Noch immer gibt es positiv traumatisierte Fans von Tribes, das Ende der 1990er Jahre mit puren Mehrspielerschlachten und halsbrecherischem Tempo die Herzen der Shooter-Fans eroberte. Tribes: Ascend soll Veteranen und Neulinge in einem Free-to-Play-Modell zusammenbringen. Klappt das?

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Teamplay. Skiing. Jetpacks. Geschwindigkeit. Langzeitmotivation. Wettbewerb. Wer bringt diese Parameter in einem Shooter zusammen? Hi-Rez versucht es, mit Tribes: Ascend. Die beiden vergangenen Versuche anderer Studios, sie beide waren mehr oder weniger gescheitert.

Etwa Tribes 2, das nur durch den Einsatz der Community per Patch auf ein spielbares Level gebracht wurde. Und beim bislang letzten Teil, Tribes: Vengeance, war neben der Unausgewogenheit der Waffen vor allem eines schlecht: die Bewegung. Irrational Games hatten sich die Zähne ausgebissen an einem Bug, der das ursprüngliche Tribes zu einem schleichenden Hit gemacht hatte.

Tribes: Ascend - Aufstieg oder endgültiger Fall einer Shooter-Legende?

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Tribes: Ascend
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Der Schlüssel zur Einzigartigkeit von Tribes sind aber eben diese Bewegungsmöglichkeiten, genauer gesagt das „Skiing“ in offenem Gelände. Auf abschüssigem Terrain nehme ich Geschwindigkeit auf, bei ansteigendem katapultierte ich mich mit dem Jetpack über eine Anhöhe, lasse mich wieder fallen und werde so immer schneller. Das führte oft zu halsbrecherischen Aktionen über so genannte „Routen“, um bei Capture the Flag möglichst effektiv und schnell das Objekt der Begierde aus der gegnerischen Hälfte der Karte zu entführen.

Nun also Tribes: Ascend, das Hi-Rez erst auf der Quakecon in den USA und nun auch in Europa zeigte. Auffällig bei der „Pre-Beta“-Version: Beide Karten, die Gegner, das Gelände, alles sieht frisch und knackig aus. Die Mischung aus Science-Fiction und leichtem Comiclook war schon immer speziell für das Starsiege-Universum. Hi-Rez trifft hier voll ins Schwarze der unzähligen Welten der Tribes, der von den Imperialen unabhängigen „wilden“ Stämme.

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Neue Ideen oder kalter Kaffee?
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Auf der CTF-Karte Drydock etwa bewegen sich riesige Raumschiffe am Himmel, schweben am Horizont, zwischen ihnen hindurch regnen zeitweise Meteoriten herab, während der Kampf um Flaggen und gegnerische Hauptquartiere entbrennt. Die Unreal-3-Engine macht eine gute Figur und liefert zwar eine etwas poppige, aber trotzdem nicht überzeichnete Umgebung. Und so schmeiße ich mich in den Kampf, zunächst mit leichter, später auch mit Medium oder schwerer Rüstung, um die Feinde der Diamond Sword in die Knie zu zwingen.

Ist Tribes zurück? Hi-Rez könnte sich am Spagat zwischen Neulingen und Fans verheben.Ausblick lesen

Mit sechs gegen sechs spielten wir auf der Gamescom im Businessbereich, im Normalfall sollen jedoch 16 pro Seite gegeneinander antreten. Drei Serverarten sind derzeit geplant: Öffentlich, Ranked und ein Turniermodus. Alle Server will das Unternehmen selbst kontrollieren und in unterschiedlichen europäischen Ländern platzieren. Zu Beginn der öffentlichen Beta – die bis Ende des Jahres starten soll, verriet Hi-Rez-Chef Todd Harris -, wird es zwei Modi geben: Capture the Flag und Rabbit.

Rabbit? Rabbit! Immer ein Spieler hat die Flagge und muss vor allen anderen fliehen. Je geschickter er sich bewegt, desto länger sein Überleben und desto mehr Punkte springen heraus. Wenn der „Hase“ dann doch erledigt wird, nimmt ein Konkurrent den Stofffetzen auf und macht sich seinerseits vor der Meute davon. Besonders gute Schüsse, etwa Treffer mit Einzelprojektilwaffen in der Luft, geben Boni.

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Tribes: Ascend könnte der Reihe zu neuem Glanz verhelfen.
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Auch Fahrzeuge feiern in Tribes: Ascend ihre Rückkehr, und Hi-Rez orientiert sich nah an Tribes 2. Neben dem Gravcycle, einer Art Motorrad mit eingebauter Bordkanone, gibt es mit dem Shrike einen Jäger und mit dem Beowulf einen Panzer, der die mächtigen, giftgrünen Mörserladungen in die offenen Landschaften feuert. Kaufen kann ich die nur, wenn ich mir vorher mit mannschaftsdienlichen Aktionen, etwa der Verteidigung der Flagge, Zerstörung gegnerischer Anlagen, Reparatur des Generators, Platzierung von Türmen und anderen Dingen die benötigten Punkte verdient habe. Sprich: Teamplay ist Pflicht.

Im Panzer merke ich recht schnell: Der Mörser ist ebenso wie sämtliche andere Waffen nicht so mächtig wie in vorangegangenen Tribes-Titeln. Dort reichte häufig ein direkter Treffer, um den Gegner auf Bruchteil seiner Lebensenergie herunter zu schießen. Die grünen Granaten, das Grauen jeder organisierten Verteidigung, töten hier noch nicht einmal gering gepanzerte Gegner sofort.

Neulinge, Profis und schwierige Manöver

Während Neulinge beim Anspielen von Tribes: Ascend mehrfach erwähnen, wie schnell das Spiel sei, monieren Veteranen das genaue Gegenteil. Tatsächlich ist die Bewegung nicht optimal. Wirklich Tempo aufzunehmen ist schwierig, immer habe ich das Gefühl, das eine Bremse eingebaut ist – auch wenn Todd Harris versichert, es gebe kein Geschwindigkeitslimit beim Skiing.

Feinjustierung ist dabei ebenso schwierig wie lenken in der Luft; das Jetpack kann ich kaum als Richtungsgeber einsetzen, auf die Bewegungstasten reagiert meine Figur ebenfalls nur sehr widerwillig. Bei einem Manöver versuche ich die Flagge zu cappen, schwebe mit aktiviertem Jetpack leicht versetzt über der eigenen und hatte Probleme, meine Position zu korrigieren. Übertrieben? Vielmehr frustrierend, wenn es um Sekundenbruchteile in einem engen Match geht. Todd Harris versicherte mir jedoch: Vor allem an den Bewegungsparametern wird noch geschraubt, auch in der geschlossenen Beta, die bereits im September starten soll.

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Hi-Rez verspricht viel...
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Wie gehabt geht jedoch der Waffen- und Rüstungswechsel an Ausrüstungsstationen vonstatten, nichts liegt herum. Welche, lege ich vorher per Menüauswahl fest. Allerdings sind die Elemente nicht frei kombinierbar wie in den Vorgängern, sondern vordefiniert. Es ist eine der größten Neuerungen, denn hier will Hi-Rez Geld mit Tribes: Ascend verdienen. Die sogenannten Loadouts schalte ich entweder über Spielzeit frei oder kaufe sie mit barer Münze.

Beim Gamescom-Testzocken waren es neun plus neun gesperrte, zum Start der Beta soll es 15 freigeschaltete geben. Die US-Amerikaner hatten bereits ein offenes Ohr für eine Idee der lebhaften Community: So wird es Pakete geben, die mehrere oder alle Loadout-Sets enthalten, damit bei Partien unter Wettbewerbsbedingungen gleiche Voraussetzungen herrschen.

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...doch was können sie halten?
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Zwei Waffen pro Loadout müssen dem Stammeskämpfer in Tribes: Ascend reichen, in der Vergangenheit waren es noch mindestens drei. Dazu kommt eine Sekundärwaffe wie etwa (Haft-)Granaten oder Minen sowie ein zusätzliches Pack auf dem Rücken. Beispiele? Eines lädt etwa den Energiebalken fürs Jetpack schneller wieder auf, ein anderes ist ein platzierbarer Abwehrturm, und ein weiteres tarnt mich bei der Infiltrierung der gegnerischen Basis. Die ist von Zeit zu Zeit nötig, denn sämtliche fest installierte Verteidigungsanlagen, die Ausrüstungsstationen sowie das Kaufen von Fahrzeugen ist nur möglich, wenn der Generator Strom produziert. Und natürlich ist er zerstör- und reparierbar.

Wesentlich mehr Waffen gibt es: sogar Pistolen, eine Shotgun und, eine weitere Überraschung, eine spezielle Aktionstaste für den Nahkampf. Coole Aktionen wie das Töten des gegnerischen Verteidigers im gleichen Zug mit dem Flaggenklau ist mit Übung so ohne Weiteres möglich. Nötig könnte das häufiger auf Crossfire werden, der zweiten CTF-Karte. Ähnlich wie in der Tribes-1-Karte Broadsides schweben die Basen der konkurrierenden Fraktionen nah beieinander in der Luft, doch die Flagge ist auf einem Vorsprung im Freien platziert.