Eigentlich hätte alles so schön sein können. Nach langen Jahren der Durststrecke verwöhnt uns Sony endlich mit einem Action-RPG, das geradlinig und ohne wenn und aber nur dem einen Zweck dient: in bester Diablo-Manier durch sinistre Orte zu latschen und dabei Monster zu plätten und Schätze zu sammeln.

Leider bleibt es bei dem Wunschdenken, denn »Untold Legends Dark Kingdom«, das im Mai die Bühne des PS3-Lichts betreten hast, ist meilenweit davon entfernt, uns wirklich gutes RPG-Futter zu liefern.

Untold Legends: Dark Kingdom - TrailerEin weiteres Video

Immer feste druff!
Hack'n'Slay-Spiele haben eins gemeinsam: die Hintergrundgeschichte ist in etwa so komplex wie die Regeln von »Mensch ärgere Dich nicht«. Nicht anders verhält es sich auch im finsteren Königreich Dureth, dessen einst herzensguter König einige Helden an die Grenzen seines Reiches geschickt hatte, um ein paar Barbaren zu zeigen, wo der Hammer hängt. Kaum dass die bösen Buben besiegt sind, kommt den tapferen Recken zu Gehör, dass seine Majestät mittlerweile die eine oder andere Schraube locker hat und das Land mit Tod und Verderben überzieht. Edel, hilfreich und gut, wie sie nun einmal sind, machen sie sich daraufhin auf den Weg, dem wüsten Treiben ein wohlverdientes Ende zu setzen. Intellektuell dürfte mit dieser Geschichte wohl niemand überfordert sein.

Untold Legends: Dark Kingdom - Fades Gekloppe statt fetzigem Hack 'n Slay. Hoffentlich kommt Diablo 3 für die PS3...

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Wie oft soll ich es denn noch sagen? Das Tokyo-Hotel-Konzert war gestern!
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Zu Beginn wählt man seine Figur aus einer der drei verfügbaren Klassen Krieger, Magier oder Aufklärerin. Für den Verlauf der Handlung spielt es allerdings so gut wie keine Rolle, für welchen Charakter man sich entscheidet, denn in der Praxis spielen sich die drei Typen nahezu identisch. Und darin liegt auch bereits einer der entscheidenden Nachteile von »Untold Legends Dark Kingdom«. Denn wo vergleichbare Titel unterschiedliche Vorgehensweisen und womöglich sogar verzweigte Handlungsstränge aufweisen, weiß man hier bereits nach wenigen Minuten, wie der Hase läuft: Horden von Gegnern stürmen entweder keulenschwingend blindlings auf den Spieler zu oder schießen brav aus dem Hinterhalt mit Pfeilen.

Je nach gewählter Charakterklasse wird nun entweder allein oder zusammen mit einigen KI-gesteuerten Prügelknaben gehauen, gefochten oder mit Feuerbällen und ähnlichem geworfen, doch geschieht all dies stets auf die gleiche Weise. Fernkampf findet dabei fast genauso selten statt wie harter, kompromissloser Sex bei Amöben.

Packshot zu Untold Legends: Dark KingdomUntold Legends: Dark KingdomErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Auch taktische Vorgehensweise ist nicht sehr gefragt, denn die Gegner agieren dümmer als frittierte Kochbananen. Da man seine Mitstreiter nicht verletzen kann, braucht man zudem nicht auf im Weg herumlungernde KI-Krieger Rücksicht zu nehmen. Stattdessen wird auf der Viereckstaste oder dem X-Button herumgedroschen wie nichts Gutes. Denn ähnlich wie bei gewissen Prügelspielen gewinnt man durch heftiges Buttonsmashen schnell die Oberhand. Wer sich bei diesem Seitenhieb an die gnadenlosen Controller-Verprügelorgien der Tekken-Reihe erinnert fühlt, liegt richtig. Zwar sind auch bei ULDK diverse Kombos möglich, jedoch meist unnötig, da man fast immer durch ein und dieselbe Schlagfolge zum Ziel kommt. Das verschafft Anfängern für eine Weile eine gewisse Befriedigung, Prügelspezialisten und RPG-Fans überkommt hierbei jedoch schon nach kurzer Zeit das Grausen.

Haujobs
Um dem Ganzen so etwas wie eine Story überzustülpen gilt es, nacheinander diverse Aufgaben zu lösen. Auf deren Abfolge hat man jedoch keinen Einfluss, sondern die lineare Handlung gibt sie hintereinander vor. Das mag einfachen Gemütern ebenfalls ausreichen. Diejenigen, deren intellektuelle Fähigkeiten über das Schälen einer Kartoffel hinausgehen, wird dieses Prinzip vermutlich genauso schnell anöden wie das tumbe Buttongehaue. Immerhin ist es möglich, mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit anzusammeln, die dann beliebig nacheinander abgearbeitet werden. Intelligente Folgequests, wie sie spätestens seit den allseits beliebten MMORPGs Standard sind, sucht man hier jedoch vergeblich.

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Der Beweis: Saddam Hussein am Leben!
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Immerhin wurde ein recht ausdifferenziertes Level-Up-System integriert. Die eigene Figur erhält für jeden Stufenanstieg zwei Punkte, die beliebig auf die Attribute verteilt werden dürfen. Daneben werden auch noch vorhandene Zaubersprüche verstärkt oder neue gelernt.

Je nach gewählter Klasse empfiehlt es sich zwar, die Punkte gezielt einzusetzen, doch echte Vor- oder Nachteile ergeben sich infolge der nahezu gleichen Spielweise aller Figuren nicht.

Auch die Waffen können aufgeziegelt werden. Dazu werden die Teile mit bis zu vier Verbesserungen versehen, die unterschiedliche Eigenschaften haben und für mehr Bumms sorgen. Die Upgrades findet man entweder in Schatztruhen, oder man stellt sie selber her. Dazu betritt man einen der häufig im Spiel vorkommenden Schreine und wählt dann im Verbesserungsmenü das gewünschte Element aus. Je nach Qualität wird dafür unterschiedlich viel so genannte Essenz benötigt, quasi die Währungseinheit im Spiel. Die wiederum findet man ebenfalls in Truhen oder sammelt sie von besiegten Gegnern ein. Überschüssige Ausrüstung lässt sich hier ebenfalls in Essenz umwandeln, so dass man recht schnell zu ansehnlichen Beträgen kommt.

Praktisch ist, dass man an den Schreinen auch den jeweiligen Spielstand speichern kann. Das senkt auch die Frustschwelle für den Fall, dass es einen doch mal irgendwo zerreißt und man so nicht einen gesamten Levelabschnitt nochmals durchspielen muss.

Bewegungsanreiz
Nicht nur spielerisch herrscht in weiten Teilen Wüstenei im Lande Dureth. Auch technisch weiß der Titel nicht zu überzeugen. So werden Klamotten, die man seinem Charakter spendiert, gar nicht erst angezeigt, sondern es ändert sich bestenfalls die Farbe des Teils, das er bereits am Körper trägt.

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Ich sagte: Runter von meiner Parkbank!
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Das macht es etwas schwierig, sich über den eigenen Rüstungszustand ein Bild zu machen. Entgegen des vollmundigen Packungstextes, der von »Next Gen HD-Grafik« schwärmt, sieht ULDK eher aus wie ein - immerhin - gutes PS2-Spiel. Die Animationen der Kombos und Bewegungen sind gelungen, was aber leider des Öfteren von einer zickigen Kameraführung zunichte gemacht wird. Denn bei hektischen Drehungen der Verfolgerkamera verkriecht sich diese schon mal hinter Gestrüpp oder schwenkt aus dem Geschehen heraus.

Von großartigen Effekten und üppigem Detailreichtum fehlt leider weitgehend jede Spur. Das ist mehr als ärgerlich, denn wer teures Geld in Sonys neues Hightech-Spielzeug investiert hat, wird ein weiteres Mal angesichts der deutlich unter den Möglichkeiten der Konsole zurückbleibenden Technik enttäuscht. Immerhin haut wenigstens die Geräuschkulisse hin. Zu orchestraler Untermalung bügelt man den bösen Buben die Falten aus der Panzerung, was für Schwung und Schmiss sorgt. Auch die deutsche Sprachausgabe ist professionell inszeniert, wirkt allerdings uninspiriert und weiß nach einiger Zeit zu langweilen.

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Steht immer unter Strom: unser Chefredakteur.
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Eines soll jedoch am Schluss nicht unerwähnt bleiben: der Multiplayerpart, der sowohl on- als auch offline deutlich mehr Spaß macht als der Singlemodus. Während über Sonys Netzwerk bis zu vier Spieler mit- oder gegeneinander antreten, macht man auf einer Konsole mit einem Kumpel gemeinsam Jagd auf das miese Kroppzeug. Besonders gut: Neueinsteiger können im Koop-Modus auch an einem bestehenden Spiel teilnehmen. Wer also seine Figur schon durch etliche Levels geschleift hat, braucht nicht von vorne anzufangen, sondern holt seinen Mitspieler jederzeit ins Geschehen. Der fängt dann zwar auf der untersten Stufe an, kann sich aber dank des simplen Spielprinzips sehr schnell nach oben arbeiten. Das macht aus dem düsteren Königreich zwar auch kein gutes Spiel, aber gemeinsam ist das tumbe Metzeln allemal lustiger als allein. Und sei es nur, um gemeinsam über dieses Spiel abzulästern.