Der Kult um die Spielreihe Monster Hunter hat mit dem neuesten Teil auf dem Nintendo 3DS abermals hohe Wellen geschlagen. Da die Exklusivrechte der Reihe vor einiger Zeit jedoch an Nintendo gingen, erschien trotz großer Nachfrage kein weiterer Teil mehr für Sony-Systeme – und das kann natürlich kein dauerhafter Zustand sein.

Toukiden Kiwami - Anime Trailer

Allzu schwer schien dieses Vorhaben einer Umsetzung für das Studio Omega Force nicht gewesen zu sein, kalkuliert umso mehr. Vor etwa eineinhalb Jahren schufen die Entwickler für die PSP und die PS Vita mit Toukiden: Age of Demons ein Spiel, das die wesentlichen Spielelemente der Monster-Hunter-Reihe übernahm. Darüber hinaus wurde sich beim Kampfsystem am Skill-Kombo-System der Dynasty-Warriors-Serie orientiert. Statt in der urzeitlichen Wildnis ging es zudem nun inmitten einer altjapanischen, mythologisch anmutenden Welt auf die Jagd. Trotz oder gerade wegen der minimalen Abweichungen gegenüber dem Musterbeispiel Monster Hunter traf das Spiel allerdings bei vielen (wieder) einen Nerv.

Angesichts des durchschlagenden Verkaufserfolgs innerhalb der ersten Wochen wollten es Tecmo Koei und Omega Force nicht beim Ausklingen der positiven Resonanz beruhen belassen und planten bereits am Ausbau des neuen, vielversprechenden Franchises. So erscheint nun, nur kurze Zeit später, eine Neuauflage des Erstlings mit dem Namen Toukiden: Kiwami, die auch für die PlayStation 4 herauskommt. Neben dem grafischen Neuanstrich wurde der Handlungsumfang verdoppelt, die Auswahl an Charakteren erweitert und eine Vielzahl an Waffen, Rüstungen und sonstigen Spielinhalten hinzugefügt. Alles ganz nett und in Betrachtung des Ports sogar recht sinnig. Wäre da eben nicht der bittere Nachgeschmack des verhältnismäßig sehr kurzen Abstands zwischen Toukiden: Kiwami und seinem Vorgänger.

Toukiden Kiwami - Hat hier jemand "Monster Hunter" gesagt?

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Ein Spiel, in dem sich Monster-Hunter-Fans heimisch fühlen können?
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Frisch erschienen ist auch zu alt

In der heutigen Zeit, in der eine Neuauflage nach der anderen angekündigt wird, kann man die Sensibilität der Zocker-Gleichgesinnten nicht verübeln, gerade wenn es sich um Titel handelt, deren ursprüngliche Veröffentlichung nicht länger als ein paar Jahre her ist. Genauso werden Besitzer von Toukiden: Age of Demons ihre damalige Kaufentscheidung und die jetzige Neuerscheinung verständlicherweise infrage stellen. Dass sämtliche Charakterwerte und Speicherdaten des Vorgängers übernommen werden können, ist das Mindeste an nettgemeinter Entwicklergeste, fragwürdig bleibt die Sache aus Konsumentensicht trotzdem.

Nichtsdestotrotz profitiert das Spiel von den zahlreichen Neuerungen und wirkt durch die verbesserten Designentscheidungen gegenüber dem Vorgänger erst richtig rund. Besonders die erweiterte Waffenauswahl bringt nochmal frischen Wind in die taktischen Kämpfe. Natürlich tragen die zahlreichen Jagdmissionen, Sammelaufgaben, die vielen Waffen mitsamt ihrer Verbesserungsmöglichkeiten und die vielen Rüstungssets zum Großteil des Spielspaßes bei, doch beschränkt sich dieser nicht nur auf die altbewährten Komponenten des großen Vorbilds .

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Konflikte, damals wie heute: Monster gehören zu den alltäglichen Problemen der Dorfbewohner.
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Man merkt als gelegentlicher Dynasty-Warriors-Spieler, dass sich Omega Force stark an dem dynamischen Kampf- und Fähigkeitensystem der Serie orientiert hat. Wem beispielsweise in Monster Hunter 4 Ultimate die Steuerung und Item-/Waffenhandhabung etwas träge erscheint, bekommt in Toukiden: Kiwami eine erfrischende Alternative geboten, da ihr im Grunde nur mit Skills und Kombos arbeitet. Das liegt vor allem an der sinnvollen Knopfbelegung, die euch bequem zwischen Waffenangriffen/Kombos und Seelen-Fähigkeiten wechseln lässt. Letztere können variieren, je nachdem mit welcher Seele ihr eure Waffe ausgerüstet habt.

Schade nur, dass sich gerade das Herzstück von Monster Hunter bei all den Liebeserklärungen an diese Reihe hier nicht wirklich wiederfindet. Die Rede ist von der Artenvielfalt der Monster, die durch ihre individuellen Verhaltensweisen und Aussehen maßgeblich zur Kampfinszenierung beitragen. Nach einigen Dutzend Missionen werdet ihr schnell merken, dass die Diversität und Abwechslung nicht gerade das ist, was die Questaufgaben und Gegnerkonfrontationen auszeichnet.

Japanisches Valhalla

Hin und wieder werdet ihr es mit richtig harten Bossmonstern zu tun bekommen, bei denen ihr schon mal sämtliche Fähigkeiten Team- und Waffenkombos zum Einsatz bringen müsst, um ordentlich Schaden zu verursachen. Bei den meisten Dämonenhorden handelt es sich jedoch um anspruchsloses Kanonenfutter, das nur zur Vorarbeit bis zum Bosskampf dient. Hinsichtlich eurer Waffen ist die kaum herausfordernde Bearbeitung eurer Feinde umso bedauerlicher, da ihr trotz vielseitiger Movesets gar nicht den Spielraum bekommt, ihr volles Einsatzpotenzial zu entfalten.

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Ob mit Kette und Sichel oder Musketen, die flexible Handhabung der verschiedenen Waffentypen ist die große Stärke des Spiels.
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Dass ihr trotzdem am Ball bleibt, liegt vor allem an den Seelen verstorbener Heldinnen und Krieger, durch die ihr im Kampf komplett neue Fähigkeiten und Komboangriffe erhaltet. Nachdem ihr eine Seele unter bestimmten Voraussetzungen erhalten habt, könnt ihr sie mit Waffen kombinieren, aufleveln lassen und beliebig auswechseln.

Liefert gegenüber dem Vorbild Monster Hunter bessere Ansätze beim Kampfsystem. Beim Rest steht es allerdings in seinem Schatten.Fazit lesen

Trotz all der guten Ideen und der intelligent gelösten Steuerung, lässt sich auf Dauer keine motivierende Jagdlust wie in der bekannten Monster-Hunter-Reihe reproduzieren. Dazu werden an zu vielen Stellen Abstriche gemacht. Seien es die abwechslungsarmen Levelabschnitte oder die sich wiederholenden Gegner. Auch die Geschichte samt dem japanischen, mythologischen Hintergrund ist trotz der Erweiterung gegenüber dem Vorgänger gelinde gesagt durchschnittlich und kann nur im geringen Maße überzeugen.

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Wenn euren Seelen ein Schummelbalken an Erfahrungspunkten fehlt, könnt ihr sie bei der netten Lulu, äh, Shikimi gegen eine kleine Gebühr aufleveln.
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Auch wenn die Handlung in den Monster-Hunter-Teilen seit jeher eher schmückendes Beiwerk war, hätte Toukiden: Kiwami ruhig mutiger in eine alternative Richtung gehen können. Außerdem schade: Story-relevante Missionen lassen sich nur allein und nicht im Verbund mit weiteren Spielern angehen. Vor allem, weil sich die einzelnen Kapitelsektionen schnell abarbeiten lassen und für Abenteuerdurchläufe mit Freunden gut eignen würden. So aber bleibt es im Mehrspielermodus bei den repetitiven Aufträgen, bei denen früher oder später Ermüdungserscheinungen aufkommen werden.

Genügend Potenzial für Eigenständigkeit und Kreativität ist also vorhanden. Umso bedauerlicher, dass Toukiden: Kiwami sie nur teilweise zu nutzen wusste.