Ein Käfig, zwei Kämpfer, kein Entkommen. Es fließen nicht selten viel Blut, Schweiß und manchmal sogar Tränen. Tränen über die schmerzhafte Niederlage, die dem Heißsporn im Bruchteil einer Sekunde Unaufmerksamkeit den Titel gekostet hat. Aufgeben zählt nicht, es muss weitergehen. Mund abputzen und für den nächsten Fight trainieren. Auch THQ hat fleißig trainiert und schickt mit UFC Undisputed 3 seinen entsprechend hochmotivierten Ableger in den Octagon-Ring.

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Es sieht schlimmer aus, als es ist

Ich bin großer Wrestlingfan und habe die Entwicklung der Ultimate Fighting Championship und ihrer in den letzten Jahren stark ansteigenden Popularität verfolgt. Und ich war zwiegespalten wegen der auf den ersten Blick erschreckend brutal anmutenden Kämpfe und der wild aufeinander einprügelnden Gladiatoren. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man denken, dass es hier um nicht mehr als bezahlte Straßenschläger geht, die sich für Geld offensichtlich auch gern den Kiefer brechen lassen, solange die Menge tobt.

Damit lag ich aber komplett daneben. Denn beim UFC treten alle bekannten Kampfstile gegeneinander an. Boxer gegen Muay-Thai-Kämpfer, Kickboxer gegen Karate-Kämpfer oder auch Judoka gegen Capoeira. Hier wird wie beim von der Masse akzeptierten reinen Boxen à la Klitschko und Co. ein Kampf über mehrere Runden ausgetragen und der Kampf durch Aufgabe oder technischen Knock-out entschieden, nur eben in einem Käfig und nicht blutiger als im klassischen Boxen.

UFC Undisputed 3 - Darauf kann THQ wirklich PRIDE sein

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Quinton "Rampage" Jackson
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Dass THQ diese Simulation auch erfolgreich auf die Bildschirme bringen kann, haben sie zuletzt mit dem Vorgänger UFC Undisputed 2010 bewiesen. Vor allem an Umfang hat das Spiel zugelegt. 150 Kämpfer stehen zur Verfügung und ihr habt jetzt auch die Fliegengewicht- und Bantamgewichtsklasse zur Auswahl. Auch an der Spielbarkeit wurde geschraubt, um Neulingen den Einstieg deutlich leichter zu machen.

Grundsätzlich gestaltet sich ein UFC-Kampf so, dass ihr die freie Wahl habt, ob ihr euren Gegner ausschließlich mit Schlägen oder Tritten, Takedowns oder Bodenangriffen besiegen wollt. Oder ihr entscheidet euch für eine Mischung aus diesen Varianten, bearbeitet den Kopf mit Kniestößen, slammt ihn mit einem gekonnten Überwurf auf die Matte und setzt dann zu Aufgabegriffen an, um den Sieg einzutüten. Euch sind in der Kampfgestaltung keine Grenzen gesetzt.

Packshot zu UFC Undisputed 3 UFC Undisputed 3 Erschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Allerdings waren besonders die Griffausführungen und Bodenangriffe in der Vergangenheit für weniger geübte Spieler teilweise zu kompliziert und etwas frustrierend, sodass sich THQ entschloss, das zu vereinfachen. Während ihr im Vorgänger noch mit dem rechten Stick den Propeller bis zur Sehnenscheidenentzündung vollführen müsst, um Bodenpositionen oder Konter anzusetzen, reicht es jetzt dank der optional vereinfachten Steuerung, den rechten Stick in eine bestimmte Richtung zu drücken. Auch das Aufgabesystem wurde völlig neu gestaltet.

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Murilo Bastamante schreitet zum Ring.
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Sobald ihr zu einer Submission ansetzt, erscheint auf dem Bildschirm ein Octagon mit einem inneren und einem äußeren Balken. Seid ihr der Angreifer, müsst ihr jetzt mit eurem Balken links- oder rechtsherum den Balken des anderen „jagen“ und seinen Balken so lange wie möglich überlagern, um ihn im Idealfall zur Aufgabe zu bringen. Umgekehrt befreit ihr euch jetzt aus den Submissions, indem ihr vor dem gegnerischen Balken „flieht“ und euch so lange wie möglich von diesem fernhaltet.

In den Rundenpausen gibt euch der Coach jetzt ein Zwischenfazit eurer absolvierten Runde mit positiven Punkten und Verbesserungsvorschlägen für den weiteren Kampfverlauf. Zusätzlich lässt sich jetzt auch eine Doll-Anzeige zuschalten, die euch während des Kampfes besonders in Mitleidenschaft gezogene Körperregionen aufzeigt.

Kieferlein, ich hör dir knacksen

Nicht nur in Sachen Handling, auch am allgemeinen Umfang wurde kräftig gebohrt. Erstmals könnt ihr jetzt auch in der japanischen MMA-Liga „PRIDE“ antreten. Diese hat vom Eventcharakter her große Ähnlichkeit mit den populären Wrestling-Showevents. Es wirkt heller, optisch spektakulärer mit all seinen Licht- und Feuerwerkseffekten, hat weniger Hinterhof-Flair. Die Fighter, die in der UFC aneinandergeraten, können übertragen werden und somit auch im PRIDE den Kampf aufnehmen. Auch die Regeln sind etwas differenzierter als im Ultimate Fighting Championship. Hier dauert die erste Runde schon stolze zehn Minuten und die Kämpfer dürfen dem Gegner ins Gesicht treten, auch wenn dieser am Boden liegt.

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Dan Henderson auf dem Weg zum Ring.
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Der Karrieremodus wurde erweitert. Ihr könnt endlich auch mit den offiziellen Profi-Athleten eine Karriere starten, was euch die Möglichkeit gibt, den Werdegang in andere Bahnen zu lenken als in der Realität. Ihr habt jetzt weniger Micromanagement, weniger Trainingszeit zwischen den Kämpfen und ein variantenreicheres Trainingssystem, um die markantesten Änderungen zu nennen. Ihr könnt euren Fight in sechs real existierenden World Camps drillen, euch dem Camp im Laufe der Karriere anschließen und bekommt auch in den Kämpfen Unterstützung durch die echten Coaches der jeweiligen Lager.

"UFC Undisputed 3" wird mich jetzt schon einige heißumkämpfte Nächte kosten.Ausblick lesen

Ihr könnt für euren selbsterstellten Recken eigene Intros verwenden und müsst euch von der untersten UFC-Liga, der WFA, nach oben durchschlagen. Werdet hier Meister, um anschließend in die UFC aufzusteigen und am Ende auch in der PRIDE beginnen zu dürfen. Ihr dürft jetzt auch mit dem identischen Kämpfer gegeneinander antreten, und sollten UFC-Athleten in der PRIDE FC kämpfen, sehen sie anders aus als im UFC-Areal. Damit meine ich keine andersfarbigen Shorts, sondern einen veränderten Körperbau, eine andere Haltung - alles allgemein etwas heller, showtauglicher interpretiert.

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PRIDE erlaubt Fußtritte ins Gesicht.
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Optisch macht „UFC Undisputed 3“ einen großartigen Eindruck. Adern, Schweißperlen, Sehnen, die Cuts im Gesicht, die mit reichlich rotem Lebenssaft unter dem Auge der geschundenen Kämpfer klaffen. Clipping-Fehler? Fehlanzeige. Fernsehähnliche Kameraeinstellungen während gewisser Kampfsituationen verleihen dem Geschehen einen cineastischen Touch, außerhalb des Rings ist mit Crew-Mitgliedern, Fotografen und Zuschauern die Hölle los, die englischsprachigen Kommentatoren fiebern mit und versorgen mich mit interessanten Fakten im Verlauf der Kämpfe.

Ich habe buchstäblich mitgefühlt, als Anderson Silva zu einem Chin-Kick ausgeholt hat, aber im selben Sekundenbruchteil von Quinton Jackson einen ultraharten Punch an die Halsschlagader kassiert und sofort mit verdrehten Augen bewusstlos zu Boden geht. Die Animationen wirken geschmeidiger, flüssiger, realistischer, was auch daran liegt, dass für UFC zehn unterschiedliche Profikämpfer mit verschiedenen Kampfstilen per Motion-Capturing Schläge austeilten.

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So ein Kick von "Crocop" kann wehtun.
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Es wird ungemein authentisch das Gefühl vermittelt, dass jeder eurer Schläge oder Tritte kampfentscheidend sein kann und mit Bedacht überlegt sein will. Auch das Blocken fällt nicht mehr so leicht wie im Vorgänger, da man dafür jetzt wirklich schnelle Reaktionen braucht - wie in der Realität auch. Und sind die Gesichtsverletzungen so schwer, dass die Sicht des Kämpfers zu massiv beeinträchtigt ist, wird kurz der Ringarzt hinzugezogen, der sich dann die Verletzungen eures Schützlings anschaut und entscheidet, ob die Schlacht weitergehen kann oder abgebrochen werden muss. Sollten euch die Kämpfe generell einfach zu fix vorbei sein, könnt ihr jetzt auch optional auf „Simulation“ stellen, wodurch sich die Fights um einiges länger und härter gestalten.

Das Spiel hinterlässt vorab einen hervorragenden Eindruck und sollte nicht nur Fighting-Fans, sondern auch Spielern mit Vorliebe für Simulationen einen genauen Blick wert sein. Denn wie im Octagon gibt es auch hier nach ein paar Stunden Spielzeit warscheinlich nur schwer ein Entkommen.