Unsere Preview-Version der Aufbauhoffnung Tropico 3 liegt noch keine Bananenernte zurück, da kommt auch schon das Testmuster angeflattert. Voller Hoffnung stürzten wir uns auf die Version 1.0 und beteten zum großen Spielegott, dass Kalypso unser Flehen nach mehr Feedback erhörte. Ob wir enttäuscht wurden oder ob Tropico 3 zum erhofften Genreprimus aufsteigen konnte, verraten wir euch auf den nachfolgenden Seiten.

Tropico 3 - GC 2009 TrailerEin weiteres Video

Eines gleich vorweg: Es wurden Änderungen vorgenommen, jedenfalls am Intro. Statt Karibikflair samt urlaubsreifem Flug über weiße Sandstrände und grüne Bergketten, versprüht das Eröffnungsvideo nun dank Rebellenangriffen und Militärparaden Revoluzzer-Stimmung – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was auf gewillte Inseldiktatoren in den kommenden Spielstunden zukommen wird. Dass das Intro die Spielgrafik zeigt, sorgt bereits hier für die ersten schimmernden Freudentränen.

Tropico 3 - Cocktails raus, die Insel ruft!

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Tropico 3 holt das Paradies nach Hause.
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Im Menü angekommen, starten wir gleich und ohne große Umschweife das Tutorial und hoffen auf bahnbrechende Änderungen im Vergleich zur Preview-Version, etwa, dass uns mehr als nur die Steuerung und eine grober Überblick über die elementaren Spielelemente ans Regentenherz gelegt werden. Doch Fehlanzeige, hier hat Kalypso keine Hand angelegt und in karibischer Einfachheit alles so gelassen, die einleitenden Worte gleichen wie einem Sandkorn dem andern – schade.

Vielfalt unterm Sonnenschirm

Aber egal, Tropico 3 soll schließlich keine Bildungsreise werden, sondern handfeste und spaßige Aufbauknobelstunden liefern. Learning by doing heißt folglich die Devise. Also, nichts wie ran an den Kampagnen-Modus und die erste Insel unterjocht. Hier erwarten uns zahlreiche Szenarios, die uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen und mit unterschiedlichen Problemen überschütten.

Tropico 3 - Cocktails raus, die Insel ruft!

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Später im Spiel wird man zwangsläufig auf den Tourismus bauen.
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Einmal wird unsere Insel Ziel der beiden Supermächte USA und UdSSR, ein anderes Szenario ruft auf unserem Paradies alle zwei Stunden eine Revolte aus oder lässt Orkane über unsere Insel fegen. Hier hat Kalypso Kreativität bewiesen, allerdings einen roten Storyfaden verschwitzt, Tropico 3 reiht ohne Zusammenhang die Szenarios aneinander. Bevor es los geht, wird einem in einem Eröffnungsbrief die Lage unterbreitet. In unserer Version kam es hier hin und wieder zu Layout-Fehlern. Texte überschnitten sich und waren unleserlich.

Wer einfach drauf losregieren will, dem steht der Sandkastenmodus zur freien Verwendung. Hier kann man sich ganz nach seinem Belieben die Schwierigkeit zurechtzimmern, indem man unter anderem die politische Stabilität, die Ressourcen der Insel und das Startkapital festlegen kann.

Das tolle Spielgefühl, der Spielwitz und die klasse Grafik entlohnen für den bockschweren Einstieg.Fazit lesen

Mit 500.000 Dollar in der Hosentasche lässt sich eine Regentschaft schon viel lockerer angehen – Tropico-Neulinge sollten sich hier die Spielelemente zu Gemüte führen, da hier Fehler schneller verziehen werden als in den Szenarios. Einen Endlosmodus gibt es nicht, die längste Spieldauer beträgt 50 Jahre, was gut und gerne drei Tage dauern kann, ohne Vorspulfunktion noch um ein vieles länger. Allerdings schmierten bei uns die Partien regelmäßig nach 49 Jahren und 11 Monaten ab – ärgerlich!

El Presidente hat Blähungen

Vor jedem Start können wir unseren Bananenherrscher individuell gestalten und mit Attributen ausstatten, die uns im Spiel Vor- und Nachteile bringen. Leidet etwa unser Regent an Blähungen, zieht das hohe Gehälter der Palastwache nach sich – wer will schon ständig mit einer Nasenklammer rumlaufen und obendrein noch schlecht bezahlt werden?

Auch einen Hintergrund zu unserer Machtergreifung können wir wählen. Sind wir ein vom KGB installierter Geheimagent oder einfach ein verwöhnter Snob, der sich die Insel zwischen Tür und Angel zugelegt hat?

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Für ein hübschen Sümmchen dürfen die Supermächte Atomtests nahe unserer Insel starten.
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Haben wir uns unseren ganz eigenen Castro erschaffen oder einen aus den umfangreichen Star(t)aufgebot wie Che Guevara oder Evita Peron auserwählt, finden wir uns in der Karibik wieder. Das Meer peitscht schäumend an die Kaimauern und die gerade aufgehende Sonne bricht durch die Palmenblätter, die sich sanft im Wind wiegen.

Tropico 3 ist ein wahres Grafikfeuerwerk, das seine gesamte Klasse erst im späteren Spielverlauf vollends offenbart. Hier stehen wir also mit unserem self-made Fidel und blicken in die wunderschöne Landschaft, ohne zu wissen, was für einen stressigen Job wir uns ausgesucht haben.

Der Fleiß ist heiß

Doch lange staunen können wir nicht, die Pflicht ruft. Als Inselherrscher hat man alle Hände voll zu tun, mehr als in Tropico 1. Wir können vor den Wahlen selbstgebastelte Reden schwingen, Baustellen und Einrichtungen mit unserer Anweisenheit beehren oder uns mit Parteiführern unterhalten, die wir sogar mit ein paar Klicks in einen „Unfall“ verwickeln können, sollten die Ansichten zu verschieden sein. Zum Glück kann man über die Zeitsteuerung jederzeit eine Zigarrenpause einschieben, oder eben die Zeit bis zum Mittagschlaf in zwei Stufen schneller ablaufen lassen.

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Eine solch große Stadt erreicht man nur mit viel Schweiß und Geduld.
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Doch Mittag ist noch lange nicht, erstmal müssen wir uns einen Überblick über unser Reich verschaffen. Dafür stehen uns die schon aus Teil 1 bekannten Hilfen zur Verfügung, die uns zum Beispiel Mineralvorkommen, Weideland und Ackerflächen auf der Karte einblenden. So weiß El Presidente ziemlich zügig, ob er auf Bodenschätze wie Öl, Gold oder Eisen bauen kann, oder ob er sich doch lieber auf die verarbeitende Industrie konzentrieren sollte, die etwa aus Zucker das Lebenselixier Rum oder aus Tabak die altbewährten Zigarren herstellt.

Ein Klick mit der rechten Maustaste lässt das schön strukturierte Baumenü erscheinen, mit dem man schnell die gewünschten Gebäude aufspüren und in der Landschaft platzieren kann. So entstehen schnell die ersten Mais- und Bananenfarmen, die unsere Tropcaner ernähren und so glücklich machen.

Sonnenstich und Hitzeschock

Die Bauarbeiter machen sich gleich daran, die Farmen in karibischer Gemütlichkeit hochzuziehen, hier in Tropico dauert alles etwas länger. Wehe also dem, der zehn Baustellen gleichzeitig und in alle Himmelsrichtungen verstreut eröffnet. Auch die Entfernung zur Wohnung des Baumeisters will beachtet werden. Ohne Garage in der Nähe, die unsere Tropicaner (und Touristen) mit fahrbaren Untersätzen versorgt, marschieren die Arbeiter kilometerweit nach Hause - und die Arbeit bleibt erstmal liegen.

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Eine schlechte Infrastruktur rächt sich im späteren Spielverlauf.
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Schon jetzt merkt der "Command & Conquer"-Spieler: Hier muss von langer Hand geplant werden. Nicht nur bei der Positionierung der Produktions- und Wohngebäude erfordert es eine gewisse Vorausplanung, auch die Straßenführung verdient ein wenig Aufmerksamkeit.

So haben wir uns in einer der zahlreichen Testpartien in eine Situation gespielt, in der unser Verkehrsaufkommen jede Straße bis zum Bersten überfüllte und ein Arbeiter von einer Ecke unserer Insel zur anderen mehre Tage brauchte – er stand im Stau.

Warum passiert da jetzt nichts?

Die aufwändig animierten Bewohner von Tropico 3 schaffen es immer, dem ehrwürdigen El Presidente mit irgendwas auf die Nerven zu gehen. Mehr Geld, mehr Religion, mehr Militär. Schert man sich einen Dreck um die Belange, steht man ziemlich schnell mit runtergelassenen Hosen da. Die Russen umkreisen mit Kriegsschiffen die Insel, die Menschen verhungern wie die Fliegen, weil die Farmer streiken und fähige Arbeiter wandern ab, bis nur noch ein Rentner auf unserem Paradies verweilt, und das nur, weil er in unserem Gefängnis steckt und keiner mehr da ist, um ihn rauszulassen.

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Hier lassen wir uns alle gewinnbringenden Gebäude anzeigen.
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Nachdem wir die Insel inzwischen routiniert in den Ruin getrieben haben, versuchen wir uns an einer Fehleranalyse und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Wir haben keine Ahnung. Von einem Rum zum nächsten blieben unsere Exporterlöse weit hinter dem Durchschnitt zurück, die Arbeiter gingen ihren Aufgaben nicht mehr nach und unzufriedene Bürger kehrten El Presidente den Rücken zu und wurden zu Rebellen, die steineschmeißend durch unsere schönen und liebevoll bebauten Straßen zogen.

Sicherlich, man kann die Inseln mit genügend Aufmerksamkeit und ein wenig Erfahrung mit der Spielmechanik zum Sieg führen, nur scheitert das Vorhaben oft an undurchsichtigen Gründen. Man kann Tropico 3 nicht vorhalten, dass es keine Informationen liefert, denn das tut es. Das Problem dabei ist: Wir wissen davon nichts! Um als Spieler an aussagekräftige Informationen zu gelangen, muss man sich quälend lange durch Diagramme und Tabellen klicken, bis man ein Idee davon bekommt, was denn eigentlich der Haken am gegenwärtigen Wirtschaftssystem ist.

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Nur anhand von Tabellen und Diagrammen lässt sich der Zustand der Insel erahnen.
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Hat man sich aber erst einmal in die Datensätze eingelesen, lassen sich zu Beginn noch unüberwindbare Probleme recht zügig lösen – ein befriedigendes Gefühl. Erst jetzt entfaltet Tropico 3 sein volles Potenzial. Wenn man trotz aller Widrigkeiten ein funktionierendes Wirtschaftssystem auf die Beine gestellt hat und sich zufrieden zurücklehnt und den umwerfenden Detailreichtum betrachtet, dankt man dem Spielegott für sein eigenes Durchhaltevermögen.