Wir möchten wetten: Jeder Zocker träumt ihn mehr als nur einmal in seinem Leben, den Traum vom hauptberuflichen Spiele-Designer. Und das nicht weil Videospiel-Entwickler im Geld schwimmen, um die halbe bis ganze Welt reisen, in den teuersten Hotels übernachten und von den Fans gefeiert werden wie Rockstars – sondern weil es mit Haut und Haar um das geht, woran unser aller Herz hängt: Spiele.

Doch bei den meisten bleibt es bei diesem Traum – den Mut, den Weg zum neuen Will Wright, Bill Roper oder Doug Lombardi einzuschlagen, finden die Wenigsten. Oder ihnen fehlt einfach nur der richtige Wegweiser dorthin. Denn oftmals scheitert das Vorhaben bereits bei der Fragestellungen: Wie werde ich eigentlich Spiele-Designer? Mittlerweile gibt es zumindest darauf in Deutschland eine einfache Antwort: mit einem Studium an der Games Academy. Wir haben uns dort einmal für euch umgeschaut.

Traumjob Spielemacher: die Games Academy - Corporate Conflict Mars Tech Demo

Früher – also so etwa bis Ende der 80er Jahre – wurden Spiele von talentierten Ein-Mann-Armeen im dunklen Kämmerlein oder in der zum Mythos gewordenen Garage programmiert. Doch spätestens seitdem Spiele nicht mehr im Alleingang, sondern in professionell durchorganisierten Teams „gefertigt“ werden, ist es für Außenstehende immer schwieriger geworden, den Schritt zum „Querseinstieg“ zu vollziehen. Die Wahl, Jahre im Informatik-Studium zu versauern oder die Ochsentour vom Beta-Tester zum Level-Designer zu nehmen, schreckt so manchen davon ab, die Wunschvorstellung in die Wirklichkeit umzusetzen.

Traumjob Spielemacher: die Games Academy - So werdet ihr Game-Designer: Wir klären alle Fragen.

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Seit dem Jahr 2000 bildet die Games Academy Berlin ihre Studenten zu Spiele-Entwicklern aus.
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Eine spezielle Ausbildung zum Spielemacher gab es lange Zeit nicht in Deutschland. Doch das war einmal: Seit dem Jahr 2000 bildet die Games Academy in Berlin – und seit Kurzem auch ihre Zweigstelle in Frankfurt/Main - Spielebegeisterte zum staatlich anerkannten Game-Designer, -Producer, -Artist oder 3D-Programmierer aus. Auf den folgenden Seiten klären wir für euch, welche Voraussetzungen ihr für ein Studium an der Games Academy erfüllen müsst, was euch dort beigebracht wird und wie es danach weitergeht.

Spiele-Designer: Welche Ausbildung passt zu mir?

Spiele wie „Edna bricht aus“, in denen ein einziger Designer in Personalunion für Story, Game-Design, Programmierung und sogar Grafik verantwortlich zeichnet, sind heute die Ausnahme. Stattdessen sind spezialisierte Teams von 30 bis 150 Mann (und die eine oder andere Frau) die Regel.

Während findige Programmierer an den schnellsten Routinen für die neue Physik-Engine basteln, erstellen talentierte Zeichner schicke Artworks, um die angestrebte Atmosphäre des Spiels perfekt einzufangen, und kreative Game-Designer erfinden Quests, modellieren Levels und schreiben Dialoge, während der Producer im Hintergrund alle Fäden dazu in der Hand hält.

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Game Artists entwerfen schicke Artworks wie dieses.
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Wer also eine Ausbildung zum Spielemacher anstrebt, sollte sich zunächst darüber klar werden, wo seine eigenen Talente und Interessen liegen. Die Games Academy Berlin bietet für jede Neigungsrichtung den passenden Studiengang in vier Disziplinen an: Absolventen des Kurses „Game Art & Animation“ entwerfen Grafiken und Concept Artworks für Spiele, sie gestalten die Landschaften, Gegenstände und Charaktere und versuchen, Objekte so wirklichkeitsgetreu wie möglich zu animieren. Die Ausbildung hierzu orientiert sich am Handwerkszeug des klassischen Bildenden Künstlers: Neben traditionellen Techniken wie Zeichnen und Modellieren (z.B. mit Ton) wird aber auch der Umgang mit modernen 3D-Grafikprogrammen und Motion-Capturing-Verfahren gelehrt.

Studenten der Fachrichtung „3D-Programmierung“ werden wie in einem klassischen Informatik-Studium ausgebildet, in C++, DirectX und KI-Technik, allerdings zugeschnitten auf die besonderen Bedürfnisse der Spiele-Industrie. So gehören selbstverständlich die Besonderheiten moderner 3D-Engines ebenso auf den Stundenplan wie Physik-Berechnungen und das Erstellen grafischer Effekte von spektakulären Explosionen bis zur adäquaten Darstellung glitzernder Wasseroberflächen.

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Game-Designer entwickeln u.a. die Level für 3D-Spiele.
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In Zeiten, in denen Spiele-Entwicklerteams immer größer werden, gewinnt die Stellung des Game Producers zunehmend an Bedeutung, also einer Person, die sämtliche Abläufe koordiniert, über allem ein wachsames Auge hat, die Vision für das Spiel verfolgt und dafür sorgt, dass Termine gehalten, Budgets nicht gesprengt und die angestrebten Qualitätsmaßstäbe eingehalten werden. Im Studium lernt der Game-Producer – um es mal sarkastisch auszudrücken – von allem ein bisschen aber nichts richtig. Außerdem erwirbt er Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft und Jura – man weiß ja nie, wozu man so was nicht brauchen kann…

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Studium in entspannter Atmosphäre.
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Im Gegensatz zu den bis hierhin angerissenen Studiengängen dauert die Ausbildung zum „Game Designer“ nicht vier, sondern nur zwei Semester. Dafür haben jene die Möglichkeit, im Anschluss an ihre Ausbildung direkt in eines der anderen Fächer überzuwechseln, quasi als „Aufbaustudium“. Game Designer arbeiten als Level-Designer, erarbeiten neue Konzepte für Spiele und wirken am Balancing mit. Neben dem dazu nötigen praktischen Handwerkszeug umfasst die Ausbildung auch u.a. Spieltheorie, Marketing und rechtliche Grundlagen.

Vor dem Studium: Bewerbung, Voraussetzungen, Gebühren

Für ein Studium an der Games Academy müsst ihr mindestens 18 Jahre alt sein – die Ausnahme bildet der „Game Producing“-Studiengang: Für diesen gilt ein Mindestalter von 23, außerdem ist eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung Pflicht. Im Gegensatz zu einem Universitätsstudium genügt für die Games Academy die Mittlere Reife – ein Abiturszeugnis muss demnach keiner mitbringen, dafür aber eine gehörige Prise Talent.

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Himmel über Berlin: Die neuen Räume der GA liegen zentral, direkt an der Spree.
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Je nach angestrebter Studienrichtung reichen Bewerber eine umfangreiche Bewerbungsmappe ein und nehmen an einem Bewerbungsgespräch teil. Programmierer beispielsweise stellen sich mit einem selbst erstellten Stück Software, einer spielbaren Demo oder einem Tetris-Klon vor, Game-Designer reichen z.B. eine Half-Life-Mod, eine Warcraft-Map, eine Kurzgeschichte oder ein eigens entwickeltes Karten- oder Brettspiel ein. Bei Artists ist die Sache ohnehin klar: Zeichnungen, Malereien, aber auch 3D-Modelle oder Renderings gehören hier selbstverständlich in die Bewerbungsunterlagen.

Die schlechte Nachricht: Der Besuch der Games Academy ist nicht billig. Um die 5.000 Euro beträgt die Studiengebühr pro Semester – Game-Designer dürfen gar knappe 6.000 Euro berappen. „Wir sind eine rein private Einrichtung“, begründet Studienberater Felix Wittkopf im Interview den hohen Preis. „Wir kriegen keinerlei staatliche Unterstützung, und daraus folgt, dass wir uns ausschließlich über die Gebühren der Studenten finanzieren müssen.“

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Praxisnähe wird an der Games Academy groß geschrieben.
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Trotz der happigen Kosten scheint das Geld aber gut angelegt: Zum Einen verfügt die Games Academy über modernste Ausrüstung, Rechner, Seminarräume, wo die Studenten praxisnah in selbstverantwortlichen Projekten ihre „Skills“ trainieren. Zum anderen sind die Erfolgsaussichten nach absolviertem Studium optimal. „GA-Absolventen sind weltweit gefragt. Wer nach dem Studium keinen Job findet, ist selber schuld“, erklärt uns Game-Producing-Student Jürgen Kayser und deutet auf eine Gruppe Viert-Semester vor ihren PCs. „Die hier haben beispielsweise schon alle einen…“

Ob angesichts der horrenden Gebühren nur die Kinder reicher Eltern hier studieren, fragen wir ihn. „Nicht unbedingt“, winkt er ab. Dadurch, dass das Studium relativ schnell über die Bühne gebracht ist, könne man sich mit etwas Erspartem und einem Studienkredit über die Runden helfen.

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Bereits im ersten Semester entwickeln die Studenten ihre eigenen Spiele.
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Von dem Vorhaben, neben dem Studium zu jobben, rät er allerdings dringend ab. Die ohnehin knappe Freizeit – selbst die Semesterferien dauern nicht einmal einen Monat – geht oftmals für die studienbegleitenden Projekte drauf. „Erst gestern haben wir noch bis um 3 Uhr nachts gecodet“, erzählt Jürgen mit einem müden Blick auf den Kaffeebecher in seiner Hand. „Aber der Spaß an der Arbeit entschädigt vielfach für die Strapazen.“

Studium an der Games Academy: vielfältig und praxisnah

Bedenkt man die relativ kurze Studiendauer von zwei bis vier Semestern, eine Zeit, nach der andere Studiengänge gerade einmal zur Zwischenprüfung bitten, erstaunt die Vielfalt im Stundenplan umso mehr. Zwar werden die Absolventen der Games Academy speziell auf die Bedürfnisse des Spiele-Marktes „zugeschnitten“ und von vielem unnötigem Theorie-Ballast verschont, dennoch blicken sie erfreulich oft und sinnvoll über ihren Gaming-Tellerrand.

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Auch traditionelles Kunsthandwerk steht auf dem Lehrplan.
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So lernen Game-Designer beispielsweise in literaturwissenschaflichen Seminaren zum Story-Telling, wie man eine Geschichte auf spannende Weise erzählt, sie befassen sich mit juristischen Grundlagen, um nachher nicht wie der Ochs vorm Aktenberg zu stehen, und Game-Artists nehmen statt des Lichtgriffels auch mal die Töpferscheibe in die Hand, um einen möglichst echt wirkenden Tonkopf zu formen.

„Praxisnähe wird hier ganz groß geschrieben“, versichert man uns während unseres Besuchs mehrfach. Bereits die Erstsemester verlassen die Akademie mit einem komplett fertig produzierten Spiel in die Semesterferien, „meist zwar nur eine Variation eines simplen Klassikers wie Tetris oder Asteroids“, meint Jürgen, „aber immerhin…“

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Jürgen Kayser (li.) und sein Team von Corporate Conflict Mars.
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Im zweiten Semester arbeiten Studenten sämtlicher Studiengänge bereits in semi-professionell geführten Teams an einem gemeinsamen Projekt. Die Ergebnisse können sich mit manchem Vollpreisprodukt durchaus messen. Vor allem aber ist den Studenten eine genaue Kenntnis ihrer Materie und ein übersprudelndes Maß an Kreativität zu attestieren – dass Spiele wie Portal oder De Blob an Spiele-Universitäten entstanden sind, wundert da kaum noch und lässt für die Zukunft hoffen. Einige der hier entstehenden Spiele sind derart viel versprechend, dass wir ihnen in einem weiteren Teil dieser Artikelreihe ein eigenes Special widmen werden.

Spiele Made in Germany

Da in der Games-Branche neben kreativen Spielideen aber stets auch Äußerlichkeiten eine gewichtige Rolle spielen, gibt die Games Academy ihren Studenten mächtige Werkzeuge für spektakuläre Optik an die Hand: Für die meisten Studentenprojekte kommt die lizenzierte Vision Engine zum Einsatz, die demnächst auch Gothic 4 oder das phantastische Hack’n Slay Dungeon Hero antreiben wird.

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Hier entsteht eine Wandtextur: Für ihre Projekte steht den Studenten die Crysis-Engine zur Verfügung.
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Die Ergebnisse, die eine Gruppe Absolventen mit ihrer Hilfe derzeit in einem eigens erstellten Mini-MMO auf den Bildschirm zaubern, hält beinahe gar dem Vergleich mit Age of Conan stand. Für besonders spektakuläre Augenschmeichler darf sogar Hand an die Cry Engine 2 gelegt werden, mit der die Studenten sich nicht nur an Crysis-artiger Prachtgrafik austoben können, sondern sich im gleich Schritt für den Premiumjob bei internatonalen Top-Entwicklern empfehlen.

„Trotz des schwierigen Standes, den Computerspiele in Deutschland einnehmen, ist die Games Academy einzigartig in Europa und auch im Vergleich zu Amerika klar in der Spitzengruppe“, verrät Felix Wittkopf mit verhaltenem, aber sichtbarem Stolz in der Brust. „In der Games-Szene von Deutschland wird sich in den kommenden Jahren Einiges verändern“, weiß Jürgen Kayser schon jetzt. „Im Moment wächst hier eine völlig neue Generation von Spielemachern heran, die mit Games aufgewachsen sind und das Medium in- und auswendig kennen. Und wir auf der Games Academy tragen maßgeblich dazu bei…“

Lest demnächst im zweiten Teil der Reihe: Games Academy – Hinter den Kulissen: Ein Tag an Deutschlands Spiele-Uni.

Für alle, die sich näher über ein Studium an der Games Academy informieren möchten, veranstaltet die Games Academy Frankfurt am 17. Oktober 2008 einen Tag der offenen Tür. Alles Weitere erfahrt ihr auf der offiziellen Seite .