Manchmal überkommt mich das Gefühl, dass Neuauflagen nur dafür da sind, um selige Erinnerungen kaputt zu machen. Viele Titel halten auch mit neuem Anstrich nicht den Ansprüchen stand, die wir in den Jahren nach deren Erstveröffentlichung entwickelt haben. Ich war mir recht sicher, dass dies auch bei Uncharted: The Nathan Drake Collection der Fall sei. Doch ich habe mich getäuscht. Sehr sogar.

Uncharted: The Nathan Drake Collection - Story-Trailer

Eine Angewohnheit des gemeinen Spieleredakteurs ist es, beim Testen eines Spiels bereits mit möglichen Überschriften und Satzbausteinen zu jonglieren. Oft kommt die Eingebung dazu beim Spielen ganz von selbst. So geschehen bei der Uncharted: The Nathan Drake Collection. Während ich die aufgehübschte, aber nicht zwingend umwerfende Remaster-Version des ersten Uncharted spiele, schleicht sich mir die Schlagzeile des Tests bereits nach wenigen Minuten ins Hirn: „Alte Liebe rostet doch… ein bisschen“.

Uncharted: The Nathan Drake Collection - Hallo, Freunde!

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Das sitzt! Die Spiele der Nathan Drake Collection sind liebevoll und gewissenhaft dem aktuellen Stand der Technik angepasst worden.
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Die Überschrift scheint so passend. Das erste Uncharted macht noch Spaß und wurde feinsäuberlich restauriert. Trotzdem ist die Spielmechanik aus heutiger Sicht kantig und holprig. Ich stempele die Spielesammlung im Kopf bereits als „eine nette Möglichkeit, diese Klassiker nachzuholen“ ab und plane das Anspielen auf ein Minimum zu reduzieren – ich kenne die drei Spiele schließlich in ihrer Grundfassung schon in- und auswendig. ZEITSPRUNG: Drei Stunden später. Es flimmert noch immer Uncharted: Drakes Schicksal über den Bildschirm. Es hat mich doch wieder gepackt. Nach einem entsetzten Blick auf die Uhr, speichere ich aber dennoch und starte Uncharted 2: Among Thieves … ZEITSPRUNG: Drei Stunden später. Vielleicht noch kurz in Uncharted 3? ZEITSPRUNG: DREI STUNDEN SPÄTER!

Victor: „Cut to the chase will ya?“
Nathan: „Man only interested in the climax. You must be a real hit with the ladies.“
Victor: „Never had any complaints.“

Nate, alter Kumpel!

Die Handlungsstränge der drei Uncharted-Teile anzureißen, ist unnötig. Alles, was ihr wissen müsst, ist, dass es in allen Spielen um den Schatzjäger Nathan Drake geht. Nathan ist Nachkomme des Seefahrers Sir Francis Drake, immer auf der Suche nach dem nächsten antiken Jackpot und dabei garantiert immer mit einem lässigen Spruch auf den Lippen. Dabei ist er ein geerdeter Actionheld. Er stolpert von einem überlebensgroßen Abenteuer in das nächste, bewahrt sich aber eine gewisse kindliche Naivität. Im Anschluss an wahnwitzige Klettereien, Schusswechsel und Schlägereien klopft sich Nathan den Schmutz aus der Kleidung und geht mit einem Gewinnerlächeln weiter seines Weges.

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Auch der erste Uncharted-Teil hat trotz technischer und spielerischer Schwächen in der Remastered-Version seinen Reiz.
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Dabei begleiten ihn verschiedene Personen: Vaterersatz, Mentor und Schlitzohr Victor Sullivan, Draufängerin, Reporterin und love interest Elena Fisher und Femme Fatale und Raubein Chloe Frazer, sowie noch einige andere. Aber auch hier kann man es wieder auf das nötigste herunterbrechen: Eine echt herzige Truppe!

Uncharted ist noch immer die Blaupause cineastischer Actionspiele – mit der Nathan Drake Collection erhält die Serie eine Umsetzung, die diesem Ruf gerecht wird.Fazit lesen

Chloe: „Seems like I am always saving your arse.“
Nathan: „Well, it is an ass worth saving.“

Gebohnert und poliert

In meiner Erinnerung sind Spiele von anno dazumal meist blumige Erscheinungen hinter einem faustdicken Nostalgie-Weichzeichnungsfilter. Dass die Spiele dabei schlechter aussehen als die Gaming-Apps auf meinem Smartphone? Blende ich aus! Spätestens aber mit einer grafischen Neuauflage auf dem Tisch, werfe auch ich einen ungetrübten Blick zurück. Und ganz ehrlich? Die ersten beiden Uncharted-Spiele sehen aus heutiger Sicht trotz nur einer Generation Abstand gar nicht mehr so gut aus.

Doch der für die HD Collection zuständige Entwickler Bluepoint Games (unter anderem: The ICO & Shadow of the Colossus HD Collection, Metal Gear Solid HD Collection) hat ganze Arbeit geleistet. Die Spiele wurden gewissenhaft und liebevoll dem aktuellen Technikstand angepasst. Neben den 1080-Full-HD-Bildpunkten und erhaben dahinfließender 60 Frames pro Sekunde, sind es vor allen Dingen Texturen, Kantenglättung und Beleuchtung, die eine deutliche Überarbeitung erfuhren. Für den filmreifen Look haben die Remaster-Experten von Bluepoint außerdem Tiefenschärfe-Effekte eingebaut.

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Vor allen Dingen Uncharted 3: Drake's Deception geht in der aktuellen Version gut und gern auch als Current-Gen-Titel durch.
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Liest sich nett, schaut sich aber noch weit besser an: Zwar merkt man der detaillierteren Texturtapete durchaus an, dass darunter ein veraltetes Technikgerüst werkelt, doch gerade Uncharted 2: Among Thieves und Uncharted 3: Drake's Deception sehen auf der PlayStation 4 so umwerfend aus, dass sie auf den ersten Blick glatt als aktuelle Exklusivtitel durchgehen könnten. Lediglich Uncharted: Drakes Schicksal hält dem viel zitierten Zahn der Zeit aufgrund von hakeligen Animationen und reduzierten Gesichtsbewegungen nicht ganz Stand. Was aber nicht heißen soll, dass die Remaster-Umsetzung nicht gelungen ist: Bluepoint Games hat das Möglichste getan, das Spiel modern erscheinen zu lassen – aber seit 2007 ist halt einfach doch ein Weilchen vergangen.

Chloe: „Oh, is that an ancient Tibetan ritual dagger in your pocket?“
Nathan: „Maybe I'm just happy to see you.“

Sahnehäubchen in Magerstufe

Eine wundervolle Dreingabe der Uncharted: The Nathan Drake Collection ist der Fotomodus. Besonders Kennern der Serie bereitet es extrem viel Freude, den „Auslöser“ zu betätigen, und erinnerungswürdige Momente der Serie so ansehnlich festzuhalten. dass sie auch zum Wallpaper taugen würden. Um den perfekten Schnappschuss zu erstellen, darf mit der beweglichen Kamera, einigen Farbfiltern, Tiefenschärfe-Effekten und weiteren Spielereien experimentiert werden. Gerade bei den beiden jüngeren Teilen hat es mir dabei regelmäßig die Kinnlade ausgekugelt – es ist einfach unfassbar, wie gut diese Spiele noch (oder vielmehr „wieder“) aussehen! Leider ist der Kamerafokus dabei etwas zu stark auf Akteur Nathan zentriert, was einige tolle Bilder verhindert. Außerdem unterbindet das Spiel während selbstablaufender Szenen oder eigener Aktivität während Schießereien das Auslösen von Schnappschüssen. Trotzdem habe ich mit dem Modus mehr Zeit verbracht, als wahrscheinlich gesund ist – fast 200 Bilder entstanden während des Tests.

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Mit dem Fotomodus könnt ihr tolle Schnappschüsse machen und mit Farbfiltern und anderen Werkzeugen bearbeiten.
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Die restlichen neuen Funktionen sind unspektakulär. Eine Speedrun-Option gibt euch die Möglichkeit, während des Spieldurchlaufs einen Timer laufen zu lassen und Bestzeiten mit Freunden zu vergleichen. Mein Interesse, mich in diesem Punkt bei einem Uncharted zu messen, hält sich aber ungemein in Grenzen. Der neue „Gnadenlos“-Schwierigkeitsgrad ist nett, aber auch nicht wirklich mehr. Da sich dieser erst nach einmaligem Durchspielen auf „Extrem Schwierig“ freischaltet, bedeutet das für Kenner, bekanntes zwei Mal durchkauen zu müssen – das geht auch für mich als bekennenden Fan zu weit. Für Trophäenjäger aber vielleicht durchaus reizvoll, denn einige neue Erfolge haben es ebenfalls in die Sammlung geschafft.

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