Nach mehreren Ausflügen in andere geografische Gefilde kehrt die Total-War-Reihe nach knapp neun Jahren wieder zurück in die „Ewige Stadt“. In der Zwischenzeit gab es vor allem grafisch einen Sprung. Zudem hat Creative Assembly natürlich auch spielerisch einige Neuerungen parat.

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Aller Anfang ist schön

Zu Beginn werdet ihr sofort in die Schlacht geschickt. Und schon im ersten Gefecht müsst ihr gut darauf achten, wie ihr eure Einheiten am sinnvollsten einsetzt und euren General vor den gegnerischen Truppen schützen könnt. Nach und nach wird zwar vieles erklärt, dennoch ist die Hürde für Neueinsteiger verhältnismäßig hoch angesetzt.

Die drei Prolog-Kampagnen haben es aber nicht nur spielerisch in sich. Merkwürdigerweise sind diese, ganz im Gegensatz zu den übrigen Kampagnen, mit allerlei hochwertigen Zwischensequenzen versehen. Nur weil wohl sicher die wenigsten alle anderen Solokampagnen durchspielen, wäre es weiß Gott keine vergebene Liebesmüh gewesen, diese ähnlich atmosphärisch zu gestalten.

Bis auf die fehlenden Zwischensequenzen in den Kampagnen gibt es an der Aufmachung des Spiels allerdings herzlich wenig zu beanstanden. Grafische Sternstunden durchlebt, wer während der Seegefechte in den Filmmodus wechselt. Auch im rundenbasierten Modus auf der Weltkarte wird das zeitgenössische Flair nahezu perfekt eingefangen. Dazu sind die Animationen wirklich stimmig und sowohl die Bauten als auch die Truppen haben einen schönen staubig-mediterranen Touch.

Total War: Rome 2 - Ich kam, sah und spielte

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Situationen, in denen man nur noch zuschauen möchte - die Seegefechte in Rome 2.
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Die unterschiedlichen Fraktionen sind außerdem mit individuellen Sprechern ausgestattet, die die jeweilige Kultur nicht nur optisch, sondern auch mit ihrem Dialekt überzeugend repräsentieren. Kleine Details, wie diplomatische Vertreter, die teilweise etwas ulkig wirken, wenn sie „von einer Schlacht träumen wie andere von einer fetten Gans“, mildern den sehr positiven Gesamteindruck zur Präsentation des Spiels nur geringfügig.

Die optische Pracht von Rome 2 sorgt für enorme Hardware-Anforderungen. Doch wenn ihr die Einstellungen etwas herunterfahrt, bekommt ihr immer noch ein schönes Spiel, dessen wahre Klasse sich ohnehin erst in den strategischen Elementen offenbart.

Echt taktische Echtzeittaktik

Spielerisch bleiben Creative Assembly ihrer bisherigen Linie treu. Die Mischung aus rundenbasierter Strategie und Echtzeitgefechten, die die Reihe seit jeher auszeichnet, wird beibehalten. In beiden Bereichen hat die Komplexität zugenommen. So haben die einzelnen Einheiten während des Gefechts jetzt unterschiedliche Fähigkeiten, die es geschickt einzusetzen gilt und deren Erfolg auch vom Wetter abhängt. Ein anschauliches Beispiel sind die brennenden Pfeile der Bogenschützen, die bei Regen konsequenterweise nicht einsetzbar sind.

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Bei solch einer Masse an Truppen braucht es nicht nur strategisches Geschick, sondern auch starke Hardware.
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Auch sonst wurden die Gefechte etwas überarbeitet. Ihr könnt Siegpunkte auf der Karte einnehmen und mit Schiffen in Landschlachten eingreifen. Zudem gibt es nun die Möglichkeit, einzelne Gruppen von einem KI-General befehligen zu lassen und seine Truppen aus der Vogelperspektive in den Kampf zu führen. Das sorgt im Gegensatz zum sehr anschaulichem Filmmodus für eine gute Übersicht. Diesen sollte man nur einschalten, wenn man sich des Sieges gewiss ist, da man aus dieser Perspektive keine Truppen steuern kann.

Regieren geht über Verlieren

Die größte Neuerung auf der Weltkarte ist das Provinzsystem. Mehrere Siedlungen werden in Rome 2 zu einer Provinz zusammengefasst, und wer eine dieser Regionen komplett in seinen Besitz gebracht hat, der kann durch Erlasse verschiedene Boni einsacken. Das motiviert natürlich ungemein, der nächstgelegenen Fraktion schnellstmöglich ihre Siedlungen abzuluchsen.

Ein Spiel, dessen größtes Problem die Ladezeiten sind, also die Phasen, in denen man nicht spielt, kann so schlecht nicht sein.Fazit lesen

Und auch der Verlust einer Siedlung in einer Provinz kommt einen durch die verpassten Boni teuer zu stehen. Leider kann man nur eine begrenzte Anzahl an Erlassen durchsetzen, weshalb das Erschließen neuer Provinzen im späteren Spielverlauf weniger erstrebenswert ist.

Signifikante infrastrukturelle Verbesserungen, die den Truppen in einer besetzten Provinz zugutekommen, oder irgendwie geartete Verteidigungswälle hätten diese neue Komponente sicher noch ein wenig spannender und umfangreicher gestalten können. Ein schöner Nebeneffekt bei dem System ist allerdings die bessere Übersicht, die besonders im Baumenü zu simpler Bedienung führt.

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Schnell und übersichtlich: die Menüführung in den Provinzen.
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Viel Wert wurde auch auf die Einzigartigkeit der Befehlshaber und Armeen gelegt. Nach erfolgreichen Kämpfen steigen sie in ihrer Stufe auf und erhalten passive Fertigkeiten, zwischen denen ihr euch entscheiden müsst. Des Weiteren könnt ihr eure Truppen individualisieren, indem ihr ein Emblem auswählt oder den Namen ändert. Und wenn eine Armee mal im Kampf gefallen ist, könnt ihr sie später wieder anheuern. Diese ausgebauten Rollenspielelemente erweitern das sowieso schon facettenreiche Spiel um eine weitere Komponente. Und kein einziges Feature wirkt in irgendeiner Form unangebracht oder gar hineingepresst.

Hervorzuheben ist ebenfalls wieder der riesige Handlungsspielraum, den Creative Assembly seinen Spielern lässt. In den Kampagnen habt ihr mehrere Möglichkeiten, eure Fraktion zum Sieg zu führen. Eine florierende Wirtschaft kann euch genauso zum Ruhm verhelfen wie militärische Übermacht. Auch könnt ihr darauf setzen, die kulturelle Ausprägung eurer Fraktion zu optimieren. Die nicht-militärischen Herangehensweisen sind dieses Mal recht angenehm.

Im Diplomatie-Menü habt ihr viele Optionen und bekommt einen guten Überblick, was die anderen Nationen von euch halten. Schade ist bloß, dass die Fraktionen von sich aus meist nur Kriegsdrohungen aussprechen. Es wäre ja durchaus mal ein geschickter Schachzug, sich mit dem stärkeren Feind zu verbünden, um einem Einfall übermächtiger Truppen vorzubeugen. Zu solch durchdachten Angeboten kommt die etwas einfallslose KI aber nicht.

Quo vadis, KI?

Damit wären wir bei einem der größeren Kritikpunkte angelangt. Stellenweise agiert die KI wirklich dämlich. Das geht von kleineren Aussetzern in den Gefechten bis hin zu unnützen Selbstmordkommandos winziger Armeen auf der Weltkarte. Manch einer mag das vielleicht als kleine Stichelei oder Abwechslung willkommen heißen. Doch es nagt schon an der Atmosphäre, wenn in dieser antiken Epoche voller Pathos ein edler Feldherr ganz ohne Armee irgendwo allein herumsteht. Gleiches gilt für die Agenten, die sich oft mehrere Runden lang regungslos an einer Stelle aufhalten.

Weitere kleinere Ärgernisse kommen hinzu. Es ist beispielsweise höchst unpraktisch, dass man nur mit einem Anführer Truppen rekrutieren kann. Das ist einerseits unsinnig und führt andererseits dazu, dass man man keine kurzfristige Verteidigung aufbauen kann und im Extremfall Städte ungeschützt lassen muss, da die Anzahl der Armeen und Flotten, die man besitzen darf, meist von der Anzahl besetzter Siedlungen übertroffen wird.

Dazu kommen Bedienungsschwächen, die das Spielgefühl marginal beeinträchtigen. Befehlt ihr einer Armee, zu einer weit entfernten Stadt zu gehen, müsst ihr sofort auch gleich der betroffenen Nation den Krieg erklären. Das ist natürlich unklug, wenn ihr den Überraschungsangriff erst für die übernächste Runde geplant habt. Ähnlich unkomfortabel verhält sich das mit den Befehlen an die Agenten.

Umfang bis zum Umfallen

Der größte Pluspunkt von Rome 2 ist gleichzeitig auch der Vorbote des größten Problems. Das Spiel hat einen riesigen Umfang. Wer Creative Assembly vorwirft, dass sie aufgrund der wenigen Neuerungen auf der faulen Haut gelegen haben, der liegt wirklich falsch. Schon jetzt hält das Spiel so viel Inhalt bereit, wie das andere Spiele nicht mal mit einigen Add-ons erreichen.

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Ob die Berge da hinten auch noch zur Karte dazugehören?
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Die 16 Solokampagnen beschäftigen euch jeweils über mehrere Tage und bieten aufgrund der variablen Spielstils einen hohen Wiederspielwert. Außerdem sind die Stärken und Schwächen der einzelnen Kulturen wunderbar herausgearbeitet, was zusätzliche Abwechslung bringt. Gutes Balancing kann man dem Spiel auch in puncto Schwierigkeitsgrad mit den unterschiedlichen Fraktionen attestieren.

Das Römische Reich hat es wesentlich einfacher, den Mittelmeerraum unter seine Herrschaft zu bringen, als etwa das zerstreute Karthago. Neben diesen Unterscheidungen ist es euch natürlich auch möglich, selber nachzujustieren und zwischen fünf Schwierigkeitsgraden auszuwählen.

Da die Karten in den Kampagnen Volksstämme von Afrika bis nach Großbritannien beherbergen, dauert es sehr lange, bis ein Spiel vorbei ist. Das ist deswegen problematisch, da im späteren Spielverlauf keine neuen Elemente mehr auftreten, was die Expansion ab einem gewissen Punkt etwas monoton macht. Außerdem bedingt die Größe der Karten endlos lange Wartezeiten, in denen die Runden der KI-Gegner simuliert werden. Mit einer einminütigen Pause hat man diese meist noch nicht überbrückt.

Wenn man beispielsweise gerade einen Test zu Rome 2: Total War schreibt, kann man in aller Ruhe eins, zwei Sätze zu Papier bringen. Das ist leider nicht in irgendeiner Form übertrieben dargestellt oder eine zu vernachlässigende Randnotiz. Vor allem richtige Profispieler, deren Runden nach festen Mustern ablaufen, die sie ganz schnell abspulen, werden immer wieder aus dem Spiel gerissen, sodass sich in seltenen Extremfällen Spiel- und Ladezeiten die Waage halten.