Wenn ich damals bei „Uncharted 3“ davon gesprochen habe, dass sich der unverwüstliche Schatzjäger Nathan Drake nicht mehr so doll steigert, was seine erdrutschartigen Eskapaden angeht, sind wir spätestens im ersten Vita-Abenteuer an dem Punkt angekommen, wo die „Was-zum-Henker-passiert-denn-hier-und-wie-lange-noch“-Kurve etwas abflacht.
Eine wunderbare Demonstration dessen, was die Vita kann.FazitVerwundert mich nicht. Und ist ehrlich gesagt auch nicht schlimm. „Golden Abyss“ könnte für die Vita das werden, was Teil eins damals auf der PS3 war: ein vorsichtiger Fingerzeig in eine Richtung, in die sich Drake künftig bewegt, mit ordentlich Platz links und rechts seiner Marschroute. Beeindruckend beim anfänglichen Beschnuppern, aufregend, unbedingt erlebenswert – und steigerbar.
Bösartig stichelnd könnte man sagen, „Uncharted: Golden Abyss“ riecht ein wenig nach überstehenden Resten, die bei der Entwicklung des ersten Teils abgeschnitten wurden. Ein anderes Team drangesetzt – in dem Fall Bend Studio (u.a. Syphon Filter) –, um neue Charaktere und bemüht coole Touchscreen-Gimmicks erweitert, um die Ziffer am Ende beschnitten, und schon hat man ein Abenteuer, das den Gong schlägt für die alles aus den Fugen hauende Handheld-Generation.
Nur damit wir uns richtig verstehen: Selbst ein aus bekannten Resten verwertetes „Uncharted“ ist immer noch ein sehr gutes Spiel. Selbst wenn die Déjà-vu-Müdigkeit wiederkehrt und dafür sorgt, dass ich denke, dieses und jenes schon mal so oder so ähnlich auf der PS3 erlebt zu haben. Selbst wenn man Drake nicht wahnsinnig viele neue Facetten abgewinnen kann und er nicht mehr höher springt als im zweiten Abenteuer vor zweieinhalb Jahren.
Prächtige Aussichten sind das. "Golden Abyss" zeigt, was die Vita kann.Nun haben wir hier ein Vita-Spiel vor der Nase. Oder anders ausgedrückt: Er ist nicht beeindruckend, nicht epochal, sondern fast surreal, der erste Blick auf den kleinen Bildschirm. In dem festen Glauben, hier ein Handheld-Spiel vor sich zu haben. Zum Vergleich: Zuletzt fühlte ich mich in etwa so, als „God of War 2“ die in die Jahre gekommene PS2 von innen ausweidete.
„Golden Abyss“ könnte wirklich ein auf Hosentaschengröße zusammengedampftes PS3-Spiel sein, egal ob man Animationen, Lichteffekte, Oberflächen von Felswänden oder überwucherten Tempeln betrachtet. Die Bäume in der Ferne wirken teils ebenso krümelig wie Baumkronen, solange man sie vor dem kräftig roten Abendhimmel ansieht, aber das ist alles unwichtiger Kleckerkram. Nichts, was die weit aufgerissenen Augen zu Schlitzen zusammenschrumpfen ließe. Absolut nichts. Unterm Strich ist „Golden Abyss“ ein staunender Blick in eine mobile Spielezukunft. Wenn das in den nächsten Jahren so weitergeht, dann bewahre ich den Schlüssel zum Delorean gern auf.
Nun spielt man Uncharted wegen physischer Massen, die ins Wanken geraten, wegen mondlandungsweit hergeholter Logik bei der Wechselwirkung zwischen Körpern. Kurz: Es muss einstürzen, explodieren, krümeln und stauben.
von Sony Computer Entertainment, Bend StudioGenre: Action AdventurePlayStation Vita: 22.2.2012Freigegeben ab 16 Jahren
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