Total Overdose (PS2-Test)
von Jörg Pitschmann

Voll krass! Ey, weißt Du, die von Deadline Games haben sich ausgedacht neues Spiel. Heißt »Total Overdose«, voll konkret, Alta! Musst Du checken, is echt cool. So was lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Weil wir

mindestens ebenso cool sind wie der Latino-Held Ramiro Cruize im Spiel, sind wir mit dem Oberchecker schon mal auf Tour gegangen, um den Tod seines Vaters zu rächen. Und natürlich sind wir auch losgezogen, um die alles

Total Overdose - Gameplay TrailerEin weiteres Video

entscheidende Frage zu klären: kann das Latino-Gangsta-Flair den großen Erwartungen gerecht werden, die in das Spiel gesetzt werden? Wir haben die Antwort für Euch parat - auch ganz ohne Waffengewalt. Lest selbst!

Trittbrettfahrer
Die Hintergrundgeschichte zu »Total Overdose« ist schnell erzählt: der Spieler ist in der Rolle von Ramiro Cruize unterwegs, einem harten Latino-Burschen aus dem tiefsten amerikanischen Ghetto. Böse Buben haben einst seinen Vater, einen DEA-Agenten, ermordet, weshalb Ramiro nun in Mexiko einen ausgedehnten Rachefeldzug gegen die Urheber und ihre zahlreichen Schergen führt.

Mit und ohne Waffen, aber immer mit Gewalt und schnellen Autos rückt er den Fieslingen zu Leibe, um schlussendlich in einem großen Showdown klarzustellen, wer die dicksten Hosen hat. Außerdem findet der Held so ganz nebenbei nach und nach die Wahrheit über den Tod seines Vaters heraus. Wem diese Geschichte zu

kompliziert klingt, der hat vermutlich auch ernsthafte Probleme mit dem Schälen einer Banane. Da wir jedoch Euch, verehrte Leser, zur geistigen Elite rechnen, begnügen wir uns mit dieser knappen Einführung. Viel interessanter als die Geschichte ist nämlich die bleihaltige Action. Und die kommt wahrlich nicht zu kurz.

Denn der gute Ramiro prügelt, ballert und fährt, was das Zeug hält. So rast er in beispielsweise in bester Stunt-Manier, mit einem Bein auf dem Trittbrett stehend und mit einer Hand lenkend, auf einen Pulk von Bösewichten zu, um dann im entscheidenden Moment abzuspringen und dabei aus allen Rohren auf die Gegner zu ballern. Überhaupt spielen Kombos und waghalsige Stunts die wichtigste Rolle im Spielgeschehen. Denn wer glaubt, sich in bester Sam-Fisher-Manier an Gegner heranschleichen und sie lautlos-elegant entsorgen zu können, der irrt. Entscheidend sind vielmehr Reaktionsschnelligkeit, gutes Zielen und das Beherrschen der zahlreichen Sprung- und Akrobatikeinlagen.

Total Overdose - Nix für Weicheier: Ballern unter mexikanischer Sonne

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Nur wer im richtigen Moment die richtigen Buttonkombinationen drückt, kann gegen die heranstürmenden und meist gut bewaffneten Gegnermassen bestehen.

Kombinationsgabe
Das klingt schwierig, ist es aber nicht wirklich. Denn bevor man sich mit Ramiro in die Spur begibt, sollte man sich dem umfangreichen Tutorial widmen, das in zahlreiche kleine Übungen zu den verschiedenen Kampf- und Bewegungsmodi unterteilt ist. Hier hat man beispielsweise die Möglichkeit, zu lernen, wie der rasende Mexikaner einige Schritte an einer Wand hochsprintet, um dann dem Gegner im folgenden Rad-Überschlag die Rübe wegzupusten.

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Da solche Übungen teilweise recht schwierig zu beherrschen sind, sollte man sich beim Tutorial alle Zeit der Welt nehmen, denn hier zählt nicht die Schnelligkeit, sondern das fehlerfreie Absolvieren der Trainingseinheiten. Wir empfehlen dringend, die Lernübungen mehrfach durchzugehen, da bestimmte Bewegungs- und Schießkombos erst nach einiger Zeit in Fleisch und Blut übergehen.

Beherrscht man sein Handwerk, pardon, sein Gamepad perfekt, heißt es raus aus dem Übungskeller und hinein ins pralle Ballerleben. Um dem geneigten Spieler einen zusätzlichen Ansporn zu geben, haben die Entwickler übrigens einen Bodycount integriert, der üppige Belohnungen ausspuckt, je mehr Gegner man innerhalb möglichst kurzer Zeit von dieser in eine andere virtuelle Welt befördert hat.

Interessant ist auch das Missionsdesign. Zwar gibt es eine Hauptstory, an der sich die Handlung orientiert, doch kann man auch jederzeit Challenge-Missionen annehmen. In diesen Missionen sind kleinere Aufgaben zu lösen, die bei Erfolg mehr oder weniger große Belohnungen in Form von Cash und neuen Fähigkeiten nach sich ziehen. Dazu sucht man lediglich einen der auf der Übersichtskarte angezeigten Orte auf, an denen Auftraggeber warten. Will der gute Ramiro beispielsweise den Umgang mit zwei Handknarren lernen,
beschafft er einem etwas in die Tage gekommenen Polizisten ein Rauschgiftpäckchen, das er an einem Burrito-Stand erbeuten muß. Die Aufgabenstellung ist ebenso einfach wie klar: den Stand in die Luft jagen, das Dope klauen, etwaigen Widerstand zum Schweigen bringen und dann ab zur Polizei damit. Bei Erfolg winkt das Fähigkeiten-Upgrade, das es dem Helden ermöglicht, künftig beidhändig mit Pistolen zu schießen. Je nachdem, wie schnell und gut man die Mission erfüllt und wieviele Gegner man dabei, nunja, sagen wir mal »neutralisiert«, desto lauter klingelt die Kasse.

Wer übrigens keine Lust auf Missionen hat, der schnappt sicheinfach eines der zahlreichen Autos und donnert in bester »GTA«-Manier durch die verstaubten Grenzgebiete zwischen den USA und Mexiko. Dazu hält man einfach einen Wagen an, steigt ein und übernimmt kurzerhand das Kommando. Etwaige Einwände des Vorbesitzers tut Ramiro stets mit einem kurzen, trockenen Spruch ab. Schließlich ist er in einer dringenden Mission unterwegs.

Die betrifft zwar in erster Linie seine Brieftasche, aber immerhin. Die Raserei bringt eine Menge Spaß. Aber bitte immer schön vorsichtig fahren. Schließlich wimmelt es in den Straßen von unbeteiligten Zivilisten. Und die zu überfahren, wäre wirklich nicht nett. Schließlich wollen wir gar nicht sehen, wie sie im hohen Bogen durch die Luft geschleudert werden.

Fortschritt durch Rückschritt
Angesichts des teilweise knackigen Schwierigkeitsgrades haben die Entwickler einige sinnvolle Gadgets in das Spiel integriert, die Ramiro das Überleben erleichtern. So kann man an einigen Stellen »Rewind«-Symbole einsammeln. Im Falle eines unerwarteten Ablebens

kann man durch Drücken der »Nach-unten«-Taste die Handlung um einige Sekunden zurückspulen und so schlimmeres verhindern. Dennoch besteht kein Grund zur Sorglosigkeit. Denn wenn man keine weiteren Rewinds mehr am Start hat, heißt es den zuletzt gespeicherten Spielstand zu laden. Und je nachdem, wie weit der zurückliegt, fühlt man sich durchaus ein ums andere Mal gemüßigt, das Gamepad in die Glotze zu feuern. Nichtsdestotrotz ist das Zurückspulen eine äußerst sinnvolle Einrichtung, die zumindest in vielen Fällen übermäßigem Fruststau vorbeugen kann.

Eine weitere nette Einrichtung ist der seit den »Max Payne«-Spielen hinlänglich beliebte Slow-Motion-Effekt, bei dem die Ereignisse in Zeitlupe ablaufen, der Held hingegen in normaler Geschwindigkeit zielen und schießen kann. Anders als der gute Max muß Ramiro allerdings nicht warten, bis sich sein Slo-Mo-Balken wieder aufgefüllt hat. Seine Sprung- und Schusskombos stehen jederzeit zur Verfügung, sind dafür allerdings zeitlich knapper bemessen.

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Durch Drücken der oberen linken Schultertaste in Verbindung mit dem Analogstick springt unser amerikanischer Mariachi in Zeitlupe in die jeweilige Richtung, während seine Gegner nahezu bewegungslos verharren. Während des Sprungs gilt es, schnell das Zielkreuz auf den nächsten Fiesnick zu richten und ihn dann nachhaltig aufzufordern, von seinem digitalen Leben zu lassen.

Mit einiger Übung kann man auf diese Weise recht schnell dafür Sorge tragen, daß man von einer Ein-Mann-Minderheitenpartei zur absoluten Mehrheit mutiert. Uns gelang es jedenfalls, während eines einzigen Slo-Mo-Sprungs bis zu drei Gegner hintereinander zu erledigen. Darüber haben wir uns gefreut. Daneben gibt es noch weitere sehr beliebte Gadgets: Ramiro kann temporäre Schutzwesten einsacken und erhöht dadurch für einige Sekunden seine Haltbarkeit. Außerdem gibt es Extra-Kombo-Zähler, die originelle Kills besonders belohnen und Symbole für Extra-Zeit, innerhalb derer getötete Gegner mehr Punkte bringen als normalweise.

Besonders lustig sind kleine »Mini-Spielchen« zwischendurch wie der »Day of the living Dead«-Modus, bei dem innerhalb von einer Minute diverse Zombiegestalten aus allen Richtungen auf Ramiro zurennen und ihn dabei mit unterschiedlichsten Kanonen unter Feuer nehmen. Je mehr der nicht enden wollenden Gegnerschar der Spieler dann erledigt, desto großzügiger füllt sich sein virtuelles Konto. Außerdem macht die sinnfreie Rundum-Ballerei einfach Spaß. Daher unsere dringende Empfehlung:

Gönnt Euch zwischen den eigentlichen Missionen eine kleine Pause und aktiviert den Zombie-Modus, indem Ihr über einen der in jedem Level versteckten roten Totenköpfe latscht.

Das Waffenarsenal ist gleichfalls großzügig bemessen, denn jeder entleibte Gegner hinterlässt unterschiedliche Kanonen beziehungsweise Munition. Selbst bei wüsten Massenschießereien kommt so praktisch keine Munitionsknappheit auf. Hat Ramiro für eine Knarre kein Futter mehr, wechselt er selbstständig auf die nächste. Einziger Wermutstropfen: nicht alle Wummen eignen sich für jede Gelegenheit. Gehen Senor Cruize beispielsweise die Patronen für weittragende Flinten aus, wechselt er auf die Pumpgun oder kleinere Handfeuerwaffen. Das bedeutet aber bei erhöhtem Gegneraufkommen, daß ihm die bösen Jungs gefährlich nahe kommen, weil seine Ballermänner nicht so weit tragen.

Ein klärender Blick auf den Munitionsvorrat tut deshalb Not, damit El Ballerero sich gegebenenfalls ein wenig zurückziehen kann. Ansonsten müßte er nämlich mit Wattebällchen werfen. Diese Vorstellung ist zwar einigermaßen amüsant, würde aber nicht die gewünschten Resultate erzeugen.

Die Sache mit den Hühnern
Wie für ein Spiel dieses Genres üblich, strotzt »Total Overdose« nur so vor schwarzem Humor. Da sind zum einen die zahlreichen Hühnchen,

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die dem geneigten Spieler im Laufe der Handlung immer wieder vor die Flinte laufen. Natürlich sollte man die armen Tierchen nicht einfach abknallen, denn sie haben einem ja nichts getan. Und natürlich macht es auch überhaupt keinen Spaß, sich am Anblick von Federvieh zu erfreuen, das mit einem Schuß in Gehacktes verwandelt wird. Nein, so etwas würden wir niemals tun. Herzallerliebst sind vor allen Dingen die trockenen Kommentare, die der Held immer wieder mal zwischendurch raushaut. Und wenn Ramiro mal ein paar Sekündchen auf der Stelle verharrt, langweilt er sich und kratzt sich wiederholt am Gemächt.

Sicherlich ist diese Art von prolligem Humor nicht jedermanns Sache; wer aber Filme von Robert Rodriguez und Quentin Tarrantino liebt, der wird sich auch an der dezent hemdsärmligen Präsentation von »Total Overdose« nicht stören. Im Gegenteil: der Blut- und Humorfaktor ist derart übertrieben, daß die Gewaltdarstellung einer Karikatur gleichkommt. Auch dies erinnert stark an Filme wie »El Mariachi«. Dennoch gehört das Spiel fraglos nicht in Kinderhände. Die USK hat dem Titel keine Jugendfreigabe erteilt, insofern können und sollten nur volljährige Spieler in den Genuß der schrägen Ballerorgie kommen. So interessant und spannend sich »Total Overdose« in spielerischer Hinsicht präsentiert, so zwiespältig zeigt sich allerdings die grafische Umsetzung des Spiels.

Die erinnert auf der PS2-Version stark an das angestaubte »GTA III«, Kanten und verwaschene Texturen inklusive. Das ist insofern schade, als dass gerade die PS 2 hier deutlich mehr leisten könnte.Die Gesichter der Figuren sind sehr grob texturiert, und die Farben wirken ein wenig ausgebleicht.

Die Sounds hingegen sind weitgehend stimmig, besonders die mexikanisch angehauchte Showdown-Musik trägt ihren Teil zur gelungenen Stimmung bei. Die Smart-Ass-Comments der Hauptfigur haben wir ja schon hinlänglich gelobt; hier hätte es sogar gerne noch ein wenig mehr sein dürfen.

Wer »GTA San Andreas« schon zum dreihundertsten Mal durchgespielt hat und unter akutem Drive-and-Shoot-Entzug leidet, sollte sich »Total Overdose« unbedingt einmal näher ansehen. Und wer überdies auf grob überzeichnete Gewaltdarstellung im Latinolook à la Robert Rodriguez steht, für den gibt es derzeit kaum eine bessere Wahl, als dieses Spiel zu kaufen. Alle anderen volljährigen Zocker sollten vor der Anschaffung allerdings erst einmal Probe zocken. Und Minderjährige? Die müssen leider draußen bleiben…Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Cooler Sound & Musik + Total krass korrekt Gangstafeeling, alta! + Zahlreiche Kombos und Moves

Contra:
- Zum Teil sehr schwierig - Veraltete GrafikPro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Cooler Sound & Musik + Total krass korrekt Gangstafeeling, alta! + Zahlreiche Kombos und Moves

Contra:
- Zum Teil sehr schwierig - Veraltete Grafik