Autor: Christopher Link

Als Indiana Jones habt ihr einst Atlantis vor seinem Schicksal bewahrt. Der "Bote der Götter" wurde dank euch wieder zum Postboten degradiert.

In "Undercover" könnt ihr nun dafür sorgen, dass die "Operation Wintersonne" der Nazis schon morgens wieder untergeht. Also: Ran an die Rätsel. Und unser Review.

Undercover: Operation Wintersonne - GC 2006 Trailer

Wir schreiben das Jahr 1943. Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange. In diesen bewegten Zeiten erhält der Physiker John Russel vom britischen Geheimdienst den äußerst undankbaren Auftrag, Informationen über ein geheimes Projekt der Deutschen namens "Operation Wintersonne" zu finden und im optimalen Fall die Geheimwaffe gleich zu sabotieren.

Da so ein Physiker aber nicht gerade einen Vorzeigespion abgibt, wird ihm der Agent Peter Graham und später die attraktive Anne Taylor zur Seite gestellt. Und bevor wir überhaupt unsere Koffer packen können, geht's auch schon ab in den Flieger gen Deutschland.

Undercover: Operation Wintersonne - Mit Stock, Schirm und Mauszeiger: Wie John, Peter und Anne die Geheimwaffe der Nazis sabotieren.

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"Wenn der aufwacht, bin ich tot!" Jetzt bloß nicht furzen!
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So weit, so turbulent: Am ersten Treffpunkt angekommen - einem Kriegswaffeninstitut - gilt es auch schon die ersten Rätsel zu lösen. Auch wenn diese noch nicht sonderlich schwer erscheinen, trübt von Anfang an eine Sache den Spielspaß: So füllt sich euer Inventar nach kürzester Zeit ins Unermessliche, bis irgendwann auch der abgebrühteste Adventure-Fan die Übersicht verloren haben wird. Wenn John aus einer einzelnen Kiste gleich sieben (!) verschiedene Objekte einstreicht, ist weniger Bescherung als vielmehr Verwirrung angesagt.

Packshot zu Undercover: Operation WintersonneUndercover: Operation WintersonneErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Den Wald vor lauter Nüssen…
Glücklicherweise geben Gespräche sowie hie und da gefundene Zettel wichtige Hinweise auf der Rätsel Lösung: Ganz allein im Wald der Kopfnüsse steht man also nie. Auf diese Weise wird eine Chemikalienknobelei ganz zu Beginn des Spiels durch eine Notiz zur einfachen Kombinationssache.

Undercover: Operation Wintersonne - Mit Stock, Schirm und Mauszeiger: Wie John, Peter und Anne die Geheimwaffe der Nazis sabotieren.

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Wir versuchen uns als Safeknacker und werden bei U wie Uranbombe fündig.
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Des Weiteren können alle ungeduldigen Rätselfreaks eine optionale Hilfe in Anspruch nehmen, die - wie schon "Geheimakte Tunguska" - alle interaktiven Hotspots auf dem Bildschirm anzeigt. Millimetergenaues Absuchen der Szenarien ist somit nicht notwendig. Trotzdem weisen wir darauf hin, dass diese Funktion wirklich nur dann eingesetzt werden sollte, wenn es unbedingt erforderlich ist, da "Undercover" sonst viel zu einfach wird und jeden Reiz verliert.

Gesteuert wird John Russel wie in anderen Point&Click-Adventures - bloß umgekehrt. Soll heißen: Mit der linken Maustaste untersucht ihr Gegenstände und Personen, mit der rechten interagiert ihr hingegen mit ihnen. Das Inventar wird je nach Cursorposition komfortabel ein- und ausgeblendet, und auch die Kombination der Objekte im Inventar klappt auf Anhieb. Einfacher geht es echt nicht.

Urlaub bei Freunden...
Anders als in manch vergleichbarem Adventure bereist ihr in "Undercover" nicht den halben Globus, sondern rätselt euch - mit einer Ausnahme ganz am Ende des Spiels - ausschließlich in Deutschland den Weg frei. Dort begebt ihr euch in streng bewachte Archive, lenkt Wachen mit einer Alarmsirene an Straßenblockaden ab, fahrt mit dem Zug in ein verschlafenes Nest, hinter dessen Fassade sich mehr verbirgt, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, und schlagt euch in einem unterirdischen Tunnelkomplex mit allerlei Widrigkeiten herum.

Die Reiseroute mag nicht ganz so abwechslungsreich sein wie bei manchem Konkurrenzprodukt, wirkt aber wesentlich realistischer als der x-te Rundflug von Südafrika über Russland bis Belgien und zurück.

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Solch malerische Idyllen gibt es leider nur selten in Undercover.
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Diese Beschränkung erlaubt es der Storyline zudem, einen vernünftigen Rahmen abzustecken, in dem sich das Handlungsgeflecht entwickeln kann, anstatt sich ständig an neuen Schauplätzen zu verfransen. Auf diese Weise kann sich das Spiel intensiver mit seinen Figuren beschäftigen und streut sogar die eine oder andere überraschende Wendung ein.

Leider geht diese Formel nicht immer auf. John Russel besitzt einfach längst nicht so viel Charisma und Charme wie ein George Stobbard aus "Baphomets Fluch". Während Stobbard & Co. die an sich trockene Rätselkost mit gekonntem Wortwitz und gelegentlich aufblitzender Ironie durchbrechen, nimmt sich die Geschichte um - wir können es ja verraten - eine Uranbombe etwas zu bierernst.

Gelungenes Rätseldesign und überzeugende Technik
Doch es gibt auch rundum erfreuliche Nachrichten: Viele der Rätsel sind mit gesundem Menschenverstand und einer Prise Logik problemlos zu knacken und so beschaffen, dass sie auch im echten Leben vorstellbar sind. Wer auch nur über einen gewissen Sinn an Kombinationsgabe verfügt, dem sollte es nicht schwer fallen, das Prinzip der Knobeleien zu durchschauen. Nur selten findet man ein Schalterrätsel. Langweilige Kistenschiebereien à la "Baphomets Fluch 3" gibt es zum Glück gar nicht. Auch den gefürchteten "Dead Ends" haben die Entwickler den Riegel vorgeschoben.

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"Heiliger Vater, ich habe gesündigt. Außerdem bin ich kein Deutscher, falls du es nicht merkst"
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Aber Achtung: Manche Rätselaktion legt dem Spieler ein striktes Zeitlimit auf. So muss die gute Anne in einem Rätsel mithilfe eines Sicherungskastens durch eine bewachte Bücherei gelotst werden. Hierbei sollte einerseits darauf geachtet werden, dass die Wachen Anne nicht bemerken und man andererseits nie zwei Sicherungen gleichzeitig herausdreht, da die Soldaten sonst misstrauisch werden und die Suche nach dem Eindringling aufnehmen. In beiden Fällen wäre die Mission gescheitert.

Optisch weiß "Undercover: Operation Wintersonne" mit seinen stilvollen zweidimensionalen Hintergründen zu gefallen. Die Integration der soliden 3D-Charaktere in die Szenarien passt jedoch leider Gottes nicht immer. Mit aktivierten Schatten und einem optionalen Sepia-Filter - eine nette Dreingabe - bekommt das Ganze einen gewissen historischen Touch. Wären da nur nicht die steifen und abwechslungsarmen Animationen, die den grafischen Gesamteindruck ein wenig trüben.

Auf der akustischen Seite wird jedoch nur das Beste vom Besten geboten: Die Auswahl der Sprecher ist hervorragend, die musikalische Untermalung passt wie die Faust aufs Auge, und die Effekte sind mehr als solide. Kleine Überraschung am Rande: Dass ausgerechnet die deutsche Stimme von Doug Heffernan aus der Sitcom "King of Queens" den eigentlich bierernsten John Russel vertont, mag auf den ersten Blick verwundern. Aber keine Angst: Jeder Sprecher macht seine Arbeit - bis auf wenige Ausnahmen - hervorragend.