Meine Damen und Herren, Freizeitdiktatoren und Übungsdemokraten, wir begrüßen Sie auf dem Flug der Promedio Airline nach Tropico! Sie gehören zu den Pionieren einer neuen, goldenen Zeit, die die Fesseln der alten Welt hinter sich lässt und etwas völlig Neues schaffen kann! Bevor wir zu Landung ansetzen, gebe ich das Wort an unseren geliebten Helden und Lieblingsdiktatoren weiter, der an vorderster Front dieser strahlenden Zukunft stehen wird - nicht arbeiten, aber stehen!

„Liebe zukünftigen Untertan-... äh, Bewohner von Trrrropico! Wir haben die Möglichkeit bekommen, Geschichte zu schreiben! Und damit meine ich, dass ihr mir Stifte zusammenschrauben, Bücher binden und einen Schreibtisch bauen werdet, während ich die entscheidende Handbewegung vollführen und mit meiner diktatorischen Unterschrift den Stein des Erfolgs ins Rollen bringen werde.´

Doch wir können uns natürlich nicht nur von Ruhm und Freiheit ernähren! Die Insel, auf der wir in Kürze landen, bietet nur verarmten Bauern und Obdachlosen eine traurige Heimat! Wir werden als erstes die Hütten einstampfen und reiche Plantagen errichten, die unseren Handelshafen mit wertvollem Zuckerrohr versorgen. Wenn unsere Siedlung zu wachsen beginnt, errichten unsere besten – und günstigsten – Baumeister eine Bibliothek, in der Experten aus dem Ausland unseren technologischen Fortschritt nach vorne katapultieren!

Dieser Weg wird kein leichter sein, aber wenn ihr eurem geliebten Diktator die Treue haltet und euch nicht vor dem König bückt, der uns als seine Kolonie beansprucht, dann wird es ein ruhmreicher Weg, an dessen Ende viele Reichtümer winken! Und nun Kameraden, schultert die Spaten und hebt die Mundwinkel, das Paradies wartet schon auf euch!“

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„Nicht noch eine Aufbausimulation!“ (- Civilization V)

Obwohl meine Steambibliothek bis zum obersten Rand der Festplattenplatine mit Spielen vollgestopft ist, kehre ich regelmäßig zu meinen Favoriten zurück, statt die Zeit für ein paar neue, potentielle Spielspaßjuwelen zu nutzen: Zu diesen virtuellen Handtuchreservierungen gehören zum einen League of Legends und zum anderen Civilization. Während ersteres mein Verlangen an MOBAs vorzüglich stillt, ist die traditionsreiche Aufbausimulation Civlization zwar nach wie vor mein persönlicher Genrekönig der zeitgenössischen Videospielsparte, hat sich allerdings nach unzählichen durchspielten Nächten ein wenig abgenudelt. Tropico 5 könnte den müde gewordenen König nun ablösen und eine Diktatur errichten, die meine Freizeit unterjocht und von Aufbaufetischisten gefeiert wird.

Tropico 5 - Civilization ist tot, lang lebe Tropico?

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Entschlackte Menüführung und eine detailverliebte Engine sorgen für den süchtigmachenden Wuselfaktor.
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Doch wie jede Reise beginnt auch unser Weg ins Inselparadies Tropico am Anfang – genauer gesagt im Tutorial. Hier werden wir in drei Kapiteln (die man leider nicht manuell anwählen kann) von im serientypischen, überbetontem deutsch-spanischen Kauderwelsch in die Grundlagen des Spiels eingeweiht: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Diktators, der über einen karibischen Inselstaat herrscht. Seine Aufgabe ist es, die Macht solange wie möglich in seinen ehrgeizigen Händen zu behalten–wie das gelingen soll, bleibt dabei jedem selbst überlassen: Gegenkandidaten können erpresst und ermordet werden, Wahlen und Demonstrationen durch ein starkes Militäraufgebot unterdrückt werden oder Hilfe aus dem Ausland angefordert werden.

Damit stützt sich Tropico 5 auf drei Säulen: Krieg, der eine wesentlich untergeordnetere Rolle spielt, Auf- und Ausbau der eigenen Wirtschaft und schließlich das Mikromanagement der eigenen Bevölkerung – der wohl komplexeste Teil und Krönung der Neuerungen rund um den neuen Teil.

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Kriegsführung gehört zu den vernachlässigten Aspekten im Spiel - zum Glück.
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Begleitet werden wir auf unserem Abenteuer wieder von einer selbsterstellten Herrscherdynastie, die im Laufe der Zeit Nachfahren zur Welt bringt, welche dann von uns im Ausland geschult oder direkt auf die Plantage als Manager geschickt werden können. Die Mitglieder dieser Familie steigen sogar im Level auf und werden so zu kostbaren Jokern, die an der richtigen Stelle und im richtigen Gebäude einen großen Bonus auf die Produktion oder Moral der Mitarbeiter erwirken können.

„Eine Insel mit zwei Bergen..."

„Eine Insel mit zwei Bergen und einer großen Raffinerie“ (- Jim 'Guevara' Knopf)

Treibender Faktor und Hauptgrund, sich stundenlang mit Tropico 5 einzuschließen, ist die ausgewachsene Wirtschaftssimulation, die sich hinter den zuweilen ziemlich lustigen Infofenstern und Ereigniseinblendungen verbirgt. Grundlage eures Einkommens bilden die Rohstoffe jeglicher Art, die möglichst gewinnbringend ins Ausland geschifft werden. So liegt es an euch, die richtigen Stellen für die Zuckerrohrplantagen, Ziegenställe und Bergwerke zu finden und sie an euer Straßennetz anzubinden. Nur dann wuseln eure Bewohner zu den Baustellen, errichten die Gebäude und sorgen von nun an für einen steten Warenfluss zum Hafen, eurem Hauptumschlagsort. Ein Rasternetz, das sich im Baumodus über die Karte spannt, weist euch dabei auf tendenziell besser geeignete Stellen zum Rohstoffabbau hin – sehr nett!

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Je weiter eure Insel in der Zeit voranschreitet, desto fortschrittlichere Technologie erhaltet ihr.
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Doch nicht nur die eigene Haushaltskasse sollte in eurem diktatorischen Fokus liegen: Auch die Bewohner wollen zufriedengestellt werden. Durch entsprechende Unterhaltungsgebäude wie Kirchen, Tavernen und Gärten, die ihr möglichst geschickt entlang der Wohnviertel verteilt, haltet ihr die Untertanen bei Laune und sichert euch für die nächsten Wahlen ihre Zustimmung. Damit ihr nicht die Übersicht verliert, dürft ihr euch jederzeit sowohl über ein allgemeines Menü einen Überblick über das Stimmungsbild auf eurer Insel inklusive aller beeinflussenden Faktoren verschaffen und zusätzlich durch gezielten Klick auf einen zufälligen Inselbewohner individuelle Meinungen und Ansichten kennenlernen. Damit hat Tropico 5 den Grundstein gelegt, via Verfolgermodus gefühlte Ewigkeiten einzelnen Bewohnern auf die Finger zu schauen und genau zu beobachten, was den treuen Wählern so fehlt. Wuselfaktor mit Charakter – da lacht das Spielerherz!

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Wenn ihr eure Insel erkundet, stoßt ihr bald auf wertvolle Rohstoffe.
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Bevor es aber zu Wahlen kommt, müsst ihr euch von der königlichen Heimatmonarchie befreien, die euch noch immer als Kolonisten betrachtet und den zukünftigen Diktator von Tropico nur auf Zeit regieren lassen möchte. Da das ganz und gar nicht in eurem Interesse liegt,verweigert ihr nach und nach die Forderungen nach Gold und Lebensmittel für die Krone und erhöht damit langsam aber stetig den Anteil der Revolutionären in eurer Bevölkerung, den ihr durch andere Aktionen noch weiter stärken könnt – bis es schließlich zum Unterschreiben der eigenen Unabhängigkeitserklärung kommt.

Viele neue Ideen, viel Altbewährtes und ein paar kleinere Macken sichern Tropico 5 einen vordersten Platz im Rennen um den Thron der Aufbausimulationen.Fazit lesen

In den folgenden drei Zeitaltern (Weltkriege, Kalter Krieg, Moderne) wird der Konflikt zweier Interessensgruppe euer Handeln maßgeblich beeinflussen. Je nachdem, welche Seite ihr unterstützt, müsst ihr Opfer bringen, die durchaus auch weh tun können. (Die Umweltschützer verlangen, dass ich meine gesamte Holzproduktion einstampfe, winken dafür aber auch mit mehr Unterstützung bei den kommenden Wahlen? Uargh..) Damit bringt Tropico 5 eine Dynamik ins Spiel, die die Aufbausimulation davor bewahrt, nach X Stunden das Interesse am immer selben Prinzip zu verlieren.

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Wenn ihr eure Insel als Touristenoase entwerft, werdet ihr entsprechende Gebäude bald benötigen.
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„Bis zur Endlichkeit und noch ein kleines Stückchen weiter!“ (- Buzz 'Trotzky' Lightyear)

So sehr das Treiben auf eurer Insel auch Spaß macht, so sehr drückt euch irgendwann der Schuh, wenn ihr an die Grenzen des Spiels gestoßen seid. Zwar lässt sich theoretisch eure komplette Insel besiedeln, doch geschieht das, wenn die Wirtschaft erst einmal brummt, schneller als gedacht. Dazu tragen auch die vielen, vielen Missionen bei, die euch an bestimmten Punkten im Spiel zu bestimmten Aktionen auffordern, um das Spielgeschsehen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Die Belohnungen für diese manchmal trivialen Aufgaben fallen gefühlt eine Spur zu großzügig auf, so dass auch die angeschlagenste Wirtschaft irgendwann wieder ins Rollen kommt.

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Eine bestimmte Idealgrenze sollten die Städte nicht überschreiten, um perfekt wirtschaften zu können - was irgendwie schade ist.
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Euer Inselabenteuer dürft ihr aus etwa einem Dutzend vorgefertigter Karten auswählen, wo ihr dann losstarten dürft. Während die bereitgestellten Karten wirklich hübsche Örtchen vorzuweisen haben, generiert der Zufallskarteneditor manchmal etwas langweilige Karten. Alles in allem aber kein großer Kritikpunkt – auch die Natur hat ihre öden Momente!

Der Ersteindruck bei Ankunft auf der Wunsch-Insel ist dann allerdings durch die bereits vorhandenen Baustrukturen getrübt. Ein wenig Infrastruktur, ein paar Häuser und Standort des Palastes sind dann bereits festgelegt und nehmen dem Spielerlebnis ein wenig das Gefühl das Pioniergefühl und die Motivation, wirklich von Grund auf etwas Neues zu schaffen.