Die Jungs und Mädels von Jagex haben mit ihrem neuesten Projekt Transformers Universe gewiss eine erlebnisreiche Zeit hinter sich. Ursprünglich 2010 als Online-Rollenspiel angekündigt, versank das Stück blank polierte Transformers-Lizenz letztes Jahr nach einer Reihe von Entlassungen in tiefer Funkstille. Doch die ewige Fehde zwischen Autobots und Decepticons scheint in der Zwischenzeit mitnichten zur Ruhe gekommen und in einem frischen MOTA-Gewand schält sich der Titel nun aus der selbst gewählten Versenkung. Gefangen zwischen Free2Play-Hype und MMO-Übersättigung stellen wir uns die eine Frage: Was genau willst du eigentlich sein, liebes Transformers Universe?

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Der erbitterte Konflikt zwischen Autobots und Decepticons brodelt schon seid Äonen von Jahren, wurde bereits in jeder erdenklichen Ecke des Universums ausgefochten – sei es auf Cybertron, im Kinosaal des Vertrauens oder dem heimischen Spielezimmer. Nun erreicht die Fehde also endgültig die Erde und in einem schummrigen Präsentationsraum in London konnten wir einen genaueren Blick auf die Lage unseres Heimatplaneten werfen, der unfreiwillig zum Spielball kosmischer Mächte geworden ist.

Tausendundein Transformer

Der Lagebericht konzentriert sich auf das staubverhüllten Steppengebiet Nordamerikas, wo wir Bekanntschaft mit dem massiven Autobot Front-Line machen. Geschmeidig heizt der SUV über das von Schutt gebeutelte Gelände und entblößt in Sekundenschnelle sein glänzendes Inneres. Seinen liebevollen Kosenamen „Gatecrasher“ trägt das stählerne Ungetüm nicht ganz ohne Grund – mit wuchtiger Minigun, messerscharfer Doppelaxt oder gigantischem Hammer ist keine Barriere dick genug, kein Widerstand ausreichend, um den lebend gewordenen Rammbock aufzuhalten.

Transformers Universe - Gefangen im Traktorstrahl des Online-Hypes

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Die Kampfroboter sind spektakulär in Szene gesetzt.
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Aber mal ganz von vorn - Front-Line ist Galionsfigur einer neuen Generation Stahlungetüme, die Entwickler Jagex in enger Kooperation mit Hasbro eigens für Transformers Universe kreiert hat. Jeder Neuzugang soll mit einer individuellen Hintergrundgeschichte bedacht werden, die das einzelne Individuum stimmig in den Serien-Kanon einfügt und sowohl alt eingesessene Fans, als auch Transformers-Neulinge das Schicksal der stählernen Kämpfer näher bringt.

Das klingt vielversprechend und birgt eine Menge Potenzial, noch konnten wir uns aber nicht näher von den guten Absichten der Entwickler überzeugen. Generell bleibt bis zu diesem Zeitpunkt völlig im Unklaren, was für eine Geschichte Transformers Universe erzählen will. Warum bekämpfen sich Autobots und Decepticons plötzlich auf einer menschenleeren Erde, welche Rolle spielt der Einzelne in diesem Konflikt und am wichtigsten - was ist eigentlich aus Optimus Prime und seiner ewigen Nemesis Megatron geworden? Wenn überhaupt wird man den ikonischen Truppenführern wohl nur in die Schlacht folgen können und es bleibt abzuwarten, was sich Jagex hier wird einfallen lassen.

Zurück in der staubtrockenen Wüste: Um dem unwirtlichen Ort zu entkommen, sattelt der gewichtige Stahlkoloss wieder auf den fahrbaren Untersatz um und schlängelt sich ganz im Stile der Vorväter der Region den Asphalt ins tiefer gelegene Tal hinab. Sogleich schmilzt die anfängliche Behäbigkeit dahin und mit gewagten Drifts und quietschenden Reifen eröffnet sich uns die offene Spielwelt.

Transformers Universe verlässt sich auf Etabliertes und läuft damit Gefahr, genau das zu werden – Standardkost.Ausblick lesen

Neben der funktionalen, aber erfrischenden Fahrzeugsteuerung hinterlässt vor allem die Umgebung einen bleibenden Eindruck – und zwar im Schlechten. Man merkt der Unity-Engine ihren mobilen Hintergrund an, karge Hügelkuppen werden von noch kargeren Baumgerippen entstellt. Ein Übel, das der Browserhintergrund des Spiels mit sich bringt, trotz allem sind wir hier Besseres gewöhnt. Ein Glück, das etwas Ablenkung in Form einer Gruppe randalierender Decepticons naht...

„Action, Zusammenarbeit, Taktik“

Im Kampf zeigt Transformers Universe schließlich, was es mit der ominösen Genrebezeichnung des MOTAs – stellvertretend für „Massively Online Tactical Action“ - auf sich hat. Deutlich inspiriert von gängigen MMORPGs und beliebten Action-Adventures fügt der Titel das Beste beider Welten zusammen. Anstatt simplem Tastengehämmer ist hier besonders die korrekte Positionierung der Spielfigur und der dynamische Wechsel zwischen den drei Waffengattungen von Bedeutung. Gleichzeitig muss der Überblick über eine Reihe begleitender Fähigkeiten behalten werden, die ganz klassisch mit Cooldowns auskommen und eure allgemeine Fitness oder euren momentanen Spielstil stärken.

Versteht ihr es, euren Transformer gleich einer gut geölten Maschine zum Einsatz zu bringen, entfesselt ihr im Sekundentakt machtvolle Laserstrahlen, tänzelt mit kalt blitzenden Klingen durch die Gegner und zertrümmert jedes Hindernis, das sich euch in den Weg stellt. In solchen Momenten brachialer Action wird das Auge mit Kaskaden farbenfroher Explosionen und splitternder Getriebe verwöhnt, das ist zwar alles etwas dick aufgetragen, erfüllt aber seinen Zweck.

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Lichtspektakel und Actionfeuerwerk - die Kämpfe sind ein Höhepunkt von Transformers Universe.
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Für besonders verheißungsvoll befinden wir den lückenlosen Wechsel zwischen Krieger- und Vehikelform, der eine frische Dynamik ins Kampfgeschehen bringt. Die allgemeine Schwerpunktlegung des Kampfsystems, die der Entwickler mit den drei Begriffen Action, Zusammenarbeit und Taktik verschlagwortet, gewinnt zwar beileibe keine Innovationspreise, fängt aber den rabiaten Touch der Lizenzvorlage gut ein und würzt das Ganze mit einer taktischen Note. Vor allem dann, wenn es in den Kampf gegen menschliche Gegenspieler geht.

In WoW-typischen Kampfgebieten wird euch die Möglichkeit geboten, sich zusammen mit mindestens drei Gleichgesinnten dem feindlichen Lager in klassischen Modi à la Capture the Flag oder Team-Deathmatch entgegenzustellen und nach Möglichkeit einen Sieg auf Seiten eurer Allianz zu verzeichnen. Dabei ist es von größter Wichtigkeit die Rolle eures Charakters zu kennen, da jeder Bot individuelle Stärken und Schwächen besitzt, die seine Rolle für das Team festlegen.

Während der breite Showdown sich beispielsweise klar als Tank ausweist und mit seinen dicken Schilden das Feindfeuer auffängt, ist der leichtfüßige Sparkscape mit seinem Heilstrahler von direkterem Wert für das Team. Im klugen Zusammenspiel kommen hier interessante Synergien zustande, erst wenn sich alle Scharniere der Kampfmaschinerie eures Bots in perfektem Einklang mit euren Mitspielern bewegen, seid ihr in der Lage einen Sieg für eure Seite zu verbuchen.

Gespannt darf man darauf sein, in welcher Weise Jagex ihre Ideen verwirklicht, das Kräfteverhältnis zwischen Decepticons und Autobots, das sich im Verlaufe unzähliger geschlagener Schlachten herauskristallisiert, in der Spielwelt und der erzählten Geschichte umzusetzen. Erst wenn der Spieler direkten Einfluss auf die Welt um ihn herum ausüben kann und direktes Feedback aus seinen Handlungen erhält, funktioniert die so eindringlich beschworene Kulisse des Bruderkriegs zwischen den beiden Splittern des Volkes.

Roboter vom Fließband

Nach geschlagener Schlacht säubert Front-Line sein Chassis von dem Motoröl und den Wrackteilen seiner Feinde und nimmt zielstrebig Kurs auf die versteckte Fraktionsbasis im Herz des Canyons vor sich. Hinter der kolossalen Pforte erwartet uns ein hochtechnologisiertes Hauptquartier, das Rechenzentrum und zentrale Nervennetz eurer Fraktion. Hier trefft ihr auf andere Mitspieler, könnt aktuelle Brandherde überblicken und euch mittels „Groundbridge“-Gerätschaft direkt zum Kampfschauplatz eurer Wahl transportieren lassen. Den Großteil eurer Zeit werdet ihr jedoch bei der Begutachtung der hauseigenen Garage, dem Hangar, aufwenden.

Hier werdet ihr mit einem vertrauten Charaktersystem konfrontiert, wie man es bereits aus Titeln wie League of Legends kennt. Ihr seid nicht an einen Charakter gebunden, sondern übernehmt als Commander die Verantwortung über ein ganzes Squad verschiedenartiger Kämpfer. Insgesamt zwölf unterschiedliche Spezialisierungen wie Assassine, Soldat oder Techniker stehen zur Auswahl und ergeben zusammen mit den individuellen Feinheiten der Maschinen und maßgeschneiderten Vehikel-Formen – darunter beispielsweise Motorrad, Sportwagen und Monstertruck – einen breiten Pool an Helden, aus dem ihr euch frei bedienen könnt.

Transformers Universe - Gefangen im Traktorstrahl des Online-Hypes

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Ein optischer Höhepunkt eurer hauseigenen Garage.
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Wer seine Vorliebe zum virtuellen Mechaniker ausleben will, kommt allerdings nur begrenzt auf seine Kosten. Es wird euch nicht möglich sein, einen völlig neuen Charakter nach euren Idealen zu erschaffen, stattdessen werdet ihr mit dem Set vorgefertigter Figuren auskommen müssen. Unter anderem möchte man so gewährleisten, dass sich jede Wahl anders anfühlt und euch mit ihren Eigenarten überzeugt – wieder wird hier letztlich alles von der klugen und einzigartigen Hintergrundgeschichte abhängen, die dem einzelnen Transformer zu Eigen sein soll.

Aber auch so bieten eure Bots genug Optionen und Stellschrauben, an die ihr Hand anlegen könnt. Die drei Waffenslots und Körperpanzerung wird man nach seinen Vorlieben anpassen können, dazu kommt noch ein experimentelles „Subsystem“, das euch ungewöhnliche Effekte wie eine Schildüberladung ermöglicht. Während eurer Gefechte verdient ihr Energon, den Lebenssaft der Transformers, der die Ingame-Währung des Free2Play-Titels stellt. Mit dessen Hilfe steigen eure einzelnen Helden im Level auf und erlernen mit der Zeit neue Fähigkeiten – die bekannte Suchtspirale klopft an.

Generell – wir sind ehrlich gesagt noch etwas skeptisch, was das angesprochene Free2Play-System angeht. Es wird inbrünstig versprochen, dass man Pay2Win-Mechaniken, wie den Erwerb besonders mächtiger Waffensysteme gegen Echtgeld, nicht unterstützen werde und sicherlich werden sich die Entwickler hier auch keinen Gesichtsverlust erlauben. Gleichzeitig stellt sich uns aber die Frage, ob sich das Produkt nur mit XP-Boostern und gestreift-karierten Wunderlacken am Leben halten kann – allzu umfassende Personalisierungsmöglichkeiten sind aufgrund der markentypischen Transformationsanimationen, die es zu wahren gilt, ausgeschlossen.