Kennt ihr sie noch, die US-Fernsehserie „Shogun“? Ältere Semester erinnern sich bestimmt noch an „Anjin-san“ (aka Richard Chamberlain) und den Fürsten Toranaga, die in den 80er-Jahren über die Bildschirme flimmerten. Sie etablierten in vielen Köpfen das Bild Japans im 16. Jahrhundert, und genau darin besteht auch die Verbindung zu „Total War: Shogun 2“.

Denn dieser Toranaga besitzt mit einem gewissen Tokugawa Ieyasu tatsächlich ein reales Vorbild, riss dieser doch nach langer Bürgerkriegszeit und vielen Intrigen 1600 mit der Schlacht von Sekigahara die Macht in Nippon an sich. Er begründete eine Epoche, die auch in Segas Strategiespiel im Mittelpunkt steht und sogar die gleichen Protagonisten in Rampenlicht zottelt.

Eine weitere Parallele: In der vorliegenden Vorschauversion befindet sich genau dieses entscheidende Gefecht auf dem Menü der „historischen Schlachten“ und soll uns einen Eindruck von der aktuellen Total-War-Ausgabe verschaffen. Auf den ersten Blick hat sich nur wenig verändert - der Ladebildschirm leuchtet uns stets für längere Zeit entgegen und sorgt für leichten Unmut. Auch der zweite Augenschein offenbart eine gewohnte Kriegsumgebung: Vor dem Beginn der Schlacht stehen sich zwei große Armeen gegenüber, die mit etlichen verschiedenen Einheitentypen zum Sieg kommen wollen.

Total War: Shogun 2 - The Shogun must go on

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Sega will packende Massenschlachten im feudalen Japan.
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Der Weg des Kriegers

Der erste wirkliche Unterschied zum Vorgänger wird erst in der Nahansicht deutlich, denn wir haben es hier selbstverständlich mit fernöstlichen Truppen statt napoleonischen Regimentern zu tun: Samurai-Bogenschützen, Katana-Kavallerie und ähnliche Bushido-Einheiten prägen das Bild. Und sie sind mit etlichen feinen Details prächtig ausgestattet, die ein Heranzoomen durchaus lohnend machen. Umgekehrt sieht es jedoch nicht ganz so gut aus. Zum einen, weil die Landschaft insgesamt sehr karg und detailarm wirkt. Zum anderen - und das ist viel wichtiger - reicht der minimale Zoomfaktor nicht aus, um eine perfekte Ansicht auf das Gesamtgeschehen zu erhalten.

Dieser Nachteil macht sich im Kampf gegen ebenjenen Tokugawa recht schnell negativ bemerkbar, denn bei auf beiden Seiten Dutzenden Truppenteilen, die über ein sehr großes Schlachtfeld verstreut sind, fällt es aus diesem Grund nicht einfach, die Übersicht zu behalten. Zumal ihr in diesem Modus auf eine Übersichtskarte verzichten müsst. Umständlich navigiert man daher in diesem Mehrfrontenwaffengang mit WASD herum und sucht quasi verzweifelt nach eigenen Einheiten.

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Die Ausrichtung der Armeen klappt bislang noch nicht optimal.
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Suboptimal gerät auch nach wie vor die zu hakelige Ausrichtung der Soldaten. Obwohl in der Vergangenheit schon oft im Fokus der Kritik, hat Entwickler Creative Assembly in diesem Punkt kaum Verbesserungen implementiert. Noch immer ruckelt und zuckelt die entsprechende Anzeige umher, die Positionierung der Regimenter bereitet so unnötig Kopfschmerzen.

Trotz einiger sinnvoller Neuerungen bin ich noch nicht vollkommen von Shogun 2 begeistert.Ausblick lesen

Dafür ist es nun möglich, auf eine Reihe vorgegebener Militärformationen zurückzugreifen, die stilgerecht nach mystischen Tiergestalten benannt wurden: Die Kranichformation etwa steht für balancierte Defensive, wohingegen „War of the Tiger“ für schwere Nahkampfverbände gedacht ist. Es macht Spaß, mit diesen neuen Taktiken herumzuexperimentieren, zugleich erhöhen sie die Spieltiefe. Gleiches gilt für die mächtigen Belagerungswaffen, die in den heftig umkämpften Burggeplänkeln zu einem wichtigen optionalen Werkzeug werden, mit denen sich Verteidigungsringe aufbrechen lassen.

Aufgeräumte Rundenstrategie

Doch was nutzt euch die beste Waffe, wenn die KI wieder verrückt spielt? Die gute Nachricht vorweg: Die computergesteuerten Feinde scheinen durchweg aggressiver und aktiver auf unsere Aktionen zu reagieren. Eigene Soldaten befolgen Befehle gefühlt schneller als noch in „Napoleon: Total War“. Allerdings laufen sie mitunter immer noch in die falsche Richtung, anstatt die kürzeste Route zum Ziel zu nehmen, obwohl keinerlei Hindernisse den Weg versperren.

Merkwürdig auch das Verhalten der KI-Feinde, die gelegentlich blindlings mitten in unsere Aufstellung reiten und so den General gleich zu Beginn einer Schlacht opfern. Es gibt zwar tatsächlich die Möglichkeit, Harakiri-Attacken zu befehligen, doch wer würde schon seine wichtigste Figur in den ersten Sekunden in den Tod schicken? Zumal den Kommandeuren nun eine noch größere Bedeutung zukommt. Sie inspirieren nicht nur ihre Untergebenen im Kampf, was deren Moral und Durchhaltevermögen erhöht. Sie steigen im Spielverlauf im Level auf und erhalten neue Fähigkeiten, wodurch sie noch wertvoller werden.

Total War: Shogun 2 - Battle Report2 weitere Videos

Auch Total War: Shogun 2 ist wie seine Vorgänger zweigeteilt. Neben den geschilderten Echtzeitschlachten besteht die Hauptkampagne vor allem aus einem rundenbasierten Eroberungsfeldzug. Diesmal sollen wir aber nicht gleich „die ganze Welt“ in unser Imperium verwandeln, sondern nur Japan unterjochen. Ob Shogun 2, anders als „Empire“, eine zusammenhängende Geschichte erzählt, lässt sich derzeit noch nicht sagen, denn wir konnten bisher leider nur das Tutorial der Kampagne spielen. Hier offenbaren sich jedoch eine ganze Reihe von Verbesserungen und Neuerungen, die uns deutlich zuversichtlicher stimmen als der insgesamt spielerisch kaum veränderte Echtzeitpart.

Das komplette Interface ist jetzt viel übersichtlicher und stimmiger, die Informationen von Reitern und Enzyklopädieeinträgen viel besser lesbar. Alles wirkt schlanker und gründlich durchdacht. So seht ihr beispielsweise bei der Navigation im Festungsfenster auf den ersten Blick, welche Gebäudetypen im gesamten Territorium existieren, und könnt bei entsprechend erfüllten Voraussetzungen sofort Ausbauten vornehmen, ohne die ganze Map absuchen zu müssen.

Das stellt im Aufbau und Management des eigenen Gebietes eine enorme Verbesserung dar! Ähnliches gilt für sinnvolle Mouse-over-Bewegungen der Städte, die etwa die aktuelle Einnahmesituation und die Einstellung der Bevölkerung anzeigen, oder die im Vergleich viel intuitiver nutzbaren Übersichten des Technologiebaums „Mastery of the Arts“.

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Die Menüs wirken bislang recht aufgeräumt und zugänglich.
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Auch wenn es nun einen zusätzlichen Skill-Tree für Charaktere gibt, erscheint die Verschlankung der Menüs und Fenster summa summarum sehr sinnvoll und gelungen. Generäle und Ninjas (Spione) steigen durch erfolgreiche Aktionen (Kämpfe, respektive Attentate oder Sabotage) auf und werden dadurch mächtiger und effizienter.

Das Maß an Mikromanagement nimmt insgesamt ab, ohne dass darunter die Komplexität des Rundenstrategieteils leiden würde. Genau so muss es sein! Über den Mehrspieler- und Kooperativmodus können aber wir unglücklicherweise noch nicht berichten, diese Spielmodi waren nicht zugänglich.