Inzwischen sollte Capcom alle erdenklichen Präfixe und Untertitel durch sein. Ihr wisst schon, Super „Hyper Ultra Street Fighter Alpha EX Third Strike Turbo Championship“-Edition. Statt lässig von einer sequenziellen Ziffer zur anderen zu springen, zitiert diese Serie lieber irgendwelche dahergelaufenen Superlative, um eine Neuerung anzudeuten. Tradition verpflichtet.

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Capcoms Namenspolitik zieht sich seit den Neunzigerjahren durch die Serie und ist keineswegs unsinnig, entspricht sie doch genau dem, was man vorgesetzt bekommt. Eben keine echte Fortsetzung des Street-Fighter-Kults, sondern ein Update zum Vollpreis. Ultra ist an diesem Spiel lediglich die Unverfrorenheit, eine spürbare Steigerung zu suggerieren. Fünf neue Kämpfer, sechs frische Arenen und eine Handvoll Tweaks im Balancing entsprechen keineswegs dem, was das überschwängliche Präfix nahelegt.

Mit dieser Bemerkung wäre die größte negative Kritik an Ultra Street Fighter 4 abgehakt. Was sollte es denn sonst zu Meckern geben? Etwa dass die Steuerung mal wieder superbe präzise ausfällt? Dass der Grafikstil trotz seiner leichten Staubschicht noch immer zu begeistern weiß? Nee, Leute, an Ultra Street Fighter 4 gibt es abseits der langen Ladezeiten nichts Weltbewegendes auszusetzen. Solltet ihr noch keinen der Vorläufer besitzen, wäre es gar längst an der Zeit, sich einen der Klopperschinken zuzulegen. Warum nicht gleich Ultra Street Fighter 4? Über die maßlose Übertreibung in der Namensgebung kann man streiten, dass diese Auskopplung die Spitze des Eisbergs darstellt, lässt sich aber kaum von der Hand weisen.

Ultra Street Fighter 4 - Tradition oder Rehash? Beides!

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Technisch sieht's noch immer super aus - aber eben auch wie vor inzwischen fünf Jahren.
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Die neu angepasste Kräftebalance unter den insgesamt 44 Prügelrecken spricht bereits dafür. Wobei Änderungen allein aufgrund der fünf dazugekommenen Recken bitter nötig waren, denn wirklich neu sind sie nicht. Der Bauernhüne Hugo sprengt sämtliche Größenstandards (er verdeckt sogar die Lebensanzeige) und dürfte Kennern der Serie genau bekannt sein wie seine kurvenreiche Managerin mit dem Namen Poison. Wenn nicht als Boss aus Final Fight, dann spätestens aus Street Fighter 3: Third Strike.

Ähnliches gilt für den angeblichen Deutsch-Amerikaner Rolento. Auch er entspringt der längst aufgegebenen Final Fight-Serie und nahm dort eine Nebenrolle ein, wurde aber in Street Fighter Alpha 2 zu einem distinktiven Prügel-Recken umfunktioniert. Lange Beine, geschickte Akrobatik und wenig Kleidung zieren die Französin Elena aus Street Fighter 3, wodurch nur ein einziger Charakter als echte Premiere durchgeht. Zumindest in spielerischer Hinsicht, denn die flinke Decapre wurde längst in den Street-Fighter-Comics vorgestellt.

Ultra Street Fighter 4 - Tradition oder Rehash? Beides!

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Für PS4 und XO hätten wir dann aber doch gern Street Fighter 5.
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Aufs Fressbrett

Alle fünf Neuzugänge verschieben das Kräfteverhältnis im Kader um wenige Nuancen. Das betrifft in einigen Fällen die Durchschlagskraft der Ultra-Combos, meist aber nur die Wirkung von Special Moves. Der Hüne Hugo wirkt insgesamt weniger Bedrohlich als in Street Fighter 3, weil weder Handkantenwucht noch Arschbackenattacke denselben Grad an Schmackes mitbringen wie anno dazumal. Mit einem entsprechenden Training, das man nun auch online im Verbund mit Freunden angehen kann, holt man dennoch einige Tricks aus dem Muskelberg heraus, die man ihm gar nicht zugetraut hätte.

Ultra Street Fighter 4 sorgt weiterhin für schwitzige Hände beim Prügeln. Keine Revolution, aber eine sinnvolle Erweiterung der Marke.Fazit lesen

Alles andere bleibt wie gehabt. Ultra Street Fighter 4 vereint anhand des riesigen Kaders und der gelegentlich an Street Fighter 2 angelehnten Arenen einen wunderbaren Querschnitt, der die komplette Serie Revue passieren lässt. Man könnte beinahe von einer „Best of“-Compilation sprechen. Jeder Kämpfer verfügt weiterhin über ein überschaubares, aber effektives Repertoire an Moves mitsamt manuell zu verknüpfenden Combos, Konterattacken und Schulterwürfen. Capcom erweitert mit kleinen Anpassungen, verzichtet jedoch auf große Experimente. Das ist kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung. Und so lange das Intro nicht wieder mit einem Boyband-Song garniert wird, können die Jungs das meinetwegen alle zwei Jahre tun.