Noch etwa ein halbes Jahr müssen die Fans des Schwarzen Auges auf die Rückkehr ihres Rollenspieluniversums auf die PC-Monitore warten, einen technischen Vorgeschmack auf das, was die „Drakensang“-Engine kann, gibt es schon jetzt. Denn das Piraten-Adventure „Treasure Island“ setzt auf eben jene Technik, die im Herbst Aventurien zu neuem Glanz verhelfen soll.

Neben der Technik haben wir natürlich auch alle anderen Bereiche der Versoftung des berühmten Stevenson-Romans „Die Schatzinsel“ begutachtet und verraten Euch im Test, ob Ihr an Bord der Hispaniola gehen oder besser bei Rum und Grog in der nächstbesten Spelunke versumpfen solltet.

Treasure Island - Trailer - DeutschEin weiteres Video

Saufen, Junge, saufen!

Der junge Jim Hawkins hat gleich mehrere Probleme: Er sitzt nach dem Tod seiner Eltern in deren abgehalfterter Bar fest, hat kaum Kundschaft, bis in die Hafenstadt Bristol sind es zwei Wochen mit der Kutsche und der Internetzugang ist im Piratenzeitalter auch noch nicht gelegt. Dazu gesellt sich mit dem mürrischen Bill Bones auch noch ein Gast, der zwar viel säuft, jedoch bislang nichts zahlt.

Treasure Island - Auf Schatzsuche in Adventure-Land: Diese Roman-Umsetzung ist jedoch keine Genre-Perle.

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Als erstes Ziel gilt es Bill Bones abzufüllen, um ihm so Informationen über seine Schatzkarte zu entlocken.
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Doch „Treasure Island“ wäre kein reinrassiges Adventure, wenn man dem Raubein am Tisch nicht mit ein paar Hilfsmitteln das ein oder andere Geheimnis entlocken könnte. Dummerweise hat der gute Bill nach dem ersten nachgeschenkten Rum schon wieder die Lust am abendfüllenden Gespräch verloren und verlangt nach mehr. Ein kleiner Ausraster später, nachdem wir den Seemann mit bloßem Wasser abfüllen wollten, verlangt er nun auch noch von unserem besten Brandwein. Da aber im TV nichts außer einem tuntigen Möchtegernpiraten läuft, geben wir nach und spazieren in den Keller.

Doch während wir das Untergeschoss auf den Kopf stellen, geht es im Schankraum auf einmal zur Sache. Gerade hatte uns Bill noch von seiner alten Mannschaft erzählt, die ihn nun angeblich verfolgen würde, da ist die vor ein paar Minuten noch wirr klingende Seefahrergeschichte plötzlich real geworden. Als wir wieder oben angekommen sind, liegt Bill bereits im Sterben, in der Hand einen Zettel mit einer Warnung von seinen alten Kameraden.

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In Momenten wie diesen wird uns klar: Wir hätten den Kraftsport seinerzeit nicht zugunsten der Videospiele sausen lassen sollen.
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Kennern der Stevenson’schen Originalvorlage „Die Schatzinsel“ dürfte einiges im letzten Abschnitt bekannt vorkommen. Denn Radon Labs‘ „Treasure Island“, soviel können wir schon jetzt verraten, hält sich recht ordentlich an das literarische Vorbild, von einigen kleineren Abweichungen einmal abgesehen. Eine dieser Änderungen ist weiblich, mittelgroß und in ihrem roten Kleid recht hübsch anzusehen.

So hat man in Antoinette, der Tochter des örtlichen Friedensrichters, einen weiblichen Gegenpart zum jungen Jim Hawkins, der Hauptfigur von Buch und Spiel, geschaffen. Gemeinsam mit ihr macht man sich sogleich daran, die Schatzkarte, von der der sterbende Bill mit seinen letzten Atemzügen berichtet hat, zu finden.

Dabei hält sich der Titel an beste Point&Click-Traditionen. Gegenstände werden per Rechtsklick untersucht oder, falls möglich, per Linksklick ins Inventar am unteren Bildschirmrand übernommen. Dort dürfen die Objekte bei Bedarf durch Drehen und Rotieren näher untersucht werden.

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Charaktere und Animationen sehen bisweilen etwas seltsam aus.
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Damit an den detailliert gestalteten Schauplätzen nicht die Pixelsucherei ausbricht, können sämtliche Interaktionsflächen per Tastendruck hervorgehoben werden – es sei denn man bezeichnet sich selbst als Hardcore-Abenteurer und deaktiviert diese Option bei Spielstart. Neben dem Suchen und Finden von Objekten steht natürlich gemäß dem Genre die Anwendung und Kombination der Utensilien auf dem Programm oder anders ausgedrückt: die Rätsel.

Mit geringem Umfang und Schwächen im Rätseldesign ist Treasure Island kaum mehr als ein Vorgeschmack auf die Drakensang-Engine vom gleichen Entwickler.Fazit lesen

Diese sind zumeist leicht erkennbar, zumindest was die reine Aufgabenstellung angeht. So darf Jim jederzeit in seinem Tagebuch nachlesen, was bisher geschah und was gerade das primäre Ziel ist. Da „Treasure Island“ mit einer Spielzeit von etwa vier bis fünf Stunden extrem kurz geraten ist und die Entwickler trotzdem die gesamte Geschichte der Vorlage im PC-Titel untergebracht haben, erübrigen sich zudem etwaige Nebenaufgaben. Nachdem man etwa Jims Bar verlassen hat und mit Gefolge in die Hafenstadt Bristol aufgebrochen ist, ist dort jederzeit klar, dass man sich um eine Crew kümmern muss. Die Kandidaten dafür sind ebenfalls rasch identifiziert, so dass sich Jim nur noch um das Anheuern kümmern muss.

Während das Questdesign im Allgemeinen also recht ordentlich und übersichtlich geraten ist, gibt es im Detail einige Mängel. So soll Jim in Bristol einer Dirne helfen, einen aufdringlichen Kunden loszuwerden. Versucht man den Freibeuter einfach anzusprechen, schreckt Jim vor dem Mannsbild zurück.

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„Entschuldigung, ich suche gerade diesen Leonardo. Wir hatten uns für halb Fünf hier am Bug verabredet.“
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Hat man zuvor hingegen mit einer Wache in einer Nebenstraße über einen gesuchten Verbrecher gesprochen, dessen Beschreibung auf die Nervensäge passt, hält Jim nichts mehr von der Konfliktsituation mit dem Störenfried ab. Derartige Situationen haben jedoch nicht viel mit logischem Rätseln zu tun, sondern zwingen den Spieler zu stupidem Abklicken aller Gegenstände der Spielwelt.

Auflösungserscheinungen

Als Entschuldigung mag da die Optik von eben jener Spielwelt herhalten, die durchaus ansehnlich geraten ist. Vor allem die sehr hochaufgelösten Texturen der Objekte und Bauten sind ein echter Hingucker. Während in früheren Versionen von „Treasure Island“ noch einige besonders hochaufgelöste Gegenstände neben etwas schwammigen Objekten deplatziert wirkten, wirkt die gesamte Umgebung nun sehr stimmig. Allein die Animationen der Charaktere sind da deutlich schwächer geraten und schwanken irgendwo zwischen staksig und albern. Und auch immer wieder auftretendes Tearing bei Kameraschwenks kratzt das ansonsten gute Gesamtbild der Darstellung an.

Doch nicht nur die Darstellung, auch die Bedienbarkeit des Titels stören die automatischen Kamerafahrten bisweilen. Denn während man eigentlich komfortabel per Doppelklick zum gewünschten Ziel rennen kann und bei gleicher Klickfolge auf Ausgänge diese direkt durchschreitet, reagiert das Spiel während zeitgleich zum Mausklick laufender Kamerabewegungen oftmals nicht sofort auf die Anwahl mit dem Nager.

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Wenn man grad nichts anderes zu tun hat, zieht man ein paar Kindern ihr Spielzeug ab.
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Nichts zu meckern gibt es hingegen an der Sprachausgabe. Zwar – und diesen Anspruch darf man heutzutage ohne rot zu werden an ein Vollpreiscomputerspiel stellen – kann der Titel nicht gänzlich mit aufwändigen Filmen mithalten, den Vergleich mit deutschen Hörspielproduktionen muss „Treasure Island“ jedoch nicht scheuen.

Gerade die ruppigen Piraten sind allesamt gut und finster vertont worden. Der spärliche Sound passt hingegen besser zu einem Aufbautitel der Marke „Anno“ und sorgt nur selten für Atmosphäre. Noch weniger können hier die Soundeffekte beisteuern. Gerade im belebten Bristol hört man zumeist nur die eigenen Schritte auf dem Asphalt und hin und wieder eine verwaiste Seemöwe schreien.