitäter gerufen und der Verwundete vom Schlachtfeld geschafft – in späteren Missionen steht er dann wieder zur Verfügung. Wenn dies aber nicht rechtzeitig geschieht, oder der Gegner zuerst mit einer Einheit zum Niedergeschossenen gelangt, beißt der Kamerad unwiderruflich ins Gras.

Als weitere taktische Möglichkeit kann man mit seinen Command-Punkten auch Nachschub aufs Feld beordern oder Order erteilen – letzteres boostet beispielsweise kurzfristig die Werte bei eigenen Einheiten. Wenn man seine Runde irgendwann beendet – ungenutzte Command-Punkte werden in die folgenden Runden übertragen – kommt der Gegner an die Reihe und agiert nun mit seinen Einheiten. Gut platzierte eigene Einheiten können dabei wiederum auf den Gegner schießen.

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Die malerischen Zwischensequenzen sind gut portioniert und erzählen gekonnt die spannende Geschichte von Welkin.
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Nach diesem Muster absolvieren Spieler und K.I. abwechselnd ihre Züge, bis entweder die Siegbedingungen erfüllt sind oder der Spieler scheitert – letzteres geschieht meistens dann, wenn Welkin stirbt, die eigene Basis erobert wird oder eine bestimmte Anzahl an Runden verstrichen ist. Manchmal fällt das Gewinnen richtig schwer, so dass man tüfteln und taktieren muss, um die herausfordernden Missionen zu bestehen. Langweilig wird es dabei mit Sicherheit nicht!

Für gewonnene Missionen gibt es dann Erfahrungspunkte und Geld, die beide im Hauptquartier ausgegeben werden können. Man kann seine Ausrüstung verbessern, neue Order lernen, Edelweiß aufrüsten oder bestimmte Truppenteile trainieren. Die Verbesserungen gelten dann auch gleich für alle entsprechenden Truppenteile, wobei sich ein Levelanstieg bei jedem Soldaten etwas anders auswirken kann. Diese Rollenspielelemente sorgen für weiteren Spielspaß und taktische Möglichkeiten und erlauben es, die Soldaten und die Ausrüstung auf die eigenen Wünsche und Taktiken abzustimmen.

Dumm wie Stroh

Bei allem Lobgedudel muss aber auch ein Blick auf die negativen Aspekte des Spiels geworfen werden. Zuallererst wäre da die leider ziemlich dämliche K.I. zu nennen. Viel zu oft laufen die Gegner einfach durch den eigenen Kugelhagel, um eine bessere Schussposition zu erreichen, und lassen sich dabei einfach niedermähen. Viel zu selten stellen sie sich so auf, dass sie selber taktisch agieren und sich beispielsweise gegenseitig decken. Auch auf Taktiken des Spielers reagiert die K.I. zu wenig.

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Die schwache KI der verfeindeten Armee des Empires läßt zu Wünschen übrig.
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Beispiel Edelweiß-Engineer- Kombo: Man setzt seinen Panzer einfach dem gegnerischen Beschuss aus. Die feindlichen Lancer und Panzer nehmen nun mit Freuden Welkins Gefährt unter Feuer und beschädigen es. Wenn man hinter dem Tank aber einen Techniker versteckt, kann man jede Runde den Panzer reparieren, was der Computer aber nicht peilt und fröhlich weiter vergeblich versucht, Edelweiß zu zerstören. Das Spiel kann man so locker über Runden treiben – der Computer wird nicht versuchen, den Techniker zu finden und auszuknipsen oder lohnendere Ziele unter Beschuss zu nehmen. Dass trotz mangelnder K.I. der Schwierigkeitsgrad in die Höhe steigt liegt daran, dass die Gegner und das Leveldesign anspruchsvoller werden.

Zweites großes Manko ist der fehlende Mehrspieler-Modus. Gerade bei einem rundenbasiertem Strategiespiel sollte der problemlos umzusetzen sein, doch leider gönnt uns SEGA das Vergnügen nicht - weder an der gleichen Konsole noch übers Netz.

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Mittels Command-Punkte kann man auch die Werte der eigenen Soldaten boosten.
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Letzter Negativ-Punkt ist die manchmal etwas umständliche Menügliederung. So fehlen etwa praktische Übersichtsmöglichkeiten über die eigene Truppe. Wenn man beispielsweise seine Truppe zusammenstellt und dabei auf gute Sympathien zwischen den Kämpfern achten möchte, bleibt einem nur der Gang über die einzelnen Charakterbeschreibungen und ein gutes Gedächtnis – oder Stift und Papier.

Manchmal sind auch einige Menüs etwas unglücklich aufgebaut; so kann man beispielsweise deutlich mehr Dinge erforschen, als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Man muss dafür nur in der entsprechenden Übersicht nach unten scrollen – doch darauf muss man erst einmal kommen, es ist nicht intuitiv. Die Menüführung ist zwar insgesamt sehr stimmig und unterstützt die dichte Atmosphäre des Spiels gut, doch für das tatsächliche Gameplay wünscht man sich eine etwas praktischere Lösung.