Total War in Verbindung mit Warhammer? Diese Verbindung ist in der Vorstellung eine Traumallianz. Bislang hat es nur Electronic Arts mit Dark Omen geschafft, einen wirklich erstklassiges Spiel im klassischen Games-Workshop-Universum zu zaubern. Das war vor 16 Jahren. Nun also Creative Assembly, die obersten Feldherrn der Echtzeitschlachten.

Total War: Warhammer - Epische Schlacht zwischen Chaos und Imperium8 weitere Videos

Schon vor der offiziellen Ankündigung am 22. April wussten es viele, durften es aber nicht öffentlich aussprechen. Schon große Teile des vergangenen Jahres wurde gemunkelt, das „nächste große Ding“ aus dem Hause Creative Assembly (CA) werde ein Spiel mit der Warhammer-Lizenz. Aber Geraune, Wunsch und Wirklichkeit sind unterschiedliche Dinge. Als ich dann Ende 2014 im Kino des British Museum saß, und plötzlich ein Games Workshop Logo auf der riesigen Leinwand auftauchte, entfuhr mir nur ein „Yesss!“ Der Wunsch wurde vor meinen Augen als Cinematic Trailer Realität, den es inzwischen seit einigen Wochen online zu sehen gibt. Zum Jahreswechsel ging es CA aber vor allem um Total War: Attila. Über Warhammer schreiben durfte ich nicht.

Nun hat Creative Assembly erneut nach England eingeladen, aber diesmal in ihr Studio südlich von London - und ausschließlich wegen ihres nächsten Titels im Warhammer-Universum. Ich kann bestätigen: Ich habe es gesehen, es ist keine Fantasie. Wenn also nicht demnächst etwas passiert, das niemand vorhersehen kann, - Außerirdische invasieren die Räumlichkeiten oder hacken das Netzwerk, stehlen den Quellcode und melden ein Patent darauf an (oder so ähnlich) - wird es ein neues Warhammer Fantasy Battle Spiel geben; das Trio aus Shadow of the Horned Rat von Mindscape, EAs Dark Omen und Mark of Chaos von Namco Bandai endlich zum Quartett. Und bei einem Spiel wird es nicht bleiben. Dazu später mehr.

Creative Assembly zeigen den Journalisten in Horsham wenig. Bevor ihr jetzt aufhört zu lesen: Sie haben aber einiges verraten. Zu sehen bekomme ich natürlich etwas, und zwar eine wohl mehr als weniger geskriptete Schlacht zwischen Imperium, Orks und Goblins. Selbst spielen darf ich nicht. Aber zuschauen, wie ein CA-Mitarbeiter die Kamera über das eindrucksvolle Schlachtfeld am Blackfire Pass gleiten lässt und irgendwann auch selbst eingreift. Ein mit Flügelchen ausgestatteter Goblin lässt sich auf das Doom Diver Katapult spannen und in die Höhe schleudern. Als er in Richtung gegnerischer Einheit fliegt, um die Kämpfer des Imperiums gezielt zu dezimieren, wird die Hand des Vorführers an der Maus etwas flattrig. Trotzdem hat er sichtlich Spaß – und schafft es gerade so, die lebendige Bombe in die äußere Ecke des imperialen Regiments zu platzieren. Mehr direkte Einflussnahme bemerke ich kaum, dafür aber umso mehr grafische Details.

Total War: Warhammer - Eine fast perfekte Allianz aus Blut, Stahl und Magie?

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Ja ist es denn die Möglichkeit? Endlich nimmt Total War: Warhammer Form an.
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Monatelange Tabletop-Duelle in der Mittagspause

Was bei dieser Präsentation sofort auffällt, sind die für Total War ungewöhnlichen Truppentypen. Dazu gehört nicht nur das Doom Diver Katapult, sondern auch riesige fliegende Einheiten wie der Imperiale Greif, auf dessen Rücken Kaiser Karl Franz reitet und sich vor meinen Augen in einem beeindruckenden Luftduell gegen einen berittenen Ork Wyvern durchsetzt. Das hier sieht nach viel, viel mehr aus als purer Rank & File Strategie, bei der die Schlacht am Rechenschieber entschieden wird. Bei allen Referenzen und Inspirationsquellen ist Warhammer vor allem Fiktion, nicht Historie.

Ausnahmsweise wird diese Präsentation der Behauptung, man sehe grade eine Pre-Alpha-Version, auch gerecht. Viele Entwickler sagen das von ihren Demoversionen, präsentieren eine zuverlässig spielbare Ausführung und hoffen auf Begeisterung bei den Journalisten: „Wenn schon die Pre-Alpha-Version so aussieht, wie unfassbar gut muss dann erst die finale sein?“

Packshot zu Total War: WarhammerTotal War: WarhammerErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Was dem Spiel besonders gut tut, sind die Fans des Warhammer-Tabletop-Systems unter den Entwicklern. Davon gibt es bei CA einige. Als klar wird, dass sie eine Umsetzung im Rahmen der Total War Reihe angehen dürfen, bauen sie sofort eine Spielplatte auf und fangen an, ihre Armeen in jeder Mittagspause gegen die Kollegen zu führen. Zuhause beschäftigen sie sich mit den Fraktionen, malen Figuren an, bereiten sich auf die nächste Schlacht vor. Sechs Monate geht das so. Am Ende wissen eine Menge Mitarbeiter mehr, wie die Warhammer-Armeen sich anfühlen, was ihre Stärken und Schwächen sind. Erst dann beginnt Creative Assembly mit dem Game Design für Total War. Der Lizenzgeber Games Workshop zeigt sich begeistert.

Um die neuen grafischen Herausforderungen meistern zu können, haben CA lange an ihrer Engine gearbeitet. „Wir haben viel Zeit mit der Einheitengestaltung verbracht, damit sie sich flüssiger bewegen“, sagt Battle Designer Simon Mann. „Wenn ein massiger Ork einen Löwen des Imperiums angreift, der dann wiederum von einem Troll attackiert wird - das ist nicht mehr nur Mann gegen Mann wie bei älteren Total War.“ In Warhammer sind die Reaktionen der Einheiten auf Angriffe viel unterschiedlicher, und auch die Wirkungen, etwa von Helden, die wesentlich mehr Schaden anrichten, müssen anders dargestellt werden. Da werden einzelne Kämpfer aus Regimentern herausgegriffen und ihnen der Kopf abgebissen und der Rest weggeschleudert, oder vorstürmende Angreifer springen in ihre Gegner hinein. Für all das hat CA die Engine angepasst.

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Bislang haben sich die Macher mit konkreten Infos zurückgehalten, doch die ersten Eindrücke stimmen äußerst positiv.
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Neben Simon Mann sind noch drei weitere Entwickler anwesend, die sich mit mir im Konferenzraum von Creative Assembly über ihr neues Projekt unterhalten: Auch Manager Mark Sutherns, Projektleiter Ian Roxburgh und Schreiber Andy Hall sitzen mir gegenüber. Und sie haben noch viel mehr zu erzählen. Das ist auch nötig, denn so eindrucksvoll die Schlacht auch war: Von den typischen Total War Elementen war fast gar nichts zu sehen.

Total War und Warhammer besiegeln eine Trilogie-Traumallianz. Viel habe ich bislang nicht gesehen, aber davon nur beeindruckendes. Bei Sigmar, es wird Realität!Ausblick lesen

Eine rotzfreche Trilogie

Ich habe in Horsham keine Kampagnenkarte gesehen, keine Armeeverwaltung oder sonstiges Drumherum. Nur einen epischen Kampf zwischen Orks und Menschen. Der kam zwar eindrucksvoll rüber, aber Creative Assembly sollte noch mehr im Köcher haben. Der Cinematic Trailer hat ja schon so einiges versprochen. Nicht ohne Grund haben sich die Entwickler für eine Trilogie entschieden, die sie sogar rotzfrech ankündigten, bevor auch nur die erste Vorbestellung bei Sega ins Haus flattern konnte. Das spricht für Selbstbewusstsein, die Stärke der Marke Warhammer - und womöglich auch für die Qualität dessen, woran in den Räumen südlich von London kräftig gewerkelt wird, mir aber nicht gezeigt wurde.

Nach dem neun Jahre alten und nicht herausragenden Mark of Chaos erhoffen sich Fans wie ich mehr als ein grafisch etwas anspruchsvolleres Total War im Warhammer-Setting. Sondern das Flair der Warhammer-Welt, den Dreck, der das Games Workshop Universum von der Tolkien-Fantasy abhebt. „Wir sind uns der Sache ziemlich sicher. Total War und Warhammer passt einfach perfekt - wie ein maßgeschneiderter Handschuh“, geben sich die Entwickler begeistert. „Die Fraktionen sind zudem unglaublich detailliert. Alleine bei der Fraktion der Grünhäute gibt es mehr Einzelheiten zu entdecken als in einem gesamten Total War Titel.“ Deshalb also drei separate Titel. „Wir wollten das Spiel nicht überladen oder zu oberflächlich machen. Also haben wir es aufgeteilt, um dem Reichtum des Warhammer-Universums gerecht zu werden.“

In der aktuellen 8. Edition des Warhammer Tabletops gibt es 15 Fraktionen. Im ersten Teil von CAs Trilogie werden es vier sein: Empire, Zwerge, Orks und Goblins sowie Vampire sind mit von den Partien. Zentral sind innerhalb der Armeen aber nicht unbedingt die Regimenter, sonder die Charaktere, die Total War weg führen von den puren strategischen Massenschlachten der Vergangenheit. Der epische Maßstab bleibt zwar bestehen. Aber die Entwicklungsstufe heißt deutlich: Individualisierung der Einheiten. Nicht zu vergessen ist die zusätzliche Magie des Warhammer-Universum, die eine wichtige Rolle auf dem Schlachtfeld spielen wird.

Total War: Warhammer - Eine fast perfekte Allianz aus Blut, Stahl und Magie?

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Qualität statt Quantität: Die Entwickler von Creative Assembly setzen nicht nur auf schiere Masse. Jeder Einheitentyp muss spielerisch wertvoll sein.
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Fokussierung ist den Entwicklern wichtig: „Man kann bei den Orks nicht einfach bei fünf Einheitentypen aufhören, sondern muss alle aufstellen können. Wir gehen lieber in die Tiefe, nicht in die Breite.“ Autor Andy Hall sorgt dafür, dass alles stimmig ist. Mit ihm haben sich Creative Assembly einen Warhammer-Profi ins Haus geholt. Hall stieg Ende 1990er Jahre bei Games Workshop ein und arbeitete dort im Entwicklerstudio mit Ikonen wie Rick Priestley und Jervis Johnson. Priestley ist einer der Erfinder des Warhammer Tabletops und Warmaster, dem Titel, der Total Wars Anspruch des „epischen Maßstabes“ bei Games Workshop noch näher kommt.

Wenn ich auf die Tabletop-Vorlage gucke, hätten es sich CA wesentlich einfacher machen können: Eine Software-Plattform mit Szenarien, Ligensystem und Armeen als DLCs, und Einheitenkauf über Punkte, ein pures Online-Matchup-System. Das Tabletop digitalisiert, mehr nicht. Doch Creative Assembly können mehr. „Das haben wir ehrlich gesagt nie erwägt, weil es von Anfang an ein Total War Spiel sein sollte“ sagt Ian Roxburgh. „Und das mit all den Warhammer-Geschichten und Hintergründen. Natürlich denken wir über verschiedene Modi nach, aber das Spiel legt den Schwerpunkt definitiv auf die Kampagne.“

Diese Rahmenhandlung soll Spielern das Gefühl geben, Teil einer Entwicklung in dieser anderen Welt zu sein; eine Aufgabe zu haben. „Wenn Du als Imperium deine Einflusssphäre über die Badlands hinaus ausweiten willst, kannst Du auch die nördlichen Königreiche erobern. Das ist möglich. Es ist aber nicht Teil der Kampagne. Im Grunde bleibt es dabei: Auch Total War: Warhammer wird nach dem Sandkastenprinzip funktionieren.“ Ein Sandkasten, in dem geskriptete Ereignisse durch eine Geschichte führen.

Der erste Teil der Trilogie soll noch komplett in der Alten Welt stattfinden, dem ursprünglichen Kontinent von Warhammer. Dabei wird es aber nicht bleiben. „Wir werden diese Welt mit weiteren Teilen ausbauen“, verrät Projektleiter Ian Roxburgh. „Und wenn Deine Lieblingsfraktion nicht sofort auftaucht, heißt das nicht, dass dies so bleibt.“ In diesem Moment fängt Autor Andy Hall neben ihm an zu grinsen und stößt ein spitzes „Die, die!“ hervor. „Die drei Teile der Trilogie werden erzählerisch miteinander verbunden sein“, fügt er hinzu. Auch die Skaven werden also ihren Weg in das neue Total War finden. Ich als Rattenliebhaber werde also früher oder später dem Imperium und den ganzen Oberflächenvölkern eine Lektion erteilen dürfen. Yesss!