MS Train Simulator & Pro Train 7 (PC-Test)
(von Jörg Pitschmann)>

Zugfahren beruhigt, heißt es. Diese Aussage könnte sicherlich auch zutreffen, wenn man als gestresster Kunde der Deutschen Bahn nicht grundsätzlich mit Zugverspätungen, versäumten Anschlußzügen oder

Abteilen zu kämpfen hätte, in denen hüfthohe Rotzlöffel Tod und Terror verbreiten. Virtuelles Zugfahren hingegen entspannt garantiert. Das hat uns Microsoft schon vor Längerem anschaulich mit seiner technisch anspruchsvollen Simulation »Train Simulator 1.0« bewiesen.

Und tatsächlich hat sich auch eine kleine Fangemeinde rund um die digitale Zugfahrerei gebildet. Grund genug für engagierte Dritthersteller, das Hauptprogramm des Redmonder Riesen noch immer mit diversen Zusatzstrecken und Lokomotiven zu versorgen. Die österreichische Softwarefirma »Blue Sky« hat sich hier als besonders fleissig erwiesen und mit dem frisch erschienenen Addon »Pro Train 7« eine weitere deutsche Streckensimulation an den Start gebracht.

Zug und Ordnung
Microsoft hat sich bei der Streckenauswahl für seine Schienensimulation ausschließlich auf amerikanische und japanische Routen sowie entsprechende Lokomotivenmodelle konzentriert. Das ist erfreulich für alle mitteleuropäischen Zugfans, die gerne über den eigenen Tellerrand hinausschauen möchten. Wer allerdings bevorzugt auf heimischem Boden sein virtuelles Eisenbahner-Glück sucht, muß zu einem Addon wie dem Vorliegenden greifen.

Und das führt uns in diesem Fall mitten durch Deutschland, genauer auf die Strecke zwischen Frankfurt (Main) und Nürnberg. Und natürlich kann man, dem Addon sei Dank, auch hiesige Loks über das Schienennetz lenken. Wer also schon immer mal davon geträumt hat, selbst einen ICE zu steuern, ist mit der Pro-Train-Reihe auf der sicheren Seite. Doch damit nicht genug; wer es etwas langsamer und gemütlicher mag, der sollte sich vielleicht als S-Bahn-Fahrer in Frankfurt-City betätigen. Schade nur, daß in der Hessenmetropole das S-Bahnnetz über weite Teile unter der Erde verläuft.

Aber immerhin kann man auf die Weise eine völlig neue Form des Tunnelblicks kennenlernen. Damit die Sache etwas spannender wird, haben die Entwickler dem Programm zahlreiche Missionen spendiert. Wer also nicht nur im freien Streckenerkundungs-Modus gemütlich durch die Landschaft zuckeln will, sollte sich die diversen Aufgaben genauer anschauen.

Train Simulator - Pro Train 7 Nürnberg-Frankfurt - Abgefahren: zugiges Vergnügen auf dem PC

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Meist sind unterschiedliche Anforderungen zu meistern, wobei man in aller Regel auch einem zeitlichen Limit unterliegt. So gilt es beispielsweise, einen Güterzug rückwärts zu rangieren ohne dabei ein wildes Chaos anzurichten. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ebenfalls nicht ohne: die S-Bahn innerhalb ihrer vorgeschriebenen Fahrzeiten zum Endbahnhof zu bringen.

Sehr empfehlenswert sind auch die verschiedenen Missionen, bei denen man unterschiedliche Güter von Ort A nach Ort B zu überführen hat. Wer sich gerne mit Transportlogistik beschäftigt und überdies eine Schwäche fürs Zugführen hat, wird also aus einem reichhaltigen Angebot auswählen können.

Ruhe im Zug
Wie bei Eisenbahnsimulationen üblich, genießt der Spieler seine Fahrt natürlich aus der Fahrerperspektive. Das ist realistisch, macht aber nur bedingt Spaß. Denn je nach Baureihe hat man einen mehr oder weniger eingeschränkten Blick auf die Außenwelt. Natürlich kann man optional auch das Cockpit ausblenden oder der Zugfahrt aus verschiedenen Außenblickwinkeln beiwohnen. Das ist aber dem Simulationscharakter abträglich. Wer es gerne besonders schräg mag, der gelangt auf Tastendruck sogar in den Speise- oder

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einen Abteilwagen und kann dort einfach während der Fahrt aus dem Fenster sehen. Etwas anderes bleibt einem auch gar nicht übrig, denn da man weder herumlaufen, noch eine hübsche Nachbarin in ein Gespräch verwickeln kann, ödet diese Art des virtuellen Zugreisens einfach nur an.

Die Steuerung des Zuges ist dabei allerdings weiterhin möglich und auch notwendig, denn wenn man es beim verträumten Aus-dem-Fenster-sehen belässt, verpaßt man womöglich wichtige Signale oder Bahnhöfe. Das führt dann zwar nicht zu blutigen Zugkatastrophen, gibt aber in der abschließenden Missionsbewertung einen fetten Punktabzug.

A propos Punktabzug: leider räumt das Addon auch nicht mit einem der großen Spielspaßkiller des Hauptprogramms auf. Hier wie dort ist es nämlich nur möglich, seine Züge von A nach B zu fahren. Andere Variationen wie das Setzen eigener Fahrtrouten ist nicht möglich. Immerhin bietet Microsofts Schienenversoftung ein stark vereinfachtes Steuerungsmodell.

Auf diese Weise können sich Anfänger ohne große Frustmomente mit dem Simulator anfreunden. Da sich allerdings die Rahmenhandlung des Spiels ausschließlich um das Zugfahren als solches dreht, sorgt die Arcade-Steuerung schon nach kurzer Zeit für gepflegte Langeweile, denn die Zugkontrollen beschränken sich dann auf einige wenige Tasten. Überdies fährt man leider nur durch menschleere Bahnhöfe und entvölkerte Landschaften. Zwar sieht man des Öfteren fahrende Autos in einiger Entfernung, doch ansonsten herrscht gepflegte Sterilität.

Da sich auch die grafische Präsentation des Train Simulators nur auf durchschnittlichem Niveau bewegt, kommt besonders bei längeren Fahrzeiten recht schnell ein Gefühl der inneren Leere auf, das durch die spartanische Sounduntermalung geschmeidig unterstützt wird. Dafür gibt es ein gutes Tutorial, in dem man die unterschiedlichen Aspekte des Zugfahrens kennenlernen kann und auch eine einführende Zugfahrt unternehmen kann. Die Ausstattung des Addons läßt zu wünschen übrig. Die CD kommt in einer DVD-Hülle daher, ein Handbuch oder eine Dokumentation über die Zugmodelle sucht man allerdings vergeblich. Lediglich eine kurze Installationsanleitung liegt der Packung bei. Insbesondere Anfänger, die den Train Simulator noch nicht gespielt haben und Freaks, die gerne mehr über die Lokomotiven und deren Technik wissen möchten, dürften darüber ziemlich enttäuscht sein.

Was bleibt, ist eine im Kern saubere und genaue technische Fahrsimulation, die genau wie das Hauptprogramm auf spielerische Aspekte und grafische Effekte keinen großen Wert legt. Der Spieler soll sich vielmehr ganz und gar auf das Führen eines Zuges konzentrieren können. Dabei scheinen lebensnahe Aspekte wie überfüllte Bahnsteige und hektische Lautsprecherdurchsagen nur zu stören.

Doch anders als bei Microsofts Flugsimulator funktioniert das puristische Prinzip, sich ausschließlich auf die simulierte Technik zu konzentrieren, hier nur teilweise. Denn es ist nun mal ein himmelweiter Unterschied, ob man die Landung einer Boeing simuliert oder einen vergleichsweise gemütlichen Personenzug durch das Maintal kutschiert. Insofern hätte eine buntere und lebendigere Präsentation dem Addon sicherlich nicht geschadet.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Detailgetreue Zugsimulation + Viele Optionen und unterschiedliche Aufgaben

Contra:
- Sounds - Schlechte Cockpit-Grafik - StaubtrockenPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Detailgetreue Zugsimulation + Viele Optionen und unterschiedliche Aufgaben

Contra:
- Sounds - Schlechte Cockpit-Grafik - Staubtrocken