Es ist Samstagnachmittag. Gestresst eile ich von Geschäft zu Geschäft, um die Einkäufe zu erledigen, die wochentags langen Arbeitszeiten zum Opfer fallen. Freundin wie Terminkalender treiben mich an und durch endlose Regalreihen mit all den Langweiligkeiten, die man fürs Überleben benötigt.

Dann kommt die Shoppinghatz in der Abteilung "Videospiele" zum abrupten Stillstand. Ein verstohlener Blick, ob mein weiblicher Konsumgeneral guckt? Nein? Dann fix »The Darkness«, »Bioshock« und »Overlord« in den Einkaufswagen geschaufelt. Meine erste Glückseligkeit weicht auf dem Heimweg dem Gedanken: Wann zum Geier sollst du das alles spielen? Hätte ich mir bloß einen anderen Job gesucht. Aber welchen … ?

Als Erstes kommt mir hierbei immer in den Sinn: Wärst du doch bloß hauptberuflicher Spieleredakteur geblieben! Wieso habe ich mich davon überzeugen lassen, man müsse »etwas Vernünftiges« gelernt haben? Damals war alles so wundervoll: den ganzen Tag vor der Kiste, von gutgelaunten PR-Schönheiten umschwirrt, eine einzige Party in den Reihen der Industriegrößen. Gleich zu Beginn der Kolumne den idealen Job für Zocker aufgetan? Das war einfach. Weiterschreiben unnötig.

Traumjob Zocker - Spielend durchs Leben – Die besten Jobs für Zocker

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Wie schön wäre das Redakteurs-Leben mit Quake und Co.- wären da nicht die Schrottspielchen.
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Doch umso mehr ich darüber nachdenke, umso mehr lichtet sich der rosa Nebel der Retrospektive. Zum Vorschein kommen verdrängte Realitäten. Die gezwungenermaßen mit Schrottgames verdaddelten Stunden, wenn man doch eigentlich lieber mit den Kollegen »Quake« im Netz gespielt hätte. Unfreundliche Pressekontakte, die man für exklusive Tests von AAA-Produkten Schleimspur ziehend umkreiste. Freundliche Pressekontakte, die aus Angst vor miesen Wertungen für Drecksprodukte sich mit Schmierigkeit revanchierten. Empörte Industriereaktionen darauf, dass man aus gehypten Titeln die Luft raus gelassen hat - von groben Flüchen übers Telefon bis zu stornierten Anzeigen. Das ideale Umfeld für verspielte Videogame-Mimöschen?

Es muss besser gehen. Goldfarmer in »World of Warcraft«? Mein Chinesisch ist zu schlecht. Außerdem würde ich es hassen, auf der Beliebtheitsskala mir einen Platz mit Spammern und GEZ-Mitarbeitern teilen zu müssen. Da könnte ich ja gleich in die Kommunalpolitik gehen. Nein, nein, ein wenig Selbstachtung möchte man sich dann doch erhalten.

Aber wo wir gerade schon einmal bei »verhasst« sind. Wie wäre wohl ein Job bei der Bundesprüfstelle (BPjM) oder der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)? Den ganzen Tag lang Schweinkram gucken, spielen und dafür bezahlt werden … klingt eigentlich nach einem guten Plan! Der in Realität leider einen entscheidenden Haken hat: Die USK bekommt für die Freigabe von Computerspielen von den Bundesländern je zwei Jugendschutzsachverständige als Gutachter.

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Geil! Schweinkram bei der USK testen. Nicht so geil: Bezahlung gibt's keine.
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Die sind an sieben Prüftagen im Jahr tätig. Ehrenamtlich gegen Aufwandsentschädigung. Die BPjM-Gremien bestehen ebenfalls weitgehend aus Ehrenamtlichen, die den Kreisen Kunst, Literatur, Lehrerschaft, Träger der freien Jugendhilfe usw. usf. entstammen. Über Pornos und Gewalt entscheidet nur die »Mitte der Gesellschaft«. Und das ist kein Job. Sondern setzt einen solchen voraus. Verdammt.

Spieleentwickler im weitesten Sinne klingt auch immer so fürchterlich attraktiv - sei es Produktmanager, Programmierer, 3D-Artist, Skripter oder schlicht Betatester. Hat nicht jeder von uns diese »super Spielidee«? Unheimlich originell, nie da gewesen, ein absoluter Renner! Wir bräuchten nur jemanden, der sie für uns umsetzt. Denn wenn wir ganz ehrlich sind: Wochen-, monate- oder gar jahrelang an ein und demselben Produkt zu arbeiten, wäre so gar nichts für uns. Wer von uns hätte das Durchhaltevermögen? Hey, wir spielen doch gerade wegen unserer geringen Konzentrationsspanne.

Aus irgendeinem Grund kommt mir bei Letzterer das Berufsfeld »Pressemaus« in den Sinn. An Messeständen herumgammeln, Schnittchen futtern und mit interessierten wie interessanten Journalisten plaudern. Auch nicht ganz verkehrt. Aber ob 1,90 m, 300 Pfund, haarige Unterarme und einen Adamsapfel, auf dem man einen kleinen Volkswagen parken kann, wirklich die idealen Voraussetzungen sind?

Zum GC Babe 2007 würde es vermutlich nicht reichen, selbst wenn ich mich in noch so ein hautenges Kostüm quetschen würde (gamona.de präsentiert: SimKochwurst). Und ehrlich gesagt, einen gewissen Anspruch hat man ja schon. Ganz möchte man aufs Niveau dann doch nicht verzichten.

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Traumjob GC Babe? Mit Bart und Bierbauch hält sich der Erfolg wohl in Grenzen...
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Etwas Seriöses wäre recht, Wissenschaft und Forschung etwa. Eine Art »Professur für Computerspiele«. Klar, eine Träumerei. Denn welcher Mensch mit Normalintelligenz würde für einen derartig absonderlichen Lehrstuhl Steuergelder verballern. Da könnte man genauso gut die Löcher der A7 mit 50 € Scheinen stopfen oder … wer hat da gerade Technische Universität Ilmenau gesagt? Da gibt es tatsächlich einen Lehrstuhl für Computer- und Videospiele?

Es sollen Konzeption, Nutzung, Vermarktung und Wirkung von digitalen Spielen untersucht werden? Na, wer sagt es denn! Selbst wenn sich die tägliche Arbeit nicht im Dauerzocken erschöpft, endlich mal ein sympathisches Angebot! Wäre da nicht ein klitzekleines Problem: Momentan gibt es in Deutschland genau eine solche Stelle. Das Porto für die Bewerbung werde ich mir wohl sparen können.

Überhaupt haben alle bisherigen Alternativen ein gemeinsames Problem: Wenn das Hobby zur Arbeit wird, was wird dann zum Hobby? Das Spielen wollte ich mir ja gerade nicht verleiden. Es könnte vielleicht eine beliebige Tätigkeit sein, solange sie nur ausreichend Zeit fürs Daddeln lässt. Vielleicht etwas in Richtung Bademeister, Bibliothekar oder Nachtwächter? Mit dem Laptop auf dem Schoß auf Kundschaft warten? Ginge eventuell genauso als 747-Pilot oder Techniker eines Atomkraftwerks. Klar, der ganze Kram kann einem jederzeit um die Ohren fliegen. Aber zwischen den GAUs hat man prima Zeit für S.T.A.L.K.E.R.

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Super Gau im Atomkraftwerk? Halb so schlimm, dank Stalker.
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Lehrer wäre auch nicht verkehrt. Nicht nur, dass man ausreichend Freizeit hätte, die aktuellen Spiele kann man täglich frisch auf dem Pausenhof konfiszieren. Oder noch besser: Mann einer Lehrerin. Gleiches Ergebnis bei geringerem Stress. Eine Art »Hartz IV« mit höherem Lohn. Das bisserl Hausarbeit sollte mit links zu schaffen sein. In Kombination mit Kindern hat man sogar die perfekte Ausrede, die Konsolen gar nicht mehr auszuschalten.

Wer sagt es denn! Es gibt den perfekten Zockerjob! Sogar ohne jegliche Form von Ausbildung. Ob ich meiner Freundin den Heiratsantrag sofort mache? Gleich nach dem Kolumneschreiben? Vielleicht spiele ich doch lieber erstmal ein wenig »Overlord«. Man will schließlich gut vorbereitet sein, für die neue Stelle.