Ich bin ein Multiplayer-Shooter-Noob. Statt mich in aufreibenden Matches mit anderen Spielern um den größten … Erfolg zu messen, erlebe ich lieber eine spannende, völlig für meinen Genuss gestaltete Einzelspieler-Kampagne. Doch wenn mich dann doch mal ein Multiplayer-Modus anfixt, ist das ein außerordentlich gutes Zeichen. Warum das bei Uncharted 4 geklappt hat? Nun…

Uncharted. Hm. Wenn ich an Uncharted denke, kommt mir sicherlich nicht dessen Multiplayer-Modus in den Sinn. Seit dem zweiten Teil bereits implementiert Naughty Dog die Mehrspielerkomponente als Anhang ihres kinoreifen Schatzsucher-Abenteuers. Doch so richtig interessiert hat’s mich eigentlich nie. Beim grandiosen Uncharted 2: Among Thieves war er mir gerade mal einige wenige Runden und ein kurzer Versuch im kooperativen Gegnerwellen-Modus wert. Bei Uncharted 3: Drake’s Deception musste ich mich zwangsläufig beruflich damit beschäftigen, hatte sogar einige Zeit Spaß damit, doch nach Test-Schluss war’s dann auch wieder gut.

Und jetzt. Jetzt liegt da die Uncharted 4 Multiplayer-Beta einige Gigabyte groß auf der Festplatte meiner PlayStation 4. Multiplayer. Nicht das, worauf ich mich in Hinblick auf Uncharted 4 wirklich gefreut habe. Aber – wieder angetrieben durch berufliche Irrwege – probiere ich den Kram gezwungener Maßen etwas ausgiebiger aus. Und… ich habe Spaß. Ziemlich viel sogar. Das überrascht mich, auch wenn die Gründe dafür eigentlich auf der Hand liegen.

Uncharted 4: A Thief's End - Warum die Uncharted-Beta den Multiplayer-Noob in mir bekehrt hat

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 64/661/66
Dem Kugelhagel per Hechtrolle ausweichen und den Kill abstauben! Roll dich, du Troll!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Multiplayer-Modus von Uncharted 4 ist vergleichsweise einsteigerfreundlich. Ich glaube deshalb fühle ich mich zu Beginn gleich so wohl. Hier werden Noobs wie ich nicht gleich am Spawnpunkt von Kugeln durchsiebt, anschließend geteabaggt und mit Flame im Chat verabschiedet. Nein, ich habe Zeit, mich etwas einzugrooven, mich zu akklimatisieren. Klar rocke ich nicht sofort den Highscore und knüpfe Killstreak an Killstreak, aber ich kann mich durchaus wehren. Nach kurzer Zeit entsteht so etwas wie ein Flow. Üblicherweise ist der Flow eines Mehrspielertitels (oder -modus) nur den erhabenen SkillG4m3rn vorbehalten, die sich mit ihrer Expertise durch Noob-Horden wie durch Butter schneiden. Doch bei Uncharted 4 habe ich auch Spaß, ohne der Shooter-Gott zu sein.

Der Grund ist die Beweglichkeit und Flexibilität, die ich besitze. Die Hechtrolle ist ein essentielles Manöver, dessen rechtzeitigen Einsatz ich lernen muss. Es ist eine Schutzkapsel, eine Notreißleine. Sollte ich hinterrücks überrascht werden, ende ich deshalb nicht automatisch in einer Lache meines eigenen Pixelbluts. Nein, ich habe so immer noch eine Möglichkeit, der Situation Herr zu werden, oder zumindest auszuweichen. Es ist ein gutes Gefühl. Mit der allzeit einsatzbereiten Rolle traue ich mich auch viel offensiver auf Spieler zuzugehen – wenn ich merke, dass es mit der Lebensenergie zuneige geht oder ich nachladen muss, habe ich mit der Rolle noch immer eine Option.

Uncharted 4: A Thief's End - Multiplayer Reveal Trailer6 weitere Videos

GG, T4rz4n!

Abgesehen davon hilft auch neues Spielzeug, das sich Naughty Dog für den Multiplayer-Teil von Uncharted 4 erdacht haben. Ich kann mit ein wenig Zaster in meinen Taschen (den ich mir übrigens ohne Gegner zu töten auch durch das Sammeln von Schätzen auf der Karte verdienen kann!) NPC-Söldner herbeirufen. Diese können gutgepanzerte Kugelfänger, Scharfschützen, Sanitäter oder Kamikaze-Nahkämpfer sein. Und ich? Ich stehe dabei in zweiter Reihe und kann zumeist genüsslich Spieler aus dem anderen Team hopsnehmen. Oder die neuen Mystikfähigkeiten, die wie Destinys Super-Angriffe klug eingesetzt Smartbombs nahe kommen. Auch hier kann ich wieder gegen Spielgeld unterschiedliche Varianten erwerben, die mal selbstständig Gegner beharken, mal ein wenig Tätigkeit von mir verlangen. Allesamt bringen sie aber Noobs dem Killstreak näher, solange sie denn wissen, wann der Kram richtig eingesetzt ist.

Packshot zu Uncharted 4: A Thief's EndUncharted 4: A Thief's EndErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Ganz vorn mit dabei ist aber der neue Greifhaken. Ihn kann ich in bestimmten Teilen der Maps nutzen, um mich über Abgründe zu schwingen oder höher gelegene Plattformen zu erreichen. Aber viel wichtiger ist eigentlich, dass es mir noch mehr Agilität verleiht. Habe ich erst einmal verinnerlicht, an welchen Stellen der Maps ich den Greifhaken nutzen kann (das ist derzeit noch etwas tricky), gewinne ich einen weiteren Vorteil. Nicht nur kann ich so schneller flüchten oder flinker zu Gegnern vor mir aufschließen, nein, ich kann sogar aus der Luft einen Nahkampfangriff starten, der meinen Gegenüber instant auf die Bretter schickt. Ein Träumchen! Und unterstreicht deutlich, dass auch der Multiplayer-Modus in Uncharted 4 nicht zu unterschätzen ist.

Uncharted 4: A Thief's End - Warum die Uncharted-Beta den Multiplayer-Noob in mir bekehrt hat

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Wenn die Situation zu heiß wird, hilft ein Schwung mit dem Greifhaken meist weiter.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

R3sp4wn!?

Aber letztlich glaube ich trotzdem nicht, dass ich dem Multiplayer-Modus von Uncharted 4 bei Release sofort Beachtung schenke. Nicht nur, weil ich die Kampagne einfach deutlich bevorzuge und mich brennend interessiert, wie es mit den so sympathischen Charakteren weiter beziehungsweise zu Ende (?) geht. Sondern auch, weil mich früher oder später das immer gleiche Szenario der Multiplayer-Keilereien langweilt. Klar, in der Beta gibt es nur einen Spielmodus und zwei Maps – aber diesen kleinen Ausschnitt ziehe ich auch nicht als Bewertungsgrundlage heran. Es ist einfach die übliche Gangart einer Multiplayer-only-Komponente, die mich irgendwann verliert. Die ewig gleichen Maps in unterschiedlichen Varianten zu spielen, reizt mich einfach nach dem zigsten Durchgang nicht mehr.

Aber das ist vielmehr ein grundsätzliches Problem, als ein Problem des Multiplayer-Modus von Uncharted 4. Nein, ich bin sogar richtiggehend dankbar dafür, dass dieser Teil des Spiels nicht den faden Beigeschmack eines Pflichtanhängsels hat. Wenn ich mit der Kampagne von Uncharted 4 fertig bin, werde ich mich auch in einigen Matches per Hechtrolle durch Kugelhagel retten und mich mit dem Greifhaken in Sicherheit schwingen. Einfach weil ich’s kann, ihr N00bs!