Johoo und 'ne Buddel voll Rum! Trinkt feiert und lacht, denn das Leben eines Piraten ist das Leben eines freien Menschen. Den Wind im Rücken und die wärmende Sonne im Gesicht... So zumindest stellen sich das manche vor. Der berüchtigte Captain Teal und seine Bande von Freibeutern könnten da vielleicht ganz andere Geschichten erzählen.

Two Worlds 2: Pirates of the Flying Fortress - Ingame Trailer

Kommt an Bord, ihr verlausten Landratten

Stark dezimiert, weil die meisten Crewmitglieder sich in Panik davongestohlen haben, jagen die Piraten einem großartigen Schatz hinterher. Dass es sich dabei nicht um bloßes Gold und Juwelen handeln kann, sollte klar sein. Wenn ein so mächtiger Anführer wie Teal hinter dem Schatz her ist und sogar unser allseits beliebter Held auf den Plan gerufen wird, dann muss es sich schon um etwas ganz Besonderes handeln. So wie ein Schatz, der den Finder zu dem führt, was er sich am meisten wünscht.

Two Worlds 2: Pirates of the Flying Fortress - Wer Arrrr sagt muss auch B sagen

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Captain Teal: Schrecken der Meere.
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Lange Rede kurzer Sinn: Wir schließen uns (eher widerwillig) mit den Piraten zusammen und versprechen, uns auf die Suche nach dem Schatz zu machen. Als Austausch werden wir am Leben gelassen, was fürs Erste überzeugend genug klingt. Natürlich verfolgen wir eigentlich unsere ganz eigenen Pläne; aber erst einmal eine Grundaufgabe zu haben, ist doch auch etwas Feines.

Packshot zu Two Worlds 2: Pirates of the Flying FortressTwo Worlds 2: Pirates of the Flying FortressErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: ab 2,98€

Aber genug von der Geschichte an sich, denn hier auch nur einen Hauch mehr zu verraten, wäre Spoilern auf ganz hinterlistige Art und Weise. Bei PotFF ist die Mühe zu spüren, eine fesselnde Geschichte mit vielen interessanten, oftmals witzigen, aber immer spannenden Wendungen zu erzählen.

Das liegt im großen Maße auch daran, dass die NPCs herrlich unterschiedliche Charaktereigenschaften aufzeigen und sowohl mit ihrem Verhalten als auch mit ihren Hintergrundgeschichten überraschen.

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Two Worlds 2 - Pirates of the Flying Fortress.
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Sei es der Trunkenbold, der den halben Tag damit beschäftigt ist, unter Deck zu putzen, weil er immer wieder auf den Boden kotzt, oder der knallharte Bootsmann, der uns bittet, ein schönes Seidenkleid für ihn zu besorgen. Selbst der dämliche Papagei, der ohne Unterbrechung höchst zweifelhafte Kommentare von sich gibt, schafft es, dass man ab und zu stehen bleibt und sich dabei erwischt, wie man erheitert seine Zeit mit nichts anderem verschwendet, als diesem Mist zu lauschen.

Ein Add-on, wie man sich es nur wünschen kann. Umfangreich und voller Leben.Fazit lesen

Da sich die einprogrammierten Sätze jedoch beständig wiederholen und manche NPCs anscheinend nur über eine Aussage verfügen, ist davon abzuraten, tatsächlich irgendwo allzu lange rumzustehen. Das stellt aber kein Problem dar: Die Orte wechseln zwischen einsamen Paradies und weitläufiger Rieseninsel und liefern jede Menge Abwechslung. Also warum einem Säufer lauschen, wenn es so viel zu entdecken gibt? Überall finden sich optionale Höhlen und Gänge, versteckte Ortschaften und Gebäude.

Wer also auf Entdeckungstour geht, wird belohnt. Manchmal mit wunderbarem Humor, wie dem Mann, der eine Kiste war, manchmal mit speziellen Aufträgen, die nicht zur Hauptgeschichte gehören, und hier und dort mit einzigartigen Gegenständen, die selbst einem gestandenen Helden noch das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

In über 16 Stunden gilt es also eine wunderbar ausgearbeitete Welt zu entdecken, die vor Leben nur so strotzt: Tiere und Menschen bevölkern hier jeden Winkel, Wald und Wiese beeindrucken mit einer Vielzahl an lebendiger Flora und Fauna, und obwohl es im Gegensatz zum Hauptspiel keine verschiedenen Klimazonen mehr gibt, scheint den Entwicklern niemals die Ideen auszugehen.

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Ob als Magier, Krieger oder Schurke: Es gilt, Massen von Endgegnern zu bezwingen.
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Auch wenn man sich bereits für eine feste Klasse entschieden hat, kann man immer wieder mit den anderen Möglichkeiten herumexperimentieren. Jeder kann sich, noch umgänglicher als im Hauptspiel, genau die Klasse erstellen, die man will.

Dabei ist es sowohl möglich, den eigenen Charakter aus Two Worlds 2 zu importieren als auch einen völlig neuen Helden zu erschaffen, der schwupp-di-wupp auf Level 42 befördert wird. Dazu gibt es noch echt fette Ausrüstung und jede Menge Fähigkeitenpunkte, mit denen man sich eben den Helden kreieren kann, der zur eigenen Spielweise passt. Am Ende hat man nicht das Gefühl, eine Klasse zu spielen, sondern selbst eben genau das zu sein, was man ursprünglich nur spielen wollte. Nicht „er“ löst das Rätsel um die fliegende Festung, sondern „ich“.

Wer braucht schon Piraten aus der Karibik?

Wo ich mir weniger wie ein Ich, sondern eher verarscht vorkomme: bei den stark eingeschränkten Möglichkeiten. Bot „Two Worlds 2“ noch pro Mission mindestens zwei verschiedene Vorgehensweisen und alternative Antwortmöglichkeiten, rattert man in „Pirates of the Flying Fortress“ nur noch die gegebenen Antworten runter und folgt einem stark linearen Aufbau.

Dabei wird oft das Gefühl vorgetäuscht, doch Einfluss auf den erzählerischen Fortgang zu haben, nur um letztendlich enttäuscht zu werden. Denn fast immer läuft alles auf ein und dieselbe Lösung hinaus und auch wenn ich sage: „Mach deinen Scheiß doch alleine“, bin am Ende irgendwie immer ich derjenige, der seinen Scheiß alleine machen muss.

Wie zu erwarten ist, läuft meist jede Mission aufs Kämpfen hinaus. Auch hier wurde ein wenig verändert und das Kampfsystem wurde den Wünschen der Community angepasst. Dadurch fallen die Kämpfe sehr viel schneller, abwechslungsreicher, aber leider auch unübersichtlicher aus. Obendrauf gibt es eine Gegner-KI, die ohne zu übertreiben als dümmlich bezeichnet werden kann. Search and destroy, search and destroy. Murder, death, kill.

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Die Quests laufen leider sehr viel linearer ab, als noch im Hauptspiel...
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Gott sei Dank sind das aber einige von eher wenigen Ärgernissen, die den Spielspaß geringfügig trüben. Zum Ausgleich wurde einiges verbessert, was im Hauptspiel noch für saures Aufstoßen sorgte. So lassen sich die angezeigten Items im Inventar endlich verkleinern, was für deutlich mehr Übersicht sorgt, die Bosskämpfe (und davon gibt es viele) sind sehr viel unterschiedlicher und erfordern ganz neues taktisches Denken und die Story wird nun aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. Jeder hat seine ganz eigene Geschichte zu den Ereignissen, und ob die immer richtig oder falsch ist, lässt sich oft erst sehr viel später sagen. So oder so ist es immer unterhaltsam.

In technischer Hinsicht macht PotFF hier eine wahnsinnig gute Figur. Seit dem Hauptspiel wurde an der Optik einiges verbessert. Wer mit seinem kleinen Segelboot dem Sonnenuntergang entgegenschippert, während das Geschehen mit dramatiöser Musik untermalt wird, und keinen Anflug von Heldenmut und das Kribbeln in seinen Fingerspitzen fühlt, macht irgendwas falsch.

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Die Grafik, vor allem das Meer, ist sehr beeindruckend.
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Die Wellen und das Meer an sich sind wirklich gelungen und die Welt rund um unseren Helden erstrahlt in einer Pracht, die selbst einem Witcher 2 noch Konkurrenz machen kann. Bei jedem Sonnenauf- und -untergang kommt echte Atmosphäre auf und die Wechsel zwischen dem Wetter sind nicht nur stimmig, sondern meist auch mit einen witzigen Hinweis des Helden kommentiert. Und wer dann noch auf die ganz kleinen Details, wie Spuren im Sand und das schwere Gefühl, wenn man durch Wasser watet, achtet... Da steckt schon Mühe drin.

Klar, dass bei so viel gelungenen Ansätzen hier und dort auch was zum Motzen übrig bleibt. In weiter Ferne kann man oft ausmachen, wie sich die Grafik erst noch aufbauen muss. Sehr selten hat man an den verschiedensten Stellen böse Clipping-Fehler... Den Vogel schießt jedoch die Animation ab, die verwendet wird, wenn der Protagonist aus seinem kleinen Fischerboot ein- und aussteigt: Es gibt nämlich keine.

Man ploppt einfach so aus seinem Gefährt heraus, das meist gegen die Strände der Inseln brettert. Um die Sache noch unansehnlicher zu machen, steigt man fast immer ganz hinten aus und klatscht erst mal schön ins Wasser. Aber unterm Strich gehört „Pirates of the Flying Fortress“ zu den schönsten Rollenspielen dieser Zeit; man muss nur lernen, einige Dinge zu übersehen oder sie zumindest nicht ganz so ernst zu nehmen.

3D und ein akustisches Wunder

Was wohl kaum dem entspricht, was sich Fans erhofft haben, ist die Möglichkeit, das Spiel auch in 3-D zu zocken. Ja, das Add-on bietet die Möglichkeit, mit einer entsprechenden Brille in andere Dimensionen einzutauchen. Und genau so würde ich das dann auch nennen: andere Dimension.

Bereits auf dem ersten Blick wird klar, dass es nicht der Wille der Programmierer war, ein 3-D-Spiel zu entwerfen. Eher wurde alles nach und nach dieser Möglichkeit angepasst. Und so sieht es dann auch aus. Verschwommene Texturen, eine unterirdische Videografik, die mit vieräugigen Charakteren und durchsichtigen Körpern aufwartet. Es kommt niemals zum Gefühl in neue grafische Dimensionen einzutauchen, sondern eher einen in der Krone zu haben.

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Schön siehts ja aus - Versucht das bloß nicht in 3D.
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Einzig das HUD und das Inventar profitieren von dieser Technologie und sehen wirklich schick aus. Der Vorteil liegt neben dem Offensichtlichen auch im Detail versteckt: Spielt man im dreidimensionalen Modus, wirkt das HUD eher wie eine Schablone. Als wäre das Spiel an sich auf dem Monitor und alles andere direkt auf der 3-D-Brille. Wenn die Grafikeinstellungen jetzt noch stimmen würden, wäre das eine wirklich grandiose Weise, um Two Worlds zu spielen... Wären da nicht die Kopfschmerzen, die sich zumindest bei mir sehr schnell eingestellt haben und die leicht tränenden Augen. Nichts was man haben muss.

Sonst gibt es eigentlich nur noch wenig an der Grafik zu motzen. So fallen die Zaubereffekte äußerst mau aus und die Mimik der Charaktere wirkt sehr hölzern... Und ganz nebenbei: Wer auch immer die Idee hatte, diesen dämlichen Blendeffekt einzubauen, wenn man einen Dungeon ins Freie verlässt – tun Sie das bitte nie wieder! Einfach nur nervig. Was aber ganz und gar nicht nervt ist die einfallsreiche Vertonung.

Dietmar Wunder heißt der deutsche Synchronsprecher, den viele vielleicht als Stimme von Adam Sandler kennen. Der Mann macht einen verdammt guten Job und sorgt wie bereits im Hauptspiel dafür, dass der Protagonist mit viel Charme und Gefühl gesprochen wird. Auf die absurdesten Situationen folgt immer noch ein trockener Spruch, und immer wenn die Geschichte etwas flau wird, schafft es Wunder, dass man wieder ein Lächeln im Gesicht trägt. Einzig diejenigen unter euch, die bei dieser Stimme immer den humoristischen Schauspieler vor Augen haben, büßen vielleicht etwas vom Spielgefühl ein.

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Die Vertonung bei den Kämpfen ist gelungen.
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Generell steht aber eh der Humor in diesem Add-on an erster Stelle. Zwar ist die gesamte Handlung mit einer allgemein interessanten und spannenden Geschichte untermalt, doch sind es letztendlich immer die kuriosen, oftmals witzigen und manchmal saukomischen Situationen, die „Pirates of the Flying Fortress“ ausmachen.

Unterm Strich ist es aber nicht nur Dietmar Wunder, der einen astreinen Job gemacht hat, alle Sprecher agieren auf hohem Niveau. Zwar schaffen sie es nicht immer, die richtige Betonung zu treffen, doch fällt das kaum auf. Wer nicht jeden Satz bis zum Umfallen analysiert, wird sich wohl kaum beschweren können.

Die Gespräche sind schön ansprechend visualisiert. Statt zweier angewurzelter Figuren, die sich gegenüberstehen und ihr Blabla von sich geben, wurde nun auf ein eher dynamisches Gespräch gesetzt. Die Kameraeinstellung ändert sich geschickt, die Figuren gestikulieren viel überzeugender und statt einfach nur weiterzuklicken, um endlich wieder metzeln zu können, beginnt man sich tatsächlich für die Unterhaltungen zu interessieren.

Wie bereits erwähnt verfügt das Spiel über viele sehr schöne Musikpassagen. Ob ich alleine auf dem Meer treibe, durch die dschungelartigen Inseln wandere oder mich in einem Kampf auf Leben und Tod befinde: In jeder Situation findet das Spiel die richtige musikalische Untermalung. Gerade wenn ein schreckliches Gewitter tobt und dazu meine Wenigkeit, die sich mit fiesen Monstern rumprügeln muss, gibt es nichts Schöneres, als das ganze bei Musik zu tun, die einem fast ein Hollywood-Erlebnis der besonderen Art beschert.