Wir Spieler stehen ja auf moralische Entscheidungen. Wir haben Spaß daran selbst zu wählen, ob einer der wichtigsten Charaktere der Mass-Effect-Saga mit einer Kugel zwischen den gehörnten Schädelplatten endet oder weiterhin unser Verbündeter bleibt. Wir wollen entscheiden, ob ein Dorf in Dragon Age: Inquisition zum größeren Wohle - dem Schutz einer mächtigen Bastion - geopfert werden soll, die den ganzen Landstrich beschützt. Entscheidungen machen uns zum General und Herr der Handlung. Und Entwickler nehmen das gerne an, schließlich will niemand wieder riskieren, dass Fans Kreative von Bioware & Co. zu ihrem Karriereende treiben. Der Spieler als Chefautor, das ist der Trend des 21. Jahrhunderts.

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Mission Impossible: Eine unmögliche Wahl

Doch Entscheidungen können sich auch verdammt real anfühlen und emotional weh tun. Etwa in The Witcher 3, als wir ein mystisches Baumwesen abfackeln, obwohl es beschwört jene Kinder retten zu können, die wir gerade an einem Hexenhäuschen kennengelernt haben. Wir lassen das Wesen brennen, erfüllen eine Quest, doch die Kinder sind plötzlich nicht mehr da, dafür haben wir einen anderen wichtigen Charakter gerettet.

Oder in Until Dawn, in einer Situation, die ebenfalls über Leben und Tod entscheidet. Stellt euch vor eure Freundin säße direkt vor euch, gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Über euch kreisen messerscharfe Sägeblätter, die immer näher kommen. Eine gehässige Stimme befiehlt euch: „Wähle weise. Du oder sie, schieß“. Ihr habt eine Pistole in der Hand, sollt ihr oder euch eine Kugel in den Kopf jagen. Eine völlig groteske Situation, schließlich würdet ihr nie eine Frau erschießen, der euer Herz gehört (für unsere Leserinnen gilt das natürlich analog, nur in der gespielten Situation ist der Mann in diesem Fall derjenige, der entscheiden soll). Was würdet ihr wohl tun?

Until Dawn - Horror-Heavy-Rain mit Killzone-Engine

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Until Dawn ist geprägt von unmöglichen Entscheidungen. Erschießen wir uns in einer Szene selbst, können wir dadurch unsere Freundin Ashley retten.
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„Heroes“-Star Hayden Panettiere ist die neue Ellen Page

Die Wahl fällt schwer, weil das hier kein typischer B-Movie-Horror-Flick ist. Die Charaktere sind erstaunlich gut geschrieben und die Autoren schaffen es, mit den anfänglichen Dialogen eine schöne Chemie aufzubauen. Die funktioniert auch sehr gut, weil die Technik wirklich beängstigend echte Mimik auf den Bildschirm zaubert. Das Team von Supermassive Games hat von Sony die Erlaubnis erhalten, die Engine von Killzone: Shadow Fall zu verwenden - daraus kreieren sie Szenen, in denen wir Ashley ihre Angst wirklich abkaufen.

Sie verzieht die Mundwinkel, beißt die Zähne zusammen um nicht loszuschreien, doch es rinnen ihr vereinzelte kleine Tropfen aus den Augen. Sie reißt die Pupillen weit auf, wenn wir zum Test den Lauf der Pistole in ihre Richtung bewegen und folgt der Waffe mit den Augen sichtlich. Als wir den Revolver nach unten sinken lassen, können wir sehen, wie ihre Anspannung sich leicht löst. In solchen Situationen wird klar, warum Sony nach Hollywood-Star Ellen Page (Inception, X-Men: Days of Future Past) dieses Mal auf eine Schauspielerin mit sehr viel Serienerfahrung zurückgreift: Hayden Panettiere, die ihr am ehesten als Claire Bennet aus „Heroes“ kennt oder Juliette Barnes aus „Nashville“.

Until Dawn - Horror-Heavy-Rain mit Killzone-Engine

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Aktuell geht die Reise eher Richtung klassischer Scarejumps. Hier hängt beispielsweise die kopflose Leiche einer unserer Freunde. Sterben kann hier jeder.
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Das Gameplay: auf Entscheidungen reduziert

Der Vergleich zu Heavy Rain und Beyond: Two Souls passt auch daher gut, weil sich das Gameplay nur auf die nötigsten Mechaniken beschränkt. In vielen Situationen leuchtet ihr mit eurer Taschenlampe nur nach rechts oder links, um entweder einen Raum zu durchsuchen, in dem ihr etwas Interessantes vermutet, oder euren Freunden durch eine schwere Eisentür zu folgen. Ansonsten wird geschlichen und „gequicktimed“, etwa um einen Abgrund zu überspringen, in dem tödliche Stacheln nach menschlichem Fleisch gieren.

Until Dawn ist mit seiner schauspielerischen Leistung, fiesen Scarejumps und der beeindruckenden Killzone-Technik sicher eine der größten Überraschungen der gamescom.Ausblick lesen

Spannend ist allerdings wie non-linear sich das Spiel anfühlt. Die Situation mit der Kreissäge über dem Kopf hätten wir verhindern können, in dem wir ein kleines Puppenhaus durchsuchen und dort eine Nagelschere finden. Allerdings auch nur, wenn wir es per Drehbewegung des DualShock-4-Controllers so wenden, dass die Waffe rausfällt. Damit hätten wir dem Psycho, einer typischen Horrorfilm-Gestalt mit weißer Maske, in die Augen stechen und so entkommen können. Das bedeutet aber natürlich nicht die endgültige Rettung, der Rache des Maskenmannes solltet ihr euch gewiss sein. Die Entwickler nennen das Ganze Butterfly-Effect, sprich jede Handlung zieht eine Konsequenz nach sich. Wer sich selbst rettet, tötet damit möglicherweise einen seiner Freunde.