Wir rasen in eine US-Kleinstadt voller untoter, fleischhungriger Achtzigerjahre-Cowboys. Das „erste zombiefizierte Echtzeittaktikspiel“ ist für Fans und Freaks ein blutiger Zeitvertreib. Alle anderen müssen sehen, wie sie aus dem Schlamassel wieder herauskommen.

Trapped Dead ist wie Commandos, nur mit Zombies. Das sagen die deutschen Entwickler sogar selbst. Jeder, der den Klassiker der Echtzeittaktik gespielt hat, weiß um das Spielprinzip - Feinde aus Vogelperspektive beobachten und im richtigen Moment zuschlagen. Eine falsche Bewegung, ein nicht einkalkuliertes Risiko, schon ist das Level gelaufen. Allerdings konnte man bei der Vorlage der Pyro Studios immer speichern und sah, was der Gegner von einem sah. Bei Trapped Dead nicht.

Trapped Dead - Mit Kettensäge durch totes Fleisch - aber taktisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 11/161/16
Mit dem Auto in die überlaufende Kleinstadt - nix wie raus da!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und so muss ich auf meine bis zu vier Charaktere behutsam durch die verschiedene Areale einer US-amerikanischen Kleinstadt bewegen. Denn die ist von Untoten überrannt und ich, Mike, rase zu Beginn mitten hinein.

An einer Tankstelle in der Wüste hatte einer der Zombies meinen Kumpel Gerald im Auto angeknabbert. Jetzt suche ich nach Hilfe. Im Krankenhaus - das passenderweise „George A. Romero“-Hospital heißt - finde ich zwar einen Arzt. Doch erstens knallt er meinen leidenden Kollegen im Auto einfach ab und außerdem ist er ein feiges Stück. Über die Stadt verteilt gibt es weitere Überlebende, aber der Weißkittel im Rollstuhl ist froh, dass er einen Helfer gefunden hat, und würde am liebsten direkt abhauen. Dass der Zweiradmediziner die Situation verkennt, wird klar, als ich das Bahnhofslevel anwähle. Horden von Untoten, und wir mit viel zu wenig Munition.

In der frei dreh- und zoombaren Ansicht beobachte ich die Umgebung in Hedge Hill - denn blindes Ballern ist meist sinnlos: Wenn die fauligen Fleischhaufen einmal in Bewegung sind, ist der Vormarsch oft unaufhaltsam. Das gilt besonders für freie Areale ohne Hindernisse. Steigt einem der geruchsintensiven Gesellen unser Duft in die Nase, laufen wir direkt vor seine angegilbten Augäpfel oder mit stampfenden Schritten hinter seinem Rücken vorbei, nimmt er die Verfolgung auf. Das bemerkt dann auch der Rest der Meute, die sich ihrerseits auf den Weg zum laufenden Frischfleisch macht. Zwar schleichen die Stinkstelzen wie im Night-of-the-Living-Dead-Klassiker von Regisseur Romero mit zwei Meilen pro Stunde in Richtung der Charaktere, doch auch das bringt mich gehörig ins Schwitzen.

Trapped Dead - Mit Kettensäge durch totes Fleisch - aber taktisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Die Ansicht ist frei dreh- und zoombar. Probleme beim Hin- und Herschicken der Figuren gibt's trotzdem immer.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zusätzlich zu den Kinostreifen haben sich die Crenetic auch von den The-Walking-Dead-Comics inspirieren lassen. Dementsprechend entwickelt sich die Geschichte über gezeichnete Standbilder, bleibt aber leider blass. Der erzählerische Stil hat zwar durchaus Charme, wirkt aber vor allem wegen der etwas amateurhaft klingenden Sprecher nicht ausgereift. Zudem gibt es kleine Ungereimtheiten zwischen verschiedenen Sequenzen. So finde ich auf der Suche nach Munition nur einen leeren Schrank - doch danach versichert mir eine meiner Figuren, dass meine Gruppe nun genügend Kugeln habe, um sich in die anderen Teile der Stadt zu wagen.

Kontaktspaß mit Katana

Waffen, passende Munition und Extras wie Verbandszeug packe ich jeder meiner Figuren in ihr eigenes Inventar. Der damit ausgetragene Kampf gegen die untote Bedrohung findet glücklicherweise auch in Gebäuden statt. Dort funktioniert der aus alten Ego-Shootern bekannte Trick meist blendend: Position hinter einer Tür wählen, mit einem meiner Mitstreiter in die Nähe der fleischhungrigen Blasshäute und sofort wieder zurückrennen. Die so angelockten Sargverweigerer kann ich dann einen nach dem anderen mit Revolver oder Schrotflinte abknallen, mit Baseballschläger oder Axt zermatschen und zerteilen - oder mit Veteran Bo per Scharfschützengewehr in Reihe ausschalten.

Trapped Dead - Mit Kettensäge durch totes Fleisch - aber taktisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 11/161/16
Auch der Güterbahnhof ist erscreckend gut besucht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für unangemeldete Leichenversammlungen in der Öffentlichkeit gibt es Granaten, für Kontaktspaß ein Katana und für Grillfreunde den Taser. Damit ich Querschlägern entgehe, sollte ich Friendly Fire in den Optionen ausschalten. Denn steht etwa Mike vor einer gammelnden Göre und ich habe Sheriff Old John zuvor einen Feuerbefehl erteilt, sind ihm Verluste in der eigenen Mannschaft offensichtlich völlig egal – und er freut sich darüber, dass in alter Doom-Tradition Schüsse durchschlagen. Dumm nur, dass Mike dabei die Lebensgeister ausgepustet werden und damit das Level vorbei ist. Denn anders als bei Commandos müssen alle Charaktere überleben. Ein Tod ist schon zu viel.

Erwischen mich die fauligen Fridoline trotzdem, blute ich und auch dem blödesten aller unfreiwilligen Aasfresser steigt mein Blutgeruch in die Nase - sogleich strömen die Massen in meine Richtung. Für solche Fälle gibt es Verbandszeug, das den Lebenssaft stoppt. Damit muss ich sparsam umgehen, denn in den späteren Leveln sind die Packungen mit dem roten Kreuz ständige Mangelware. Zwar gibt es auch Blutkonserven, doch die sind nicht zur Heilung gedacht, sondern für einen besonderen Kniff. Um die riechende Meute abzulenken, schmeiße ich einfach einen der Beutel auf den Boden. Und stehle mich mit meiner Gruppe vorbei.

Fummeln und Faulen

Heilung bringt nur der Bunker, die unterirdische Basis meiner sechs Figuren - von Sheriff Old John über Veteran Bo bis zur Reporterin. Habe ich es lebend zurück in den Ruheraum geschafft, werden Mike und seine Mitstreiter(innen) automatisch geheilt. Immer stehen mehrere Level zur Auswahl - theoretisch kann ich so manche überspringen. Das ist jedoch meist nicht ratsam, weil einem sonst zusätzliche Waffen, Munition oder gar andere Überlebende und damit potenzielle Helfer entgehen. Die kann ich auch im Mehrspielerpart benutzen, mit der Ausrüstung aus dem Einzelspielermodus. Dort übernimmt jeder Teilnehmer einen von bis zu vier Charakteren. Die Karten sind die bekannten aus der Kampagne und werden in Kooperation bestritten.

Trapped Dead - Mit Kettensäge durch totes Fleisch - aber taktisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 11/161/16
Auch vor einer Militärbasis machen die schlurfenden Kerle nicht Halt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nicht alle meiner Herren und Damen können sämtliche Waffen benutzen: Beispielsweise kann die einzige weibliche Mitstreiterin nicht die Kettensäge in die Hand nehmen. Dazu muss ich im jeweiligen Inventar die gewünschte Waffe anklicken. Das ist gar nicht so einfach und klappt nicht immer beim ersten Klick. Ist es dann geschafft, sind besonders die Fernwaffen häufig unzuverlässig: Bei einzelnen Schüssen vollführt die Figur auf dem Bildschirm ab und zu lediglich die Animation; das Geräusch, die Kugel und der Schaden für den Zombie bleiben aus.

Hoher Frustfaktor: Wenn Trapped Dead eine Mathe-Klausur wäre, hätte ich sie früher abgegeben.Fazit lesen

Sicher gehe ich daher meist mit automatischem Feuer auf die Fledderflummi-Ausflugsgruppen. Oder ich hacke mich per Nahkampfwaffe durch. Das funktioniert fast immer - vorausgesetzt, ich kann einen nach dem anderen zerteilen. Je weniger Lebensenergie, desto geringer die Schlagfrequenz und Regeneration der Ausdauer. Letztere brauche ich zum Rennen sowie Schlagen. Den schlurfenden Gammelgeorgs davonlaufen ist deshalb häufig nicht möglich. Fast immer habe ich zudem das Gefühl, dass mir die fummelige Steuerung meine Pläne durchkreuzt. Mehrere Anweisungen für eine Aktion sind keine Seltenheit.

Trapped Dead - Mit Kettensäge durch totes Fleisch - aber taktisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 11/161/16
Studenten auf ewig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwar kann ich die Pausefunktion benutzen und währenddessen auch jeder meiner Figuren einen Befehl geben, aber das reicht meist nicht. Befehlsketten wie bei Echtzeitstrategietiteln sind nicht möglich, obwohl das taktische Element dadurch sicherlich forciert würde. Geht etwas schief, sind für Korrekturen zu viele Klicks nötig - die zudem nicht immer die gewünschte Aktion auslösen. Hier ist eindeutig der Bug-Teufel unterwegs. Die Betaversion des ersten Patches konnte die nervenden Fehler während des Tests leider nur teilweise abstellen.

Metzger, überall Metzger!

Ob ranzige Nonnen, agile Modermonis oder die besonders resistenten Metzger mit Hackebeil – die verschiedenen Zombietypen sind auch unterschiedlich schnell und reagieren anders auf meine Aktionen. Erfahrungswerte sind hier Trumpf. Manchmal überraschen mich die fauligen Genossen und machen Türen wegen ihres großen Hungers auf meine Eingeweide einfach zu Kleinholz. Und wenn Big Papa in Arbeitsklamotten langweilig ist, vergibt er an seine fleischsuchenden Konkurrenten schon mal blutige Kopfnüsse. Leider gibt es als hartnäckige Einzelgegner nur besagten Metzger. Und warum davon gleich zwei vor einer monumentalen Bibliothek herumlungern, ist auch nicht wirklich logisch.

Ab und zu gibt es auch simple Fallen, um mehrere Schimmelsiggis zeitgleich ins Reich der zerteilten Untoten zu befördern: Da lasse ich ein Auto von der Hebebühne auf den zombiefizierten Mechaniker stürzen, aktiviere den elektrischen Stuhl im Gefängnis oder sehe genüsslich dabei zu, wie der Kronleuchter im Lesesaal der Bibliothek auf die ewige Studentenmeute kracht.

Trapped Dead - Zombie-TeaserEin weiteres Video

Solche Angebote nehme ich gerne an - denn während im Freien die Ranzrotte aus unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig problematisch wird, ist das Rangieren mehrerer Charakter in Gebäuden ebenfalls schwieriger als nötig. Die Wegfindung arbeitet nicht optimal und lässt die Figuren zum Teil lustige Tänze vollführen.

Auf den Karten verteilt sind feste Speicherpunkte, die mich zu taktischem Verhalten zwingen. Gesichert wird nur, wenn alle Charaktere sich gleichzeitig in einem bestimmten Radius aufhalten. Schnell dorthin zu hasten bringt meist nichts, da ich nach geladenem Spielstand die Figuren erst wieder mit Waffen ausrüsten muss. Bis dahin haben mich die folgenden Schimmelschollis häufig schon erledigt. Hotkeys für die Waffen würden wohl helfen - gibt es aber nicht. Trotzdem will ich ans Ziel kommen, das heißt: Hedge Hill hinter mir lassen. Zwar stehen auf den Straßen reihenweise Autos. Aber ich bin ja nicht mit meinem Wagen in die Stadt hineingerast, um einfach wieder herauszufahren.