„Schau schau, Schoschonen!“ Wer beim Stichwort „Indianer“ lediglich an Grunge-Rothaut Winnetou und seinen blondgeschopften Blutsbruder denkt, hat vermutlich noch nie einen Comic-Laden von Innen gesehen oder einen Nintendo 64 besessen. Denn dort wandelt der bärbeißige Turok bereits seit einiger Zeit auf dem galaktischen Kriegspfad gegen Dinos und anderen Weltraum-Abschaum mit schlechtem Atem.

Nach einer längeren Konsolen-Auszeit gräbt das Spiele-Urgestein demnächst wieder sein Kriegsbeil auf der Next Generation aus. Wir haben daher den Entwicklern in London einen Besuch abgestattet, um herauszufinden, ob dabei ein echter Hammer oder doch nur ein alter Dino-Knochen zutage getreten ist.

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Exhuming Turok

Hätten die Entwickler bei Propaganda Games noch ein paar Jährchen gewartet, wäre Spiele-Fossil Turok wahrscheinlich schon selbst ein Platz neben T-Rex & Co. im Naturkundemuseum sicher gewesen. Sein legendärster Auftritt auf dem seligen Nintendo 64 liegt immerhin schon über zehn Jahre zurück – in der Videospielhistorie kommt das einem Erdzeitalter gleich.

Turok - Bringt die Raptoren zum Schmoren: Der Dino-Killer ist wieder auf dem Kriegspfad.

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Ist und bleibt der Alte: Turok vs. Dinosaurier.
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Auch auf dem PC schrieb der Ego-Shooter „Turok“ Geschichte als eines der ersten Spiele, das die damals noch neuartigen 3D-Grafikbeschleuniger voll ausnutzte. Die letzte Inkarnation des Space-Indianers, „Turok Evolution“ aus dem Jahre 2002, ist bei den meisten seiner Spieler jedoch in den ewigen Jagdgründen der Erinnerung verschollen gegangen.

Letzteres dient dem neuen Team offenbar als Ansporn, die einst glorreichen prähistorischen Tage auf dem N64 wieder aufleben zu lassen: „Wir möchten das legendäre Flair des originalen Turok in die Ära der Next Generation hinüberretten“, versprechen die Entwickler. Aus diesem Grund habe man sich auch dafür entschieden, das Spiel einfach nur „Turok“ zu nennen – ohne Untertitel. Dieses Alleinstellungsmerkmal setzt sich auch bei der Story fort, die in sich abgeschlossen sein soll und daher keine Bezüge zu den Vorgängern aufweist.

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Die Auftritte der Dinos sind spektakulär inszeniert.
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Aber für tiefgründige Geschichten waren Comic-Spiele bisher ohnehin nicht bekannt. Dieses Mal geht es um Folgendes: Mehrere hundert Jahre in der Zukunft ist Indianer Turok auf der Jagd nach seinem einstigen Mentor, als er auf einem unwirtlichen Planeten abstürzt, der zu allem Überfluss mit Dinosauriern bevölkert ist. Ab sofort geht es vorrangig ums blanke Überleben – und so manches dunkle Geheimnis aus der Vergangenheit, das Turok nach und nach in Rückblenden einholt. Worum es sich dabei genau handelt, ist vorerst allerdings noch Verschlusssache.

Raptoren schmoren

Doch bei „Turok“ steht ohnehin die Action im Vordergrund. Und die hat es gehörig in sich: Nach unseren ersten Spielminuten mit dem Indianer haben wir bereits öfters ins Gras gebissen als eine durchschnittliche Kuh an einem sonnigen Vormittag. Kein Wunder, haben doch die Urzeit-Viecher nicht nur messerscharfe Zähne, sondern auch taktisch Einiges auf dem Kasten: Während uns zwei Raptoren frontal an die Kehle zu gehen versuchen, umkreist uns ein dritter und versucht uns hinterrücks in den Nacken zu fallen. Schmerzhaft erinnern wir uns an die entsprechende Szene aus „Jurassic Park“.

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Die Raptoren gehen taktisch äußerst klug vor.
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Nach einer Weile geht uns dann das bitter nötige Licht auf: In „Turok“ ist mit alten Shooter-Gewohnheiten kein Dino-Skalp zu gewinnen. Einfach nur das Magazin oder den Flammenwerfer leer zu pumpen, führt nur in den seltensten Fällen zum Erfolg. Dazu sind die Biester viel zu zäh, schnell und bissig. Stattdessen gilt es, die verschiedenen Waffen des Spiels strategisch sinnvoll einzusetzen.

Mit Leuchtgranaten lockt ihr eure Widersacher beispielsweise in ein zuvor ausgelegtes Minenfeld und seht ihnen sogleich beim Barbecue zu. Noch besser: Ihr scheucht sie in eine Gruppe feindlicher Soldaten – die daraufhin den Job für euch erledigen, während sie gleichzeitig selbst erledigt werden. Praktisch!

Als wahres Allround-Talent erweist sich im Übrigen Turoks Markenzeichen, das Jagdmesser: Lasst ihr einen Dino auf wenige Zentimeter an euch herankommen, genügt ein Tastendruck und ihr setzt zu einem schick blutigen Instant Kill im Stile von „Assassin’s Creed“ an. Wartet ihr jedoch einen Sekundenbruchteil zu lange, spürt ihr den heißen Atem des Monsters an eurer Kehle. Dann kann Turok nur noch für ein Weilchen mit seinen starken Armen für eine Maulsperre sorgen, bevor alles zu spät ist – es sei denn ihr rüttelt wie wild an eurem Controller und stoßt den Gegner so wieder von euch. Diese Szenen spielen sich ähnlich adrenalinlastig wie die Handgemenge in „Call of Duty“.

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Auch gegen Rachendrachen ist Turok ein Kraut gewachsen.
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Auch das zweite Markenzeichen des Indianers erweist sich als durchschlagendes Argument: Mit Pfeil und Bogen setzt ihr Gegner wahlweise lautlos außer Gefecht oder eliminiert sie dank Explosivgeschoss mit einem lauten Knall. Selbst das eher konventionelle Maschinengewehr erweist sich in „Turok“ als weitaus taktischer als in manchem Shooter-Konkurrenten: So könnt ihr es zwar ganz konservativ im Anschlag auf eure Feinde abfeuern, effektiver ist es jedoch, wenn ihr es als stationäres Geschütz vorübergehend parkt und ihm unterdessen mit einer anderen Waffe aus eurem Arsenal Schützenhilfe leistet.

Multipler Ornithomimus

Die Fokusierung auf die taktische Komponente des Spiels erwies sich auch während der Multiplayer-Probe als stilbildend: So ließen die meisten Spieler nach einiger Zeit sämtliche schweren Geschütze links liegen und versuchten sich nur noch an heimlichen Instant Kills per Messer. Wir hoffen in dieser Hinsicht schwer auf einen Modus wie den „Brechstangen“-Multiplayer von „Half-Life“.

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Nicht nur im Multiplayer-Modus erweist sich das Messer als äußerst effektiv.
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Ansonsten deckt der Mehrspieler-Modus von „Turok“ die üblichen Verdächtigen von Deathmatch bis Capture the Flag ab. Die versprochenen Koop-Modi bieten leider voraussichtlich nicht, wie von uns erhofft, die Möglichkeit, die Einzelspieler-Kampagne gemeinsam mit Freunden durchzuspielen. Stattdessen verbergen sich hinter diesen Disziplinen Team-Varianten gängiger Spielmodi.