Einem mittlerweile zur Ikone avancierten Videospielcharakter ein anständiges Ende zu schenken, ist keine leichte Aufgabe. Doch wie Naughty Dog in einer spielbaren Demo beweist, wird es ihnen mit Nathan Drake und Uncharted 4 gelingen – wenn auch anders als erwartet.

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Vorschau-Events können ganz schön kniffelig sein. Im künstlichen Umfeld, das den heimischen Konditionen aus Couch und Fernseher nicht mal im Entferntesten nahekommt, präsentieren freundliche PR-Menschen und Entwickler ihr Spiel in abgepackten Häppchen. Dabei fundierte Rückschlüsse auf das fertige Produkt zu ziehen, ist bei vielen Präsentationen gar nicht so einfach. Einer dieser Fälle: Uncharted 4. Eine 30-minütige Demo soll mir Aufschluss über das fertige Spiel geben, tut das aber so gut wie gar nicht.

Zwar kann ich jetzt, nach dem kurzen Anspielen, guten Gewissens bestätigen, mich mehr denn je auf das fertige Spiel zu freuen – trotzdem fühlt sich der Teil, den ich spielen durfte, nicht nach dem an, was ich von Uncharted 4 erwartet, geschweige denn erhofft habe.

Uncharted 4: A Thief's End - Abschluss im Neuland

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„Schleichen“ haben sie gesagt – „Schießen“ war meine Antwort.
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Unbekanntes Terrain

Uncharted hat für mich, der damals mit dem zweiten Teil zur Serie gefunden und erst nachträglich den Vorgänger gespielt hat, schon immer die cineastisch eingefangene, atemlose Action und die gewitzte Schatzjägergeschichte mit liebgewonnen Charakteren ausgemacht. Doch was zeigt sich mir in den ersten spielbaren Szenen von Uncharted 4? Eine Art Open-World-Knotenpunkt, in dem ich mit Jeep durch die madagassische Pampa tuckern und die Gegend erkunden kann. Am Ende wartet ein von Gegnern gesäumter Turm, den ich auf unterschiedliche Art und Weise „befrieden“ soll.

Hm. Huh. Hnhn. Also… ist irgendwie alles toll. Es sieht umwerfend aus – aber das wusstet ihr sicherlich bereits seit dem ersten Trailer. Das Spiel steuert sich enorm sauber. Sogar das Autofahren, das noch nie Teil eines Uncharted-Spiels war, macht richtig Laune. Das Klettern wirkt eine ganze Ecke agiler und ist wie aus einem Guss animiert. Die Schusswechsel fühlen sich wesentlich exakter an und das Fadenkreuz schwimmt nicht mehr so sehr wie in den Vorgängern. Und auch wenn das offene Spielgebiet der Demo nicht das ist, was ich zwingend gesucht habe: Die vielen kleinen Ruinen und Höhlen, die ich auf meinem Weg finden kann, bringen den Schatzsucheraspekt deutlicher zum Vorschein, als das noch bei den kleineren, sehr linearen Abschnitten früherer Teile der Fall war.

Packshot zu Uncharted 4: A Thief's EndUncharted 4: A Thief's EndErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Einzig das Schleichen ist nach wie vor Murks. Zwar soll Stealth eine praktikable Art und Weise sein, den vorhin erwähnten Turm zum Abschluss der Demo leerzuräumen, aber auch in vier vorsichtigen Versuchen gelingt mir das partout nicht, ohne dabei offenkundig einen Krieg anzuzetteln. Es fehlt dafür einfach an Optionen: Außer mich in dichtem Gras oder hinter Wänden zu verstecken, bietet mir Uncharted 4 einfach zu wenige Möglichkeiten. Und da bringt es auch nichts, dass Gegner farbliche Indikatoren besitzen, die mir signalisieren, wann sie kurz davor sind, mich zu entdecken. Und warum der ganze „Langsam heranpirschen“-Mist, wenn ich auch einfach super simpel alles umholzen kann?

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Trotz anfänglicher Zweifel: Das Autofahren macht in Uncharted 4 wirklich Laune.
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Qualität kommt von Qual

Aber sei’s drum. Das ist ein kleiner Kratzer in einem ansonsten glatt polierten Triple-A-Edel-Blockbuster. Und da das ganze Geschleiche wohl (hoffentlich!) die meiste Zeit optional bleibt, ist’s mir gleich noch mehr wurscht. Trotzdem wurmt mich die kurze Demo. Trotz toller Qualität beweist mir Uncharted 4 nicht die Qualitäten, die ich an der Serie eigentlich so schätze. Es gab keinen Einblick in Geschichte und Dialoge. Alles, was sich zwischen Nathan, Sully und Bruder Sam Drake abspielt, sind schmissige One-Liner. Die sind nett, aber halt auch nicht mehr als ein schmackhafter Appetizer.

Und dann ist da noch diese ganze „Größere Level“-Nummer: Klaro – Uncharted gewinnt dadurch an Tiefe und es mag auch glaubwürdiger als das Dauerschlauch-Leveldesign der Vorgänger sein. Trotzdem habe ich von Naughty Dog nicht unbedingt erwartet, dass sie so getreu dem Prinzip folgen, das der Tomb-Raider-Reboot aufgeworfen hat. Eigentlich war es doch Uncharted, das Schatzsucher-Abenteuer wieder en vogue gemacht hat, nachdem Frau Croft nicht mehr so recht wusste, wo die archäologische Reise denn hingehen sollte. Warum sich jetzt also wieder unterordnen?

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Da das Schleichen bei mir nie funktionierte, gibt es stattdessen ein Platzhalterbild mit Explosion. Ich mag Explosionen.
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Aber letztlich sind das Rückschlüsse, die ich nach diesem kurzen Einblick einfach noch nicht aus voller Überzeugung ziehen kann. Ich bin mir sicher, dass da in Uncharted 4 weit mehr Abschnitte auf mich warten, die meine Erwartungshaltung erfüllen. Ich bin mir sogar auch sicher, dass in dem Spiel noch einige Dinge stecken, die mich überraschen und schwer begeistern werden – wir reden hier schließlich immer noch von einem Werk von Naughty Dog, die sich in den letzten Jahren nicht von irgendwoher den Ruf erarbeitet haben, zu den ganz großen der Branche zu hören.

Unglückliche Demo, tolles Spiel: Uncharted 4 könnte das Finale werden, das die Serie verdient.Ausblick lesen

Doch leider sind all das Dinge, die mir die kurze Demo verschwiegen hat. Deshalb kann ich euch in dieser Vorschau nicht mit einem „DAS IST DAS DING!!!“ entlassen, sondern vielmehr mit einem „Das könnte DAS Ding werden!“ – und das ist bei all der Erwartungshaltung an Uncharted 4 irgendwie unbefriedigend.