Im Mai 2004 erschien hierzulande die erste Auflage des Fun-Arcade-Racers TrackMania und konnte auf Anhieb eine große Fangemeinde hinter sich scharen. Großen Anteil daran hatte das höchst zugängliche und simple Gameplay, das voller motivierender Rennaction steckte. Mit Realismus hatte diese Serie von Beginn an nichts am Hut, vielmehr verschrieben sich die französischen Entwickler von Nadeo einem Spielprinzip voller Witz, Tricks und halsbrecherischer Action, die in "Stunts" aus dem Jahr 1990 (Amiga & PC) ihren Vorläufer hat.

Nun hat die Spieleschmiede mit TrackMania United den vierten Teil der Serie herausgebracht, der zwar nicht mit einem völlig neuen Gameplay überrascht, dafür aber auf neue Community-Features setzt. Wir sagen euch, ob das Rezept aufgeht!

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Bewährtes Konzept, neue Features
Am grundlegenden Konzept von TrackMania hat sich auf den ersten Blick nur sehr wenig verändert. Nach wie vor geht es einzig und allein darum, auf mehr oder weniger verrückten Bausatzstrecken eine Bestzeit nach der anderen herauszufahren und sich so Medaillen zu erkämpfen. Wer die bisherigen drei Teile der Serie kennt, weiß, wovon die Rede ist. Für alle anderen genügen einige wenige Sätze der Erklärung: Fast jeder kennt die Carrera-Rennbahn, bei der die Fahrbahn aus verschiedenen Einzelteilen zusammengebaut wird. Ähnlich verhält es sich bei TrackMania, nur das hier keine vorgegebenen Fahrspuren existieren, die Strecken sehr viel fantasievoller gestaltet sind und das Baukastenprinzip praktisch zigtausend denkbare Variationen ermöglicht.

Trackmania United - Irre Strecken, wahnwitzige Geschwindigkeit und coole Online-Features - so spielt sich TMU!

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Ob dieser Flug wohl ein gutes Ende nimmt?
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Vom Hersteller werden bei TrackMania United zwar "nur" ca. 200 Tracks mitgeliefert, für den Anfang sind diese aber mehr als ausreichend. Die Mehrzahl davon findet ihr im Solo Renn-Modus, neben dem es allerdings auch noch Puzzle- und Plattform-Modi gibt. Außerdem könnt ihr auf den Multiplayer-Modus "Hotseat" zurückgreifen oder im Internet gegen menschliche Gegner antreten, wo eine riesige Community auf euch wartet. Doch dazu später mehr. Wer keine Lust auf Online-Rennen hat oder sich schlicht nicht mit anderen messen möchte, muss das auch nicht. Dann geht ihm aber ein gehöriger Teil des Reizes von TrackMania United verloren. Solltet ihr zudem schon einen der vorherigen Titel besitzen, ist der Kauf des vierten Teils auch nicht unbedingt ein Muss. Doch alles der Reihe nach.

Für Solisten
Im Solo-Modus stehen euch insgesamt sieben Szenarien bzw. Kampagnen wie "Stadion", "Wüste", "Schnee" oder "Insel" zur Verfügung, die mit jeweils fünf Schwierigkeitsgraden daher kommen. Bevor ihr euch über die "Start"-Strecken hinauswagen könnt, müsst ihr die nächsthöhere Stufe zunächst freischalten. Das gestaltet sich zunächst nicht weiter schwer, erst später steigt das Anforderungsprofil recht steil an, und vor allem die Goldmedaillen wollen wahrlich verdient sein.

Packshot zu Trackmania UnitedTrackmania UnitedErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Außer bei "Extrem" (eine Strecke) habt ihr auf jedem Level fünf unterschiedliche Streckendesigns zu bewältigen, bei denen meist schon der kleinste Fahrfehler eine Goldwertung verhindert. Dennoch kommt deswegen kein Frust auf - viel eher fühlt man sich dazu angespornt, immer besser zu werden und die eigenen Bestzeiten ein ums andere Mal zu übertrumpfen.

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Huch, da ist wohl jemand falsch abgebogen!
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Das Gameplay wurde unverändert aus den vorherigen Teilen übernommen: Per Pad oder Tastatur lenkt ihr die sauschnellen Boliden in rasanten Fahrten über Asphalt- oder Sandstrecken, bei denen ihr aberwitzige Sprungschanzen, verwinkelte Parcours, Loopings, gähnende Abgründe und Hindernisse aller Art überwindet. Dabei halten die Strecken oftmals plötzliche Überraschungen und Wendungen parat. Vor allem bei der ersten Fahrt schießt man regelmäßig weit über das Ziel hinaus, wird aus den Kurven katapultiert und liefert eine spektakuläre Bruchlandung nach der anderen.

Neu ist, dass ihr auf einigen Strecken plötzlich "verhungern" könnt, also euch der Speed flöten geht, wenn ihr nach einem Beschleunigungsstück einen Unfall baut, dabei zu viel Geschwindigkeit verliert und so, das Ziel vor Augen, doch nicht mehr über die Ziellinie rollt. "Nur noch ein biiiiiiischen", flucht man dabei - nur um es beim nächsten Mal besser zu machen. Vielleicht...

Da wird einem ganz schwindelig!
Ferner erwarten euch plötzliche Perspektivwechsel, so beispielsweise bei Loopings, wo ihr statt in der Beobachteransicht aus der Ego-Perspektive fahrt. Bei einigen Strecken seid ihr außerdem perspektivisch näher an den Fahrzeugen dran als bei anderen. Das sorgt dafür, dass sich einige Rennstrecken ziemlich schlecht überblicken lassen und man Kurven oder Hindernisse oft erst im letzten Moment bemerkt - Spannung pur! Das Geschwindigkeitsgefühl ist immer erstklassig, und die sehr gut ansprechende, präzise Steuerung sorgt für tollen Fahrspaß.

Trotz der eigentlich zerstörerischen Crashs weist TrackMania United jedoch nach wie vor kein Schadensmodell auf, und ihr übersteht auch die schlimmste Bruchlandung ohne den kleinsten Kratzer. Aber wer will schon bei einem solchen Fun-Racer auf die Realismuskarte setzen? Ich nicht!

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Alles eine Sache der Perspektive, denn hier geht's wirklich lang...
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Das Spiel bietet jedoch auch zwei Features, die helfen sollen, Unfälle zu vermeiden, oder zumindest deren Wirkung abfedern. Zum einen lassen sich die Vehikel, deren Fahreigenschaften sich übrigens deutlich voneinander unterscheiden, selbst in der Luft steuern. Damit habt ihr Einfluss auf die Weite der Sprünge bzw. richtet die Rennwagen schon in der Luft aus. Zum anderen gibt es auf jeder Piste mehrere Checkpoints, die euch auf Wunsch einen Wiedereinstieg ermöglichen. Wer Bestzeiten brechen will, wird dieses Feature nicht wirklich benötigen, aber beispielsweise im Plattform-Modus ist man schon häufiger darauf angewiesen.

Dort nämlich geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Präzision. Entscheidend ist dann, die komplizierten Parcours möglichst ohne Fehler zu bewältigen. Je weniger "Abflüge", desto besser. Ganz wild wird es aber beim Puzzle-Modus, wo gar keine vorgeschriebene Rennstrecke vorhanden ist. Dort müsst ihr selbst möglichst schnelle Pisten zusammenbauen. Ob eure Konstrukteurs-Kunst ausreichend war, merkt ihr dann im Ziel. Schlechte Zeiten werden mit Optimierungen an der eigenen Bahn solange gekontert, bis endlich eine Spitzenzeit rausspringt.

Für Mehrspieler-Freaks
Das alles ist aber eigentlich nur Vorgeplänkel, Warmfahren, Training. Ernst wird es erst dann, wenn man sich mit menschlichen Gegenspielern misst. Das geht zwar nach wie vor (leider) nicht direkt, sondern nur über den Vergleich von Bestzeiten über das Internet bzw. die Anzeige der Konkurrenz-Ghosts (Das sind die grafischen Darstellungen von Kontrahenten, die ihr herunterladen dürft). Trotzdem ist das Ganze unheimlich spannend aufgemacht, denn mit einer riesigen Anzahl an Community-Features fühlt man sich wie in einer eigenen Rennliga heimisch.

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Hindernisse solcher Art gibt es ständig.
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Dazu trägt nicht nur die eigene kleine Webseite bei, die auf Wunsch eingerichtet wird und über das Spiel abgerufen werden kann. Ihr dürft auch eigene Gruppen gründen oder ihnen beitreten und erhaltet für Erfolge Punkte, die sich in Ranglistenplätzen widerspiegeln. Es werden jedoch nicht x-beliebige Zeiten im Training gewertet, sondern nur "offizielle" Ergebnisse. Nur einmal dürft ihr kostenlos dafür antreten, alle weiteren Versuche kosten "Coppers", eine rein virtuelle Währung, die man sich durch gute Zeiten oder den Verkauf selbst erstellter Strecken verdienen kann. Einsetzen könnt ihr die Kohle anschließend für weitere Bestzeit-Versuche oder auch z.B. das Beobachten anderer Spitzenfahrer.

Wer darüber hinaus noch Spaß haben und seiner Kreativität mal so richtig freien Lauf lassen möchte, begibt sich in den integrierten Editor und bastelt aus den rund 1000 Bauteilen eigene Strecken oder setzt sich in der Werkstatt Boliden mit selbst kreierten Skins zusammen. Einer der wenigen Minuspunkte des Spiels ist leider die belanglose Hintergrundmusik, die den rasanten Fahrspaß nur ungenügend unterstützt. In Sachen Grafik setzt TrackMania United keine Maßstäbe, enttäuscht aber auch nicht. Gutes Mittelmaß, das bei dem gebotenen Gameplay aber auch völlig ausreichend ist - der Fokus liegt hier ganz klar woanders.