Wer geht wohl als Sieger hervor, wenn man einen Kick-Boxer, einen asiatischen Martial-Arts-Meister, einen Wrestler und einen Ringer in einen Raum schmeißt und sie aufeinander einprügeln lässt? Nun, wir wissen es auch nicht, aber genau jene Frage nach der überlegenen Kampfsportart bildete einst den Grundgedanken für die UFC, die Ultimate Fighting Championship.

Was für Nichteingeweihte lediglich nach „schwitzende Männer schlagen sich blutig und haben einander dann eng umschlugen lieb“ aussieht, ist in Wirklichkeit ein komplexer Sport, der viel Taktik und Technik erfordert. Und eben diesen Anspruch setzte Yuke’s kongenial mit dem Vorjahres-Überraschungshit UFC Undisputed um. 4 Millionen Mal verkaufte sich das Spiel weltweit und hielt sich sogar sechs Wochen auf der Nr. 1 der deutschen Verkaufscharts. Wir sind extra nach New York gereist, um festzustellen: UFC 2010 wird nochmals besser!

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UFC 2010 Undisputed - Das Who is Who der UFC5 weitere Videos

Ob es sich bei UFC Undisputed um ein Kampf- oder doch eher um ein Sportspiel handle, kommt während der Pressekonferenz eine Frage an die Entwickler aus dem Publikum, und wenngleich sie nichtig scheinen mag, trifft sie den Nagel umso zielgenauer auf den Kopf: Denn hier gibt es keine Over-the-top-Action mit Kämpfern, die mal eben drei Meter in die Luft hüpfen, um anschließend die Faust senkrecht in den Boden zu rammen, keine Kampfkombos, die in Lichtgeschwindigkeit ausgeführt werden müssen, und Button-Mashing wird ebenso wenig irgendjemanden zum Erfolg führen.

UFC 2010 Undisputed - Vorsicht, Blut! Das Kampfspiel für echte Männer

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Realismus first: UFC Undisputed spagatiert zwischen Kampf- und Sportspiel.
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Stattdessen simuliert die „UFC Undisputed“-Reihe auf erdenklich realistische Weise eine Sportart, die derzeit noch mit härteren Bandagen um ihre Anerkennung kämpft wie ihre Protagonisten um den Weltmeistertitel. In Deutschland erwirkte die bayerische Landesanstalt für Medien erst kürzlich wegen „überhöhtem Maß an Gewalt“ ein vorläufiges Ausstrahlungsverbot der UFC-Kämpfe auf dem Sportkanal DSF.

Dennoch wurde das Spiel zur Mixed-Martial-Arts-Veranstaltung von der USK bereits mit einer Freigabe ab 18 durchgewunken. Ob man bereit sei, im Zweifelsfall auf spritzendes Blut zu verzichten? „Das wäre wie Fußball ohne Gras“, kommt prompt die Antwort von Producer-Seite…

Das ultimative Spiel zum ultimativen Sport

Das erste UFC Undisputed habe er seinerzeit als „das ultimative Spiel zum ultimativen Sport“ angekündigt, flaxt Producer Neven Dravinski bei der Pressekonferenz im New Yorker Directors Guild Theater. UFC in der 2010er-Ausgabe sei „noch ultimativer“ fügt er selbstironisch ob der branchenüblichen Selbstbeweihräucherung hinzu. Ganz unrecht hat er jedoch nicht: UFC Undisputed kann, wenn schon nicht die Erfindung, so doch die immense Weiterentwicklung eines vernachlässigten Genres attestiert werden.

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In New York wurde das Spiel auf einer Pressekonferenz vorgestellt.
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Das jüngste Modell bietet jedoch weitaus mehr als das bei Sportspielen übliche Grafik-Tuning. Stattdessen wurde erheblich an der ohnehin schon ausgefuchsten Spielmechanik geschraubt und einige unschöne Kratzer aus dem Lack der Vorjahresversion gebügelt. Fast in die Kategorie eines Totalschadens fiel nämlich beispielsweise die Menüführung von UFC 2009. Die ist nun so, wie man sie von einem zeitgemäßen Spiel erwartet: Wer beispielsweise sein Logo auf der Hose platzieren möchte, macht dies nun bequem per Drag&Drop, ohne sich vorher durch ein Zwanzig-Gänge-Menü klicken zu müssen.

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Die Kämpfer sind bis ins Detail ihren realen Vorbildern nachempfunden.
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Doch nicht nur Aussehen und „Bemalung“ des eigenen Kämpfers lassen sich anpassen, auch einzelne Moves, die Begrüßung per Faustschlag oder die Siegpose könnt ihr eurem Gusto gemäß zuweisen. Selbst ob ihr einen Rechts- oder Linkshänder verkörpern wollt, lässt sich einstellen. Spielerisch wichtiger ist natürlich die Wahl des persönlichen Kampfstils, die sämtliche MMA-Disziplinen des Vorgängers bereitstellt, sowie die neu hinzugekommenen Sambo, Karate und Wrestling. Alternativ stellt ihr euer eigenes Set zusammen und „erfindet“ so gewissermaßen eure eigene Kampfsportart.

Über 100 UFC-Kämpfer wurden für das Spiel in aufwendigen Verfahren dreidimensional eingescannt und sind ihren realen Pendants somit bestmöglich nachempfunden. Selbst den für seine ausschweifenden Gesten bekannten Ringansager Bruce Buffer und die in Fankreisen zu respektablen Berühmtheiten gewordenen Octagon-Babes hat man dabei nicht vergessen. Der Hang zur Realitätsnähe geht sogar so weit, dass der eigene Kämpfer während der Kampagne im Laufe der Zeit altern können soll.

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Die Animationen werden nun durch eine Physik-Engine unterstützt.
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Waren die Kämpfermodelle bereits im Vorgänger schon äußerst gelungen, haperte es dort noch an den Animationen. Zu mechanisch riefen die Figuren ihr einprogrammiertes Repertoire ab. Im Nachfolger umgehen die Entwickler das Problem, indem sie den vorgefertigten Animationsskripten eine Physik-Engine zur Seite stellen, die Bewegungen bis zu einem gewissen Grad dynamisch berechnet, statt sie einfach nur abzuspulen.

Auch wenn ich mit dem Sport wenig anfangen kann: Das Spiel rockt! Und wenn ICH das von einem Prügelspiel sage, dann hat das echt was zu heißen…Ausblick lesen

Dadurch sehen die Kämpfe nicht nur um Längen realistischer aus – sie spielen sich auch so: Statt Schläge des Gegners wie üblich nur stumpf durch Verharren auf einer Taste zu blocken, könnt ihr nun mit einer Drehung des Sticks auch blitzschnell ausweichen, um anschließend zu einem fiesen Gegenschlag auszuholen. UFC wird damit aber gottlob nicht zum Assassin’s Creed unter den Kampfspielen: Die Konter sind nur mit exaktem Timing und größter Präzision zu schaffen, sprich mit viel Übung. Dann sind sie aber ein umso wirkungsvolleres taktisches Mittel.

Schmeißt ihn zu Poden!

Die größte Veränderung hat aber das im Vorgänger ohnehin schon anspruchsvolle Kampfsystem erfahren. Besonders beim Greifen und anschließend im eng umschlungenen Klammergriff, egal ob stehend oder am Boden liegend – denn dort geht beim UFC im Gegensatz zum Boxen der Kampf weiter –, ist es nun wichtig, Stellung und Bewegung des Gegners zu beobachten, zu analysieren und per intuitiver Drehung des Sticks umzugreifen und zu versuchen, den Gegner zu packen, ihn niederzuringen oder in einen fatalen Klammer- oder Würgegriff zu versetzen.

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Beim UFC geht es auch am Boden und ihn... ähm, zweideutigen Posen weiter.
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Auch der Drahtgitterkäfig, der den Oktagon genannten Ring umzäunt, kann nun verstärkt in die taktischen Überlegungen mit einbezogen werden. Außerhalb davon ist grafisch leider immer noch ein wenig tote Hose. Zwar kann zu Beginn zwischen diversen, realen Vorbildern nachempfundenen Stadien gewählt werden, doch da der Kampf zumeist aus der Nahansicht dargestellt wird, sind Unterschiede nur mit viel Mühe feststellbar.

Auf die von Fans schon im Vorgänger geforderten und in den echten Kämpfen pompös inszenierten Einmärsche wurde nämlich auch bei UFC 2010 verzichtet. „Unsere Erfahrung ist, dass sich die Spieler solche Szenen einmal anschauen und dann nur noch wegklicken“, lautet die Stellungnahme der Entwickler zu dem während der Pressekonferenz immer wieder aufkommenden Thema.

UFC 2010 Undisputed - Vorsicht, Blut! Das Kampfspiel für echte Männer

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gamona beim UFC-Kampf St. Pierre vs. Hardy. Die atmosphärischen Einmärsche fehlen leider im Spiel.
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Ein weiterer Grund sei die Scheu vor den horrenden Lizenzgebühren, die man für die Original-Songs hinblättern müsste. Man sei sich allerdings bewusst, welche Bedeutung die Fans diesem Teil der UFC-Erfahrung beimessen und habe die Einmärsche für zukünftige Spiele weiterhin auf der Wunschliste.

Gleichsam weiß man bei Yuke’s, dass zum Gesamterlebnis UFC weit mehr gehört als nur die Prügeleien. Der Medienzirkus und die öffentlichen Streitereien der Protagonisten sind mindestens ebenso ein Teil davon wie jeder zünftige Kinnhaken. Getreu dem Motto „Vor dem Kampf ist eigentlich schon während des Kampfes“ beginnt der Schlagabtausch bereits verbal und gestisch, wenn die Kontrahenten beim öffentlichen Wiegen erstmals aufeinander treffen. Hier kann man dem Opponenten wahlweise Respekt zollen oder Verachtung entgegenbringen. Wie genau sich das aufs weitere Spiel auswirkt, erfahren wir leider ist in der fertigen Version.

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Die KI passt sich eurer Spielweise an.
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Sicher ist jedenfalls, dass das Spiel jede eurer Aktionen analysiert, sie sich merkt und darauf reagiert – egal, ob während des Kampfes, im Training oder in der Zeit dazwischen. Wer etwa bestimmte Schlagtechniken oder Griffe gezielt trainiert oder vernachlässigt, bekommt die Konsequenzen garantiert zu spüren. Im Karrieremodus werden so abhängig von eurem Handeln beispielsweise individuelle Kommentare abgespielt und die Gegner-KI laufend angepasst.

Leider konnten wir die Kampagne noch nicht selber anspielen. Bekannt ist bisher nur, dass ihr in den Zwischensequenzen als im wahrsten Wortsinne „blutiger“ Anfänger bei Jiu-Jitsu-Meister Marc Laimon in die Lehre geht, um euch allmählich in der Hackordnung nach oben zu prügeln. Doch nicht mehr lange, dann wissen wir mehr. Die Version von UFC 2010, die wir spielen durften, macht nämlich schon einen sehr runden Eindruck.