Weltherrschaft! Kaum ein anderes Ziel wird von Superschurken und Bösewichten so regelmäßig verfolgt wie der Wunsch, alles und jeden kontrollieren zu können. Die Länge von Warteschlangen am Postschalter, Sieg über den Welthunger oder brutale Unterjochung: Wohin dann die Reise für die Erde ginge, läge in den Händen einer einzigen Person. Beängstigender Gedanke, wenn man nicht gerade selbst zum Weltenlenker erhoben wurde. Umso beruhigender aber meine gute Nachricht für euch: In Tropico 5 seid IHR der absolute Herrscher – und müsst alles unternehmen, damit das so bleibt.

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„Ich bin ein Diktator, wehe, ihr holt mich hier raus!“

Anfang Februar, Berlin: Eine handvoll Redakteure versammelt sich vor einem großem Monitor und einem Mitglied des Entwicklerteams von Haemimont Games, dessen Mundwinkel sich fast minütlich zu einem immer breiterem Grinsen auseinanderbewegen. In den kommenden 60 Minuten wird der junge Mann vollkommene Macht über eine karibische Stadt erlangen und uns demonstrieren, wie man erfolgreich und mit viel, viel Spaß den Einfluss über das eigene Volk erhalten und erweitern kann. Ein Knopfdruck und die Präsentation zu Tropico 5 beginnt.

Zu Beginn darf der Spieler aus acht voreingestellten Karten wählen. Neben diesen sofort verfügbaren Inselzügen erhält man auch Zugriff auf einen recht umfangreichen Karteneditor, der zufallsgenerierte Maps erstellt. Dies wird vor allem für den Multiplayermodus eine echte Option sein–dazu aber später mehr.
Unser Präsentator entschied sich kurzerhand für eine der vorbereiteten Karten und damit begann der erste Regierungstag unseres Diktators.

Diktatur für Anfänger, Grundlagen: Was ist Tropico?
Das Spielprinzip der Tropico-Reihe ist schnell erklärt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Diktators, der über einen karibischen Inselstaat herrscht. Seine Aufgabe ist es, die Macht solange wie möglich in seinen ehrgeizigen Händen zu behalten–wie das gelingen soll, bleibt dabei jedem selbst überlassen: Gegenkandidaten können erpresst und ermordet werden, Wahlen und Demonstrationen durch ein starkes Militäraufgebot unterdrückt werden oder Hilfe aus dem Ausland angefordert werden.

Aller Anfang ist schwer und so beginnen wir unseren (hoffentlich) unaufhaltsamen Aufstieg zum Superstaat mit nur einem kleinen Rathaus und einigen Trampelpfaden. Ein Großteil der Insel ist noch in den Nebel des Krieges gehüllt, der uns die Sicht weitestgehend versperrt und erst von unseren Bautrupps durchbrochen werden muss. Aber dennoch hat El Presidente Glück: An der Küste des fischreichen Meeres befinden sich einige hochaufragende Berge – womöglich verstecken sich unter meterdicker Erde ja Gold und andere Edelmetalle?

Tropico 5 - El Presidente zeigt erste Screenshots

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Tropico 5 - El Presidente zeigt erste Screenshots

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Wir beginnen, unsere Wirtschaft und Industrie aufzubauen. Fischerdörfer, Marktplätze und immer mehr Wohngebäude schießen aus dem Erdboden und wachsen begleitet vom dynamischen Tag-und-Nacht-Wechsel allmählich zu einer ansehnlichen Siedlung zusammen. Nun wird es Zeit, die wertvollen Rohstoffe aus dem Bauch der Berge herauszuschlagen, doch dazu müssen wir zuerst den Bergbau erforschen.

Tropico 5 scheint alles Nötige zu bieten, um mir die karibische Alleinherrschaft so unterhaltsam wie möglich zu gestalten.Ausblick lesen

Um die dafür dringend benötigten Forschungspunkte zu generieren, ziehen wir in Windeseile eine Bibliothek in die Höhe. So kann unsere Expansion auf der Insel bald fortgesetzt und Edelmetalle geschürft werden. Als sehr praktisch erweist sich eine kleine Fernsehübertragung in der Bildschirmecke, die abwechselnd verschiedene, aktuelle Hotspots des Geschehens auf der Insel zeigt. Gut vorbereitet sind wir bereit für den nächsten Schritt: Mit gefüllten Taschen, Vorratslagern und Schubkarren betreten wir die Bühne des internationalen Handels.

„Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt“: Handel und Wahlen

Viel Zeit und Arbeit sind in die Mechaniken rund um den Handel mit anderen Nationen geflossen-das ist deutlich spürbar: Detaillierte und übersichtliche Listen informieren über Waren, die importiert und exportiert werden und wie viel Profit dabei für den diktatorischen Geldbeutel übrig bleibt. Neben diesen grundlegenden Informationen erhält der Spieler außerdem auch Auskunft über Transportkosten- und Dauer der jeweiligen Handelsflotte. Lohnt es sich wirklich, Holz nach Amerika zu importieren, wenn der Seeweg zur Nachbarinsel viel kürzer, aber vielleicht nicht so profitabel ist? Mit derlei Fragen müssen sich ehrgeizige Alleinherrscher in Tropico 5 nun verstärkt beschäftigen.

Bevor wir allerdings noch weiter in unser Handelsbuch eintauchen können, werden wir von einem der zahlreichen Zufallsereignisse im Spiel überrascht: Unsere Informanten berichten von einem Fischer, der verdächtig viele Anhänger um sich sammeln konnte und im Volk Stimmung gegen El Presidente macht. So kann das natürlich nicht weitergehen und daher müssen wir uns eine Lösung für das aufkeimende Problem überlegen.

Tropico 5 - Zigarren, Zaster, Zeitreisen: El Presidente ist zurück!

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Wahlsonntag auf Tropico Island
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Zunächst suchen und entdecken wir den Fischer in unserer Stadt: Mit einem einfachen Klick auf die Figur erfahren wir sein Gehalt, religiöse Einstellung, Familiengröße und den Wohnort. Verführerisch auffällig bietet uns eine Schaltfläche die Möglichkeit, den Aufmüpfigen ermorden zu lassen.

Packshot zu Tropico 5Tropico 5Erschienen für PS4, PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Doch dem beliebten Fischer muss es nicht unbedingt an seinen digitalen Kragen gehen: Ein politischer Mord würde für noch mehr Unmut im Volk sorgen, der sich nicht mehr mit einem einfachen Klick beruhigen würde. Daher wählen wir einen anderen Weg.

Wir beginnen umgehend damit, Geld in das Militär zu stecken und errichten mehrere Kasernen in Stadtnähe. Um so schnell an ausreichend Geld zu kommen, müssen wir allerdings teure ausländische Kredite annehmen – aber was tut man nicht alles für die kleine Extraportion Macht!

Unser Plan geht auf, die Menschen trauen sich kaum noch auf die Straße und der Volkshetzer aus dem Fischerdorf verliert an Einfluss. Um in Zukunft solche Zwischenfälle zu verhindern, bringen wir das wohl wichtigste Feature von Tropico 5 ins Spiel: Die Verfassung.

Demokratie ist tot, lang lebe die Demokratie: Die Verfassung

Haemimont Games hat sich mit Tropico 5 viel vorgenommen: Während man den Humor und die beliebten Spielmechaniken beibehalten wollte, sollte das Spiel ein Rundum-Lifting bekommen und ein modernes Spielerlebnis bieten. Recht schnell kamen die Entwickler so auf die Idee, das Schreiben und Ändern einer eigenen Verfassung als neues Feature einzuführen, die die Zukunft des eigenen Inselstaates maßgeblich mitformen soll.

Tropico 5 - Zigarren, Zaster, Zeitreisen: El Presidente ist zurück!

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Die Karten trumpfen teilweise mit wunderschönen Kulissen auf
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Mit der Zeit durchlebt unsere Inselsiedlung verschiedene Epochen, wie die Kolonialzeit und das Industriezeitalter, was Aussehen und Spielverhalten unserer Stadt radikal ändern kann. Dann nämlich bekommt der Spieler die Möglichkeit, die Antworten des eigenen Staates auf ganz grundlegende Fragen immer wieder neu zu formulieren: Staaten, die nur Wahlrecht für reiche Frauen und ein absolut freies Internet bieten, sind genauso denkbar wie eine Gesellschaft, die hochmilitarisiert und fundamental-religiös ausgerichtet ist.

Je nachdem an welchem kleinen Stellschräubchen der Spieler dreht, ändert sich auch das Spielerlebnis. Nachbarstaaten mit anderen Religionen erklären euch den Krieg, andere verweigern den Handel mit Nicht-Demokratien. Euer Volk wird zunehmend unruhig und fühlt sich nicht repräsentiert, wenn nur die reichsten Männer der Stadt wählen dürfen. So müsst ihr regelmäßig abwägen, welche Risiken tragbar sind und wann ihr lieber noch einmal durch die Verfassungsentwürfe blättern solltet.

Sehr gut gefiel uns, dass zwischen all den (un)sinnigen Entscheidungen unseres Diktators immer auch ein Stück realer Zeitgeschichte spürbar ist: So baut sich im Laufe des späten 20. Jhs. ein immer größer werdendes Spannungsfeld zwischen Amerika und Asien auf, das indirekt auch von euch eine Entscheidung fordert, mit wem ihr verstärkt handeln und sympathisieren wollt.

Nachdem wir während der Präsentation von „Tropico 5“ in diese neuen Spielelemente eingeführt wurden, stellten einige Redakteure mit sorgenvoller Stirn die Frage in den Raum, ob „das nicht cheaten sei, wenn man ständig die Verfassung so anpassen kann, um den größtmöglichen Vorteil zu erhalten?“
Mit einem breiten Grinsen und einer guten Antwort wusste uns Haemimont Games zu beruhigen: Momentan experimentiere man noch mit dem zeitlichen Rhythmus, in dem die Verfassung geändert werden kann. Allerdings stehe bereits fest, dass der Spieler nicht einfach beliebig an der Verfassung herumbasteln kann, wann es ihm am besten passe.

Tropico 5 - Zigarren, Zaster, Zeitreisen: El Presidente ist zurück!

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Beliebter Herrscher oder diktatorischer Machthaber - Wieso entscheiden, wenn auch beides geht?
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Eine schrecklich nette Familie: Dynastie und Multiplayer

Das Leben als Diktator ist zwar erfüllend, aber auch anstrengend. Und so müsst ihr für den Fall vorsorgen, wenn euer vom Volk geliebter Presidente in den Ruhestand entgleiten und mit einem Cuba Libre in der Hand den Lebensabend genießen möchte. Tatsächlich ist es in „Tropico 5“ wichtig, den dynastischen Nachwuchs zu pflegen und ihn möglichst gut auszubilden, um später davon profitieren zu können.

Hier stehen dem Spieler verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Wollt ihr im späteren Spielverlauf einen guten Kontakt zu kapitalistischen Ländern aufbauen? Dann schickt den Sohn auf eine amerikanische Universität. Wollt ihr lieber die Bedrohung durch Piraten und Rebellen niederschlagen? Dann wäre eine gute militärische Ausbildung für den Nachwuchs keine falsche Entscheidung – denn obwohl Tropico in erster Linie eine Wirtschafts- und Politiksimulation ist, wird auch hin und wieder der Säbel gezogen und das Gewehr geladen.

Allerdings ist das Kampfsystem mehr als rudimentär und stellt wohl die Ausnahme in einer Spielsitzung dar. Vor allem im Mulitplayer, wo sich bis zu vier Spieler auf einer Insel die Hand schütteln dürfen, wollte man Zustände wie in einem Echtzeitstrategie-Spiel vermeiden: Spieler sollen nicht möglichst schnell mit möglichst vielen Soldaten den Sieg erlangen, sondern miteinander verhandeln, Rohstoffe und Technologien austauschen und Intrigen spinnen. Ob dieser Plan von Haemimont Games aufgehen wird, werden wir in unserem Test noch prüfen müssen.