Schweißhände abwischen, durchatmen, Augen geradeaus, Vollgas, immer der Nase nach, scheitern, aufstehen, besser machen, Dauerschleife, schließlich: Goldmedaille, Sieg auf ganzer Linie, Endorphine im Überfluss. Spiel an, Rest aus. Gutes kann so einfach sein.

In einer zutiefst zynischen Welt, in der man es unmöglich allen recht machen kann, war Nadeo schon immer ziemlich nah dran. Und wie es bei solchen Dingen nun mal so ist, lässt sich nur schwer mit dem Finger auf den einen Grund dieses kollektiven Wohlwollens zeigen. Respekt vor den Fans, außerdem eine kompetente wie bodenständige Mannschaft mit jeder Menge Leidenschaft unter den Nägeln und einer ziemlich konkreten Vision davon, wohin die Reise gehen soll, alles in etwa gleichen Teilen – so oder so ähnlich könnte eine kanalisierte Quintessenz dessen aussehen, was den Erfolg des französischen Studios ausmacht. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Ganz im Gegenteil, haben die vergangenen Jahre Tugenden wie diese nicht gerade befeuert. Nun ist die Videospielbranche keinesfalls so verkommen, wie das gern effekthascherisch hochstilisiert wird, doch haben kackdreiste Free-to-play-Modelle, Mikrotransaktionen, Patchgrößenwahnsinn und DLC-Massaker durchaus einige Wunden aufgerissen. Nichts, von dem man sich nie erholen würde, aber etwas, von dem zumindest die ein oder andere Narbe zurückbleibt.

Keine Spur davon in TrackMania Turbo. Während Prioritäten andernorts kontinuierlich verschoben, Grenzen neu ausgelotet werden, die lieber unangetastet geblieben wären, ist das hier noch immer eine grundehrliche Haut, ein schnörkelloses Spiel mit dem Herz am rechten Fleck. Sobald eure Kiste zum ersten Mal Asphalt (oder jeden anderen Belag) unter den Rädern hat, rastet sofort ein Wie-damals- oder intuitives „Ach so geht das“-Gefühl ein, je nachdem, ob das hier eure erste Berührung mit einer Serie ist, die sich in mehr als einem Jahrzehnt so gut wie nicht verändert hat.

Trackmania Turbo - Was für ein Tracks-Spiel

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Magnetische Loopings gab's auch in Mario Kart 8, aber das hier ist noch mal eine ganz andere Nummer.
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Ab durch die Mitte

Damals wartete ein Formel-Flitzer brav an der Startlinie, heute einer von drei weiteren grundverschiedenen Wagen auch mal darauf, vom Helikopter aus gen Boden zu schießen, damit der Ritt direkt mit Höchstgeschwindigkeit startet. Ansonsten ist hier alles an seinem angestammten Platz, von der gnadenlos gegen euch arbeitenden Stoppuhr bis zu den drei Bestzeiten pro Strecke, die ihr hasslieben lernen werdet. Jedes. Verdammte. Mal. Viel mehr als zweieinhalb Tasten braucht ihr dafür auch heute nicht: Gas und Bremse, je nach persönlicher Präferenz eher Steuerkreuz oder Analogstick und eine Instant-Neustart-Taste, vor allem die.

Viel schlichter kann sich ein (Renn-)Spiel kaum geben. Hier gibt es nichts, das ihr missverstehen, dafür umso mehr, das ihr falsch machen könntet – streicht das: werdet. In hübscher Regelmäßigkeit konfrontiert euch eine der über 200 Pisten mit schier unmöglichen Anforderungen; „Was, ich soll das alles wie schnell schaffen?!“ Dieser oder ein ähnlicher Gedanke und schon strampelt ihr euch im Hamsterrad ab, das TrackMania heißt. Ihr dreht eine Runde nach der anderen, wechselt schließlich vom Verzweiflungs- in den Lernmodus und wieder zurück, wenn ihr euch plötzlich in Schikanen vertut, an denen ihr zuvor ein dutzendmal prima vorbeigerauscht seid. Vermeidbare Fehlerchen mit großen Auswirkungen und ohne jemanden, dem ihr die Schuld zuschieben könntet, auch das noch. Easy to learn, hard to master in Reinkultur.

Trackmania Turbo - 4 Umgebungen, 4 FahrstileEin weiteres Video

Dass sich an diesem Konzept auch auf PS4 und Xbox One genau gar nichts ändert, ließe sich böswillig als vermeintliche Stagnation auslegen. Und um das mal gesagt zu haben: Im Kern ist Turbo tatsächlich dasselbe Spiel wie seine neun Vorgänger, nur eben eine Ecke hübscher, griffiger, überhaupt deutlich geschliffener als zuvor. Insofern ist das hier eher das Anheben an moderne Standards (und die längst überfällige Konsolenversion der Reihe) als ein vollkommen neues Spiel.

Zweieinhalb neue Ideen haben sich Nadeo natürlich schon einfallen lassen, zumindest auf der Piste bekommt ihr davon allerdings nicht viel mit – was eher als Kompliment denn Kritik zu verstehen ist. Alles nichts Weltbewegendes, vor allem Pressemitteilungslückenfüller, aber durchaus süßes Zeug. Ich hätte auch ohne kooperatives Fahren mit zwei Piloten in einem Auto weiterleben können und habe trotzdem einige Stunden darin versenkt, weil aus dem kruden Konzept schnell eine ganz natürliche Sache wird, quasi eine Erweiterung des eigentlichen Spielgefühls.

Packshot zu Trackmania TurboTrackmania TurboErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: ab 28,90€

Ohnehin ist TrackMania Turbo, wenn man denn unbedingt so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal hervorheben möchte, das gemeinschaftlichste Spiel der Reihe. Weniger in Sachen Online-Sperenzchen, die schon immer einen wesentlichen Reiz der ganzen Sache ausgemacht haben und hier selbstredend wieder dabei sind. Vielmehr ist diese Angelegenheit inzwischen auch eine lokale, was angesichts der Plattformen naheliegend wie sinnvoll ist. So viele Freunde wie Controller, das ist alles – und je nach Modus sogar schon zu viel, wenn ihr im Hotseat-Modus lediglich abwechselnd loslegt. Darüber hinaus viele weitere Möglichkeiten, jede davon ein großer Spaß, und wenn es nur darum geht, zufällig generierte Strecken im Maximaltempo hinter sich zu bringen.

Trackmania Turbo - Was für ein Tracks-Spiel

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Oder gleich selbst als Höllenrittarchitekt tätig zu werden, wie ich es stets bei Freunden bewunderte und selbst nie konnte. Turbo kommt Editorlegasthenikern wie mir gnädigerweise ein paar Schritte entgegen, bietet drei verschiedene Komplexitätsstufen beim Bauen und damit für jeden etwas – allerdings (noch?) nicht ganz in der Vielfalt wie einige seiner Vorgänger. Streckenmäßig alles bei alten, noch mal Glück gehabt, die Kürzungen findet ihr erst in eurer Garage. Ein paar Sticker und so Zeug könnt ihr auf eure Seifenkisten kleben, dann hört's aber auch schon auf, wo es früher gerade erst losging. United Forever hatte einen riesigen (Online-)Katalog an Skins und dergleichen, Turbo nicht mal einen Editor für eigene Fahrzeugdesigns.

Eine Spur weniger komplex als ein paar PC-Vorgänger, dafür hochwertiger, fokussierter, mehrspielerfreundlicher – und damit das perfekte Konsolen-TrackMania.Fazit lesen

Könnte mir selbst kaum gleichgültiger sein, einigen von euch aber vermutlich ganz anders gehen. Es sind diese kleinen Zugeständnisse, die eine Konsolenversion eines PC-Spiels nun mal so nach sich zieht, durch andere Vorteile allerdings auch genauso gut wieder aufgewogen werden. In der Konsequenz mag TrackMania Turbo keine absolute Do-it-yourself-Granate sein wie der ein oder andere vorangegangene Teil, in jedem Fall aber das fokussierteste, auf das Wesentliche verdichtetste und insgesamt hochwertigste seiner Art.

„Das Anfertigen von eigenen Screenshots und Videos ist ausdrücklich gestattet“ steht dort, wo sonst ein mahnender Zeigefinger auf kleinteilige Bedingungen hinweist. Nicht ganz zu Unrecht, ist dies doch eine in jeder Hinsicht unheimlich satte Nummer, in ihrer Wertigkeit ungefähr das, was man normalerweise höchstens von Nintendo kennt. Alles sitzt bombenfest, nichts wurde zufällig platziert. Ein bis ins Letzte ausgefeiltes Spiel, das sogar die Platzierung seiner Menüpunkte durchdacht hat (etwas, das selbst Mario Kart 8 erst nach einigen Patches gelang). Ob euch diese Annehmlichkeiten als Wiedergutmachung für kleinere Einschnitte reichen, müsst ihr schon selbst entscheiden. Für mich ist die Sachlage allerdings ziemlich eindeutig.