Angesichts der aktuellen Geschehnisse in Japan muss man schon ziemlich schlucken, wenn in Total War: Shogun 2 plötzlich ein Tsunami an die Küste der eigenen Provinz brandet. Daran trägt Entwickler Creative Assembly natürlich keine Schuld, denn die Naturkatastrophe ist in diesem Strategiespiel nichts weiter als eines von vielen anderen virtuellen Ereignissen, die euch den Aufstieg zum Shogun erschweren.

Total War: Shogun 2 - Multiplayer-Trailer2 weitere Videos

Bereits im Juni 2000 erschien mit Shogun: Total War der erste Teil der Serie. Mit Total War: Shogun 2 kehrt Creative Assembly praktisch zu seinen Wurzeln zurück, nach Nippon, in dem sich unzählige kleine und große Klans bekämpfen und nach der Macht streben. Die politische Lage ist also deutlich unübersichtlicher als noch im vor Jahresfrist erschienenen Napoleon: Total War, wo die europäischen Nationen um Vorherrschaft rangen.

Total War: Shogun 2 - Samurai Pizzaeichel

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Epische Schlachten: Das ist die Total-War-Serie.
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Schon beim Einstieg in die Kampagne habt ihr die Qual der Wahl und müsst euch für eine von neun Parteien entscheiden. Jeder Klan verfügt über bestimmte Vorteile, beispielsweise besonders starke Kavallerie oder speziell ausgebildete Bogenschützen. Selbstverständlich spielt auch die Lage der Heimatprovinz eine wichtige Rolle, der Zugang zum Meer, bedeutende Handelswege, ob man umringt von der Konkurrenz startet, in einer abgelegenen Ecke oder auf einer Insel gar.

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Die Qual der Wahl, für wen zieht ihr in den Krieg?
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Grundsätzlich besteht aber auch Shogun 2 aus zwei prägenden Elementen und bietet neben den rundenbasierten Strategieaspekten auf Wunsch auch Echtzeitschlachten, wenn es zu Konflikten mit feindlichen Truppen kommt. Am bewährten und beliebten Spielablauf hat sich im Vergleich zu den Serien-Vorgängern auf den ersten Blick also wenig verändert - sieht man mal von der fernöstlichen Umgebung ab. Doch das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn tatsächlich hat sich unter der Haube einiges getan, das auch Veteranen aufhorchen lassen dürfte.

Bitte, stirb nicht!

Die möglicherweise wichtigste Neuerung ist eine Erweiterung der Rollenspielfeatures, die den bestimmenden Charakteren - Generäle und Agenten - viel mehr Leben einhaucht. Ab sofort zittern und bangen wir mit diesen prominenten Figuren, denn sie erhalten Erfahrungspunkte, die ihr in spezielle Fertigkeiten investiert und damit Stärke, Ansehen, Effizienz und Moral der Einheiten steigert. Beispielsweise beim Ninja, der feindliche Heeresanführer meuchelt und dessen Erfolgschancen und Tricks ihr aufwertet, oder eigene Generäle, deren Moralverstärkung, Kampffertigkeiten oder Kommandofertigkeiten ihr anhebt.

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Wichtige Figuren wie Generäle verfügen jetzt über eigene Skill-Trees.
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Damit bestimmt ihr die Ausbildung und Ausrichtung dieser für eure Truppen und Provinzen bedeutsamen Einheiten und beeinflusst maßgeblich den Erfolg der Kampagne. Wer diesen Bereich von Shogun 2 vernachlässigt, wird kaum siegreich vom Felde ziehen. Die neuen Features steigern nicht nur die Bedeutung der Figuren, sie erhöhen auch beträchtlich die Identifizierung mit ihnen und somit Spannung („Bitte, bitte, stirb nicht!“) und Spielspaß.

Auch die Überarbeitung des Interface auf der (jetzt auch drehbaren!) Weltkarte hinterlässt deutlich positive Eindrücke. Gerade das Städtemanagement und damit die Steuerung der ökonomischen Seite vom Makro- bis zum Mikromanagement geht so einfacher von der Hand, weil beispielweise Symbole verständlicher und übersichtlicher angeordnet sind.

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Wer Kyoto einnimmt, sät Sturm! Alle Fraktionen erklären uns den Krieg!
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Anstatt sich durch endlose Reiter zu klicken, erkennt ihr nun auf den ersten Blick, ob die Bevölkerung einer Provinz glücklich ist, wie es um die Nahrungsversorgung bestellt und wie voll oder leer eure Goldtruhe ist. Nebenbei hat es Creative Assembly sogar noch geschafft, die Detailfülle der Weltkarte zu erhöhen: Gischt sprüht über die Küstenstreifen, Regenbogen entstehen an Flussmündungen, Bauern bearbeiten ihre Felder, Greifvögel ziehen ihre Kreise am Himmel.

Doch lasst euch von dieser idyllischen Atmosphäre, die durch den fernöstlichen Soundtrack und japanische Truppenstimmen noch passend untermalt wird, nicht ins Bockshorn jagen - Shogun 2 ist trotz der rundenbasierten Kampagne durchaus sehr fordernd und sogar stressig. Spätestens, wenn ihr es wagt, Kyoto einzunehmen und damit den Sitz des Shoguns zu beanspruchen, bricht alles über euch herein: Jeder noch so kleine Klan erklärt euch den Krieg, selbst langjährige Weggefährten, Waffenbrüder, Bündnis- oder Handelspartner kehren euch dann plötzlich den Rücken zu.

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Wer keine Freunde hat, führt eben Krieg...
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Obwohl in dieser Total-War-Ausgabe die diplomatischen Handlungsweisen der KI-Konkurrenten nachvollziehbarer sind als je zuvor, ist dieser Schritt zu radikal und teilweise auch demotivierend. Ab diesem Zeitpunkt führt man einen Kampf gegen Windmühlenflügel, einen Mehrfrontenkrieg, der kaum zu gewinnen ist. Spätestens jetzt zeigt die KI, dass sie im Vergleich zu früheren Episoden durchaus dazugelernt hat - sie fällt euch mit Truppen in den Rücken, die sie per Schiff befördert und erhöht so den Druck an allen Ecken und Enden.

Ein abwechslungsreiches Strategiespiel, das mit vielen gelungenen Neuerungen stundenlang vor den Bildschirm fesselt.Fazit lesen

Gerade Anfänger dürften hier rasch überfordert sein, zumal die KI-Klans auch Seewege und Häfen konsequent mit mächtigen Flotten blockieren und zudem Ninjas und andere Agenten gegen eure Provinzen einsetzen und damit euren wirtschaftlichen Unterbau schädigen, was wiederum Rebellionen auslöst.

Werde mein Vasall, oder stirb!

Eine Möglichkeit sich der stetig heranschwappenden feindlichen Truppen zu entledigen, ist nach wie vor die Eroberung ihrer Territorien. Doch auch diese müssen verteidigt und gepflegt werden. Neu ist, dass wir diese Gebiete und ihre Bewohner zu Vasallen machen können und damit wichtige Schutzpuffer und kostenlose Einheiten erhalten, anstatt durch Plünderungen Geld einzunehmen.

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Auch dieses Mal wird wieder zu See gekämpft.
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Außerdem könnt ihr immer noch ausnutzen, dass die KI zwar aggressiver vorgeht als früher, dabei aber eigene Festungen häufig unbewacht zurücklässt oder sogar in chancenlosen Situationen attackiert und auf diese Weise wichtige Heere verliert.

Die Echtzeitschlachten glänzen übrigens erneut mit unheimlich detailliert ausstaffierten japanischen Schwert-, Bogen- und Kavallerieeinheiten, in denen die KI sich in ihren Aktionen homogener und weniger schnell Auflösungserscheinungen zeigt, als in früheren Total-War-Folgen. Die Entwickler haben auch die Stein-Schere-Papier-Mechanik der Kämpfe deutlich gestärkt. Ihr müsst schon sehr genau überlegen, wie ihr eure Truppen positioniert und gegen welche feindlichen Armeeteile ihr sie einsetzt. Lediglich die Bogenschützen scheinen insgesamt etwas zu stark zu sein, was sich gerade bei den unterhaltsamen und diesmal (aufgrund von erklimmbaren Wällen) einfacheren Festungsschlachten, mit mehrstufigen Verteidigungslinien häufig zeigt.

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Festungen lassen sich jetzt auch über die Mauern erobern.
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Schwächen offenbaren die virtuellen Zinnsoldaten aber nach wie vor bei der Ausrichtung, immer wieder laufen sie kaum nachvollziehbare Wege und vollziehen Schwenks, die gar nicht befohlen wurden. Manchmal reagieren sie auch einfach gar nicht. Diese Uralt-Problematik - gerade in Massenschlachten - schleppt Creative Assembly leider genau so von einer Episode zur nächsten wie die insgesamt wenig Abwechslung bietenden und trist gestalteten Gefechtskarten.

Einige weitere Neuerungen erwarten euch im Mehrspielermodus, denn hier seid ihr beispielsweise erstmals mit einem persistenten Avatar auf den Schlachtfeldern der Welt unterwegs und erweitert die Fähigkeiten eurer Spielfigur mit der Zeit. Außerdem bietet Shogun 2 eine kooperativ spielbare Kampagne (auch über Netzwerk). Darüber hinaus ist es erneut möglich, alle Gefechte der Kampagne via Drop-In-Modus gegen menschliche Gegenspieler zu bestreiten, anstatt gegen KI-Truppen anzutreten.