Die archaischste Kommunikationsform des Männchens ist das Prügeln. Egal, ob beim Fußball, im Straßenverkehr oder beim Schlussverkauf - handfeste Auseinandersetzungen findet man überall. Doch glücklicherweise gibt es ja Methoden zur Kanalisierung des ungehemmten Aggressionsdrangs. Wer sich dabei nicht auf den Konsum illegaler Substanzen oder eigene sportliche Betätigung einlassen möchte, greift am Besten zur Konsole und haut sich virtuell auf die Glocke.

Irgendwo zwischen klassischem Boxsport und martialischem Showcatchen ist das Ultimate Fighting angesiedelt, eine in den USA überaus beliebte Käfigklopperei, bei der diverse Kampfkünste miteinander gemischt werden. Im vergangenen Jahr brachten die Prügelspezis von Yuke's mit "UFC 2009 Undisputed" das Getue auf den Spielemarkt - und landeten einen echten Actionsport-Kracher. Der jetzt erschienene 2010er Teil des achteckigen Ringgekloppes tritt also in sehr große Fußstapfen. Ob es Yuke's gelungen ist, den guten Vorgänger zu toppen, zeigt unser Test.

UFC 2010 Undisputed - Das Who is Who der UFC5 weitere Videos

Hauen mit System

Obwohl das martialische Getue der Kombattanten im Ring oft sehr brutal und unkoordiniert wirkt, steckt hinter den massiven Auseinandersetzungen ein überaus komplexes, sportliches Regelwerk, das zudem in den meisten Fällen von Fairness geprägt ist – auch wenn gelegentlich Blut fließt. Es ist wichtig, sich diesen Umstand immer wieder vor Augen zu führen, denn in unseren Breiten haben die Schlägereien im Oktagon nicht den besten Ruf, sondern gelten vielen Moralaposteln als rohe, gewaltverherrlichende Jugendverderber. Gleiches dürfte auch für die Versoftung des Ultimate Fightings gelten, denn natürlich geht es auch hier ordentlich zur Sache. Und so erscheint es nur konsequent, dass der Titel in Deutschland keine Jugendfreigabe unter 18 Jahren erhalten hat.

UFC 2010 Undisputed - Von wegen "Dumm wie Brot"! Anspruchsvoller prügeln geht kaum

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Skandal aufgedeckt: Aufnahmeprüfungen für das Priesterseminar entsprechen nicht immer den Vorgaben der Kirche.
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Beim Ultimate Fighting wird - sowohl in der Realität, als auch im Spiel - stets mit vollem Körpereinsatz agiert. Zwei Kämpfer treffen in einem achteckigen, vergitterten Ring aufeinander und massieren sich auf unterschiedliche Weisen die Kauleisten. Erlaubt ist dabei so ziemlich jeder Kampfstil. So könnte beispielsweise ein Boxprofi auf einen Judoka treffen, oder ein Freund des Ninjutsu-Stils bekommt es mit einem Muy-Thai-Kämpfer zu tun.

Das ist immer dann von Bedeutung, wenn es einem der beiden Kontrahenten gelingt, dem anderen seinen eigenen Kampfstil aufzuzwingen; Bodenspezialisten werden wohl mit aufrechten Faustkämpfern kaum Probleme haben, wenn es ihnen gelingt, diese in die Horizontale zu bringen. Umgekehrt werden flinke Judoka recht schnell auf der Matte landen, wenn sie ein gut gezielter Boxhaken von den Beinen holt. Die Auseinandersetzungen gehen über maximal drei Runden von je fünf Minuten Dauer, bei Meisterschaftskämpfen wird bis zu fünf Runden aufeinander eingehauen.

Packshot zu UFC 2010 UndisputedUFC 2010 UndisputedErschienen für PS3, Xbox 360 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Köpfchen ist gefragt

Wie schon gesagt, ist Ultimate Fighting eine Mischung aus verschiedensten Kampfsportarten. Demzufolge ist zwar ziemlich viel erlaubt, doch es gibt ein striktes Regelwerk, welches peinlich genau eingehalten werden muss. Gewollte Verstöße, wie sie beispielsweise beim Wrestling an der Tagesordnung sind, gibt es nicht, und Unfairness wird hart geahndet. Dass man im Spiel trotzdem seinen Spaß haben kann, liegt an dem gelungenen Simulationsfaktor, einem gehörigen Maß Taktik sowie der runden Präsentation, die durch viele Backgroundinfos und Videos aufgelockert wird.

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Tipps für den erfolgreichen Heilpraktiker: bei bestialischen Blähungen hilft der seitlich eingedrehte Darmquetscher.
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Wo andere Spiele allein mit Schnelligkeit punkten, ist bei "UFC 2010" das Köpfchen gefordert. Dadurch haben auch Reaktionslegastheniker mit taktischem Gespür eine Chance, weil sie die Schwächen des Gegners besser ausnutzen können als Buttonmeister, die mehrere hundert Klicks pro Minute produzieren.

So führt zum Beispiel ein gezielter Treffer zu einer verminderten Reaktionszeit der Spielfigur, egal, wie hektisch man danach sein Gamepad auch bearbeiten mag. Außerdem ist ein beschädigter Sportler schwieriger zu steuern. Eine Erholung ist nur möglich, wenn man sein Gegenüber eine Zeitlang auf Distanz halten kann. Schnelles Drücken einer Aktionstaste füllt den Gesundheitsbalken nicht wieder auf.

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Fragwürdig: Heilerfolg durch geschlägerte Halsnackenmassage nicht nachgewiesen.
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Das mag für alle Fans von Schnellprüglern ernüchternd klingen, ist aber in der Spielpraxis nicht von Nachteil. Denn wer bereit ist, sich mit der technischen Seite des rüpelhaften Ringgemöbels zu beschäftigen, den erwartet eine anspruchsvolle Simulation. Schnelle Ringerfolge werden sich deshalb besonders bei Anfängern nicht einstellen. Natürlich gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade, doch selbst im leichtesten Modus sind die computergesteuerten Gegner alles andere als Prügelknaben aus dem Priesterseminar, sondern wehren sich nach Kräften. Insofern sollten sich Neueinsteiger auf eine längere Trainingsphase im gut gemachten Tutorial einstellen, bevor sie die virtuelle Ruhmesleiter erklimmen können.

Wie geht es Ihnen?

Die erste Hürde dürfte sich für viele routinierte Bildschirmschläger schon aus der Darstellung ergeben. Denn Schadensanzeigen oder ähnliches sucht man vergeblich. Der Gesundheitszustand der eigenen Figur erschließt sich aus der Art und Weise, wie er reagiert und austeilt. Gefragt sind deshalb maßvolles Taktieren und überlegtes Vorgehen, wobei man niemals die eigene Deckung außer Acht lassen sollte. Das ist zwar an sich nichts Besonderes. Doch da man nicht weiß, wie viel der Schützling noch einstecken kann, ist große Umsicht gefragt. Wer hier nicht bedächtig agiert, kann erleben, wie sein Kämpfer urplötzlich nach einem scheinbar kleinen Schlag aus den Socken kippt und liegen bleibt. Ärgerlich!

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Soziales Engagement: Rapper Bushido (oben) bei einem Erste-Hilfe-Kurs für Jugendliche.
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Immerhin haben die Entwickler dem Spiel eine Ausdaueranzeige spendiert, aus der hervorgeht, wie es um die Kondition des Schlägers bestellt ist. Das ist zumindest zum Abschätzen der eigenen Möglichkeiten hilfreich. Schließlich wäre nichts frustrierender, als wenn man zu einem kraftvollen Kick ansetzt und dann feststellen muss, dass der Kollege so ausgepumpt ist, dass er das Bein bestenfalls noch zum Austreten anheben könnte.

Isch mach Disch Fresse - aber bitte mit Köpfchen! Auch in der 2010er Ausgabe weiß die UFC-Reihe mit viel Gespür fürs Detail gut zu unterhalten.Fazit lesen

Mach keine Geschichten

Wer den Vorgänger gezockt hat, weiß um den nicht gerade abwechslungsreichen Storymodus. Anders als bei WWE-Titeln wurde nämlich nur sehr rudimentär Wert auf eine durchgehende Geschichte gelegt. Das gilt leider auch für die aktuelle Ausgabe des Spiels. Zwar wird beim Ultimate Fighting generell deutlich weniger Wert auf Backstage-Storys gelegt als beim durch und durch inszenierten Wrestling, doch ein wenig mehr Abwechslung hätte es schon sein dürfen. Immerhin kann man durch sein Verhalten im Karrieremodus Freunde oder Neider auf den Plan rufen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Doch wirklich unterhaltsam ist das auf Dauer nicht. Zudem endet eine durchgespielte Karriere nach zwölf Jahren. Dann ist Schluss und aus, und man muss sich entweder einen neuen Charakter zusammenbauen oder führt einen der anderen vorhandenen zu Sieg und Ruhm.

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Erfahrung macht klug: Kadetten lernen auf der Marineschule ihre ersten Seemannsknoten.
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So wenig motivierend die Hintergrundgeschichte ist, so sehr sind die Kämpfe selbst das Salz in der Schlägersuppe. Aufgrund der Spezialisierung der Kombattanten auf dezidierte Kampfstile verläuft jede Auseinandersetzung anders - zumindest, wenn man sich an eine Karriere wagt, in deren Rahmen man auf die unterschiedlichsten Mitbewerber trifft.

Besonders reizvoll ist in dem Zusammenhang die Erstellung eigener Charaktere, denn hier lässt sich nicht nur das Aussehen penibel genau einstellen, sondern man erstellt sich auch eigene Movesets. Kenner des ersten Teils wissen um die zahlreichen, bis ins Detail ausgefeilten Einstellungen bei Aussehen und Fähigkeiten der Selbstbauboxer. Yuke's hat auch hier noch eine Schippe draufgelegt und sowohl die Tuningmöglichkeiten als auch deren grafische Darstellung kräftig aufpoliert. Auf diese Weise wirken nicht nur die echten Recken noch lebendiger als bisher, sondern auch die Prügler Marke Eigenbau erhalten ein beinahe fotorealistisches Aussehen.

Mach's Dir selbst

So schön der umfassende Editor auch ist, der Teufel steckt auch hier im Detail. Denn aufgrund der schier unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten stoßen besonders Anfänger schnell auf Schwierigkeiten. Das Erstellungsmenü ist nicht immer eindeutig, und manche Veränderungen in Sachen Gesichtsmorphing erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Fans der WWE-Titel des gleichen Herstellers sind hier im Vorteil, denn dort kommt ein ähnlich umfänglicher Editor bereits seit Jahren zum Einsatz.

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Aufgedeckt: Bei der Abnahme der Beichte kam es immer mal wieder zu geringfügigen Unregelmäßigkeiten.
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Der größte Unterschied dürfte in Sachen Realismus bestehen, denn während besonders bei den selbst zusammengestellten Movesets der WWE-Showcatcher der Spaß im Vordergrund steht, ist es beim UFC der Simulationsfaktor. Wer sich für einen eigenen Klopper entscheidet, muss im Editor noch eine weitere Hürde überwinden: Es gilt in 16 Kategorien zunächst Eigenschaftspunkte zu vergeben. Damit legt man die grobe Richtung fest, in die man sich entwickeln möchte. Das klingt einfach und ist es im Grunde auch, doch die Weichenstellung für eine Kampfrichtung kann sich auch als Fehlentscheidung erweisen, weil man womöglich eigentlich bevorzugte Stile und Attacken kaum weiter entwickeln kann.

Wichtig bei der Charaktererstellung ist es deshalb, dass man sich von den umfänglichen Möglichkeiten nicht ins Bockshorn jagen lässt. Gut möglich, dass man mit dem ersten selbst erschaffenen Kämpfer gnadenlos scheitert, weil man die falschen Kombinationen gewählt hat. Je mehr man sich jedoch mit den verschiedenen Kampfstilen beschäftigt, desto besser klappt es auch mit dem Selberbauen.

Bevor man seinen selbst gezüchteten Schützling ins wilde UFC-Getümmel schickt, sollte man ihn im Trainingsmodus ein wenig aufpimpen. Zwar beginnt man die Karriere in einer Unterorganisation des UFC mit einigen vergleichsweise einfachen Kämpfen, doch wer hier bereits scheitert, muss von vorn beginnen. Dem kann man durch einige gezielte Übungseinheiten vorbeugen.

Ein weiterer positiver Aspekt der Leibesertüchtigung: Die Charaktere sind lernfähig. Stetes Training sorgt nämlich dafür, dass der eigene Schläger irgendwann Bewegungen und Kombos erlernt, die er zunächst nicht beherrscht. Dadurch wird eine weitere Individualisierung erreicht, was dem Spiel mehr Tiefe verleiht.

Schlag auf Schlag

Wer den 2009er Titel gespielt hat, wird sich noch an die gelungene Steuerung erinnern. Je nachdem, welche Aktionen man durchführte, hat das Programm die Attacken in Abhängigkeit von der eigenen Standposition und dem Verhalten des Gegners angepasst. Auch der aktuelle Teil weiß mit einer eingängigen Steuerung zu überzeugen, bei der zumeist nur zwei Tasten zum Einsatz kommen. Je nachdem, ob man im Stand oder am Boden kämpft, bewirkt ein Klick auf die gleiche Taste unterschiedliche Aktionen.

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Vitali Klitschko geriet vor seinem siegreichen Kampf gegen Albert Sosnowski auf Schalke in eine kleinere Diskussionen mit Bruder Wladimir.
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Zusätzliche Variationen ergeben sich durch das gleichzeitige Betätigen der Schultertaste, so dass man je nach Situation und Stellung mit wenigen Klicks auf mehr als ein Dutzend unterschiedliche Angriffe oder Verteidigungen kommt. Das klingt einfach, ist jedoch weniger einsteigerfreundlich, als dies im Hinblick auf Anfänger wünschenswert gewesen wäre.

Automatische Variationen sind zwar eine feine Sache. Doch anders als bei vergleichbaren Titeln ist hier das richtige Timing alles. Und das dürfte bei Anfängern zu einigen Frustmomenten führen, denn bis eine Aktion so auf den Punkt kommt, dass sie 100-prozentig sitzt, bedarf es einiger Übung.

Empfehlenswert sind daher oft defensive Taktiken. Wer einen angreifenden Gegner im richtigen Moment kontert, hat die Chance, diesem den eigenen Kampfstil aufzuzwingen. Und das kann ein Match sehr schnell entscheiden, siehe oben.

Schweißtreibender Anblick

In Sachen Technik setzt "UFC 2010" die Messlatte recht hoch. So spiegelt sich auf den schweißtriefenden Körpern der Prügelknaben das Licht, während ihnen das Wasser literweise von der Stirn läuft. Auch die Mimik lässt nichts zu wünschen übrig; Gesichtsausdrücke, die derart von Leid und Anstrengung geprägt sind, erlebten wir bestenfalls in der vergangenen Saison bei Fans von Hertha BSC, jedoch noch nicht in einem Computerspiel.

In Sachen Sound wird allerdings nur genregemäße Hausmannskost serviert. Immerhin spiegelt das die Atmosphäre des Ringgeschehens adäquat wider. Aber es ist eben auch nichts Herausragendes. Die Kommentare sind ordentlich, aber genauso wenig einprägsam wie die harten Rockklänge, zu denen sich die Jungs die Fresse verbiegen. Auch das Publikum geht ordentlich mit und jubelt seinen Lieblingen in sattem 5.1-Sound kräftig zu.

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Gleiches kann man übrigens auch erreichen, wenn man sich mit guten Freunden zu einem heimeligen Sofa-Prügelabend trifft. Zwar können nur zwei Kontrahenten gleichzeitig die Gamepads massieren, doch wie schon aus dem Vorgänger bekannt, rockt der Multiplayer-Modus am meisten. Denn aller spielerischen Raffinesse zum Trotz bringt es nun einmal immer noch die größte Freude, sich in Gemeinschaft gegenseitig zu verhauen. Und im Falle von "UFC 2010 Undisputed" macht sogar schon das Zuschauen und Anfeuern Spaß. Geduldige Fans von intelligentem Prügelspaß sollten in jedem Falle einen Blick riskieren. Vielleicht stellt sich der Spielspaß nicht sofort ein, dafür später jedoch umso mehr.