Geschätzt rund 17 Millionen Tote, unzählige Verletzte und etliche zerstörte Leben: Die Statistik des Ersten Weltkrieges liest sich als bedrückendes Armutszeugnis der jüngsten Menschheitsgeschichte. Während weltweit Museen und Projekträume zum 100. Jubiläum der „Urkatastrophe des 20. Jh.“ gedenken, reiht sich nun auch erstmals die Spieleindustrie in die kollektive Gedenkzeremonie ein und drückt uns kein Kriegsspiel, sondern ein Spiel über den Krieg in die Hand: Valiant Hearts.

„Es war uns wichtig, den Spieler als Opfer den Krieg erleben zu lassen und nicht mit zwei Maschinengewehren bewaffnet von Schützengraben zu Schützengraben zu schicken und 'böse Deutsche' erschießen zu lassen.“ Die Prämisse des Entwicklerstudios Ubisoft Montreal war eindeutig: Kein Kriegsspiel, sondern ein Spiel über den Krieg sollte geschaffen werden, das von verschiedenen Charakteren und ihren Lebensgeschichten erzählt, die von der Wucht des weltweiten Konflikts hart und unvorbereitet getroffen wurden.

Wie wir bereits in unserem Test zum Spiel herausgestellt haben, gelingt dieses Unterfangen außerordentlich gut. Mit viel Liebe zum Detail und der historischen Realität stolpern die Protagonisten über das europäische Schlachtfeld und bieten dem Spieler eine fruchtbare Fläche zur Identifikation und Reflexion.

Der Release des Spiels fiel fast auf den Tag genau mit dem 100. Jubiläum des Krieges und dem Beginn der großen Ausstellung "1914-1918. Der Erste Weltkrieg“ des Deutschen Historischen Museums (DHM) Berlin zusammen, die stationsweise Geschichte und Hintergründe des Konflikts anschaulich aufarbeitet.

Auf unsere Einladung hin, besuchte uns der Kurator der Ausstellung, Andreas Mix, in der gamona-Redaktion und spielte rund eine Stunde Valiant Hearts: The Great War – und erlebte damit auch sein erstes Videospiel überhaupt. Besonders fasziniert war er von der Tatsache, dass die Entwickler aus Kanada einen ähnlichen roten Faden für ihre Nacherzählung des Krieges nutzten wie die gegenwärtige Ausstellung des Museums.

Andreas Mix' Meinung zu Spielen mit Bildungsauftrag, Videospielen allgemein und der Möglichkeit, auch den zweiten Weltkrieg in ähnlicher Form aufzubereiten, erfahrt ihr im Videobeitrag.

Valiant Hearts: The Great War - Ein Historiker spielt Valiant Hearts6 weitere Videos

Teilt ihr die Meinung des Historikers? Wünscht ihr euch eine ähnlich ernste Aufbereitung anderer Konflikte in Spielen, wie Valiant Hearts es getan hat? Wie könnte das eurer Meinung nach aussehen?